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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arbeitszeiten in Psychiatrie - Freizeit?



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apple
14.08.2008, 17:48
Der Durchsatz ist immer noch um Welten niedriger als anderswo (außer Reha vlt) und die Dienstbelastung im Normalfall auch!

(mit ihrer Zweitwahl sehr zufrieden inzwischen)

Das hab ich mir allerdings auch schon in manchen Diensten, in denen ich 6-7h durchschlafen oder das Samstagnachmittag-TV-Programm genießen konnte, gedacht :-)) Ist natürlich nur ab und zu so, aber immerhin ...

apple,
auch mit ihrer Zweitwahl sehr zufrieden :-)

Stalagmit
08.09.2008, 23:11
Wow, jetzt habe ich mehr oder weniger zufällig hier nach langer Zeit noch einmal reingeschaut und es hat sich ja richtig was getan :-notify

Hatte eh vor, in den nächsten Tagen mal einen Zwischenbericht abzugeben, was die Famulatur angeht.

Hier die Kurzfassung, für die, die nicht gerne viel Text lesen: :-top :-top :-top

Die ausführliche Fassung:
Habe mich seit dem ersten Tag gut "aufgehoben" gefühlt. Sehr nettes Personal, tolles Klima unter den Kollegen (einschließlich Pflegepersonal und Stationsdienst) und eben diese endlich mal nicht total gefrustet! Arbeitszeiten sind (offiziell) von 8:30 bis 16:30, wird beim ein oder anderen schonmal etwas (damit spreche ich nicht von Stunden ;)) länger. Dienste sind so in etwa 3 pro Monat angesagt - scheinbar klappt die Absprache zwecks Wunschterminen wohl ziemlich gut unter den Ärzten.
Zur Eingangsfrage: Scheint also durchaus Freizeitkomptaibel sein! :)
Zur Tätigkeit: Ich gehe bei Visiten mit, mache Aufnahmen + Diktate, Einzelgespräche, schaue mir verschiedene therapeutische Angebote an, usw. usw. usw.
Alles in allem muss ich sagen, macht's mir ziemlich Spaß! Inbesondere, dass ich direkt die Möglichkeit hatte Aufnahmen zu machen und so unmittelbaren (auch "therapeutischen") Patientenkontakt zu bekommen. Ich denke, dabei habe ich bisher am meisten gelernt - auch wenn Routine natürlich nach so einer kurzen Zeit noch absolut auf sich warten lässt ;)

Stellen in der Ärzteschaft werden in dieser Klinik, soweit ich es beurteilen kann, scheinbar nicht abgebaut - gerade sind noch 2 Ärzte neu dazugekommen. Fachärzte werden aufgebildet und - so wie's aussieht - auch gerne gehalten. Die Ausbildung im Haus wird forciert.
Also von "Ödnis" kann ich in dieser (peripheren) Klinik keinesfalls sprechen :)

Ok.. das soll jetzt erstmal genug sein für heute Nacht!

MfG,
Stalagmit

Rumpelstilzchen
09.09.2008, 10:57
Ich habe neben dem Studium lange als Pfleger in der Psychiatrie gearbeitet.

Argumente für eine Karriere als Psychiater sind tatsächlich die wenigen Dienste (an meinem ehemaligen Haus waren es 5 im Quartal), die gute Besetzung und die körperlich wenig anstrengende Arbeit, der Dienst begann um 8.30 Uhr und ging bis 16.30 Uhr. Außerdem hat man mehr Zeit für Patienten als in anderen Fächern und kennt seine Stammkunden irgendwann.

Was mich abschreckte, war in erster Linie das Gewaltpotential. Es gab zwar sehr wenig echte körperliche Auseinandersetzungen, aber das häufig unterschwellig aggressive Auftreten der Patienten empfand ich als unangenehm. Wobei ein Arzt natürlich nicht immerzu auf Station und damit unter den Patienten sein muß und davon nicht immer was mitbekommt.

Außerdem hatten wir viele Drogen- und Alkoholabhängige, die neben ihrem körperlichen auch einen charakterlichen Verfall durchgemacht hatten, sich gegenseitig beklauten und so weiter. Manchmal kam ich mir bei Diskussionen mit den Patienten vor, als würde ich mit kleinen Kindern diskutieren und ihnen die Regeln des Zusammenlebens erklären.

Trotzdem glaube ich, daß die Psychiatrie bei Eignung und Interesse eines der weniger anstrengenden Fächer und daher zu empfehlen ist. Man sollte sich nur vorher ansehen, welches Einzugsgebiet die Klinik hat.

Frau Betty Land
12.09.2008, 20:12
Durch den zunehmend horriblen Ärztemangel in der Psychiatrie, die z.T. extrem starke Stellung der Pflege und höchst unkreative Verwaltungen / Chefärzte wird die Arbeitsbelastung in den meisten Kliniken aber immer schlimmer und ist wahrlich nicht mehr zu empfehlen !

Alte Hierarchien werden beibehalten, OÄ wollen nun die Früchte jenes Buckelns genießen, das sie selbst jahrelang mitgemacht hatten und es wird immer mehr rein soziales in der Psychiatrie abgeladen....

apple
13.09.2008, 14:10
Körperlich anstrengend ist es zwar nicht, dafür ist man nach zig Gesprächen mit Patienten, Angehörigen, Betreuern, Sozialarbeitern, Richtern usw. und dem ganzen Schreibkrams abends auch ziemlich platt. Und die von Rumpelstilzchen beschriebenen Dinge kommen wirklich häufig vor und sind auch anstrengend. Internistische Arbeit hat man auf den Akut-, Geronto- und Suchtstationen auch recht häufig, dort kommt auch manchmal das Gefühl der Fließbandarbeit mit einer Aufnahme nach der anderen auf. Da ist es auch oft schwer, pünktlich rauszukommen, finde ich :-nix Ich denke, man stellt sich die Psychiatrie oft etwas zu relaxt vor. Bei uns geht`s von 8 Uhr bis 17 Uhr, Überstunden halten sich in Grenzen, zwischen 17 Uhr und 18 Uhr kommt man eigentlich immer raus, was natürlich etwas von der individuellen Organisation eines jeden (Briefe etc.) abhängt. Da ich nebenbei noch in der Forschung tätig bin, komme ich letzendlich meist erst 19-20 Uhr nach Hause, aber das ist ja kein Muss (macht mir aber Spass, manchmal ist man nämlich nach stundenlangem Reden auch froh, vor einem PC zu sitzen, der nichts sagt :-)) )

Soulfly
14.09.2008, 13:26
Interessantes Thema ;)
Bei mir ist Psychiatrie auch in der engeren Auswahl. Finde die Krankheitsbilder sehr interessant und auch den engeren Patientenkontakt als positiv. Habe allerdings bislang noch sehr viel "Respekt" vor dem Fach, weil ich ein wenig Angsthabe, dass ich die "Geschichten" der Patienten mit nach Hause nehme... Klar sind andere Fächer wie z.B. Onko auch derart belastend, aber ich denke man sollte diese Art von Arbeitsbelastung nicht unterschätzen....
Eine Famulatur in Zukunft wird wohl weiter helfen :-top