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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arbeitsmoral und krank sein



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itsneverlupusanyway
22.10.2008, 01:27
bin zwar noch in der ausbildung, aber habe mich scon so einiges mal gefragt, ob es nun nicht kollegial ist, wenn ich fehle, wo ich weiß, dass es für die anderen stress bedeutet. einmal hat mich mein chef nachhause geschickt und meine kollegin hat mich nach ihrem feierabend "zurechtgewiesen" und meinte, dass ich garnicht so krank ausgesehen habe und sie an meiner stelle nicht gegangen wäre.. wenn man sich dann schon sowas anhören muss :-???
(wie krank muss man ausschauen, damit man fehlen darf?)

Meine einstellung: wenn leute zu stark fehlen, wenn probleme sich anhäufen, weil leute krank sind, wenn man davon abhängig ist, dass leute mit fieber auf die station gehen- dann fehlt es am SYSTEM und nicht an individueller moral. Zimbardo hätte sicher das gleiche gesagt.

Bin aber echt positiv überrascht von den antworten in diesem thread, hätte mir fast vorgestellt, es wären lauter goody-goody märtyrer hier, mit dem zeigefinger um "schwänzer" zurechtzuweisen.

Nachdem ich voraussichtlich nach silvester irgendwann selber arbeiten anfangen werde, würde es mir voll interessieren, was für eine taktik ihr wählt damit es euch rein egoistisch gut geht. Heimbleiben- super, aber mit welchen konsequenzen muss man rechnen? Bloss ein paar sauere kollegen? Schlechtere ausbildung? Von wem muss ich unbedingt gemocht werden?

condorito
22.10.2008, 07:58
Ich habs einmal durchgezogen und mich wirklich krank zur Arbeit geschleppt.
Gebracht hats mir im Endeffekt ne verschleppte Pneumonie und sonst garnix.
Vor allem weder Ruhm noch Ehr´.
Ich würde den Teufel tun und mich dafür auch noch rechtfertigen.
Es könnte allerdings sein,daß ich bei sowas als Retourkutsche mal genauer hinschaue,was die lieben Kollegen den ganzen Tag so geschafft kriegen.
Meiner Erfahrung nach sind das nämlich meistens die,die den Tag lieber mit Kaffee saufen und gut aussehen rumbringen.

hypnose-kroete.de
22.10.2008, 09:34
<snip>
Dann steht man da mit 'nem dummen Gesicht.

Zusätzlich zu dem dummen Gesicht steht man hoffentlich auch noch mit schlechtem Gewissen, Vorwürfen, die man sich dann berechtigterweise selbst macht da und möglicherweise vor Gericht...

Klingt wirklich nach Spaß, muß ich dringend mal ausprobieren^^



<snip>meine kollegin hat mich nach ihrem feierabend "zurechtgewiesen" und meinte, dass ich garnicht so krank ausgesehen habe und sie an meiner stelle nicht gegangen wäre<snip>

Es gibt einen Unterschied zwischen Kollegen, und Menschen, die zufällig in der gleichen Abteilung/beim gleichen Arbeitgeber angestellt sind wie man selbst...


Edith sagt, wenn ich noch einmal vergesse ein Quote-Tag zu schließen gibts was auf die Finger!

Peter_1
22.10.2008, 10:51
Am besten man geht noch mit Fieber, Diarrhoe und Erbrechen im Dienst auf die Neugeborenenintensivstation oder hängt die Chemos bei den immunsuppr. Patienten in der Onkologie an... Vielleicht erbricht man während der Reanimation im Dienst mal kurz neben den Patienten, oder kollabiert mal um 3 Uhr nachts neben dem 10. Notfallzugang.... Helden braucht die Medizin... Krankheit ist ja eigentlich nur Charakterschwäche (wer wüsste das nicht besser als wir Ärzte) und wenn ich dann nach dem "banalen" verschleppten Virusinfekt meine Myokarditis habe, oder aber meine Pneumonie, dann kann wenigstens jeder sehen, daß ich alles gegeben habe und kein Schwächling bin (nur, dies interessiert dann dummerweise keine Sau mehr, die Welt ist halt ungerecht...). Ob ich Patienten gefährdet habe, ob ich reihenweise meine Kollegen mit angesteckt habe (auch die Doofen die bei jeder Erkrankung eines Kollegen ihre eigene Leistungsfähigkeit herausstellen müssen), kann mir ja eigentlich egal sein, ich habe es allen gezeigt: ohne mich läuft halt nichts, ich bin unersetzlich, der Chef liebt und braucht mich, die Kollegen sehen auf mich ist Verlass... Kurzum: ich bin der Superdoc, Bezwinger der Seuchen, Held der Arbeit, Sieger auf dem Schlachtfeld der Ehre und Härte gegen sich selbst.
...Dummerweise gilt das nur so lange wie eben alles gut geht, wenn es schief läuft, dann, ja dann heißt es auf einmal "wie konnten Sie nur so blöd sein und in Ihrem Zustand arbeiten"....

Lava
22.10.2008, 11:31
Es überrascht mich, dass hier scheinbar alle einer Meinung sind.

Pünktchen
22.10.2008, 12:02
Der Kollege, der dich für unkollegial hält, weil du krank bist, sollte vielleicht mal an die oben genannten Dinge denken.

Unkollegial halte ich andere Dinge, wenn ich z.B. nen schlechtes Gewissen habe, wenn ich krank von Station gehe, weil sich keiner meiner Kollegen für nen Dienst findet. Wenn man mit Unmut und Genervtsein begegnet wird, wenn man sagt, man kann nen Dienst nicht machen. :-???

zvesda
22.10.2008, 13:23
Es gibt einen Unterschied zwischen Kollegen, und Menschen, die zufällig in der gleichen Abteilung/beim gleichen Arbeitgeber angestellt sind wie man selbst...


Edith sagt, wenn ich noch einmal vergesse ein Quote-Tag zu schließen gibts was auf die Finger!

sie und ich arbeiten als beide als medizinische fachangestellte in einer allgemeinmed. praxis. sie ist 3jahre älter als ich und eigentlich saublöd... aber was lässt man nicht alles in der wartezeit über sich ergehen...
:-nix

hypnose-kroete.de
22.10.2008, 13:45
Für mich bedeutet "Kollegialität" aber auch, daß man Verantwortung füreinander übernimmt und sich nicht gegenseitig in den Rücken fällt.

Man muss gar nicht unbedingt nach Feierabend ein Bier miteinander trinken gehen (wobei es schön ist, wenn man Kollegen hat, mit denen man sowas in Betracht zieht oder sogar tut) aber ein gewisses Maß an Sozialkompetenz und Fairness im Betrieb untereinander gehört auf jeden Fall dazu, damit ich jemanden als Kollege bezeichne.

Alle anderen haben nur zufällig den gleichen Arbeitgeber.

zvesda
22.10.2008, 13:49
dem ist nichts mehr hinzuzufügen :-dafür

Muriel
22.10.2008, 16:28
Ich würde jederzeit den Standpunkt "wenn man krank ist, bleibt man zu Hause" unterschreiben, muss aber leider zugeben, dass ich das bei mir immer wieder anders gesehen habe. Ich habe mich auch mehrmals mit Fieber zur Arbeit geschleppt, weiß aber nur zu genau, wie falsch das ist, wurde dann auch prompt von OÄ und CA nach Hause geschickt mit dem Vermerk, ich sei (sinngemäß) völlig bescheuert, was natürlich zutrifft, und so werde ich es hoffentlich nicht wieder tun. Ich kann allerdings sagen, dass ich die erste bin, die kranke Kollegen nach Hause schickt. Irgendwie geht es immer auch ohne sie, wahrscheinlich sogar für alle besser, wennn sie nicht da sind und der Rest ein bisschen mehr Gas gibt :-meinung

Lava
22.10.2008, 16:50
Ich muss gestehen, dass ich es schon ein bisschen nachvollziehen kann, dass man zumindest ein schlechtes Gewissen oder das Gefühl hat, seine Kollegen im Stich zu lassen. Letztes Jahr im PJ war ich einmal krank (tatsächlich mit Fieber, was bei mir seit Jahren nicht mehr vorgekommen ist) und es fiel mir unglaublich schwer, anzurufen und zu sagen, dass ich nicht komme. Die Station war nämlich gerade zu diesem Zeitpunkt seeeehr sehr dünn besetzt weil 2 Kollegen im Urlaub waren. Ich weiß nicht, wie sie es trotzdem geschafft haben, das OP Programm durchzuziehen.

capucine
22.10.2008, 18:09
Gerade letzte Woche war ich nach langer Zeit wieder krank und habe mich auch noch so einige Tage aus schlechtem Gewissen zur Arbeit geschleppt. Das war noch dadurch verstaerkt, das ein anderer Kollege eine Lobaerpneumonie hatte und zehn Tag krank war (und wir auch hier in Frankreich natuerlich schlecht besetzt sind), da kam ich mir mit meiner Erkaeltung laecherlich vor, bis zu dem morgen, wo ich bei der Dienstuebergabe dann aus Heiserkeit gar keine Stimme mehr hatte und prompt drei Tage stimmlos zu Hause bleiben musste.
Eigene Doofheit, kann ich da nur sagen! Aerzte kuemmern sich um sich selbst am schlechtesten!

Am nervigsten war jedoch das Drama, als keiner der an dieser Klinik arbeitenden 30 anderen Assis den Nachtdienstt meines an der Pneumonie leidenden Kollegen uebernehmen wollte (obwohl seine Krankschreibung 3 Tage vor dem Dienst schon feststand) und der sich fast mit 40° haette in die Notaufnahme schleppen muessen. Soviel zur franz Kollegiliataet, die mich sehr schockierte. Unmoeglich!

capucine

hypnose-kroete.de
22.10.2008, 18:13
Soviel zur franz Kollegiliataet, die mich sehr schockierte. Unmoeglich!

Ich glaube, wenn Du Pech hast, kann Dir das in D genau so passieren.

Oder ist der Franzose im allgemeinen dafür bekannt, eher unkollegial unterwegs zu sein?

capucine
22.10.2008, 18:34
Eigentlich nicht, aber an den Unis hier in Paris herrscht doch gelendlich ein etwas forscher Umgangston, dh alle sind nett etc, aber wenn dann mal jemand spontan einspringen soll, dann herscht gaehnende Leere. In der Province waere das weniger wahrscheinlich passiert. In meiner alten Klinik in D. fand sind immer jemand, natuerlich ist keiner begeistert, wenn man in der Fruehbesprechung erfaehrt, dass man ploetzlich Dienst hat und hat noch nicht mal ne Zahnbuerste dabei und wollte eigentlich abends ins Kino. Aber man wird es ueberleben, denn wer weiss , wann man selber mal so unverhofft krank wird, aber dieser Satz letzte Woche: "Wenn J. keinen zum Dienstersatz findet, dann muss er eben trotzdem kommen und wenn er eine Lobaerpneumonie hat. Es sind schon andere mit Fieber zum Dienst gekommen..." Das find ich nicht nur den Kindern gegenueber fahrlaessig sondern auch einfach eine Gemeinheit dem Betroffenen gegenueber!

hypnose-kroete.de
22.10.2008, 18:55
Zumindest in Deutschland ist es rechtlich auch nicht unproblematisch krankgeschrieben zur Arbeit zu gehen: Nix Versicherungsschutz (Unfallvers.) und Abrechnungstechnisch auch.

Ich glaube auch Arbeitnehmer können in Teufels Küche kommen, wenn sie krankgeschriebene MA zur Dienstverrichtung zwingen.

Und krankgeschrieben düfte man mit einer Lungenlappenentzündung ja auch in F, oder gibt es so etwas wie unseren "Gelben Zettel" dort nicht..

wassertrinker
23.10.2008, 21:41
Obwohl ich den meisten Antworten hier nur zustimmen kann, sah bisher die Realität tatsächlich etwas anders aus...habe einen einzigen Tag in den ersten 6 Monaten meiner Assizeit gefehlt, als nichts mehr ging, bei heftigster Gastroenteritis (hatten damals einige Noros auf Station), konnte ich mich nur noch ins Bad und zurück ins Bett schleppen, immer wenn ich aufgestanden bin, wurds mir dummelig...aber bis ich mich überwunden hatte, den Chef anzurufen, hatte ich mir nachts noch einige Stunden Gedanken gemacht, wie ich das wohl anstelle...

Arbeiten gegangen bin ich trotzt eines heftigsten grip. Infektes, der sich auch über 1-2 Wochen hinzog bishin zur Fast-Stimmlosigkeit und was ich aktuell tatsächlich mache, ich bleibe bei der Arbeit trotzt heftigster Migräneanfälle mit Aura (schmeiße mir Triptane ein und irgendwie gehts) aber eigentlich find ich es für mich selbst nur armseelig, dass ich mich nicht "traue" zu sagen, dass man krank ist oder gar einfach daheim bleibt.
Und es geht nicht darum, dass man guten Eindruck machen will, sondern dass ich ein schlechtes Gewissen den anderen gegenüber habe und mich tatsächlich nicht "traue"...klingt doof, muß abgelegt werden, evtl. kommt es ja mit der Zeit.

Pünktchen
24.10.2008, 08:30
@wassertrinker
Fühl dich nicht allein gelassen hier, die meisten die hier schreiben, schreiben das was am Sinnvollsten ist, doch um diese Erkenntnis zu erlangen bzw. das schlechte Gewissen zu überwinden zu zugegeben, daß man krank ist und im Grunde keine gute, sichere Arbeitleisten kann, das dauert. Aus den Beispielen der Kollegen kann man schon ablesen, daß jeder schon mal krank zu Arbeit gekommen ist, was dann entweder in Stimmlosigkeit, verschleppten Infekten, angesteckten Kollegen oder schlussendlich mit ner Einweisung im Krankenhaus endete. Als Arzt denkt man sich bei manchen Symptomen das es Pillepalle ist zu hause zu bleiben, man sollte öfters mal zum Hausarzt gehen, der sagt einem schon ob man arbeiten kann oder nicht. Man ist sowieso nicht objektiv sich selbst gegenüber!

Es gibt nen kleinen Unterschied zwischen dem was man tun müsste und dem was man dann tut. :-peng

Lies dir einfach noch mal die obengenannten Argumente durch, dann wird es einfacher zusagen, man ist krank!

Merlins Erbe
05.11.2008, 19:04
Gut, dass es allen oder zumindest vielen so geht.

Szaf
05.11.2008, 20:36
Interessantes Thema hier. Ich war in den letzen 15 Jahren zusammengerechnet nur knapp 13 Tage Krank geschrieben wenn ich den Ausnahmezustand vom letzten Jahr nach meinem Arbeitsunfall mal wissentlich außen vor lasse.

So Dinge wie Migräne, Neurodermitis und Psoriasis gehören einfach zu meinem Leben dazu, so das es meine Ärzte sehr schwer haben mich zur Pause zu zwingen egal wie ich ausschaue. Dementsprechend bezeichne ich mich in der Regel nur dann als Krank wenn ich von Fieber,Übelkeit und Erbrechen in die Knie gezwungen werde.

Unfälle und deren zeitlich beregrenzte Folgen (Hämatom, Schmerzen, Verspannungen) waren in der Regel für mich auch kein Thema solange sie mir keine Einschränkungen bereiteten im Alltäglichen Arbeitsleben. Die Vorfreude auf den nächsten Tag ist einfach für mich immer der größte Antrieb, ich weiß auch nicht warum. Ich glaube ich liebe mein Hobby oder das was ich bisher getan habe Beruflich einfach zu sehr.

Meine Horror AU die ich Eingangs Ausklammerte oben dauerte etwas über 10 Monate und war für mich eine Seelische Berg und Talfahrt. Am Anfang tat sie gut körperlich, sowie Seelisch und ich hatte Zeit mir vieles aus den letzten Jahren bewusst zumachen was ich ändern will. Doch irgendwann ab der 4ten Woche war es dann nur noch Horror weil ich unbedingt wieder Arbeiten wollte, jedes Rettungsmittel das draußen an mir vorbei fuhr verstärkte das Gefühl, so das ich immer wieder an meine Vernunft appellieren musste. Aber um nicht ganz den Zugang zu den Kameraden und zum Alltag zu verlieren besuchte ich 2 mal im Monat den Dienstabend um der Aus- und Fortbildung beizuwohnen.

Viele reden immer von einer Art Krankheitsgewinn die die Patienten haben könnten aus ihrer Situation heraus, ich persönlich kann das nicht wirklich nachvollziehen. Es war ziemlich Sch.... sich eingestehen das man plötzlich Hilfe braucht und die ständigen Kontrolltermine im Krankenhaus waren auch nicht Spaßig, geschweige den die Therapien.

Ehrlich gesagt bin ich Froh wieder Gesund geschrieben zu sein, wieder Arbeiten zu dürfen trotz der Einschränkungen und Schmerzen die ich nun hinnehmen muss. ........
mist Schmerzen und Einschränkungen kann ich ja nicht haben, die waren ja nicht Nachvollziehbar laut Brief...

Mein Fazit der nächste Arzt der mir eine Arbeitsunfähigkeit andrehen will weswegen auch immer kann sich den Mund fusselig reden.

Der einzige Grund um wirklich krank zu sein ist der schon oft hier im Thread genannte, den alles was ansteckend ist geht gar nicht schon allein aus Rücksichtnahme auf Patienten und Kollegen. :-winky