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Ehemaliger User 05022011
10.04.2010, 09:15
sorry - doppelt

Ehemaliger User 05022011
10.04.2010, 09:19
Das ist ja das Problem, wie sicher kann man sich denn sein, dass etwas "wirklich nichts" ist?

Schließt sich da nun nicht aber der Kreis ? Wenn der Arzt sich schon nicht scher sein kann, wie soll es dann die Leute sein, die sicher einfach einfach meist nur beunruhigt sind, dass es was "schlimmes" sein könnte, was man lieber gleich behandeln soll, damit es nicht noch "schlimmer" wird. (Mein Auge ist heute auch schon wieder o.K., aber gestern morgen dachte ich, geh lieber noch zum Arzt und lass dir was aufschreiben, dass Wochenende steht vor der Tür und man weiß ja nie, wie sich so eine beginnende Entzündung da entwickelt - begeistert war die Schwester bei der Aufnahme auch nicht, dass da noch jemand ohne Termin kommt und dich war nach der Untersuchung froh, dass es offensichtlich nichts ernstes ist)

Espressa
10.04.2010, 09:38
Schließt sich da nun nicht aber der Kreis ? Wenn der Arzt sich schon nicht scher sein kann, wie soll es dann die Leute sein, die sicher einfach einfach meist nur beunruhigt sind, dass es was "schlimmes" sein könnte, was man lieber gleich behandeln soll, damit es nicht noch "schlimmer" wird.

Nun ja, normalerweise hat man als Individuum ja schon ein gewisses Körpergefühl. Man kennt auch gewisse Unpässlichkeiten, und diese müssen erstmal eine neue und intensive Form gewinnen, damit man damit zum Arzt geht. Als Patient muss man das eben doch spüren.

Als Arzt sollte man ja davon ausgehen können, dass der Mensch, der zum Arzt kommt, offensichtlich etwas derart neues und beunruhigendes an sich bemerkt, dass er Behandlung braucht. Und deshalb auch nicht wieder weggeschickt werden kann.
Als Arzt kann man nicht davon ausgehen, dass Patienten zum Spass oder aus purer Blödheit kommen, und deshalb im Vorfeld schon aussieben.
Und wenn es so ist, muss sich auf der Patientenseite was ändern (Fach "Gesundheit" in der Schule oder sowas, wenn man es von den Eltern schon nicht lernt) und nicht bei den Ärzten.

Ein rotes Auge vor dem WE angeschaut haben wollen ist auch ok, nicht ok wäre es, damit am Samstag 23:00 Uhr jemanden zu belästigen.

dreamchaser
10.04.2010, 09:42
Ich lasse die Leute nicht draussen sitzen. Sie dürfen gerne reinkommen, werden kurz anamnestiziert und untersucht - dabei wird schon triagiert, wer stationär bleibt, wer von denen dringend behandelt wird und wer geduldig warten kann. Wenn jemand mit etwas Bauchschmerzen kommt, dann bekommt der sein Pantozol etc. und muss eben auf die Laborwerte warten (das dauert eben ne Weile, aber nur damit kann ich ausschliessen, dass es nicht doch eine Pankreatitis etc. ist). Wenn was dringendes dazwischen kommt, dann müssen die mit blandem Labor eben noch ne Weile auf ihre Entlassung warten. Damit beugt man dem schonmal vor, dass jemand nachts ins KH kommt, weil man da ja sofort drankommt.
Was ich persönlich unnötig finde: jemand geht mit einem Infekt zum Ärztlichen Notdienst, dieser schreibt ein Antibiotikum auf. Das AB wird erst am Abend aus der Notapotheke geholt, eine Tablette eingenommen (manchmal aber nicht mal das) und dann eine Stunde später ins Krankenhaus gefahren, weil es ja noch nicht besser wurde. Diese Menschen wurden ja schon von einem Arzt gesehen und untersucht - da weise ich auch mal darauf hin, dass es mehr als eine Stunde und mehr als eine einmalige Einnahme vom AB braucht, bis es besser wird. Vor allem, wenn jemand nachts zur Notaufnahme gelaufen kommt, dann kann es noch nicht soo fürchterlich sein.
Bei akuten Beschwerden sage ich auch gar nichts - wenn jemand mit seit Tagen bestehenden Schmerzen kommt, frage ich freundlich nach, was denn der Hausarzt dazu gesagt hat. Wenn jemand beim HA war, dann ist das was anderes, als wenn dann die Aussage kommt, das jemand nicht beim HA war wegen Arbeit, einkaufen oder ähnlichem. Oder jemand, der abends um 22 Uhr kommt mit seit Monaten bestehenden, gleichbleibenden Beschwerden, weshalb es schon bei 3 Ärzten war und jetzt wollte er sich eben noch eine Meinung abholen. Da verweise ich auf die ambulanten Untersuchungen, die zum Teil schon geplant wurden.

Kackbratze
10.04.2010, 09:57
Manchmal müssen die Patienten warten, wenn der Diensthabende im OP steht. Und wenn die dann nach 2h rummeckern und nach 2 1/2h das Krankenhaus wieder verlassen, ist eigentlich klar, was Sache ist...

clumsy_smurf
10.04.2010, 10:20
Wer nachts wegen Pillepalle in den Notdienst kommt, sollte erstmal zahlen. Und nach Kurzbericht (mit dem kleinen Nachsatz: "nicht notfallmäßig") an die Kasse sollte dann dort entschieden werden, ob diese die Kosten erstattet. Das wär's doch. Wenn man den Leuten erstmal das Geld abknöpft, kommen Zweifel an der Notwendigkeit eher, würde ich sagen. :-meinung

:-dafür
Zwei kleine Kästchen auf dem Notfallschein, Notfallbehandlung indiziert/nicht indiziert .. und dann weiter an die Krankenkassen.

Bei uns taucht wiederkehrend ein junger Mann mit Migrationshintergrund auf, der scheinbar die Freitag- und Samstagnachtbehandlung mit dem Hausarzt verwechselt, seine geschilderte Beschwerdesymptomatik wechselt vom Ober- in den Unterbauch und teilweise kam er jedes WE. Fazit es sollte immer Blut abgenommen werden, eine Krankschreibung ausgestellt werden, keine weitere Behandlung aber bitte etwas gegen Schmerzen- und/oder zur Beruhigung verordnet werden. Jede Nacht die gleichen Diskussionen mit Androhung einer Klage, eine Kollegin behandelte ihn dann das 2.Mal und sprach Klartext. Führt aber leider nur dazu, dass alle Krankenkassenkarten der männlichen Verwandtschaft herhalten mußten, bis dann endlich alle Kollegen ihn kannten und schlußendlich auch der Krankenkasse der Kartenmissbrauch gemeldet wurde.

Man kommt einfach nicht aus dem Kopfschütteln raus, insbesondere in der Altersklasse 20-30 Jährige ... mir zwickt es hier und schon seit 4 Tagen ... ich habe Durchfall seit heute mittag ... ich habe Kopfschmerzen kann also morgen nicht arbeiten ... mein allerliebstes ich hatte das Gefühl der Hausarzt hat nicht richtig geguckt, dass sollten sie nochmal kontrollieren (bei bereits antibiotisch behandeltem Harnwegsinfekt)

dreamchaser
10.04.2010, 10:38
Ich denke, es gibt keine gute Lösung. Denn mit der Drohung, dass die Kosten selbst getragen werden müssen verschreckt man die Leute auch.
Bei mir hat in einem der letzten Dienste ein Mann Mitte 40 mit seiner Ehefrau an der Notaufnahme geklingelt, die Frau meinte ihrem Mann ginge es nicht so gut. Der Mann gibt an, es drücke etwas in der Brust. Wir ihn also reingenommen, EKG geschrieben --> STEMI. Nach 20 mg Morphin war er immer noch nicht beschwerdefrei. Die Ehefrau, der ich dann auch erklärt habe was Sache ist, hat dann noch gemeint, sie habe nicht gewusst, ob sie den Rettungsdienst anrufen soll, sie wohnen ja gleich um die Ecke. Sie haben eben gewartet (immerhin 3 Stunden seit Beschwerdebeginn), als es nicht besser wurde habe sie ihn dann ins KH gefahren.
Die einzige Möglichkeit ist, wie schon zuvor aus Holland beschrieben, dass ein Allgemeinmediziner/Arzt eine Vorsichtung betreibt und dann einweist, wenn er es für notwendig hält. Das Problem hier ist, dass viele den Ärztlichen Notdienst gar nicht kennen und sofort ins KH kommen. Vielleicht würde es helfen, wenn man entsprechende Flyer in den Arztpraxen auslegt.

WackenDoc
10.04.2010, 11:20
Die Diskussion hatten wir hier doch schon mal (bin grad zu faul den Link zum entsprechenden Thread rauszusuchen)- führt aber zu nix.
Gibt halt Leute, die meinen Muskelkater nach Sport wäre was Lebensbedrohliches und solche, die sich bei übelsten Myokardinfarkt still in´s Wartezimmer setzen, weil sie keinen belästigen wollen.

Ist halt unsere Kunst, diejenigen, die wirklich was akutes haben rauszufinden (ist gerade bei meiner Tätigkeit ganz spannend- auf 50 mit Befindlichkeitsstörung kommt einer, der richtig was hat).
Hab letztens auch einen gehabt, der sich nach zwei Tagen sypmtomatischer Therapie bei Erkältung wieder vorgestellt hat, weil es nicht weg war.(Ok, war nicht die Notaufnahme, aber so was haben wir immer wiedr)

Gibt halt viele, die 1. ein enormes Anspruchsdenken haben und 2. keine Ahnung von Vorgängen im Körper.

pieks
14.04.2010, 15:54
Manche Taktiken funktionieren in kleineren Städten:

zB. keine AU austellen im Notdienst.
Oder Medikamente nicht verschreiben sondern Dosen mitgeben, die übers Wochenende reichen und auf die Vorstellung beim Hausarzt verweisen.

Oder eben auch Warten lassen .. nachdem man sich vergewissert hat, dass der Patient nichts Lebensbedrohliches hat.

Das spricht sich dann rum in kleineren Städten, dass es sich "nicht lohnt" die Notfallambulanz bevorzugt nachts oder am Wochendende aufzusuchen.

In größeren Städten dürfte die "Erfolgsquote" (der Erziehungsmaßnahmen) eher gering sein





Aber in
Wie siehts mit "warten lassen Taktik" aus? Ist das machbar?
Also bspw. den Patienten der um 23:00h mit Juckreiz sonstwo oder irgendeinem Pillepalle Mist (wo sich sicher kein Infarkt oder Hirnödem hinter verbirgt) einfach bis morgens um 7:00 vor der Ambulanz hocken lassen bis man wenigstens ein paar Stunden pennen konnte?

Espressa
14.04.2010, 21:22
Das klappt leider nicht beim ambulanten Notdienst, da muss man auch Rezepte und AUs ausstellen. Gut dass die Notdienste "anonym" sind, also erst die Zentrale an den Arzt weitervermittelt - früher sollen anscheinend die Daten des diensthabenden Arztes ausgehängt gewesen sein bzw. in der Zeitung, da hätten Leute dann gelegentlich einen anderen Arzt "ausprobiert" - so schnell einfach ohne Termin hingehen im Notdienst.



Manche Taktiken funktionieren in kleineren Städten:

zB. keine AU austellen im Notdienst.
Oder Medikamente nicht verschreiben sondern Dosen mitgeben, die übers Wochenende reichen und auf die Vorstellung beim Hausarzt verweisen.

Oder eben auch Warten lassen .. nachdem man sich vergewissert hat, dass der Patient nichts Lebensbedrohliches hat.

Das spricht sich dann rum in kleineren Städten, dass es sich "nicht lohnt" die Notfallambulanz bevorzugt nachts oder am Wochendende aufzusuchen.

In größeren Städten dürfte die "Erfolgsquote" (der Erziehungsmaßnahmen) eher gering sein

Ophtalmoplegie
15.04.2010, 13:32
Also mit Medikamenten mach ichs generell so, dass es wirklich nur das gibt, was akut gebraucht wird.
Oftmals meinen die Mütter, wenn sie z.B. Dienstag 22 Uhr kommen, "ach, das reicht doch, wenn ich das Rezept morgen früh einlöse, oder?"
Dann gibts kein Rezept, sondern eben das ensprechende Medikament als Einzeldosis mit.
Entweder, es ist ein Notfall, dann braucht man das Medikament auch sofort oder es reicht eben die (dann hausärztliche) Verordnung am Folgetag.

Auch Sachen a lá "könnten Sie vielleicht noch gleich dieses oder jenes mit aufschreiben?" find ich ja immer recht dreist...

Reflex
18.04.2010, 10:21
Manche Taktiken funktionieren in kleineren Städten:

zB. keine AU austellen im Notdienst.
Oder Medikamente nicht verschreiben sondern Dosen mitgeben, die übers Wochenende reichen und auf die Vorstellung beim Hausarzt verweisen.

Oder eben auch Warten lassen .. nachdem man sich vergewissert hat, dass der Patient nichts Lebensbedrohliches hat.

Das spricht sich dann rum in kleineren Städten, dass es sich "nicht lohnt" die Notfallambulanz bevorzugt nachts oder am Wochendende aufzusuchen.

In größeren Städten dürfte die "Erfolgsquote" (der Erziehungsmaßnahmen) eher gering sein


In unserer Neurologie haben wir das große Problem, dass die ambulante niedergelassenen Neurologen so schlecht besetzt sind, dass die Patienten schon einmal zwischen 2 Monate und 6 Monate auf einen Termin warten müssen und dann regelmäßig verzweifelt in die Ambulanz kommen. Alles Dinge, die ambulant behandelt und meist auch nicht wirklich gravierend sind, aber doch extrem im stressigen Alltag nerven, weil wir als einzige Neurologie weit und breit sind und doch genügend mit wirklichen Notfällen zutun haben.

janni
20.04.2010, 12:37
In unserer Neurologie haben wir das große Problem, dass die ambulante niedergelassenen Neurologen so schlecht besetzt sind, dass die Patienten schon einmal zwischen 2 Monate und 6 Monate auf einen Termin warten müssen und dann regelmäßig verzweifelt in die Ambulanz kommen. Alles Dinge, die ambulant behandelt und meist auch nicht wirklich gravierend sind, aber doch extrem im stressigen Alltag nerven, weil wir als einzige Neurologie weit und breit sind und doch genügend mit wirklichen Notfällen zutun haben.

Genauso siehts bei uns auch aus... die neurologischen Praxen erzählen den Patienten auch noch dass sie doch zu uns in die Notaufnahme gehen sollen wenn's ihnen zu lang dauert. Und da kommen dann Patienten mit Kopfschmerzen seit 2 Jahren, Kribbeln im großen Zeh seit 6 Monate etc. Und Arbeit machen sie ja doch, man muss ja trotzdem Anamnese, Untersuchung und Entlassungsbrief für jeden machen. Das ist dann bei z.T. 13 neurologischen Patienten auf einmal in der Aufnahme nicht mehr so richtig lustig :-keks

Hellequin
20.04.2010, 13:17
Das selbe Problem haben wir hier auch. Insbesondere die Hausärzte versuchen die Pat. in die stationäre Versorgung zu drücken, notfalls halt mit falschen Einweisungsdiagnosen. Mittlerweile gibts Tage wo wir mehr Pat. in der NA sitzen haben als die Internisten. Der grösste Witz an der Sache ist ja das mehr Pat. nicht automatisch mehr Geld und mehr Personal bedeutet. Die Pat. die wir nur in der NA sehen, sind sowieso mehr oder weniger ein Zuschußgeschäft und wenn du jemand doch zur Abklärung aufnimmst, dann streichen die KK die Fallpauschalen mit dem Hinweis zusammen, das man das ja ohne Probleme ambulant abklären hätte können.

Muriel
20.04.2010, 13:36
Das Problem sind halt die langen Wartezeiten bei den Niedergelassenen. Für alles, was kein NF ist, ist die Wartezeit in unserer Praxis in etwa ein halbes Jahr, kurzfristige Termine für Beschwerden, die kein halbes Jahr, aber durchaus ein paar Tage warten können (sofern der Patient sie auch so schildern kann, dass man was damit anfangen kann am Telefon) gibt es innerhalb einer Woche. Ansonsten ist jeden Mittwoch Vormittag freie Sprechstunde, zu der man einfach so kommen kann, nur werden auch nur ca. 90 Leute dort angenommen, weil mehr für drei Personen in vier Stunden einfach nicht drin ist. Das ist schon ein gutes Angebot, das nicht viele Praxen haben. Tja, aber was mache ich, wenn ich tatsächlich ein halbes Jahr warten muss? Es gibt ja durchaus Beschwerden, die nervig sind, seit mehreren Monaten bestehen und zu deren Abklärung man sich dann endlich mal entschlossen hat (und ja, auch wenn der Satz "Aber jetzt ist es viel schlimmer geworden" nervt, so was gibt es ja tatsächlich ;-)) Ich verstehe durchaus, dass es dann ätzend ist, wenn man im April gesagt bekommt, dass man gerne am 4. November kommen dürfe. Was maht man da? Man geht in die Ambulanz des nächstgelegenen Krankenhauses, weil da ja immer offen ist. Für die KH-Ärzte zum kotzen, aber durchaus nachvollziehbar. Viel schlimmer finde ich es, wenn niedergelassene Kollegen im Notdienst bei Beschwerden, die Patienten schildern und die eindeutig auf Pillepalle hinweisen, denen sagen, sie sollten sich da am besten sofort im Krankenhaus vorstellen, das sei nichts für die Praxis. Das ist unverschämt und wurde leider schon ganz schön häufig so erlebt :-dagegen

dreamchaser
20.04.2010, 14:50
Gestern Nacht gegen 23:30 Uhr:
Junger männlicher Patient kommt mit Kribbeln in beiden Händen und in den Handinnenflächen fliessen Strom. Natürlich keinerlei Auffälligkeiten im Untersuchungsbefund und Labor,beschwerdefrei auf Tavor.
Die Beschwerden bei solchen Patienten bestehen ja meistens schon den ganzen Tag, aber sie können ja nicht zum Hausarzt gehen, weil sie ja arbeiten müssen. Dann geht man eben (aber erst nach de Abendessen, so spät wie die kommen) ins Krankenhaus.

Fino
20.04.2010, 15:08
[QUOTE=Muriel;890672Viel schlimmer finde ich es, wenn niedergelassene Kollegen im Notdienst bei Beschwerden, die Patienten schildern und die eindeutig auf Pillepalle hinweisen, denen sagen, sie sollten sich da am besten sofort im Krankenhaus vorstellen, das sei nichts für die Praxis. Das ist unverschämt und wurde leider schon ganz schön häufig so erlebt :-dagegen[/QUOTE]

Das Problem ist hier nur, dass es auch Leute gibt, die einem die Beschwerden so schildern, dass man denkt, es handle sich um "Pillepalle", sich dann aber auch schon mal herausstellt, dass es alles andere als Pillepalle ist. Das gilt, und das ist jetzt wirklich erschreckend, auch fuer Aerzte. Ich hatte mal einen Arzt aus der Notfallannahme am Telefon, der mir ueber ein Kind erzaehlte, es gehe ihm gut, alles Paletti, er wolle es nach Hause schicken und es mir als "paeds" nur erwaehnen. Da ich nicht wollte, dass es dann in der Akte heisst "discussed with paediatrics, they are happy for the child to go home" bat ich das Kind (es war im Nachtdienst) bei uns schnell vorbeizuschicken. Und was kommt...?

Ein 6 Monate altes Kind mit einer abenteuerlichen Tachypnoe und massiven Einziehungen beim Atmen. Das Kind wurde notfallmaessig aufgenommen und ueber Nacht engmaschig ueberwacht. Wenn dieses Kind zu Hause zusammengebrochen waere, hatte das durchaus mir angelastet werden koennen, wenn ich es nur nach Telefonberatung entlassen haette:-(

Leelaacoo
20.04.2010, 20:44
Ich rege mich über niemanden mehr auf (neues Mantra). Sollen sie alle kommen...aber ich behandle nach Prioritäten...ein "Kribbeln im großen Zeh seit 2 Jahren", welches um 22 Uhr reinschneit, wartet bis ich wirklich rein GARNICHTS mehr akuteres zu tun habe (und das kann bei 90 internistischen Patienten und 12 ITS- Betten halt dauern). Das sage ich vorher (schau mir den Mensch schon kurz an)...und verweise darauf..wenn der/die um 2 Uhr nachts beleidigend wird, gibts was zurück...sonst ists mir echt schnuppe...verschwende nicht noch mehr Lebenszeit fürs Aufregen...*ooohhhhmmmm*:-top

LG Lee (mal sehen, welcher Fall mein neues Mantra wieder zum Kippen bringt...)

Feuerblick
21.04.2010, 09:32
@Fino: Sinn des ärztlichen Notdienstes ist ja die Filterfunktion. Er ist eigentlich verpflichtet, jeden Patienten, der sich bei ihm meldet, zunächst einmal zu sichten und bei entsprechender Notwendigkeit an ein Krankenhaus zu verweisen. Das mag in pädiatrischer oder allgemeinmedizinischer Sache durchaus mal nicht ganz eindeutig sein, bei den Augenärzten ist es aber meistens nicht allzu schwer, zwischen Pillepalle und echtem Notfall zu unterscheiden. Viele neigen aber dazu, am Telefon IMMER (bei den Stichworten "schlechter sehen" oder "starke Schmerzen"... beides kann auch durch eine ganz simple Sicca verursacht sein) aufs andere Ende der Nahrungskette zu verweisen. Und schon steht der Patient in der Notfallambulanz - wo er nicht hingehört... Noch besser ist ein Niedergelassener hier in der Gegend. Der hängt nämlich IMMER, wenn er kassenärztlichen Notdienst machen soll, ein Schild an seine Tür... Vertretung habe unsere Augenklinik. Den würd ich schon gerne mal bei der entsprechenden Stelle hinhängen!:-kotz

PEACEKEEPER
21.04.2010, 10:02
Ich betreue im Dienst internistischerseits unsere Zentrale Aufnahme.
Ich kann da auch Liedchen von singen, mit was die Leute bevorzugt am späten Abend und in der Nacht vorstellig werden.
Ich habe den Eindruck, dass besonders junge Leute es nicht gelernt haben mal krank zu sein, bzw. es mal auszuhalten.
Ich habe gerade erbrochen oder so ein komisches Krazen im Hals. Zum Hausarzt morgen früh? Nein da muss man ja 3 h warten. Im Krankenhaus brennt ja noch Licht. Vor ein paar Tagen kam ein junges Mädel, die eine Fernreise machen wollte und sich mal eben gegen Hepatitis impfen lassen wollte und das um 2 Uhr Nachts. Sei ihr gerade eingefallen. Ein anderes mal kam ein junger Kerl, auch mitten in der Nacht. Er wolle sich mal durchchecken lassen. Da fehlem mir echt die Worte.
Wir haben seit einigen Wochen einen jungen Kerl, der fast jeden Abend kommt mit Palpitationen. Ekg, Echo, Enyzme immer alles o.B.. Der hatte sogar einen LHK bekommen bei uns, natürlich alles bestens.
Da frag ich mich echt, wie es um unsere Jugend bestellt ist. Und dann keine Gedult haben. Viele raffen einfach nicht, dass man als Ambulanzarzt triagieren muss. Nein ich war doch viel eher hier, warum dauert das so lange?
Da läuft doch gehörig was schief im System.
Ich habe kürzlich einen Bericht über das Ambulanzsystem in Finnland gesehen.
Da gibt es eine speziell ausgebildete Schwester die vorab triagiert und auch darüber entscheidet, ob der Patient überhaupt einen Arzt zu Gesicht bekommt. Das fand ich einen interessanten Ansatz.
Irgendwo weiter oben stand was über die Zuweisungen der Niedergelassenen.
Wir haben direkt neben dem Krankenhaus eine Notafallpraxis, die an den WE und Mittwoch nachmittags von den Niedergelassenen besetzt wird.
Da gibt es echt Pappnasen, die jedes uns alles was nicht bei drei auf dem Baum ist einweisen. Anstatt mal eine ordentlich Anamnese und Untersuchung zu machen, werden sofort die Einweisungen gezückt mit zum Teil abenteuerlichen Einweisungsdiagnosen. Und wir sollen dann für 25 Euro Ambulanzpauschale die ganze Diagnostik machen.
Na ja ich freu mich schon auf den nächsten Dienst:-winky