Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizin das Richtige?
Christoph_A
26.11.2007, 11:54
Naja, die Arbeitsbelastung hat sich durch den Streik ja nun nicht grade wesentlich verbessert, was aber nur bedingt ein Streikproblem darstellt. Klar, die Dienste sind durch die 12h Schichten, die wir jetzt darin fahren kürzer geworden, allerdings hat, insbesondere bei den Wochenendtagschichten die Arbeitsbelastung zugenommen, da oft bis zu 6 elektive Patienten zusätzlich zu den "normalen" Notfällen einbestellt werden. Und ein weiterer, negativer Nebeneffekt ist die Tatsache, daß viele Stellen aus Kostengründen nur sehr zögerlich nachbesetzt werden. Ab 1.1. werden uns z.B. 4 Assis fehlen, aber bis heute ist noch kein Neuer dafür eingestellt worden. Ist insbesondere für den 1. Dienst ( bei jetzt dann fehlenden 3 Erstdienstlern ) auch nicht grade arbeitsentlastend.
Na wenigstens bei Feuerblick alles roger :-top
War heute wieder mit einem Freund einkaufen. Der wohnt mit seiner Schwester inner WG, welche uns dazu verdonnert hat, da sie seit 2 Wochen nicht dazu kam... Die arbeitet auf der Inneren, hat im Monat max. 4 Tage frei, geht um kurz vor 7 Uhr ausm Haus und kommt ca. 12, manchmal erst 14h später wieder heim. Sowas ist halt echt mal krank...
rate mal
26.11.2007, 12:23
.... Die arbeitet auf der Inneren, hat im Monat max. 4 Tage frei, ... .Poste mal den Namen dieser Klinik. Ich garantier Dir, dass die Schwester Deines Freundes dann bald mehr als 4 Tage pro Monat frei haben wird.
alley_cat75
26.11.2007, 12:35
Hallo NoDoc,
ja, leider gibt es viele unzufriedene Kollegen. Viele von denen jammern sicherlich auch zu Recht, aber viele jammern halt auch nicht. :-nix Ich denke, Du wirst in jeder Branche Leute finden, die im nächsten Leben etwas ganz anderes machen würden; und Leute, die den Job immer wieder machen würden. Meine Empfehlung: treffe Deine Lebensentscheidung nicht aufgrund von Aussagen anderer Leute. Mache Deine eigenen Erfahrungen. Nicht jeder Arzt sitzt heulend in der Ecke, weil ihm die Arbeit bis zum Hals steht. Fakt ist, dass man als Mediziner derzeit und auch in Zukunft mit die besten und sichersten Anstellungschancen hat. Und wenn Du deutsche Arbeitsbedinungen nicht akzeptabel findest, bleibt immer noch das Ausland.
Poste mal den Namen dieser Klinik. Ich garantier Dir, dass die Schwester Deines Freundes dann bald mehr als 4 Tage pro Monat frei haben wird.
Uni-Klinikum Regensburg. In welchem Bereich der Inneren weiß ich nicht. Das ist da alles aufgeteilt.
*judithdaumendrück* :-top
@ alley: ich weiß, das Ausland juckt, aber wie gesagt: in der Hinsicht bin ich tatsächlich (trotz ausländischer Abstammung) doch etwas prüde. Bin halt so ein deutscher Michel :-blush
MatzeXXL
26.11.2007, 16:16
Ja, anscheinend haben eben manche Pech und manche nicht. Aber die Verteilung scheint sehr viel ungünstiger zu sein als in anderen Berufen. Ich denke, daß hängt vor allem damit zusammen, daß es in der Medizin darum geht, einen hohen Durchsatz zu haben und weniger darum, über eine lange Zeitspanne hinweg z.B. ein gutes Produkt zu entwickeln. Für sowas geben Formen den Leuten Zeit und gute Arbeitsbedingungen.
Meine Meinung ist: Im Krankenhaus geht es schon ne ganze Ecke härter zu als in der übrigen Arbeitswelt und man muss länger suchen, bis man was akzeptables findet.
alley, ich kann dir leider keine pn schicken, daher hier die Frage: Du hast mal gepostet, daß du keine Mittagspause machen kannst, warum ist das so? Mit wie vielen Kollegen arbeitest du zur Normalzeit (von 8-17.30 Uhr oder wie auch immer), oder bist du allein auf Station?
Kannst mir auch gern eine pn schicken.
Nodoc, kennst du nur solche verzweifelten Ärzte, oder gibts da auch Positives zu berichten?
Gruß, Matze
alley_cat75
26.11.2007, 18:56
Echt? Wann habe ich das geschrieben? :-oopss Ich arbeite von 7.30 - 16.00 Uhr und gehöre zu der seltenen Spezies, die dann auch tatsächlich gehen kann. Mittagspause klappt nicht immer, aber 15 Min Frühstück mit den Schwestern immer. Heute war ich sogar 30 Min Mittag essen. Unsere Stationen sind sehr gut besetzt. Wir sind 3 Stationsärzte + Oberarzt auf jeder Station. Oberärzte arbeiten mit, d. h. nehmen Patienten auf und diktieren Briefe, wenn es hoch hergeht. Als ich anfing und meine Kollegen im Urlaub waren bzw. Z. n. Dienst, hat mein OA jeden Tag mit mir Visite zusammen gemacht. Nein, ich kann mich wirklich nicht beklagen und daher kann ich jedem nur zum Studium raten. Es macht Spaß und der Job noch viel mehr. :-meinung
MatzeXXL
26.11.2007, 20:51
Zu viert gleichzeitig auf Station ist in der Tat nicht schlecht, wenns denn nicht 60 Betten sind. Nicht schlecht.
Nodoc, wenn du dir vorstellst, daß du so eine Stelle bekommen könntest, ändert das deine negative Stimmung? Ich meine: Solche Stellen gibts, dann schau doch, daß du später nicht an eine Uni gehst.
sowas lässt natürlich hoffen. war heute schon dabei meinen zvsantrag auf zahni umzuschreiben. ich könnt k****... is halt echt so krass: ich krieg 100 mal gesagt: lass es bleiben! und dann kommt eine(r), sagt bei ihm(ihr) is alles paletti und schon kommen wieder diese kopfschmerzen... :-/
MatzeXXL
26.11.2007, 21:38
Wenn dir Zahnmedizin genauso zusagen würde. Es ist halt schon sehr anders:
-keine Notfälle, sprich weniger Stress, keine (wenig?) Dienste
-du bist dazu gezwungen, "operativ" tätig zu sein, d.h. sowas wie Hautarzt oder konservativ behandelnder Augenarzt (Praxis), die dann einfach untersuchen und was verschreiben, ist nicht möglich. Wenn dir das Bohren und so weiter nix ausmacht ist das kein Thema
-höchstwahrscheinlich besserer Verdienst und geringere Arbeitszeiten
Wenn du wirklich Arzt sein willst, und es dir weniger um richtige Krankheiten geht, sondern darum, als Arzt mit Menschen zusammenzuarbeiten und ihnen zu helfen ist das ne gute Lösung. Wenn du aber eher denkst, du kannst Stress ab, willst Differentialdiagnosen stellen und auch Notfälle erleben, wird dir Zahnmedizin nicht so viel geben.
Geh in dich und überlege, was dir am Wichtigsten ist.
Jop, genauso hab ich mir das auch gedacht. An sich würde mir Allgemeinmedizin am meisten zusagen. Durch den EBM 2008 solls aber anscheinend nimmer so toll aussehn für den Hausarzt im ursprünglichen Sinne. Wie siehts eigentlich mit MVZs aus? Hat sowas Zukunft? Wie sieht die Arbeit dort aus?
Monas_Pseudo
26.11.2007, 22:47
Im Jahr 2020, wenn Du frühestens Deinen Facharzt gemacht haben wirst, wird es
garantiert keinen EBM 2008 mehr geben. ;-)
Grüße! :-)
Das is die Motivation, die ich brauche! 2007 die prognose: 2020 biste vllt fertig
:-top Klar, der im speziellen wird mich nichtmehr betreffen aber ich denke er zeigt ne gewisse Tendenz. Wird es denn in Zukunft erschwert, sich niederzulassen? Hab da mal was in nem Artikel im Inet gelesen. Genaue Quelle kann ich jetzt leider nicht nennen, sry.
MatzeXXL
27.11.2007, 13:28
Naja, ein MVZ ist in etwa sowas wie eine oder mehrere Gemeinschaftspraxis/-praxen mit mehreren Ärzte verschiedener Fachrichtungen (im Gegensatz zur Gemeinschaftspraxis, in der nur Ärzte gleicher und ähnlicher Fachrichtung arbeiten).
Man arbeitet miteinander, nimmt so dem Krankenhaus leichter heilbare Fälle ab und kooperiert mit den KHs.
Ne Praxengemeinschaft ist sicher auch nicht schlecht, hier arbeiten Gemeinschafts- und Einzelpraxen zusammen.
Infos zu MVZ und Praxisformen hier:
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/ao.asp?id=44828
Mit ein paar Kollegen arbeiten stelle ich mir auch besser vor als alleine. Es gibt geregelte Arbeitszeiten und du hast nicht den Druck der Selbstständigkeit, da du im MVZ angestellt bist.
Danke dir Matze! Ich sehe, du bist schon sehr lange hier registriert, informierst dich aber immernoch genauso sehr wie ich. Wann soll´s denn bei dir losgehen? Ich bin mir jetzt ziemlich sicher, dass ich wohl Zahnmedizin machen werde. Grund dafür ist wohl auch, dass ich Wert auf ein relativ geregeltes Arbeitsleben lege. Auch nicht minder entscheidungsbeeinflussend ist die doch sehr lange Ausbildungszeit. Mein Ziel wäre es tatsächlich in einer eigenen Praxis zu arbeiten. Das ist allerdings nur mit einer abgeschlossenen Facharztausbildung möglich. Wenn ich mir das dann überlege 5-6 Jahre Krankenhaus (klar, geht auch vorbei), was für mich wirklich alles andere als reizvoll wäre... Wobei natürlich Orthopädie oder Hausarzt schon top wäre! Wohl eher Orthopädie (einfach klasse als Sportfanatiker!). Für mich macht das den Eindruck wie für Schulanfänger: in der 2ten Klasse ans Abitur denken. Das nagt doch sehr an der Motivation. Is schon klar, das Studium macht bestimmt Spaß und ist total interessant aber wie gesagt: 6 Jahre Krankenhaus danach ... derweil bin ich 34 bis ich mein Ziel erreicht hätte. Mal schaun, was sich bei der ZVS bzgl. Zahnmed tut.
Lg euer (noch) NoDoc :-top
EDIT: Also Matze, ich hab mir etz auch ein paar deiner Threats durchgelesen. Mein Threat ging von Anfang an gesehen eigtl. auch eher in die Richtung, doch haben mir einige Beiträge hier auch ein wenig die Augen geöffnet. Auch habe ich auch mal so ein wenig nachgedacht. Schau dich nur einmal in deiner Umgebung um. Ich für meinen Teil kenne eigtl. keine Akademiker, die um 16 Uhr nach Hause kommen und dann ihre Ruhe haben. Auch Lehrer haben es nicht so leicht wie es auf dem ersten Blick aussieht. Mein Bruder ist einer und muss jede Stunde, die er gibt etwa eine Stunde lang vor- und eine Stunde nachbereiten. Mit G8 hat´s die auch sehr getroffen. Damit muss man sich nunmal abfinden. Die sorglose Schulzeit ist vorbei. Und dennoch: auch die bevorstehende Zeit hat ihr positives. :-) Auch habe ich öfters bei meinem Dad in der Firma gearbeitet (Stahlverarbeitung - echter Männerjob, harrharr) und da sind die Arbeitsbedingungen sehr viel schlechter als ich sie z.B. während meiner Zivizeit im Krankenhaus empfunden habe. 168 CNC-Maschinen, 45°C durch die Backöfen in der Härterei, ölbelastete Luft usw. (dort wird übrigens auch im 3-Schichtsystem gearbeitet). Und was die Dienste usw. angeht: ich hab schon oft Frühschicht/Spätschicht/Nachtschicht gearbeitet. Da gewöhnst du dich auch dran! Bei uns auf der Station damals hat der Assistenzarzt nicht so viel zu tun gehabt und hatte er mal Langeweile hat er das Untersuchungszimmer aufgeräumt und Ähnliches. Und auch ein Tipp von mir: die Medien werden nicht umsonst oft als 4tes Machtorgan neben Exekutive/Legislative/Judikative genannt. Die in ihnen geschilderten Fakten sind oft überzogen. Schließlich interessiert das Volk nur der Skandal.
Ich habe auch sehr sehr viel gelesen im Inet und hab mich fast verrückt gemacht! Das ist ein riesen Fehler. Machs wie ich: geh ein Stündle laufen, nimm ne heiße Dusche, trink nen warmen Tee und wenn du dann einen klaren Kopf hast überleg dir nochmal für dich selbst, wieso du dich eigtl damals so sehr für ein Medizinstudium interessiert hast und wieso du mit aller Gewalt nach positiven Nachrichten suchst. Denn nur das zählt.
So, und nun ist mein "EDIT" sogar um einiges länger als der eigtl Post :-wow
Eines will ich noch anmerken: Danke an die Comm für die Hilfe, hat mir die Augen geöffnet!
MatzeXXL
27.11.2007, 16:56
Was hat dir denn die Augen geöffnet? Die Reaktion auf das Statement, daß es im KH so megaschlimm ist in der Form, daß es doch woanders auch schlimm ist?
Dein Beispiel von der Stahlindustrie ist ja schön und gut, allerdings ist das ein Knochenjob und der Lehrerjob ist ganz klar auch nicht ohne. Wenn du an Jobs wie Ingenieur, Betriebswirt etc denkst gibt es ganz klar viele Positionen, in denen es mit max. 50h/Woche ohne Nachtarbeit getan ist. Man könnte jetzt sagen "Jaja, die BWLer, von Praktikum zu Praktikum!", aber so ist es nicht. Es gibt tonnenweise Stellenangebote und ich habe auch mitbekommen, daß es da sehr gut aussieht. Und ich kenne auch aus eigener Erfahrung Positionen für Akademiker in der Industrie, in denen ganz geregelte Arbeitszeiten mit netter Teamatmosphäre und gelegentlichen Überstunden getan ist. Und das war eher die Regel als die Ausnahme.
Es ist halt ein anderes Arbeiten, wenn das eigene Arbeiten von aussen abhängig ist (z.B. von kranken Menschen, die unvermittelt nachts ins KH müssen) als wenn man im Team eine Marketingstrategie für die brandneue Zahnpasta entwickelt (hey, ein alternatives Berufsfeld für Zahnis ;-) ). Da geht man halt mal früher nach Hause oder kommt später und gleicht das dann irgendwann aus.
Ich sage jetzt nicht, daß bei BWL/Maschinenbau etc. alles super ist. Aber ich denke, es ist einfach ein ganz anderes Arbeiten. Es sind Jobs, bei dem man mal durchschnaufen kann, mit weniger ausgeprägten Hierarchien und Verantwortung, zumindest mit einer ganz anderen. Das ist halt schade. Medizin kommt mir so extrem vor, aber ist im Gegenzug halt superinteressant. Man muss halt wissen, auf was man sich einlässt, und das versuche ich herauszufinden
Aber wenn du mit Zahnmedizin zufrieden bist, bist du diese Probleme einigermassen los.
Du meinst in deinem letzten Post, daß der Assistenzarzt öfters fast nix zu tun hatte. Bei deinem ersten Post hörte sich das wesentlich schlimmer an. Nur mal so angemerkt ;-)
Mit den Medien hast du sicher recht, es wird auch zur Sensationsmache einiges überspitzt dargestellt.
yep, da haste recht. die im anfangspost geschilderten situationen waren aber nicht durch den nachtdienst/unregelmäßige arbeitszeiten verursacht (welche du ja in einem deiner threats so schlimm findest), sondern durch andere faktoren. diese waren allerdings hausintern verursacht, also eher struktureller natur. deine probleme sind allerdings welche, die einfach der beruf arzt mit sich bringt. ich selbst hatte als kind immer kruppanfälle. da kannste (zum glück) als arzt net sagen: ich schlaf grad so schön, komm morgen wieder! außerdem wüßte ich etz keine niedergelassenen augenärzte/orthopäden/etc, welche sich mit nachtschichten etc rumschlagen müssten. außerdem habe ich nicht gesagt, dass er nichts zu tun hatte, sondern nur, dass er in der nachtschicht nicht durchgängig am ackern war, wie es auch z.b. in den medien dargestellt wird.
die für mich relevanten fragen richten sich also weniger nach der dauer eines arbeitstages, sondern einfach um sämtliche stressfaktoren, die die arbeit heutzutage unattraktiv(er) machen. auch z.b. ob es denn für niedergelassene ärzte bei den neuen budgetierungen usw. eigtl noch zukunft gibt.
was jetzt berufe in der freien wirtschaft angeht: täusch dich da mal nicht! ich wollte keinen ingenieur-beruf! der leistungsdruck steigt nicht nur in medizinischen fächern, sondern allgemein. und wenn du das fach an sich so interessant findest, kannst du´s ja studieren und dann in die forschung gehen oder so. nur für mich speziell steht nur fest, dass es nichts wäre. ich würde gerne mit patienten an sich arbeiten, sie kurieren usw., nicht im labor stehen... nur mal so am rande: hab aus interesse biochemie studiert! 2 semester. mit lernen, laborarbeit, vorlesungen etc. kam ich auch auf 55h pro woche. that´s life. war auch interessant, aber wie gesagt: ich bin kein labortyp.
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