Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ulla Schmidt kündigt Nullrunde an
PEACEKEEPER
05.11.2002, 12:24
Original geschrieben von Christoph_A
nix mit Jammerei zu tun,Feuerblick, sondern mit Realismus-es gibt einen Ärztemangel und man tut alles,um ihn noch anwachsen zu lassen,das ist absolut krank. Wenn man jahrelang (auch von der alten Regierung,keine Diskussion) nur auf den Deckel kriegt,keine ordentliche Lobby hat und sich überall anhören muß,wie gut bezahlt man doch ist und wieso man sich aufregt, dann ist irgendwann das Maß voll.
Also das es keine ordentliche Lobby gibt, halte ich aber für ein Gerücht.
Die Bundesärztekammer vertritt immehin ca 350 000 Ärzte in Deutschland, wenn das keine einflussreiche Lobby ist!
Dieser Lobbismus ist doch auch ein Problem, an dem das Gesundheitswesen krankt. Sparen ist ok , aber bitte nur bei den anderen.
Deutschland hat weltweit mit die höchsten Ausgaben für die Gesundheit , aber die Deutschen sind nicht gesünder .
Seit Jahren werden doch alle möglichen Reformen( auch schon zu Kohls Zeiten) von den Lobbys immer wieder erfolgreich torpediert.
Ich denke da z.B. an diese Positivliste , die die horrenden Ausgaben für Arzneimittel drücken sollte. Diese wurde von der Pharmaindustrie mit einer millionenschweren Kampagne verhindert.
In meiner Heimatstadt hat sich die AOK ein neues Verwaltungsgebäude hingesetzt, dass locker 10 Mio gekostet hat.
Die Verwaltungsausgaben der Kassen sind in den letzten 10 Jahren um schlappe 50% gestiegen.
Wofür brauchen wir denn bitte 300 Kassen?
Wofür baruchen die Ärzte noch die Kassenärztlichen Vereinigungen( übrigens in der Nazizeit gegründet) , damit ein paar Ärztefunktionäre nicht am Hungertuch nagen müssen??
Ich möchte nicht wissen, wieviel Milliarden nur für Verwaltung, Bürokratie und Funktionäre verbraten wird.
Warum haben wir im Studium nicht einen Kurs der uns mit dem kleinen Einmaleins der Betriebwirtschaftslehre vertraut macht, und uns für wirtschaftliches Arbeiten sensibilisiert.
Warum keinen Kurs der sich mit Evidence-Based Medicine beschäftigt??
Ein Arzt ist nicht nur der Lebensretter, er ist nun mal auch Geschäftsmann/frau und Dienstleister.
Die angespannte Finanzsituation ist ja schon seit Anfang des Jahres bekannt und es wurde auch ausreichend publiziert.
Drum find ich diese Argument Wahlbetrug usw etwas schwach.
Wer den Versprechen von Politikern im Wahlkmapf glauben schenkt und sich jetzt aufregt, dass diese Versprechen nicht gehalten werden können, ist zumindest etwas naiv.
Egal wer die Regierung gestellt hätte , wäre jetzt in der Rolle des Buhmanns.
Na ja ist ein schwieriges Thema, aber schreibt doch mal was euch so an Alternativen einfällt.
Grüsse
Thomas24
05.11.2002, 16:36
Natürlich wäre eine Schwarz-gelbe Regierung nicht in der Lage gewesen, das große Füllhorn über das Gesundheitswesen auszuschütten... ud ich bezweifle auch, das die Lösung darin bestehen kann, einfach immer mehr Geld in ein aufgeblähtes System zu pumpen.
Aber den Leistungserbringern derart massiv an den Karren zu fahren, und Ihnen gegenüber dermassen unverholen ihre geringe Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen finde ich -mit Verlaub- ziemlich dreist. Es ist anscheinend noch immer nicht in gewisse Köpfe der politischen "Elite" vorgedrungen, das die Pflegekräfte und große Teile der Ärzteschaft schon seit Jahren das Gesundheitssystem massiv subventionieren (Stichwort: nie dokumentierte, geschweige denn bezahlte Überstunden; flächendeckender Verstoß gegen geltende Arbeitsschutzbestimmungen etc.).
Doch anstelle den Versuch zu unternehmen, wenigstens einmal die allergrößten Mißstände abzustellen, wird weiterhin zynisch auf die Leidensfähigkeit/ Altruismus der Beschäftigten gesetzt.
Wie sagte doch ein Abteilungsleiter der dt. Krankenhausgesellschaft so treffend...:" Neu ist ja nicht die Arbeitssituation der Ärzte. Neu ist nur, dass Sie sich so massiv dagegen wehren.." Der Mann muß auf einem anderen Planeten leben, denn eine einzige traurige Abteilungsklage aus Kiel würde ich nicht als massiven Widerstand interpretieren.
Ich kann den Vorwurf des permanenten "Zähneklapperns und Heulens" an die Ärzteschaft auch nicht mehr hören. Sollen doch alle Beteiligten froh sein, das es Deutschlands Ärzte bei Jammern und Klagen belassen haben- und nicht einfach mal für ein paar Tage die Praxen und Kliniken dicht machen.
Zu Zeiten der Ärzteschwemme gab es altkluge Ratschläge in der Preisklasse von: "Na und...? Dann müßt Ihr eben flexibel sein, oder ins Ausland gehen". Jetzt, wo nahezu 40% eines Absolventenjahrganges die Kliniken meidet wie die Pest und lieber als Pharmareferent Klinken putzt, oder sich ins Ausland absetzt, da ist es dann auch wieder nicht recht... :-D
Original geschrieben von Alles wird gut
Entschuldige mal, aber da finde ich, nimmst Du Dich/uns zu wichtig!
Klar betrifft uns die Gesundheitspolitik unmittelbar und auf jeden Fall mehr als z.B. die Atompolitik aber nur danach wählen finde ich narzistisch, kurzsichtig und kleinkariert (bitte nicht persönlich nehmen!)!
Ich finde, man kann auch mal bei sich selber Abstriche machen und nicht immer nur bei anderen- ob sich's lohnt ist ne andere Frage und wird sich noch rausstellen...
Offensichtlich habe ich hier ein anderes Demokratieverständnis als du. Als einfacher Wähler trage ich nicht die Verantwortung eines Staatsmannes - ich bin nicht für alles und jedes mit meiner Stimme verantwortlich. Erst das Gesamtbild aller Stimmen ergibt einen demokratische Menge des kleinsten gemeinsamen Vielfachen. Derjenige, der alle diese Stimmen zu vertreten gewillt ist (die Bundesregierung) trägt dann diese allumfassende Verantwortung.
Wenn ich aber als Vertreter aus der Ärzteschaft nicht meine Stimme für mich (und euch) einlege: wer legt sie dann ein???
:-meinung
Und: ich denke die Ärzteschaft hat ganz massive Abstriche hingenommen in den letzten Jahren. Nenne mir eine andere Berufsgruppe, die ebenso diskreditiert wurde?
rolexralf
06.11.2002, 10:19
Sorry, aber wer hier von Diskreditierung spricht, muss schon arg verblendet sein. Die Ärzteschaft hat sich gerade in den letzten Jahren viele Probleme selbst zuzuschreiben. Man denke nur daran, was z.B. Chefärzte auch heute noch teilweise verdienen. Dass gerade die Arbeitsbedingungen jüngerer Ärzte teilweise unter aller Sau sind, ist auch klar, aber diese Probleme sind eben zu einem großen Teil hausgemacht.
Alles wird gut
06.11.2002, 13:24
Original geschrieben von hobbes
Offensichtlich habe ich hier ein anderes Demokratieverständnis als du. Als einfacher Wähler trage ich nicht die Verantwortung eines Staatsmannes - ich bin nicht für alles und jedes mit meiner Stimme verantwortlich. Erst das Gesamtbild aller Stimmen ergibt einen demokratische Menge des kleinsten gemeinsamen Vielfachen. Derjenige, der alle diese Stimmen zu vertreten gewillt ist (die Bundesregierung) trägt dann diese allumfassende Verantwortung.
Wenn ich aber als Vertreter aus der Ärzteschaft nicht meine Stimme für mich (und euch) einlege: wer legt sie dann ein???
Im Prinzip hast Du ja recht mit Deiner Aussage- der Wähler ist nicht der Staatsmann, der ein bundespolitisches Gesamtbild repräsentieren muss.
Allerdings ist man als Arzt nicht NUR Arzt in einer Gesellschaft, sondern auch "normaler" Bürger, der auch danach schauen sollte, dass auch noch andere Aspekte als die Bezahlung im Gesundheitswesen, (gerecht!?!) bedacht werden!
Oder noch mal ganz anders: Vor der Wahl kam häufig der Vorwurf, die Medialisierung des Wahlkampfes (Kanzlerduell) führe zu einer Personalisierung des Wahlkampfes. Da man den Bundestag wählt und nicht den Bundeskanzler sei dies im Sinne einer Bundestagswahl nicht "richtig"...
Und Du sagst jetzt, man sollte seine Stimme nach dem Gesundheitsminister (oder von mir aus auch anderen...) vergeben, die obendrein vor der Wahl noch gar nicht sicher feststehen?!? Dann wähle ich doch lieber nach dem Bundeskanzler- der hat letztlich doch den größten Einfluss auf alle "Teildisziplinen".
Ich glaube auch, dass jeder Bürger mit gesundem Menschenverstand auf ein funktionierendes Gesundheitssystem wert legt. Man muss nur auch für die Probleme in den Kliniken und Praxen sensibilisieren- in den Medien hört man hauptsächlich von irgendwelchen "Kunstfehlern" oder Pflegemängeln aber selten, dass da eine 36 Stundenschicht oder akuter Personalmangel dahintersteht!
Christoph_A
06.11.2002, 13:50
In einem Punkt gebe ich Dir recht, der Bundeskanzler ist gößter Teilbestandteil einer Regierung und für Richtlinien verantwortlich-und genau diesen Vorwurf mache ich ihm auch-er ist für die Sauereien einer Frau Schmitt mitverantwortlich,ja er trägt sie sogar. Daß mit so einer Grundsatzdiskussion allerdings nix erreicht wird, ist auch klar. Unser Gesundheitssystem gehört überarbeitet, die Kassen genauestens überprüft, da hier immer noch das grösste Sparpotential liegt und auch wir müssen sparen, gar keine Diskussion. Aber keiner von uns wird sich weiter gängeln lassen, schon gar nicht,wenn Leute unseres Ausbildungsstandes gesucht werden. Angebot bestimmt in einer Marktwirtschaft die Nachfrage-und da können manche Leute noch so viel Planwirtschaft mit ihren Budgetierungen und Verordnungen reinbringen, am Ende wird der Markt die Oberhand behalten. Und bis es soweit ist,kann ich getrost auch woanders arbeiten-ich bin nicht auf diesen Staat angewiesen, aber er vielleicht bald auf mich, euch und alle anderen Nachwuchsärzte.
Thomas24
06.11.2002, 19:49
@Rolexralf
Also ich empfinde es schon als eine Frechheit, wenn der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland auf dem Sonderparteitag der SPD (Essen) in aller Öffentlichkeit die Chuzpe besitzt zu behaupten, das ihn "das Gejammere der Ärzte und Apotheker, deren Einkommen ja nicht unwesentlich über dem Sozialhilfeniveau..." lägen "...auf die Nerven" gehe.
800 €/ Monat für die 60-70 h Woche des AiP (nach dem für Mediziner unbezahlten PJ, für die Pharmis ist es wenigstens entlohnt) sind also "nicht unwesentlich über Sozialhilfeniveau" ???
Derartige Äußerugen sind diskreditierend und indiskutabel :-??? .
Und wieso meint alle Welt auf den vermeintlich zu hohen Entlohnungen von Chefärzten herumreiten zu müssen? Die Damen und Herren sind nicht von den Bäumen gefallen, sondern haben sich ihren Status lange, hart ( und mit viel Ellenbogen- das merkt man auch :-D ) erarbeiten/ erkämpfen müssen. Nach der neuesten Kienbaumstudie liegt das durchschnittliche Gehalt eines CA- Ost bei tatsächlich nur 130.000 € BRUTTO (arithmetisches Mittel. Das jeder zweite erreicht noch nicht einmal 130.000 € Brutto)- anscheinend bekommen die auch nur BAT 1a/ Ost, ohne Privatliquidation. Das bekommt ein stellv. Schuldirektor auch.
Und ich bin nicht der Ansicht, das Lehrer gerade überbezahlt sind...
Ich kann meinem Vorredner Christoph_A nur zustimmen. Marktmechanismen bestimmen auch bei uns den Wert unserer Arbeit- wie sollte es auch anders sein? Und mittelfristig wird sich etwas ändern müssen, sonst sehe ich zappenduster für die Zukunft. Es kann ja wohl nicht wahr sein, das der zukünftige Lehrstuhlinhaber (C4) für Radiologie einer großen (ost)deutschen Uni den Ruf auf den Lehrstuhl dankend ablehnt, und lieber am Münchener Prinzregentenplatz eine MRT Praxis aufmacht. Was hat sich die Univerwaltung bei ihrem Angebot bloß gedacht ? Jetzt müssen die wohl ihre zweite und dritte Wahl berücksichtigen...
If you offer peanuts, you´ll recruit monkeys.
Leider spielt doch im Gesundheitswesen der Markt mit seinen Marktmechanismen überhaupt nicht. Selbst der Arbeitsmarkt ist sehr stark reguliert. Ärzte brauchen Niederlassungsbewilligungen, es gibt den NC. Das System ist weit entfernt sich den Marktmechanismen zu unterwerfen.
Und: ja ich habe es auch satt jedem erklären zu müssen, dass ein Chefarzt im Quervergleich zu anderen Berufsgruppen eigentlich schlecht bezahlt ist. Stoppen wir diese Lügen endlich?
frerehugi
07.11.2002, 20:24
:-dafür Dem kann ich mich nur anschließen. Nach 6 Jahren Studium, mind. 5 Jahren Assistenz, einigen Jahren Oberarztzeit, dazu eine Menge Fort-und Weiterbildungen und letztenlich das Quentchen Einsatzbereitschaft und Durchsetzungvermögen, hat man es als Chef und Abteilungsleiter (bzw. Institutsleiter) schon verdient, vernünftig bezahlt zu werden. Das Lehrer überbezahlt sind, finde ich allerdings überhaupt nicht!
Wie auch immer; die Frage, die sich stellt, ist ja nicht, wie veränderen wir das Bild von Chefärzten in der Öffentlichkeit, sondern was muss ganz konkret am Gesundheitssystem geändert werden und wie kriegen wir das durchgesetzt. vlg frerehugi
Original geschrieben von frerehugi
Wie auch immer; die Frage, die sich stellt, ist ja nicht, wie veränderen wir das Bild von Chefärzten in der Öffentlichkeit, sondern was muss ganz konkret am Gesundheitssystem geändert werden und wie kriegen wir das durchgesetzt. vlg frerehugi
Allerdings ist das Gesundheitssystem nur dann auf demokratischem Weg zu ändern, wenn sich die Öffentlichkeitsmeinung im Sinne einer positiveren Einstellung zur Medizin ändert.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.