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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ramoxifen



zahnmedizina
30.10.2007, 15:32
HI!

Raloxifen hat ja als SERM ein interessantes Wirkprofil:
Es reduziert Mammacarcinomrisiko um 50 %
Endometriumkarzinom bleibt unverändert
wirksam bei Osteoporose
Klimakteriumbeschwerden.

Dem entgegen steht ein erhöhtes Thrombose und kardiovaskuläres Risiko.

Raloxifen wird ja noch nicht breit angewand, und schon gar nicht als Präventionsmittel für Mamma CA. Bei den Daten jedoch könnte man ja eigentlich nahezu jeder Frau in der postmenopause bzw zumindest denen mit erhöhtem Mamma Ca Risiko dazu raten, da ja eine Reduktion um 50 % bei doch recht hohen Inzidenzen doch recht relevant ist. Die Nebenwirkungen sollten durch den doch erheblichen Nutzen mehr als ausgeglichen werden.
Also Frage was ist eure Meinung...kann man Raloxifen bereits breit anwenden?
Klar in den Leitlinien hat es noch keinen Eingang gefunden, und das wird auch noch etliche Jahre dauern aber bei so eindeutigen positiven Ergebnissen ist dann die Frage ob man immer so lang warten muss.

Huepftigger
30.10.2007, 15:44
Nur wegen eines erhöhten Risikos bzw. der Postmenopause würde ich niemanden mit Medis vollkippen. Wär ja fast so, als würd ich jetzt jedem Raucher die Kippe aus dem Mund reißen oder gleich prophylaktisch Bypässe an allen möglichen Stellen verpassen...

Flemingulus
30.10.2007, 15:54
Raloxifen heißt das Mittelchen.



Ramoxifen hat ja als SERM ein interessantes Wirkprofil:
Es reduziert Mammacarcinomrisiko um 50 %
Endometriumkarzinom bleibt unverändert
wirksam bei Osteoporose
Klimakteriumbeschwerden.

Dem entgegen steht ein erhöhtes Thrombose und kardiovaskuläres Risiko.


Naja bei Klimakterischen Beschwerden ist es m. W. so lala Wirksam.
Bei Osteoporose ist es Bisphosphonaten unterlegen (zumindest bei Nicht-verebralen Frakturen).
Dafür scheint es was das kardiovaskuläre Risiko angeht (auf den arteriellen Schenkel bezogen) eher günstige Effekte zu haben (auf den venösen Schenkel bezogen - TVT- ist das Risiko wohl höher).

Insgesamt ist das Bild also ziemlich komplex. Aber das entscheidende ist: es gibt zwar Hinweise, dass die Inzidenz von Mamma-Ca's im Einnahmezeitraum reduziert wird, aber es gibt keine guten Daten zur Mortalität an Mamma-Ca's und zur Gesamtmortalität. Es könnte ja durchaus sein, dass es unter Raloxifen zwar weniger Mamma-Ca's gibt, die wenigen aber dafür aggressiver sind. Und die Reduktion der Ca-Inzidenz könnte im ganz pessimistischen Fall ja auch dadurch erklärt werden, dass die Karzinome einfach schlechter diagnostiziert werden. Man müsste also sehen, ob bei jahrzentelanger Einnahme immer noch ein Benefit resultiert. Und dann stellt sich die Frage nach dem Gesamtrisiko: stirbt man vielleicht nicht mehr am Mamma-Ca aber dafür an der TVT? Und schließlich: was passiert wenn man das Mittel nach etlichen Jahren absetzt?

Solange dass alles nicht klar ist, wäre eine Empfehlung zur Primärprophylaxe mit Raloxifen ziemlich unverantwortlich.

zahnmedizina
30.10.2007, 19:28
danke für die antworten....
ich finde es spannend selber mal kritisch zu überlegen und zu diskutieren als immer nur stur die leitlinien nachzuahmen.

anscheinend konnte die anfangs behauptete postive wirkung auf das kardiovaskuläre risiko nicht bestätigt werden und es tritt sogar eine negative beeinflussung auf.

dass bisphosphonate stärker wirksam sind ist mir eh klar...
und dass die klimakterischen beschwerden auch nicht 100 % weg sind is mir auch klar...

mich verlockte eher die kombination....wenn man 50 % mamma ca risiko reduziert....gleichzeitig noch ein bisschen was für den knochen tut und die klimakterischen beschwerden auch noch bessert....was gibts besseres für die postmenopausale frau mit positiver mamma ca anamnese.

deswegen wollt ich ja mal die nebenwirkungen abwiegen:
klar langzeitdaten gibt es keine, weshalb seltene nw nicht entgültig geklärt sind. Jedoch wenn dadurch wirklich mamma ca riskio um 50 (!!) % gesenkt werden kann und das doch bei einer Erkrankung mit hoher Inzidenz sind selbst mögliche seltene NW kein Grund per se davon abzusehen.
Außerdem liegen anscheinend längere Daten zum Verwandten Tamoxifen vor, bei denen das kardiovaskuläre Risiko anscheinend auch nicht dramatisch erhöht ist, weshalb es sich bei Raloxifen auch eher um eine mässige Erhöhung, die evtl. in einer guten Relation zum deutlich reduzierten Mamma Ca liegt.

Was natürlich stimmt und was mich auch überzeugt ist was du sagst über Langzeitmortalität, was passiert nach dem Absetzen (holt man dann das alles wieder auf), ...

Gleichzeitig frage ich mich...muss man bei Präperaten die doch einen so deutlichen Nutzen haben könnten immer warten bis 10 Jahresdaten vorliegen? Könnten inzwischen nicht einige familär deutlich vorbelastete frauen profitieren?

würde mich über weitere meinungen freuen.

@flemingus ah ja raloxifen hehehe ich wusst ich hätt zur sicherheit nochmal nachsehen sollen :)