PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Metamizol (Novalgin)



Seiten : 1 [2]

Sebastian1
25.01.2008, 18:15
Wobei die Gefahr der gravierenden NW (Anaphylaxie, Agranulozytose) mit einer schnellen, hochdosierten Gabe steigt. Daher sollte man's halt nicht aus der Hand geben sondern mindestens als Kurzinfusion laufen lassen, und auch die nicht gerade reinrauschen. Hab da auch mal irgendwo was zu gelesen, müsste ich mal rauskramen...

Doktor_No
25.01.2008, 19:01
@niere: mit verboten meinte ich das spital...

alex1
25.01.2008, 22:21
in der schweiz haben wir perfalgan iv (paracetamol) gegeben, dort ist metamizol auch verboten, nachteil: viel lebertoxischer als novalgin und viel teurer.

Verboten?
Stimmt nicht.
Ich habe sogar heute das Zeug wieder einem Patienten verschrieben.

Ich halte die sehr selten Agranulozytose von Metamizol ein vertretbares Risiko.
Ich frage mich wieviele Patienten schon an blutende Magenulzera durch NSAR wie Ibuprofen, usw. gestorben sind... Bestimmt viel mehr als durch Agranulozytose durch Novalgin-Gaben.

Metamizol bleibt für mich das Medikament der Wahl (oral) für mittelmässige Schmerzen in der Onkologie.
Meine Abstufung (ambulant) ist:
Paracetamol->Ibuprofen/Voltaren->Metamizol->Tilidin/Naloxon->Morphine

In der Kombination mit Morphine ist es echt sehr gut.
Und wenn ich Patienten mit Dexamethason habe, dann bevorzuge ich Metamizol statt Ibuprofen oder Voltaren. War da nicht sowas wie 30faches Magenulkus-Risiko bei Kortison+NSAR?

EDIT: Ooops, sorry ich habe gerade dein Post gelesen. Ich finde Spitäler die ein gewisses Medikament "verbeiten" das LETZTE. Jeder Arzt sollte das verschrieben was er mag, solange es nicht kostspielig oder nutzlos ist. Jeder hat zu verantworten was er verschreibt.

Blondi
25.01.2008, 22:39
Es muss ja irgendwo vorkommen, sonst würden die es wohl nicht auf die Packung schreiben. Mein Hausarzt meint immer: "Es gibt nichts, was es nicht gibt/geben kann".

airmaria
25.01.2008, 23:16
Ich finde Spitäler die ein gewisses Medikament "verbeiten" das LETZTE. Jeder Arzt sollte das verschrieben was er mag, solange es nicht kostspielig oder nutzlos ist. Jeder hat zu verantworten was er verschreibt.
Da bin ich aber mal völlig anderer Meinung! In einem Krankenhaus/Spital gibt es verschiedenste Gründe, warum nicht jeder alles verschreiben kann und darf. Sei es, aus Ausbildungsstand-/Kenntnisgründen, finanziellen Gründen, oder sonstwas.

Ich krame hier (http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showthread.php?t=4232&page=1) mal einen ganz alten Thread aus, da ging es um Wirkstoffverschreibung/Generika. Dieses verstaubte Dingen ist in sofern auch noch recht interessant, weil ein Beispiel-Streitpunkt (Vioxx) inzwischen schon längst wieder vom Markt genommen werden musste.

Ich persönlich bewerte den Trend zum massiven Wechsel zur Generikaverschreibung bestimmter Medikamente, den ich jetzt schon im 2. Spital hier erlebe, als durchaus sinnvoll.
airmaria

Rugger
26.01.2008, 08:17
Ooops, sorry ich habe gerade dein Post gelesen. Ich finde Spitäler die ein gewisses Medikament "verbeiten" das LETZTE. Jeder Arzt sollte das verschrieben was er mag, solange es nicht kostspielig oder nutzlos ist. Jeder hat zu verantworten was er verschreibt.Und im Zweifelsfall verantwortet der Chef, was seine Assis (und ggfs. auch seine FÄ) verordnen.
Da würde ich mir auch das Recht rausnehmen, bestimmte Sachen zu "verbieten", insbesondere, wenn ich damit schon selber schlechte Erfahrungen gemacht habe!

R.

alley_cat75
26.01.2008, 09:06
..., umso verblüffter war ich, als uns letzte Woche im Pharmaseminar Novalgin als Ausgeburt des Teufels vorgestellt wurde.

Das ist natürlich übertrieben. Dann müsste ASS auch verboten werden! Was ich hier an perforierten Ulcera erlebe...

Rugger
26.01.2008, 10:21
Wobei die Gefahr der gravierenden NW (Anaphylaxie, Agranulozytose) mit einer schnellen, hochdosierten Gabe steigt. Daher sollte man's halt nicht aus der Hand geben sondern mindestens als Kurzinfusion laufen lassen, und auch die nicht gerade reinrauschen. Hab da auch mal irgendwo was zu gelesen, müsste ich mal rauskramen...Wäre Dir für die Quelle sehr dankbar!!!

R.

Die Niere
26.01.2008, 10:46
Wäre Dir für die Quelle sehr dankbar!!!
Me too! Hab davon in der Art nämlich noch nichts gehört...

Ausserdem finde ich, dass ein Chef durchaus jederzeit die Möglichkeit haben sollte, Medikamente in seiner Abteilung zu erlauben oder zu verbieten, je nachdem wie er die Lage einschätzt!

BTW...wenn Novalgin so eine Ausgeburt des Teufels ist, frage ich mich, warum das tödlichste Medikament der Welt, nämlich Allopurinol, noch nicht verboten ist ;-)

gruesse, die niere

Sebastian1
26.01.2008, 13:05
Ich hab gerade mal geschaut, was ich dazu finde (ich weiß nämlich leider nicht mehr, wo ich es originär gelesen hatte), letztlich bin ich bei der Fachinfo diesbezüglich nur auf die Vermeidung der i.v.-Gabe von mehr als 500mg/min gestossen, was sich aber offenbar auch nur auf mögliche anaphylaktoide Reaktionen bezog. Ich schau nochmal weiter, ich hatte da eigentlich eine weitergehende Warnung im Hinterkopf. Bin mir eigentlich recht sicher, mich da nicht geirrt zu haben - allerdings müsste es dann ja auch eigentlich in der Fachinfo drinstehen....

Dr. Acula
26.01.2008, 21:05
Bei uns gibt es als beliebten Analgesiestandard auf der Unfallchirurgie Novalgin 4x1g p.o. - das sind 8 Tabletten täglich... von erhöhter Vorsicht bei der Anordnung keine Spur. Novalgin kommt kartonweise auf die Stationen :-)

alex1
27.01.2008, 15:50
Da bin ich aber mal völlig anderer Meinung! In einem Krankenhaus/Spital gibt es verschiedenste Gründe, warum nicht jeder alles verschreiben kann und darf. Sei es, aus Ausbildungsstand-/Kenntnisgründen, finanziellen Gründen, oder sonstwas.
...
Ich persönlich bewerte den Trend zum massiven Wechsel zur Generikaverschreibung bestimmter Medikamente, den ich jetzt schon im 2. Spital hier erlebe, als durchaus sinnvoll.
airmaria

1. Finanzielle Gründe sind eine Sache, tatsächlich. Aber da muss jeder mal ein bisschen nachschlagen und schauen was we für Geld verpulvert. In meiner alten Klinik haben wir quartalweise die "Rechnung" bekommen, das heisst eine Zusammenfassung der am häufigsten und teuersten Medikamenten je nach Verbrauch. Da konnte jeder sehen wo er noch sparen kann. Die zuständige Oberärztin ist mit uns die Liste durchgegangen in Anwesenheit der Schwestern und wir haben Regeln aufgestellt.
ALs Beispiel nenne ich Diflucan und seinen sinnvollen Einsatz in der Onkologie. Ab wann kriegt der Patient Diflucan, bis wann reicht das billigere Amphomoronal, was ist die Evidenz, usw. Man kann nur Neues lernen und EBM dabei betreiben. Ich finde wir haben auch eine Verantwortung im Gesundheitssystem zu sparen wo wir das gutes Gewissens können. Wir können nicht nur über Personalkürzungen uns beschwerden und dabei millionenweise überflüssige Medis aufschreiben.
Anderes Beispiel: Palliative Patienten mit Tumorerkrankungen und eine Lebenserwartung von ein paar Monaten, die noch mit ihren Statinen von zu Hause kommen. Braucht man sie? Nein. Das spart auch Geld.

2. Generikaverschreibung sind ein komplettes andere Thema. Ich habe in meinem Post auf Wirkstoffe bezogen. Klar sollte man, wenn es geht Generika verschreiben. Da bin ich voll deiner Meinung, dass dies zentral gesteuert werden soll, am besten von Pharmazeuten in Zusammenarbeit mit Ärzten (in Form einer Arzneimittelkomission). Darüberhinaus stelle ICH aber die Indikation für einen bestimmten Wirkstoff und er sollte immer verfügbar sein. Wenn er mehr kostet als ein anderer Wirkstoff, dann habe ICH die Verantwortung zu tragen.
Was Generika angeht übrigens, gibt's auch interessante Aspekte. Zum Beispiel Unverträglichkeiten. Ich hatte mal einen Patienten mit einem Gliom der Fortecortin (Merck) sehr schlecht vertragen kann mit Exanthemen usw. Beim Wechsel auf Dexamethason (Jenapherma) verschwanden die Exanthemen.

Hoppla-Daisy
29.04.2008, 21:49
Konnte mir heute im Pharma-Kurs leider niemand beantworten: Was macht man mit einem Patienten, der eine Agranulozytose entwickelt? Kann man da nur zuschauen? Welche Möglichkeiten hat man?

:-) Danke :-)

Doctöse
29.04.2008, 22:07
Therapie: - Absetzen d. Medikaments
- keimarmer Raum
- AB: pseudomonaswirks. + Aminoglykosid-AB/Cephalosporin
- Antimykotika: Amphotericin B, 5-Fluocytosin (gg. syst. Pilzinfekt.)
- rekombinante koloniestimulierende Faktoren wenn keine Granulopoese nachweisbar
- ggf. Granulozyten-Transfusionen

Hab ich neulich gelernt :-stud

FerroX
29.04.2008, 22:09
G-CSF geben ist doch mittlerweile als Therapie machbar, oder?
Meine, dass deshalb das Agranulozytose Risiko als beherrschbar gilt, man hat ja jetzt eine Therapieoption für den Fall der Fälle.

edit: Zu langsam :-)

Peter_1
30.04.2008, 14:31
Moin,

sowohl im Krankenhaus als auch ambulant (HA praxis) so viele Patienten erlebt mit massiven Problemen durch Ibuprofen, Diclofenac und ASS! Spannbreiten: vom massivem Asthma, zur Magenblutung, bis zum Nierenversagen. Häufig Novalgin eingesetzt sowohl im KH als auch in der Praxis (vom jungen Pat. bis zum alten, multimorbiden), bisher kein einziges Mal schwere Nebenwirkungen beobachten können. Kann natürlich Zufall sein und ist keineswegs ne randomisierte doppelblinde Studie!

alex1
30.04.2008, 17:10
Man muss gestehen, dass einige Medikamente aus dem Markt genommen werden oder in einigen Häusern verboten werden, obwohl die gar nicht so schlimm sind und das nur aus Lobby-Gründen oder einfache Angst. Dafür werden dann andere Medikamente gegeben, die aber oft viel gefährlichen sein können.

Das Standarbeispiel dafür ist Vioxx. Nur weil mehr kardiale Zwischenfälle nach langzeitiger Einnahme aufgefallen sind musste das Medikament schnell vom Markt genommen werden vor ein paar Jahren.
Alle diese Patienten, die bis dann Vioxx genommen hatten (oft Arthrose-Patienten) mussten dann auf wieder auf Standard-NSAR wechseln oder andere neuere ...-ibs nehmen. Ich frage mich wieviele dieser Standard-NSAR Patienten mittlerweile aufgrund von Magenblutungen und Niereninsuffizienz draufgegangen sind. Das wäre mal eine sehr interessante Studie.