Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Placebo oder Wahrheit
Um mal meinen Senf, als Patient der mit Placebo bei Schlafstoerungen behandelt wurde, dazuzugeben..
Folgende persoenliche Erfahrungen:
Es hat bei mir nichts bewirkt, obwohl ich fest davon ueberzeugt war, das ich ein starkes Schlafmittel bekomme. Dies ging ueber Wochen so und mir wurde immer wieder gesagt ich bekaehme ein wirkliches Mittel. Bis eine vertretende Aerztin mich aufklaerte. Ich habe manchmal bis zu drei Tagen fast nicht geschlafen und bin sehr agressiv und psychisch auffaelig geworden.
Ich habe mich sehr angegriffen und nicht ernst genommen gefuehlt!
Ich sage immer laut und deutlich was ich fuer Probleme habe und bin erschuettert, wenn dies als Indiez fuer eine Simulation gesehen wird.
Fuer mich hatte es eher ein gegenteilieges Resultat: Ich traue keinem Arzt und Mittel in Bezug auf meine Schlafstoerung mehr und auch wirklich starke Mittel helfen nur zeitweise.
Gruesse,
Leber
Ehemaliger User 05022011
13.11.2008, 09:17
Um mal meinen Senf, als Patient der mit Placebo bei Schlafstoerungen behandelt wurde, dazuzugeben..
Folgende persoenliche Erfahrungen:
Es hat bei mir nichts bewirkt, obwohl ich fest davon ueberzeugt war, das ich ein starkes Schlafmittel bekomme. Dies ging ueber Wochen so und mir wurde immer wieder gesagt ich bekaehme ein wirkliches Mittel. Bis eine vertretende Aerztin mich aufklaerte. Ich habe manchmal bis zu drei Tagen fast nicht geschlafen und bin sehr agressiv und psychisch auffaelig geworden.
Ich habe mich sehr angegriffen und nicht ernst genommen gefuehlt!
Ich sage immer laut und deutlich was ich fuer Probleme habe und bin erschuettert, wenn dies als Indiez fuer eine Simulation gesehen wird.
Fuer mich hatte es eher ein gegenteilieges Resultat: Ich traue keinem Arzt und Mittel in Bezug auf meine Schlafstoerung mehr und auch wirklich starke Mittel helfen nur zeitweise.
Gruesse,
Leber
Das ist ja ein starkes Stück, dass sie das über Wochen mit dir gemacht haben. Du schreibst jetzt genau dass, was hier auch schon diskutiert wurde, dass es zum Vertrauensverlust der Patienten führt und das wichtigste in der Medizin finde ich, dass Patienten ihrem Arzt vertrauen können.
Ich finde ein Arzt dürfte dass durchaus einmal versuchen bei Schlafstörung z.B. und wenn dann das Placebo hilft o.k. freu ich mich, dass ich wieder schlafen kann und keine Medikamente nehmen muss, aber über Wochen, wenn klar ist das Placebo hilft nicht, weiter damit zu machen, dass finde ich unmöglich.
hypnose-kroete.de
13.11.2008, 09:52
Wobei man sich bei Patienten mit Substanzgebrauch in der Vorgeschichte schon zweimal überlegen darf, ob man Benzos (als häufigste "Schlafmittel" im stat. Bereich) verabreicht oder nicht...
Kackbratze
13.11.2008, 15:32
Gerade im Akutbereich. Und wenn er weiß, was er nicht verträgt: umso besser!
Es geht dabei aber nicht um "nicht vertragen", sondern um die Forderung nach bestimmten Mitteln ("ich vertrage nur XXX (Morphinderivat), alles Andere wirkt nicht"), die zusätzlich noch einen schalen Nachgeschmack enthält was die Schmerzen anbetrifft.
Vorallem bei leichten Schmerzen gleich so eine Keule zu verlangen zeugt entweder von einer Gewöhnung oder einer Abhängigkeit.
Da sollte man echt vorsichtig sein.
Allerdings gebe ich erst Schmerzmedikamente wenn ich mit der Diagnostik soweit fortgeschritten bin, dass ich die Erkrankung einschätzen kann.
Nichts ist ärgerlicher als ein vollkommen zugedröhnter Blinddarm-Patient prä perforationem, der nix mehr merkt und deswegen nicht mehr adäquat untersucht werden kann.(wurde vom Notdienst so abgeschossen, stellte sich dann vor und auf Grund der Analgesie war der Befund nicht so deutlich, so dass die OP fast zu spät stattfand)
Wenn die Diagnose oder der weitere diagnostische Weg steht wird natürlich adäquat die Behandlung der Schmerzen durchgeführt.
Nichts ist ärgerlicher als ein vollkommen zugedröhnter Blinddarm-Patient prä perforationem, der nix mehr merkt und deswegen nicht mehr adäquat untersucht werden kann.(wurde vom Notdienst so abgeschossen, stellte sich dann vor und auf Grund der Analgesie war der Befund nicht so deutlich, so dass die OP fast zu spät stattfand)
Wenn die Diagnose oder der weitere diagnostische Weg steht wird natürlich adäquat die Behandlung der Schmerzen durchgeführt.
Naja, bei der Großzügigkeit, bei der die Indikation zur Appendektomie gestellt wird und in Betracht der diagnostischen Möglichkeiten (Sono, Labor) ist aber die alte Anordnung "keine Analgesie, solang der OA den Bauch nicht gesehen hat" weiß Gott nicht mehr zeitgemäß, auch wenn manch Chirurg das noch nicht einsehen mag.
Außerdem kann man Schmerzmittel auch titrieren, man muß die Leuts nicht gleich zudröhnen.
Aber wie immer gilt auch hier, man sollte nur das geben, womit man sich auskennt (und die richtige Indikation). Das gilt auch für Placebo.
:-meinung
papiertiger
13.11.2008, 18:54
Naja, bei der Großzügigkeit, bei der die Indikation zur Appendektomie gestellt wird und in Betracht der diagnostischen Möglichkeiten (Sono, Labor) ist aber die alte Anordnung "keine Analgesie, solang der OA den Bauch nicht gesehen hat" weiß Gott nicht mehr zeitgemäß, auch wenn manch Chirurg das noch nicht einsehen mag.
Wird allerdings, wie ich an dieser Stelle mal anmerken möchte, gelegentlich durchaus noch un-zeitgemäß gehandhabt. ;-)
Kackbratze
13.11.2008, 19:46
Naja, bei der Großzügigkeit, bei der die Indikation zur Appendektomie gestellt wird und in Betracht der diagnostischen Möglichkeiten (Sono, Labor) ist aber die alte Anordnung "keine Analgesie, solang der OA den Bauch nicht gesehen hat" weiß Gott nicht mehr zeitgemäß, auch wenn manch Chirurg das noch nicht einsehen mag. Außerdem kann man Schmerzmittel auch titrieren, man muß die Leuts nicht gleich zudröhnen.
Ich hatte ja gesagt, dass der Patient von Ausserhalb in dem Zustand kam.
Und auf den OA warte ich nicht, damit er den Bauch anschaut, allerdings möchte zumindest ich initial einen "Originalbefund" sehen, bevor ich da mit Analgetika etwas potentiell kaschiere.
Ausserdem lege ich sowieso gleich den Zugang, dann gibts auch gleich was darüber...
Und Sono und Labor geben auch nur Hinweise. Insbesondere ein retrocoecal gelegener Wurm der so frisch ist, dass die Leukos nochnicht unterwegs sind....aber egal, darum geht es hier auchnicht.
Und ich würde einen Teufel tun und einem Bauchschmerzpatient einenen "Kessel Buntes" gegen die Schmerzen zu infundieren.
Wenn, dann nur richtige Analgesie.
Aber das ist auchschon geklärt worden, dass man bei solchen Patienten sowas garnicht erst in Betracht ziehen sollte.
Ich hatte ja gesagt, dass der Patient von Ausserhalb in dem Zustand kam.
Achso, das meinteste Du mit "Notdienst", sorry, dann hab ich Dich mißverstanden. Hätte ja auch die Notaufnahme sein können... ;-)
Die Niere
13.11.2008, 21:57
Kenne ich als Chirurg auch so...die Zeiten, in denen die Analgesie bis zur endgültigen klinischen Untersuchung zurückhaltend eingesetzt wurde, sind defintiv vorbei. Ich habe in den letzten 5 jahren an keinem Haus mehr diese überholte Praxis gesehen...
gruesse, die niere
alley_cat75
14.11.2008, 17:29
Ähm, hüstel, kommst Du zu uns und guckst... Zum Glück arbeite ich auf internistischer Seite. Finde ich ziemlich fies, einem chirurgischem Bauchpatienten zu sagen: quäle Dich ruhig weiter, mein OA muss Dich vorab sehen. :-dagegen
Kackbratze
14.11.2008, 18:59
Tut ja auch keiner mehr...scheint ein weit verbreitetes Mißverständnis hier zu sein...
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