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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : ASS und Magensäure



Karoline.Walter
18.08.2008, 22:42
es ist ja so, dass durch ass die bildung des schützenden schleimteppichs gehemmt wird. wie machen das denn dann menschen, die regelmäßig ass (blutverdünnung) nehmen müssen? ist dann noch irgendwas in der tablette drin?

Hoppla-Daisy
18.08.2008, 22:45
Die nehmen nicht die volle Dröhnung (500 mg), sondern allerhöchstens 300 mg/d.

Mein Vater nimmt das seit 5 Jahren und hat noch keinen Ulcus :-))

Nemesisthe2nd
18.08.2008, 22:58
die standarddosierung zur prophylaxe ist doch nur 100mg/d oder?

wie daisy schon gesagt hat, es ist, wie so oft, eine Frage der Dosierung...

und auch des Präperats
Diclofenac ist zB wesentlich Nebenwirkungsträchtiger was den magen angeht.

Hoppla-Daisy
18.08.2008, 23:00
Soweit ich weiß, ist von 100 - 300 mg/d alles möglich :-nix

Gast26092018
18.08.2008, 23:06
Es gibt ja auch dieses buffered aspirine (gepuffert) mit einer Magensaftresistenten Ummantelung...dadurch wird der Wirkstoff erst im Dünndarm frei und der Magen wird verschont...
Die Wirkung tritt dann aber etwas verspätet ein. Patienten die täglich ASS einnehmen müssen wird gepuffertes Aspirin verschrieben oder?

Hoppla-Daisy
18.08.2008, 23:08
Nicht dass ich wüsste. Ist stinknormales ASS 100

bauerlein
18.08.2008, 23:15
KHK-Patienten kriegen meist 100 mg ASS/Tag. Zum Magenschutz kann man nen Protonenpumpenhemmer dazu geben (kriegen aber nicht alle Pat.)

Und Diclofenac geht nicht nur auf den Magen sondern is v.a. auch nephro-und hepatotoxisch. :-lesen

Schnatti
18.08.2008, 23:23
Es gibt ja auch dieses buffered aspirine (gepuffert) mit einer Magensaftresistenten Ummantelung...dadurch wird der Wirkstoff erst im Dünndarm frei und der Magen wird verschont...
Nee, die "Schonung" macht maximal 1% des Gesamteffektes aus - der Hauptteil des Problemes ist nicht der Kontakt zwischen dem Wirkstoff und der Magenschleimhaut, sondern die systemische COX-Hemmung. Und für die ist es erstmal egali, ob die ASS magensaftresistent verpackt ist oder nicht.
Ich will nicht behaupten, dass das absolute Geldverschwendung ist, die paar Cents für den Säureschutz draufzulegen, aber einen klinisch relevanten Vorteil bietet es bestimmt nicht.


Die Wirkung tritt dann aber etwas verspätet ein. Patienten die täglich ASS einnehmen müssen wird gepuffertes Aspirin verschrieben oder?
In den seltensten Fällen. Aus oben genannten Gründen hat der verschreibende Arzt da zumeist wenig Interesse daran.
Hin und wieder erlebt man es aber doch, zugegeben.

Grüße,
Schnatti

Hertzsprung
20.08.2008, 16:36
nana bitte keine halbwahrheiten.

warum ASS so prädestiniert für einen ulcus ist, liegt an der Ionenfalle. Wenn der pH Wert des Magens sehr niedrig ist (pH=2), dann wird die saure ASS sehr gut in der magenschleimhaut aufgenommen und bleibt dort gefangen (sog. "ion trapping"). weil es sich dort angereichert hat, werden speziell die COX Enzyme dort gehemmt und es wird bedeutend weniger schützender Schleim produziert.

Es ist daher empfehlenswert, bei höheren dosen von ASS - über einen längeren zeitraum - einen protonenpumpenhemmer dazuzugeben! bei prophylaktischen gaben im bereich von 50-100 mg/d, wenn die tablette dann noch zum essen genommen wird, ist es egal.

Schnatti
21.08.2008, 00:08
Falls du mich mit den Halbwahrheiten meintest:

Wenn es tatsächlich lediglich den galenischen Schritt ausmachen würde, um ASS weitestgehend frei vom Ulcusrisiko zu bekommen, gäbe es sie meiner Meinung nach schon längst nicht mehr in nicht-magensaftresistenter Form und alle wären happy. Von daher zweifle ich an klinisch bedeutsamen Auswirkungen vom Ion Trapping.

Grüße,
Schnatti

Nessie79
21.08.2008, 10:54
In meinem Pharmabuch steht, dass ASS in Low-Dose-Therapie (100-300 mg) aufgrund der PK keine Hemmung von Prostazyklin bewirkt, sondern nur die Hemmung von Thromboxan, da ASS in niedriger Dosis nicht systemisch wirksam wird. Der ASS-Spiegel im Pfortaderblut ist jedoch ausreichend hoch, um in den dort zirkulierenden Thrombozyten COX irreversibel zu hemmen. Erst bei höherer Dosierung kann ASS auch an den Endothelzellen des Magens wirken. Ergo: Die Dosis macht das Gift...

Andi G. Schütze
21.08.2008, 11:49
@Nessie79
Haben uns unsere Pharmakologen auch so erzählt, nur würde ich es nicht so absolut formulieren. Ist sicherlich der Hauptgrund für die geringeren systemischen UAWs bei der Dosierung mit ca. 100mg/d, aber hin und wieder kann es die sicherlich doch geben...

Nessie79
21.08.2008, 12:13
@Nessie79
Haben uns unsere Pharmakologen auch so erzählt, nur würde ich es nicht so absolut formulieren. Ist sicherlich der Hauptgrund für die geringeren systemischen UAWs bei der Dosierung mit ca. 100mg/d, aber hin und wieder kann es die sicherlich doch geben...
Das ist natürlich richtig! Und wenn mir ein Patient schon von seinem empfindlichen Magen oder irgendwelchen Magenulcera aus der Vergangenheit erzählt, dann würde ich genau deshalb um auf Nummer sicher zu gehen einen PPI dazugeben. :-top
Aber eben nicht bei jeder Omi, die dann noch eine Tablette mehr schlucken muss...