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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie könnte man Stationsärzte von Verwaltungsarbeiten entlasten?



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Kackbratze
06.02.2008, 05:26
Die "Verschlüsselungsassistentinnen" die wir haben machen ihre Aufgabe sehr gut! Sie sind jetzt sogar schon soweit gegangen (weil die Entlassungsverschlüsselungen so schnell gehen), dass sie auch die Aufnahmeverschlüsselung übernehmen.
Ist nicht deren Aufgabe laut Vertrag, die Verwaltung würde Amok laufen und die beiden wieder rausschmeissen, aber die beiden machen diese Aufgabe (die eigentlich ärztliche Aufgabe sein soll), damit sie auf ihre Stunden kommen.
Mich persönlich stört das überhaupt nicht.

Seitdem nutze ich das EDV-System tatsächlich "nurnoch" zum Befunde nachschauen und Briefe schreiben....eine Entlastung, die dem KH sogar noch eine Menge mehr Geld einbringt, als meine Verschlüsselungen (wobei ich ja im PJ gelernt hab, wo noch ein paar Cents zu holen sind, meine Kollegen hatten davon echt garkeinen Plan und haben nur die "Basics" verschlüsselt)

Ex-PJ
06.02.2008, 09:14
Gerade wieder ein typischer internist. Pat. (Behandlungsdauer 20 Tage) 75J stat. wg. Pneumonie u. geringer kardialer Stauung bei Herzinsuffizienz. Zudem KHK mit Z.n. Bypass, Vorhofflimmern, Z.n. altem Apoplex mit inkompletter Hemiparese rechts.
Macht summa summarum 17 Diagnosen

Die Niere
06.02.2008, 13:07
Interessantes Thema.

Ich glaube auch, dass es eine nicht zu verachtende Anzahl an Arbeiten gibt, die sich weder dadruch auszeichnen unbedingt durch einen Arzt ausgeführt zu werden noch in einem guten Organisationssetting nötig wären.

In Olten hatten wir die beschriebenen Assistenzarztsekretärinnen, die einen sehr entlastet haben in der täglichen Arbeit und ich vermisse ihre Dienst, die von allen sehr hoch angesehen waren, doch äusserst. Dazu ist anzumerken, dass diese Stelle NICHTS mit dem Personalschlüssel der Pflege zu tun hatte und so keine Stellen gestrichen werden mussten. Aber natürlich heisst das erstmal für die Verwaltung Geld ausgeben ohne einen Mehrwert zu erhalten (denn ob der AA 200 Übestunden oder nur 100 macht, spielt für die ja keine Rolle) Zu ihren Aufgaben gehörten:
- KGs anlegen und ordnen
- Befunde einordnen
- angeforderte Berichte besorgen
- alte Akten besorgen
- Berichte faxen
- am Abend diktierte Kurzaustrittsberichte gleich als erstes früh morgens zu schreiben
- Röntgenbilder besorgen
- usw. (ich glaube es ist ein klares Bild herausgekommen, oder?)

Zusätzlich hat die Schweiz den Vorteil, dass ich mich weder darum kümmern muss, Patienten morgens Blut abzunehmen noch irgendwelche Infusionen anzuhängen, da dies hier Aufgabe der Pflege ist.

Auch wurde da Codiersystem bei uns vereinfacht und wird noch zuätzlich durch Codierungsassistenten erledigt.

Weitere Aufgaben:
- Krankenkassenzeugs kann man leider nicht auf andere abschieben, da dies eine ärztliche Indikationsstellung und -kompetenz voraussetzt, die nun einmal alle Nicht-Ärzte nicht inne haben.
- Etwas, dass auch sehr gut helfen würde, wäre wirklich GUTE Sekretärinnen einstellen, die als Einstellkriterium eine medizinische Zusatzausbildung haben sollten, denn das, was neue Sekretärinnen aus nem normalen Büro aus einem diktierten Brief machen, ist die Hölle. Bei uns in Olten war es gemischt...je nachdem wer es geschrieben hat. Aber ein immenser Vorteil war, dass der geschrieben Brief mit per Email zugeschickt wurde, ich ihn - wenn nötig - korriegiert habe und dann an den OA weitergeleitet habe. Der hat entweder was verbessert oder eben nicht und es dann an die Sekretärin weitergeleitet, die den nun nicht mehr zu korrigierenden Brief zum Unterschreiben ins Fach gelegt hat. Das hat erstens viele Wege erspart, zweitens gingen die Briefe viel schneller raus an die Hausärzte und es gab keine Probleme mit unlesbaren Korrekturen.

gruesse, die niere

Strodti
06.02.2008, 14:01
Als sehr kritisch muss man das Outsourcing an sog. Schreibbüros sehen. In meinem Ausbildungskrankenhaus wurden die Kassetten an ein solches Büro gesendet und die Briefe per Sammelpost an die Sekretärin des CA geschickt. Großer Nachteil: Man gibt die Daten aus dem Haus und hat, falls der Brief nach 3 Monaten immer noch nicht raus ist, auch keinen konkreten Ansprechpartner.

Die von der Niere beschriebene email Lösung halte ich für nicht schlecht. Sowieso kann man eine gute EDV viel, viel Arbeit abnehmen. Da negative Gegenbeispiel kenne ich aus einem Landeskrankenhaus (=Behörde): JEDE Anforderung war mit 2-4 Durchschlägen versehen, die vom ärztlichen Personal oder der Pflege in entsprechend viele Fächer gelegt oder abgeheftet werden mußte.

abcd
08.02.2008, 16:21
Unsere Arzthelferinnen sind wahre Goldstücke und nehmen uns jede Menge Arbeit ab. 7:00-15:00 manchmal auch etwas länger.
- BE, Viggos
- Kleinigkeiten wie Adressen und Telefonnummern raussuchen
- Faxe an die Krankenkassen
- Akten besorgen
- auswärtige (manchmal auch hausinterne) Befunde/Brief anfordern.
- auswärtigen Laboren hinterhertelefonieren.
- Aufklärungsbögen für entsprechende Untersuchungen richten, beschriften und in die Kurve packen
- Untersuchungen und Konsile anmelden (läuft bei uns alles über PC+Tel)
- Schellong-Test (immer sehr beliebt)
- Akten entlassener Pat. mit fehlenden Befunden lagern bei Ihnen und werden, wenn Befund da, wieder dem Arzt ins Fach gelegt
- Vorbereiten von AUs, fehlt dann nur noch Diagnose und Autogramm
Auch am WoE gibts nen Blutentnahmedienst, der vormittags alle Stationen abklappert.

Kodierassistenten ergänzen/vervollständigen bei uns die Entlasskodierungen.

Nervig sind weiterhin Widersprüche gegen abgelehnte Rehas, Rehanträge und Anträge auf Betreuung, aber ich wüsste nicht so recht, wer einem das abnehmen sollte.
QS-Bögen z.B. für Schlaganfallpatienten sollten auch an Hand der Akte auszufüllen sein - ärztliche Aufgabe??

John Silver
08.02.2008, 17:12
Reha-Anträge, Verhandlungen mit Altenheimen und Reha-Kliniken, die ganzen Betreuung-Kisten etc. können Ärzten auch hervorragend abgenommen werden. Habe es in der Klinik, wo ich im PJ war, gesehen.

Wie man sieht, könnten den Assistenten praktisch alle schwachsinnigen Aufgaben von geringer qualifizierten Arbeitskräften abgenommen werden, inklusive des Schreibens der Entlassungsbriefe, die man anschließend höchstens durchlesen könnte, zwecks Kontrolle. Wenn man mal nachrechnet, so merkt man schnell, daß man dadurch täglich mindestens 2-3 Stunden hätte, die man mit lernen/im OP sein/in der Funktion sein/anderen Dingen, die sinnvoll sind für die Facharztweiterbildung zubringen könnte, ohne Überstunden schieben zu müssen. Man könnte mehr Zeit für die Visite und für Neuaufnahmen aufwenden, und diese gründlicher machen, wodurch jede Menge Fehler vermieden würden. Aber wir sind ja lieber profitorientiert.

test
08.02.2008, 17:42
Problem ist halt, dass es immer noch zu viele Ärzte gibt. Erst wenn es wirklich nicht mehr genug gibt, wird es sich durchsetzen flächendeckend mehr Hilfsberufe einzusetzen, um von Ärzten nur noch ärztliche Tätigkeiten ausführen zu lassen. Momentan gibts einfach noch zu viele, die gut alle Deppenarbeiten mit erledigen könne. :-nix

Frau Betty Land
08.02.2008, 19:09
Leider falsch: Zukünftig werden halt immer weniger Depperlärzte immer mehr Trottelarbeit machen - wer`s braucht ?

Sebastian1
08.02.2008, 20:47
Nunja, nicht umsonst gibt es derzeit mal wieder verstärkt Diskussionen, ob man nicht ärztliche Tätigkeiten an die Pflege abgeben könnte. Dumm nur, dass die nach dem Stellenabbau der letzten Jahre ebenfalls in der Mehrheit völlig aus- bis überlastet worden ist.
Dann gab's wohl auch ein Modell an den Helios-Kliniken (? glaube ich jedenfalls), die wohl mit nochmals weiterqulifizierten Anästhesiepflegekräften erwiterte Kompetenzen dort getestet haben. Sei aber wohl wieder eingestellt. Genaue Hintergründe zu diesem ganzen Projekt (iund ob's wirklich Helios war) kenn ich jetzt aber leider nicht - sonst wer?

John Silver
08.02.2008, 21:41
Problem ist halt, dass es immer noch zu viele Ärzte gibt. Erst wenn es wirklich nicht mehr genug gibt, wird es sich durchsetzen flächendeckend mehr Hilfsberufe einzusetzen, um von Ärzten nur noch ärztliche Tätigkeiten ausführen zu lassen. Momentan gibts einfach noch zu viele, die gut alle Deppenarbeiten mit erledigen könne. :-nix

Das stimmt eigentlich nicht. Kaum eine Klinik hat heutzutage genug Assistenzärzte, geschweige denn zuviele. Es ist bloß so, daß es heute noch zu einfach ist, die, die da sind, dazu zu zwingen, schwachsinnige Arbeiten auszuführen. Wenn die Klinikleitungen dazu gezwungen werden, Überstunden voll zu bezahlen, und die Dienste nicht bloß mit Krumen bezahlt werden, dann werden uns die ganzen nichtärztlichen Aufgaben abgenommen. Es ist nicht das Problem, daß es zuviele Ärzte seien; es ist vielmehr so, daß die Ärzte zu billig sind.

medijan
09.02.2008, 07:35
Nunja, nicht umsonst gibt es derzeit mal wieder verstärkt Diskussionen, ob man nicht ärztliche Tätigkeiten an die Pflege abgeben könnte. Dumm nur, dass die nach dem Stellenabbau der letzten Jahre ebenfalls in der Mehrheit völlig aus- bis überlastet worden ist.
Dann gab's wohl auch ein Modell an den Helios-Kliniken (? glaube ich jedenfalls), die wohl mit nochmals weiterqulifizierten Anästhesiepflegekräften erwiterte Kompetenzen dort getestet haben. Sei aber wohl wieder eingestellt. Genaue Hintergründe zu diesem ganzen Projekt (iund ob's wirklich Helios war) kenn ich jetzt aber leider nicht - sonst wer?
Interessant ist doch auch, dass eben nicht drüber nachgedacht wird z.B. Verwaltungsfachkräfte, oder wenns qualifizierter sein soll Bachelors of Health Communication für Schreib- und Orgakram einzustellen und so diese Arbeit von Ärzten wegfallen zu lassen. Nein, es wird darüber nachgedacht, das Haken halten oder sonst irgendwelche weniger schweren medizinischen Arbeiten auf Schwestern und Pfleger zu übertragen...

Das ist doch Gaga

Doktor_No
09.02.2008, 08:18
http://www.perspektiven-und-karriere.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=54862

link zu artikel über MAfA bei helios (seb hatte es ja schon angesprochen)