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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Proteinurie und Ödeme?



CHALi
09.06.2008, 15:51
Hi Leute,
ich habe mal eine Frage, kann es bei länger bestehender Proteinurie (mehr als 4 Wochen) dazu kommen, dass der Kolloidosmotische Druck so niedrig ist, dass der onkotische überwiegt und es dadurch zum Austritt von Flüssigkeit in Gewebe kommt, woraus Ödeme resultieren?
Wenn dem so ist, wären die dann durch Lagerung beeinflussbar?

Danke schonmal
LG
CHALi

Monty
09.06.2008, 16:27
Also erstmal ist der kolloidosmotische Druck gleich dem onkotischen, das sind Synonyme.
Beim nephrotischen Syndrom ist es bspw. der Fall, dass man Proteine in größerer Menge verliert (renal ausscheidet), dadurch fällt der onkotische Druck im Plasma ab und Flüssigkeit wird vermehrt im Kapillarbett verloren und es bilden sich Ödeme (da gibt's doch für das Starlingprinzip immer so schöne Diagramme in jedem Physiobuch, wo erklärt was passiert, wenn das und das sich verändert einfach mal nachschauen).
Durch die Lagerung sind diese Ödeme dann leider eher nicht beeinflussbar (weshalb die Patienten z.B. auch mal ein verquollenes Gesicht haben UND Unterschenkelödeme).

CHALi
09.06.2008, 17:24
Danke Monty,
ich meinte den hydrostatischen Druck, sorry, bei den ganzen Begriffen spuckt es immer noch im Kopf.

Würde man ein Nephrotisches Syndrom auch bei längerer "Nierenbeckenentzündung" erwarten oder anderen Entzündlichen Prozessen?
Wären die "Nierenwerte" auffällig?

LG
CHALi

cKone
09.06.2008, 22:15
Das ist eine interessante Frage.
Grundsätzlich muss man dazu aber sagen, dass sich aus Entzündungen der Niere (Glomeruli, Nierenbecken usw.) ein sogenanntes nephritisches Syndrom entwickelt. Die Klinik ist in diesem Fall eine Hämaturie!
Nephrotische Syndrome entstehen bei Glomerulopathien wie beispielsweise die Membranöse GN oder bei Kindern besonders häufig die Minimal Change GN.

Auf Nachfrage konnte mir unser Prof in diesem Zusammenhang nicht erklären, wieso es beim nephrotischen Syndrom nicht auch zu einer Hämaturie kommt bzw. beim nephritischen Syndrom nicht zur (massiven) Proteinurie.
Dieser klinische Bereich wird zwar erforscht, es scheinen aber die kausalen Mechanismen noch nicht einwandfrei geklärt. Wichtig ist aber grundsätzlich zwischen beiden Syndromen zu unterscheiden.

Ich würde aber mal vermuten, dass bei es bei einer längeren Entzündung der Niere zu narbigem Gewebe kommt (also eine Glomerulosklerose), die wiederum zur Glomerulopathie gezählt wird und damit der Literatur zufolge zum nephrotischen Syndrom gezählt wird.

Die Nierenwerte wären auf jedenfall Auffällig. Aber in diesem Zusammenhang schaut man sich auch gerne den 24h Sammelurin näher an :)
Grob gesagt: Blut im Urin (sogenannte Eryzylinder) => GN (nephritisches Syndrom)
Protein im Urin => Glomerulopathie (nephrotisches Syndrom)
Natürlich gibts jeweils viele Ausnahmen...