Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : DVD (Depp vom Dienst) im PJ
Hallo ihr Lieben,
möchte mal euren Rat einholfen ... . Weil die Situation etwas verworren ist und vielleicht hat jemand schon aehnliche Erfahrungen gemacht.
Also, bin gerade im chirurgischen PJ in der Schweiz und hab mich nach 5 Wochen ganz gut eingelebt auf meiner Station. Hier wechseln die Assistenten alle 2 Wochen die Station, und einmal hab ich echt eine nicht gerade nette Assistenzärztin erwischt, für die ich der DVD (Depp vom Dienst) war und alle ihre Aufnahmen machen musste, ohne dass sie besonders nett oder dankbar (die anderen sind das hier schon) gewesen wäre. Einmal war ich bei einer OP mit vielen Komplikationen, letztlich bin ich um 4 Uhr auf Station gekommen, und dann gab es 4 Eingänge. Als ich meinte, dafür bräuchte ich ja ewig (wollte halt einfach, dass sie wenigsten einen übernimmt) sagte sie nur, dann müsse ich halt schneller machen und ist in den OP und später ganz verschwunden. Zum Glück ist ein anderer Assistenzarzt gekommen und hat mir geholfen; auch so bin ich erst um 20 Uhr aus der Klinik raus!
Jetzt ist sie seit einer Woche auf einer Station, wo es keine Studenten gibt, weils der Chef nicht will (Privatstation), d.h., sie muss alle Eingänge selber machen. Jetzt hat sie doch tatsächlich durchgesetzt, dass ein Student auch auf der Privatstation akzeptiert wird und sie meinte, dass ich jetzt zu ihr kommen müsse! Ich sagte nein (ist französischsprachige Schweiz, und mein Argument war, dass mein Französisch zu schlecht für die Privatstation ist; mein Französisch ist echt nicht so gut, doch ich weiß mich einigermaßen zu helfen; aber ein besserer Grund ist mir in dem Schrecken nicht eingefallen; kann ja nicht sagen, dass ich nicht mit ihr zusammenarbeiten will). Jetzt regt sie sich total auf (heute). Mit den Chefs hab ich bisher noch nicht gesprochen. Das Problem ist, dass sie furchtbar hübsch ist und die Männer einfach einzuwickeln versteht. Deswegen hat sie es auch geschafft, einen Studenten für die Privatstation durchzusetzen (alle anderen Assistenzärzte mussten ohne Studenten zurechtkommen)!!!
Mich will sie haben, weil ich perfektionistisch veranlagt bin und immer versuche, meine Arbeit gut zu machen.
Aber ich hab echt keinen Bock drauf, bei der als DVD zu sein. Was soll ich tun?
Sorry, lange komplizierte Geschichte, aber ich bin grad etwas verzweifelt, also DANKE fürs Lesen und noch mehr fürs Beantworten:-)
Camino
Ich würde wohl doch mal mit den Chefs sprechen. Du bist ja nicht nur da um Arbeit abzunehmen, sondern auch um was zu lernen. Und wenn das mit dieser Ärztin so unerträglich ist, bring das auf den Tisch.
Hier gibts ja mittlerweile die PJ-Verträge. Keine Ahnung wie das in der Schweiz aussieht. Aber zum dummen Lakeien, der unliebsame Arbeit abnehmen soll, sonst aber nichts lernen darf, würde ich mich nicht abstempeln lassen.
Wenn du die direkte Konfrontation vermeiden möchtest, hast du vielleicht noch die Möglichkeit dich wie bisher um die Privatstation zu drücken, da sie Privatstation ist. Vielleicht ist sie ja auch kleiner und bietet weniger Patienten für dich. Dann hättest du noch mehr Argumente warum du als "unerfahrener" PJler dich vielleicht lieber nicht an dieses "teure" Patientengut wagen möchtest. Mal wirklich doof ausgedrückt.
Ansonsten Kopf hoch, nach 2 Wochen ist sie dort ja auch wieder weg.
Tja, so ist die Schweiz. Du wirst bezahlt, also musst du schuften und darfst nicht murren. :-)) Mir erging es in meinem Chirurgie Tertial teilweise ganz ähnlich. Ein, zwei mal war ich auch erst um 20Uhr draußen und auf KEINER der Stationen, wo ich war, hat sich ein Assistent um Aufnahmen gekümmert. Das war einfach Aufgabe der Unterassistenten. Übrigens auch auf der Privatstation. Manchmal habe ich eingesehen, die ganze Drecksarbeit machen zu müssen, wenn eine station extrem unterbetzt war und einfach kein Assistent Zeit für Aufnamen hatte. Aber da wurde mir immerhin gedankt, dass ich meine Arbeit so gut mache und die Ärzte ein bisschen entlasten kann. Wenn mich jemand als seinen Privatsklaven betrachtet hätte, hätte ich auch versucht mich zu wehren. Zuerst würde ich mit der Assistenzärztin sprechen. Falls sie kein einsehen hat, kannst du sich ja an einen OA wenden. Die sind oftmals viel verständnisvoller und sprechen auch mal ein Machtwort aus. Bei mir war das jedenfalls so, dass der OA auf Station angerufen und den Assistenten angewiesen hat, mir wenigstens die hälfte der Aufnamen abzunehmen, wenn ich um 4 noch im OP stand. :-)
Ich halte es bei solchen Dingen so
1) Du bist hier der Student, Sie die Ärztin (besser bekannt als Lehrjahre sind keine Herrenjahre *g*). Ist ne Üble Sache, bist aber nicht der/die erste, der das durchmacht. Also nicht unterkriegen lassen, Mund halten und die Arbeit machen. (Es gibt für jeden mal ne Zeit, in der er die Arme ganz tief im Dreck hat. Heisst aber icht, dass man dafür nie belohnt wird. Oftmals ist ein nicht so populärer Arzt unter den Kollegen bekannt, auch wenn diese das nicht so offen zeigen und dein Durchhaltevermögen wird schon honoriert und an anderer Stelle belohnt)
2) Du redest mit ihr. Sie zu übergehen ist m.E. nach nicht drin, denn das macht die Situation für dich nur schlimmer (Die wirst nicht versetzt. OA scheisst sie im besten Fall an und sie zahlts dir dann heim.). Ausserdem pinkelt man niemandem über diesen Weg ans Bein.
Jo soweit meine Erfahrung in dieser Sache. Ich hoffe es hilft dir ein wenig. man kann sowas leider niemals pauschal lösen. (Aber genau sowas muss man auch lernen. Für den Umgang mit Kollegen gibts leider kein Kurzlehrbuch :) und solangs nur im PJ ist und nicht unbedingt auf deiner neuen lieblings Assistentenstelle, kannst du es ja als Sandkasten ansehen.)
gynokokke
20.03.2008, 09:27
Mein Vorschlag ist ähnlich wie die der anderen: du kannst die AAe nicht einfach übergehen, das gibt nur böses Blut, und wer weiss,was du damit lostrittst, vor allem, wenn du schon selber bemerkt hast, dass die die Männer ohne weiteres um den Finger wickeln kann. Wenn du sie übergehst, kann sie dir ganz leicht alles ins Gegenteil verdrehen.
Ok, ich gebe zu, als PJler sitzt man leider auf dem falschen Ende des langen Hebels. Man muss sich, auch später als Assis noch einiges gefallen lassen. Aber auf der anderen Seite sind wir alle mehr oder weniger erwachsenene Menschen und sollten auch so miteinander umgehen.
Ich hab die Erfahrung gemacht, dass man auch mal konstruktive Kritik äussern darf (auch hier in der Schweiz), wenn man zum einen nicht laut, zum anderen nicht emotional und zum dritten mit guten Argumenten daher kommt.
Also: nicht unterkriegen lassen!
Schlag ihr doch vor, dass du zwa die Eintritte machst, aber dass du, damit du nachher auch was davon lernst, jeden einzelnen, den du gemacht hast, mit ihr durchsprechen musst, damit du auch Indikationen, Diagnosen etc verstehst. Mal sehen, wie viele du dann noch alleine machen musst. Und es zeigt unter anderem auch dein Interesse, sie kann dir nicht mal was wollen. Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass sie die EIntritte mit dir durchgeht, schaut, ob du alles verstanden hast. So ist eigentlihc eh das Schweizer System mit "der Uhu macht die Eintritte" gedacht, so und nicht anders. Wenn sie es also nicht macht, fordere es dir ein, sie hat mehr Arbeit, du hast keinen schwarzen Peter und es wird sich vieles von alleine regulieren. Wenn sie dir dann nämlich nicht die Sachen erklärt, kannst du immer noch zum OA gehen. Die Schweizer Spitäler bekommen ja auch Geld für die Studenten und die leitenden haben Angst vor schlechten Bewertungen. Sicher noch mehr bei Blokcstudenten als bei Wahljahrstudenten, aber die wissen genau: wenn sich das rumspricht kommen auch weniger Schweizer Studenten, heisst weniger Geld und schlechtere Bewertungen (es wird einmal im Jahr eine Liste mit Bewertungen der Spitäler durch die Blokcstudenten veröffentlicht).
So, zuerst einmal vielen lieben Dank für eure Antworten! Hab mich ehrlich gefreut und hat mein Hirn auch freigemacht für andere Gedankengänge.
Wie ist also die Geschichte ausgegangen:
Ich habe mein Problem dem für die Studenten zuständigen Oberarzt vorgetragen, der das ganze nachvollziehen konnte und versprach, mit den Leuten von der Privatstation zu sprechen. Bin mir aber auch bewusst geworden, dass ich später als Assistenzarzt nicht mehr so vorgehen darf, um nicht bei allen anderen in Ungnade zu fallen. Aber was solls, dachte ich mir, noch bist du Student, Du willst hier nichts werden, aber möglichst viel lernen, und das wäre nur einigermaßen gesichtert, wenn ich mich zur Wehr setze.
Okay, nach einer Woche fragt mich der zugegeben etwas verplante Oberarzt, ob schon etwas entschieden sei. Ich wusste gar nicht, was er meinte, hatte ich doch angenommen, er würde sich der Sache annehmen. Auf jeden Fall haben wir dann nochmal miteinander gesprochen, und ich glaube, erst in diesem Moment wurde ihm klar, dass er von einigen seiner Kollegen in dieser Frage gänzlich übergangen worden "wäre", weil er ja eigentlich für die Einteilung der Studenten zuständig ist. Und dann hat er festgelegt, ich soll auf meiner Station bleiben, weil das so vorgesehen gewesen wäre.
Glücklich und zufrieden habe ich somit den Rest meiner PJ-Zeit auf der Allgemeinstation verbracht :-)
Was lernen wir daraus:
- man darf sich wehren, auch als Student
- sollte sich aber bewusst sein, dass man im Zweifelsfall allein dasteht; ich hatte Glück, dass es so ausgegangen ist; hab aber auch den Eindruck gehabt, dass sich wegen mir, einem von vielen Studenten, niemand die Finger verbrennen würde (vor allem von den Assistenzärzten, und wenn man sich noch so gut versteht) - kann ich aber echt nachvollziehen, würd ich wahrscheinlich auch nicht
- alles locker sehen, bringt nichts, sich aufzuregen, auch wenns noch so berechtigt ist :-meinung
Nun denn, viel Spass noch im PJ!
Haltet die Ohren steif!!!
Camino
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