Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Patch" Adams
Pünktchen
22.10.2002, 18:11
hmmmm...ich meinte, daß man 1 Jahr auf Station, die natürliche Auslese fördern würde...
ich weiß nicht, ob man persönliche Reife so lernen kann...man sammelt erfahrungen und kann Patienten vielleicht besser verstehen und sich später in die Situationen reindenken...
Wer will denn soziale Kompetenz beurteilen?
oder persönliche Reife?
Pünktchen
Truthahn
22.10.2002, 18:17
Ich finde es herrlich airmaria ...
endlich mal jemand der sich wehrt :-)
Hoffentlich treffeb wir uns mal live auf ein oder zwei Bierchen zum gemeinsamen Diskutieren (soll keine Anamche sein !).
Ich habe das Gefühl das könnte mit dir gehörigen Spass machen !
cu, Alexander
airmaria
22.10.2002, 18:20
Nene mein Truthähnchen: mit nur eins zwei Bierchen kannste mich so schnell nicht locken...
... und hoffentlich stehst Du nicht auf Männer! :-))
"Mary" airmaria
Ein Jahr in KH arbeiten bedeutet auch, dass sich die Ausbildung um ein ganzes Jahr verlängert! Untragbar also... Außerdem fände ich es eine Frechheit, wenn man gezwungen würde, ein Jahr lang ohne Bezahlung Drecksarbeit zu machen (ihr armen Zivis! ;-) )
Das soll aber bitte nichts falsch verstanden werden! Ich bin auch durchaus dafür, das Pflegepraktikum zur Pflicht VOR dem Studium zu machen. Vielleicht sind sogar 3 Monate sinnvoll, wenn etwas konkretere Bestimmungen gelten würden. Z.B. dass man in den 3 Monaten auf mindestens 3 verschiedenen Stationen arbeiten und einen Monat entweder in einer Praxis oder einer sonstigen medizinischen Einrichtung ohne Betten (Labor, Röntgen) ableisten kann. Bei 3 Monaten würde ich aber einen kleinen Obulus verlangen. Wenisgtens ein paar Euro am Tag plus Zuschläge für Wochenenden und Feiertage - wie die Zivis.
Und was machen wir mit den Medizinstudenten, die nunmal wirklich eine wissenschaftliche Laufbahn anstreben? Zwar gibt es Studienrichtungen wie Molekularmedizin, molekulare Biologie und Biochemie, aber das steckt doch alles noch in den Kinderschuhen. Vorher wäre also wieder mal eine Reform nötig!
Truthahn
23.10.2002, 14:53
@ airmaria : Aber nicht doch, ich bin stocklesbisch ! :-D
Na gut, ich kann ja noch ne Pizza drauflegen.
:-dafür
Mrs.Pooh
02.11.2002, 01:01
Hi,
es gibt solche Idealisten noch, in der Palliativmedizin. es ist ein sehr schöner und trauriger Bereich und vieles was man den "normalen" Patienten verwehrt, wird dort doch noch möglich....man hat (noch) Zeit für Gespräche.
Menschlichkeit ist ungeheuer wichtig!!! Leider sind wir selbst, oft genug, nicht mehr menschlich, ist dir schon mal aufgefallen wie viel Patienten dir erzählen wenn du dich ruhig und still zu ihnen setzt? Vor allem wenn der Tod nur noch eine Frage der Zeit ist? Es sprudelt förmlich aus ihnen heraus.....Gedanken, Gefühle, Ängste, Hoffnungen...Familiengeschichte...die erste große Liebe und beim zuhören wird man ein Teil von Ihnen....Auf einmal hast du nicht mehr den Mundboden CA Pat. vor dir...sondern den ehemaligen Kraftfahrer der sich eigentlich nichts sehnlicher wünscht als über die Autobahnen zu fahren...und sich darauf freut nach Hause zu kommen, zu seiner Frau und mit ihr etwas zu essen (Essen ist ja nun eine Oual für ihn, die Zunge ist ja festgenähnt)...reden und abends neben ihr einzuschlafen.
Die kleinen Dinge machen das Leben groß, manchmal frage ich mich auch wann z.B.: Heimpatienten das letze Mal als Menschen wahrgenommen wurden, die heutigen 80jährigen die mit Exikose und Obstipation vom Heim ins Krankenhaus und wieder ins Heim....und immer so weiter, bis zum Tod! Vielleicht sind sie, als sie 60 Jahre alt waren...zum letzten Mal mit Vornamen angesprochen worden...Einsamkeit und Unmenschlickeit...das ist uns allen sicher im Alter...es sei denn es kommt ein Idealist daher und schaut uns in die Augen, nicht an uns vorbei und hört uns zu und spricht uns mit unserem Namen an... obwohl wir ihn selbst höchstwahrscheinlich vergessen haben.
Interessanter Gedanke, das mit dem Namen. Irgendwann ist man dann nur noch Herr oder Frau sowieso... hm.... schön ist das nicht.
Ich hab zumindest immer versucht wirklich alle Patienten wie Menschen zu behandeln. Schon das Kleinkind Getue mancher Schwestern ging mir auf die Nerven. Da war eine, die mit den Patienten geredet hat, als ob sie Fünfjährige wären! Wahrscheinlich eher unbewusst. Vielleicht passiert das einfach nach ein paar Jahren Berufspraxis.
Doc Pepp
02.11.2002, 18:06
Hallo.
Ich war als Zivi im KH und zunächst auch überrascht, in was für einem Ton die Schwestern oft mit den Patienten reden. Zwei Tage später hab ich mich selbst dabei ertappt, wie ich mit künstlich-hoher Stimme Gespräche führte. Das gehört wohl einfach dazu... Ist aber meiner Meinung nach keineswegs ein Zeichen mangelnden Respekts gegenüber den älteren Semestern.
Mrs.Pooh
02.11.2002, 19:02
Hi,
eigentlich ist nicht nur der Name des Patienten ausschlaggebend...es ist mehr, viel mehr...ich arbeite auf einer Palliativstation und da kann man (noch) als Mensch mit Menschen arbeiten!!!
Es ist zwar immer schwer das richtige Maß zu finden zwischen Nähe und Distanz, weil du zu Patienten ein ganz anderes Verhältnis hast. Deswegen muß ich auch widersprechen wenn mir einer sagt, das die Stimme, ob man leise oder laut spricht egal ist! Das ist nicht wahr, die Patienten beobachten einen den ganzen Tag... für die Mitarbeiter ist es ein Patient von vielen...aber für die Patienten, gerade in der Palli sind wir die letzten Wegbegleiter!
Sie schauen uns genau an, und hören uns auch genau zu. Das ist ja dann das Problem...das ist meiner Meinung nach auch der Grund wann wir hart/unmenschlich werden, nämlich genau dann wenn die Patienten sensibel oder offen für unsere Stimmungslage werden. Wenn sie uns sagen können...na, heute nicht gut drauf? oder heute sind sie aber unkonzentriert!!!
Wenn dann Nähe aufkommt...heute...und morgen siehst du sie klein, kachektisch...mit Schnappatmung im Bett...hilflos..dann tut es doppelt so weh!
Wenn du auf so einer Station arbeitest ...besteht dein Leben auf einmal aus vielen Abschieden aber um ehrlich zu sein , möchte ich mein Leben so wie es jetzt auch nicht missen. ich denke es schadet nicht wenn man sich über sein Verhalten und Auftreten Gedanken macht...man kann den Anderen nur insoweit verstehen, insofern man sich selbst versteht.
Sicher ist uns allen doch das keiner auf seinem Grabstein stehen haben möchte: "Allen hat mein Leben gefallen, nur mir NICHT."
Dieser Thread hat mit einer Schablonen-Schilderung der Ärztekategorien begonnen: Hier die einfühlsamen, lieben Idealisten und dort die bösen, ökonomisch angehauchten sprechenden Pschyrembel.
Im Verlauf des Threads finde ich aber in jedem posting die Haltung von sehr differenzierten Autoren, die sich der vollen Problematik bewusst sind. Das stimmt doch sehr zuversichtlich.
Ich denke, die Schablone ist falsch. Selbst die Gesundheitsökonomen sind nicht alles Unmenschen. Sie sind einfach meist Unfähig mit Gefühlen umzugehen und verdrangen sie durch demonstrierte Härte. Die Verkürzung von Liegezeiten muss nicht patietenfeindlich sein, das geforderte Kostenbewusstsein im Gesundheitswesen ist nicht des Teufels und einge Basics in BWL würden keinem angehenden Arzt schaden.
Ich bin mir nicht sicher, ob es korrekt ist immer den Zeitfaktor heranzuziehen als Erklärung für die fehlende Beziehung zum Patienten. In eben einer Minute Patientengespräch kann sehr viel Information gewonnen werden und durchaus eine Beziehung aufgebaut werden. Es braucht nicht immer eine Viertelstunde.
Doch wer ist ein guter Arzt? Hier muss doch auch mal gesagt sein, dass die Fachkompetenz schon noch mindestens auf die gleiche Ebene gehört wie die Sozialkompetenz.
Die Sozialkompetenz gehört zum klinisch praktizierenden Arzt wie das manuelle Geschick des Goldschmiedes. Sozialkompetenz ist aber m.E. nicht objektivierbar, nicht prüfbar und entfällt somit als Selektionsfaktor bei der Zulassung. Die Ärztekarriere ist in der heutigen Zeit, wo Patienten zu Recht kritisch sind und sich nicht alles bieten lassen, zum Scheitern verurteilt, wenn diese Sozialkompetenz auf Dauer fehlt.
Das geforderte Jahr im Krankenhaus vor dem Studium finde ich eine absolute Unverschämtheit (um gleich direkt zu sagen). Das Resultat wäre hier mehr Frust über die Ausnutzung als erlernte Sozialkompetenz.
Ein durchaus richtiger Gedanke - der Zeitfaktor ist nicht allein entscheidend - auch wenn das volle Arbeitspensum mit seiner immer stärkeren Bürokratielastigkeit sicherlich dazu beiträgt. Allerdings habe ich in einem Jahrzehnt Rettungsdienst festgestellt, daß man auch in wenigen Minuten durchaus eine gute Beziehung zum Patienten aufbauen kann. Zum Beispiel schon die einfache Frage, ob er sich nach der Medikamentengabe besser fühlt anstatt nur die Werte der Geräte zu beobachten und zu beurteilen macht eine Menge aus.
Besonders wichtig finde ich auch, daß wir uns im Gespräch mit dem Patienten in dessen Wortschatzniveau bewegen. Ich werde es nie vergessen, wie eine Kollegin im RD (1,0 bayerisches Abi mit Mathe+Latein LK, kaum Freundeskreis, weil extrem arrogant) in der oberbayerischen Prärie den Patienten (den ca. 70jährigen Altbauern eines Einödhofes) fragte, ob er "retrosternalen Agoniedolor" verspüre....
Irgendwas wichtiges wollte ich jetzt noch schreiben - habs aber gerade vergessen (ich werd alt!*grummel*) - ist ja auch schon spät genug.
Bis auf weiteres!
Steffi
ich lache mich gerade tot wegen dem retrosternalen Agoniedolor!!!
Ja genau so habe ich das gemeint mit dem Zeitfaktor.
Die ist wahrscheinlich nicht nur arrogant sondern die versteht auch keine Sau mehr und kann gar keine Freunde bekommen:-)
Bei den Medis gibts aber viele eingebildete, ich bin ja ein bunter Hund wie ihr schon gemerkt habt und wahrscheinlich nicht gerade der preußischkorrekte Standardmedi:-)!
Die die sich im RD wichtig machen sind schon mal die dicksten Affen!
noodles
Out.
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