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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 'Hochdosischemotherapie' = myeloablative Therapie?



feylinia
28.05.2008, 16:21
Hallo,

aus gegebenem 'mündliches Examen' Anlaß hätte ich da eine Frage, vielleicht kennt sich ja der ein oder andere ein bißchen besser in Hämatoonko aus als ich...

Wenn von Hochdosischemotherapie die Rede ist, kann ich dann davon ausgehen, daß das analog zu myeloablativer Therapie bzw Induktionstherapie gemeint ist?
In diesem Fall geht es um einen Patienten mit hochmalignem T-Zell Lymphom und der (wohl noch theoretischen) Möglichkeit der Behandlung durch Hochdosischemo und KMTX - mir als Therapiemöglichkeit eines NHL nicht so ganz klar, aber ich denke das NHL ist nur der Aufhänger...

Danke schonmal!

alex1
28.05.2008, 20:10
Ja und Nein würde ich sagen.

Die Frage ist wie intensiv diese Hochdosischemo sein wird.
In der Regel wird heutzutage jede Chemotherapie, bei der zwingend eine Stammzelltransplantation stattfindet als Hochdosischemotherapie bezeichnet.
Allerdings gibt es auch mittlerweile weniger intensive Schemata, die aber nur mit Stammzellsupport durchgeführt werden können.
Das heisst man gibt zwar viel Chemo, aber nicht soviel, dass man das ganze Knochenmark kaputt macht, sondern einen sehr hohen Prozentsatz. Ob das nun auch als myeloablative Therapie bezeichnet werden kann, ist meines Erachtens fraglich. Solche Schemata kommen immer wieder zur Anwendung bei Patienten mit angeschlagenen Werten, z.B. im Falle einer Rekonditionierung oder zur Bekämpfung eines Frührezidivs.

Letztendlich hängt alles davon ab wie intensiv die Therapie ist und was man unter myeloablativ versteht.
Wenn man ganz streng sein will, könnte man behaupten myeloablativ heisst, danach dark keine einzige Zelle im Knochenmark sein (egal ob Tumorzelle oder Normalzelle). In diesem Fall würde man wohl eher nur die Schemata mit Hochdosis-Busulfan oder fraktionierter höherdosierter Ganzkörperbestrahlung (>10 Gy) als myeloablativ bezeichnen.

In der Hämatologie hat sich einiges getan in den letzten Jahren und man transplantiert viel mehr Leute mittlerweile, ohne dabei eine vollständige Myeloablation dabei durchzuführen. "Mini"-Schemata wo der "Graft versus Tumor" Effekt mehr Bedeutung hat sind immer mehr gängig, vor allem bei Patienten mit Rezidiv, oder für solche die eine allogene Stammzelltransplantation nicht überleben würden.

Dementsprechend, darf man wahrscheinlich auch nicht jede Chemotherapie mit der Notwendigkeit einer Stammzelltransplantation/Support als myeloablativ bezeichnen.

Induktionschemotherapie ist übrigens nicht myeloablativ.
Sonst würden ja auch alle Leukämiepatienten nach der ersten (Induktions)Chemotherapie versterben, weil sie in der Regel nach Hause entlassen werden.
Die Induktionschemotherapie hat als Ziel das Knochenmark von Tumor zu befreien, normale Zellen sollten aber noch übrig bleiben. Der Patient wird ja nicht nach der Induktion transplantiert.
Nach erfolgreicher Induktionschemotherapie kann man dann nach einer Pause und erneuter Evaluation in die Konditionierung gehen. Das ist dann in der Regel auch bei einem Teil der Patienten die Myeloablation. Nun ist ja das Ziel, Platz im Knochenmark fürs Transplantat zu schaffen. Dies shafft man mit Chemo +/- Bestrahlung.

Schau auch mal hier, ist zwar eher für Patienten, aber noch recht gut:
http://www.nhl-info.de/exec/start?check=0&site=/non_hodgkin_lymphome/56.htm

cKone
28.05.2008, 20:29
Ich hätte jetzt spontan gesagt, dass die myeloablative Chemo nur bei autologer SZT gefahren wird (z.B. weil autologe Stammzellen schneller regenerieren + kein Graft versus Tumor Effekt)

feylinia
28.05.2008, 21:58
Merci!

Unter dem Link und anderen Quellen, die ich noch auftreiben konnte, hab ich jetzt immer Hochdosischemo als (Bestandteil der) Konditionierung gefunden:

''Die Vorbereitung vor der Stammzellübertragung: Die Konditionierung
Damit im Knochenmark eines Patienten neue Blutstammzellen anwachsen können, müssen die alten zunächst vernichtet werden. Deshalb geht jeder Stammzellübertragung mindestens eine Hochdosis-Chemotherapie voraus. Häufig haben sich die Patienten zusätzlich einer Ganzkörperbestrahlung zu unterziehen. Erst dann sind sie für die Stammzellübertragung richtig vorbereitet oder „konditioniert“. Als Konditionierung bezeichnen Ärzte deshalb die Vorbereitungsphase unmittelbar vor der Stammzellübertragung.''

Würde man einen Patienten nach Hochdosischemo nicht transplantieren, würde er wohl sterben, oder? Wie platt man dann das KM macht, ist dann halt die andere Frage - so hab ich das jetzt verstanden. Ich werde wohl kaum bis ins Detail über solche Dinge referieren müssen.
Hoffentlich :-((

Danke!

alex1
29.05.2008, 18:42
Nach einer myeloablativen Therapie verstirbt der Patient, falls er keine passenden Stammzellen erhält.

feylinia
29.05.2008, 19:56
Und die Wahl der Zytostatika zur Hochdosischemo richtet sich nach der Grunderkrankung, also die gleichen Medis, nur x-mal höhere Dosis oder gibt es eine bestimmte Kombi, die eben alles platt macht?

alex1
29.05.2008, 22:17
Es gibt x-beliebige Schemata.
Zum Einsatz kommen verschiedene Zytostatika, alle in ihrsinnigen Dosierungen oft plus/minus Ganzkörperbestrahlung.

Gängige Zytostatika wären Fludarabin, Ara-C, Etoposid, Endoxane, Busulfan. Es gibt Standardkombis immer je nach Protokoll.
Einige vertragen sich nicht so gut miteinader oder mit Strahlentherapie.

Blondi
30.05.2008, 11:45
Kennt jemand von euch zufällig eine Seite, die exzellente Informationen zur Konditionierung vor SZT/KMT enthält, besonders in Hinblick auch Radioimmuntherapie, so gut, dass man sie in einer Doktorarbeit zitieren könnte?

Gibts auch einschlägige Bücher in dem Bereich? Bzw. richtig gute? Wie kann man einzelne Kapitel des Harrison selektiv beziehen (ohne gleich den ganzen kaufen zu müssen?)? In welchem Innere Buch ist das Thema am besten drin?

VIELEN DANK!