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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der verzwickte Traum Medizinstudium



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zweistein
04.10.2008, 17:18
... es werden wohl wenige Fächer von Studienanfängern so verblendet wahrgenommen wie Medizin... Aber spätestens nach dem Krankenpflegepraktikum müsste man in der Realität angekommen sein. Wenn einige meinen, dann sei es für einen Studienfachwechsel zu spät, weil man dann evtl. schon einige Semster in die Vorklinik investiert hätte, könnte man bzw.die für die Approbationsordnung Zuständigen leicht Abhilfe schaffen, indem man ein Krankenhauspraktikum als Voraussetzung für die Zulassung zum Medizinstudium einführte.

alley_cat75
04.10.2008, 17:57
Ich will jetzt keine alten Geschichten aufrollen oder gar politisch abdriften, aber in der DDR musste man vor dem Studium eine Art soziales Jahr im Krankenhaus machen. Jeder, der damals unter diesen Bedingungen studiert hat, fand das gut. Zwölf Monate würde ich nun nicht einführen, aber das KPP vor dem Studium zur Pflicht zu machen, hielte ich für eine exzellente Idee.

Evista
04.10.2008, 19:04
Ich empfinde die Klinik (wie die meisten Leute dich ich kenne) als das reinste Paradies im Vergleich zur Vorklinik. Lockerere Atmosphäre, nette Dozenten nicht im Vorklinik-Style auf dich herabschauen, humanere Prüfungen, mehr Freizeit...

Vielleicht weil hier die Lehre in der Vorklinik besser war und ich eigentlich nur wissenschaftlich motiviert ins Studium rein bin; dachte mir halt Medizin sei die einfachste "Wissenschaft", da könne nichts schiefgehen, und man hätte ein weites Spektrum. Außerdem war es beruhigend, einfach nur sein Zeug zu lernen und gut wars, aber in der Klinik kommt da noch so viel anderer Mist dazu, den man erledigen muss-der ist das eigentlich Schlimme. Und dann noch die Tatsache, dass ich nicht gern daran erinnert werde, später mal in eine Klinik mit Patienten zu müssen, aber am allerschlimmsten: Die Laberfächer, die man qualvoll absitzt, nehmen zu. Ist wohl individuell unterschiedlich, vielleicht auch ortsabhängig. Wobei man es mir wahrscheinlich nirgends Recht machen könnte; ich mein es passt schon, mal sollte dankbar sein dass einem der deutsche Staat und die Eltern das ermöglichen; das ist auch eine Pflicht, da darf man nicht rumjammern. Tut mir leid, dass ich rumgejammert habe.

Kackbratze
05.10.2008, 10:38
Bist halt n Opfer.
Warum lamentierst Du hier rum und änderst nix?
Abbrechen geht immernoch und dann halt n Job/Studium suchen wo man so arbeitet, wie Du es Dir in deinen Träumen vorstellst.

netfinder
05.10.2008, 10:43
dachte mir halt Medizin sei die einfachste "Wissenschaft", da könne nichts schiefgehen, und man hätte ein weites Spektrum.

sauberer Einfall; aber wenn dies der einzige Antrieb war, mit dem Medizinstudium zu beginnen, dann kann ich mich Kackbratze nur anschliessen.

Monty
05.10.2008, 12:00
Hm, komisch wie sich dieser Thread hier entwickelt und dass ich plötzlich das Gefühl habe, mich wegen meiner Einstellung Leuten gegenüber, deren Meinung mir sche*ßegal ist, rechtfertigen zu müssen.
Aber gut, alley_cat, bei dir scheint ja alles super zu sein, deswegen fällt mir auch nicht so viel ein, was ich da entgegnen könnte, deshalb nur mal was zu der Dankbarkeitssache: Du hast schon recht, viele Jobs sind irgendwo undankbar, aber kaum einer weißt eine so hochkarätige Undankbarkeit auf, wie der Arztjob. Pulmologie ist doch ein super Bsp.: Du hast als Pulmologe natürlich super Aktien auf die Raucher. Und dann kommen sie auch regelmäßig mit ihrer COPD oder ihrem Karzinom, husten dir Blut und Eiter entgegen und du mühst dich ab, damit sie mit ihrem Haufen Mist, der ihre Lunge noch ist, noch ein bis zwei Jahre länger atmen können und als Dank gehen sie heimlich auf den Balkon um weiter zu rauchen und fragen bei jeden Visite angepisst, warum es denn so lange dauert und warum sie nicht nach Hause können und stellen fest dass das Essen nicht schmeckt. Nein, das hat nichts mit "im Lob anderer Leute sonnen" zu tun, darauf habe ich einfach keine Lust. Und weil hier immer dieser Unsinn durchblickt, dass man doch einfach was anderes studieren könnte: Ich bin doch nicht bescheuert und haue zwei/drei Jahre meines Lebens einfach in die Pfanne, wenn ich in den Mist schon so viel Energie gesteckt habe, dann mache ich ihn natürlich auch fertig. Ich mache das beste draus und studiere halt hinterher noch was anderes und werde mit Hilfe beider Studiengänge mein Geld verdienen, ich sehe da ja nicht wirklich ein Problem für mich, nur wollte der Threadersteller wissen, ob er Medizin studieren soll, und da ist meine Antwort klar.

Kackbratze
05.10.2008, 12:15
Lieber 2 Jahre verschwendet als insgesamt irgendwann 6.
Aber das muss ja jeder für sich selber entscheiden, inwieweit Lebenszeit zum verschwenden geeignet ist....dann isses wohl dochnicht sooo weit mit der Abscheu gegenüber diesem undankbaren Beruf.

Und bitte nicht vergessen, dieses insgesamt dann verschwendete Studium kostet den Steuerzahler immernoch knapp eine Million (über den Daumen gepeilt).
Willst Du nicht lieber das Geld vernünfitg anlegen und jemand Anderem mit mehr Enthusiasmus und Willen den Platz überlassen?

Der Praktikant
05.10.2008, 13:08
kostet den Steuerzahler immernoch knapp eine Million (über den Daumen gepeilt).


Welche Einheit denn? Oder nen großen Daumen? Gibts da mal ne Quelle, mit Google komme ich da irgendwie nicht so weit, hab bis jetzt nur 100000 Deutsche Mark bis 150000€ gefunden, aber eine Million? Naja, wie gesagt, vielleicht halt doch über nen großen Daumen gepeilt :-))

Hellequin
05.10.2008, 14:35
Die 1 Mio/Student/Medizinstudium hat mal unsere allseits beliebte Bundesgesundheitsministerin ins Gespräch gebracht. Und etliche Medien habens dann dankbar übernommen.
Das da was nicht passt kann man sich ja selber grob ausrechnen. Die Einnahmen der Hochschulen liegen bei ca. 20 Mrd €/Jahr (zumindestens in den Quellen die ich gefunden hab). Jedes Jahr fangen ca. 10.000 Medizinstudenten ihr Studium an. Wenn man jetzt mal der Einfachkeit halber unterstellt, das die Kosten sich gleichmäßig aufs Studium verteilen und die Anzahl der Studenten konstant bleibt, kommt man auf 10 Mrd. €/Jahr die das Medizinstudium angeblich kostet. D.h. Medizinstudenten machen so etwa 5-10% aller Studenten aus, verbrauchen aber 50% des Geldes. Skandal!!!!! :-D

Kackbratze
05.10.2008, 14:39
mein Fauxpas, habe mir dann dochmal eine aktuellere Quelle (von 2006) gesucht:
http://swb.weiss-intermedia.de/index.php?id=395&doc=25499&ar=


Die Medizinerausbildung frisst allein fast die Hälfte der gesamten Hochschulausgaben. Ein Medizinstudent kostete Vater Staat ca. 30.000 Euro pro Jahr.

6 Jahre = 180000 Euro
+Bafög

Da muss eine alte Oma auch lange für Stricken.
Und wenn, wie angedrohnt, noch ein zweites Studium drangehängt wird von unserem Verzweifelten da oben, wirds noch teurer...

alley_cat75
05.10.2008, 15:26
... kaum einer weißt eine so hochkarätige Undankbarkeit auf, wie der Arztjob. Pulmologie ist doch ein super Bsp.: Du hast als Pulmologe natürlich super Aktien auf die Raucher. Und dann kommen sie auch regelmäßig mit ihrer COPD oder ihrem Karzinom, husten dir Blut und Eiter entgegen und du mühst dich ab, damit sie mit ihrem Haufen Mist, der ihre Lunge noch ist, noch ein bis zwei Jahre länger atmen können und als Dank gehen sie heimlich auf den Balkon um weiter zu rauchen und fragen bei jeden Visite angepisst, warum es denn so lange dauert und warum sie nicht nach Hause können und stellen fest dass das Essen nicht schmeckt.

Monty, ich bin Ärztin geworden, um Krankheiten zu lindern, zu heilen - und nicht um Leute zu ändern. Ohne diese Erkenntnis ist man in dem Job verloren und richtig, dann macht er auch keinen Spaß. Aber wie gesagt, ich versuche nicht mit aller Kraft, den Menschen hinter der Erkrankung zu belehren oder ihm aufzuzählen, was er in seinem Leben alles falsch gemacht hat. Dazu habe ich kein Recht. Und im Übrigen weiß der Raucher sehr wohl, dass die Qualmerei seiner Gesundheit nicht förderlich ist. Über gewisse Dinge muß man einfach hinwegsehen können, sonst kann man kein Arzt sein.

Monty
05.10.2008, 19:22
So würde ich das unterschreiben alley_cat.

@kackbratze: Pfff, klar, ich prelle den Steuerzahler um Millionen. Ich schlage vor, dass du den Betrag ausrechnest den ich dich koste (so etwa 0,08 Cent pro Jahr) und demnächst einfach nicht mehr zahlst.
Was das Abbrechen angeht: Ich breche doch im 9. Semester kein Studium mehr ab, insbesondere nicht, wenn es mich eigentlich ja schon interessiert. Nur als Arzt will ich später nicht dauerhaft arbeiten. Mein Plan ist in die Medizintechnik zu gehen, wie andere Leute die Pharmaindustrie oder Forschung anstreben. Mir nutzt das Studium damit eben grundsätzlich schon.

Kackbratze
06.10.2008, 12:46
@kackbratze: Pfff, klar, ich prelle den Steuerzahler um Millionen. Ich schlage vor, dass du den Betrag ausrechnest den ich dich koste (so etwa 0,08 Cent pro Jahr) und demnächst einfach nicht mehr zahlst.
Was das Abbrechen angeht: Ich breche doch im 9. Semester kein Studium mehr ab, insbesondere nicht, wenn es mich eigentlich ja schon interessiert. Nur als Arzt will ich später nicht dauerhaft arbeiten. Mein Plan ist in die Medizintechnik zu gehen, wie andere Leute die Pharmaindustrie oder Forschung anstreben. Mir nutzt das Studium damit eben grundsätzlich schon.

Dann geh doch in die Pharma oder Forschung, aber nöle hier nicht andere Leute voll, die mit ihrem Beruf zufrieden sind!
Ausserdem hat der normale Steuerzahler nicht die Option einfach "den Beitrag für Dich" selektiv zu streichen.
Mich jucken 0,8cent im Jahr nicht. Allerdings läppert sich sowas bei der Menge an Studenten in Deutschland...aber es geht hier ja nur um Dich und um nix anderes...

Linda.1001
06.10.2008, 13:15
Mein Plan ist in die Medizintechnik zu gehen, wie andere Leute die Pharmaindustrie oder Forschung anstreben. Mir nutzt das Studium damit eben grundsätzlich schon.


Hätte man sich das nicht eventuell früher überlegen können? Wozu dienen sonst solche feinen Praktika wie das KPP oder die Famulatur?
Bist du nieeeee auf den Gedanken gekommen, was es bedeutet Arzt zu sein bzw. wie dieser Beruf aussieht? Also ich hätte da mehr erwartet...

Stimmt, du musst dich vor keinem hier rechtfertigen.....wieso aber machst du dann einen Thread auf und stellst deine Meinung zur Schau, wenn du sowieso im voraus weisst, dass deine Meinung /Einstellung wohl auf wenig Verständinis stoßen wird?

Naja.

netfinder
06.10.2008, 14:50
Hätte man sich das nicht eventuell früher überlegen können? Wozu dienen sonst solche feinen Praktika wie das KPP oder die Famulatur?
Bist du nieeeee auf den Gedanken gekommen, was es bedeutet Arzt zu sein bzw. wie dieser Beruf aussieht? Also ich hätte da mehr erwartet...


Also da muss ich jetzt aberschon sagen: Muss man sich das früher ueberlegen? Muss man "auf den Gedanken kommen", was es bedeutet Arzt zu sein ... Das kannst du von dir erwarten, aber es ist noch lange kein Muss...

Peter_1
06.10.2008, 15:43
Ich verstehe gar nicht wieso man sich so über die verschiedenen Möglichkeiten mit dem Medizinstudium was anzufangen in die Haare kriegen muss! Tatsache ist doch, daß einem nach dem Studium eben verdammt viele Möglichkeiten offenstehen von klassischer Tätigkeit als Arzt über z.B. Labortätigkeit bis hin zu Tätigkeiten in der "freien Wirtschaft". Das Studium ist doch nicht gleichzusetzen mit der späteren Tätigkeit und keinesfalls müssen alle "Bock" drauf haben später als klinisch tätiger Arzt zu arbeiten. Wenn man aus welchen Gründen auch immer keine Lust hat als "klassischer" Arzt zu arbeiten, so besteht doch überhaupt keine Notwendigkeit sich dafür zu rechtfertigen. Im Gegenteil, nichts ist schlimmer als dauerfrustrierte und ausgebrannte klinisch tätige Ärzte! Dann lieber was nicht klinisches machen! Viele merken dies halt erst im Studium (manche auch erst danach), na und?
Ich für meinen Teil bin gerne "klassischer" Arzt, ich kann es aber absolut verstehen, wenn es Leute gibt die genau dies absolut annervt. Sind halt nicht alle Menschen gleich und die Motivation für ein Studium ist halt genauso vielfältig. Tragisch ist halt, wenn man überhaupt nicht weiss wozu man sich durchs Studium quält und wenn man darunter extrem leidet! Dann sollte man sich vielleicht schon überlegen abzubrechen und was anderes zu machen.

Linda.1001
06.10.2008, 19:18
Also da muss ich jetzt aberschon sagen: Muss man sich das früher ueberlegen? Muss man "auf den Gedanken kommen", was es bedeutet Arzt zu sein ... Das kannst du von dir erwarten, aber es ist noch lange kein Muss...

Dass man mit schwer kranken Patienten zu tun haben wird und nicht nur ein Halbgott in weiss ist schon! :-meinung

alley_cat75
08.10.2008, 09:09
Tatsache ist doch, daß einem nach dem Studium eben verdammt viele Möglichkeiten offenstehen von klassischer Tätigkeit als Arzt über z. B. Labortätigkeit bis hin zu Tätigkeiten in der "freien Wirtschaft".

Völlig richtig und zum Glück haben wir nicht alle die gleichen Neigungen, sonst würde es keine forschenden Ärzte geben oder eben keine klinisch tätigen. Jedoch setze ich eine gewisse Grundeinstellung für den Beruf voraus, schon vor dem Studium. Und die kann nicht darin bestehen, bereits im 1. Semester zu heulen wie schwer und schlimmm alles ist, wie furchtbar die Arbeitsbedingungen und Bezahlung und zu guter Letzt die Patienten sind. Dank der selbigen bekommen wir Geld, haben rosige Berufschancen und werden auf jeder Party von allen bestaunt. :-)

Kackbratze
08.10.2008, 09:21
nd werden auf jeder Party von allen bestaunt.

Wenn nur dieses leidige "Anfassen" und "ankuscheln" nicht wäre, wärs sogar cool... :-))

alley_cat75
08.10.2008, 09:28
Ich erzähle immer, wie sehr die Anzahl unserer Tbc Patienten in den vergangenen Monaten gestiegen ist - das hilft.