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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gedanken zum medizinischen Beruf: Moral und Eigennutzen



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DocOZ
24.12.2008, 09:47
Ich beziehe mich bei meinem Text auf den Klinikalltag, es gibt natürlich auch Bereiche in denen man geregelte Arbeitszeiten hat und vielleicht sogar unter 40St. in der Woche.

ich frage mich wirklich, wo du dich da so umgeschaut hast. auch "klinikalltag" muss nicht unbedingt eine 60 stunden woche bedeuten. ich kenne mehr als genug ärzte, die super arbeitszeiten haben und sich bestimmt nich übernehmen. sie haben halt nen ganz normalen job. sicher gibt es auch andere, aber letztendlich sucht sich das doch jeder selbst aus. also wer so denkt wie du hat sich entweder noch nicht richtig informiert oder schaut zu viel rtl... :-nix

frohe weihnachten wünsch ich euch allen!

HorstHützel
24.12.2008, 10:07
Hab in Neuseeland famuliert (große Notaufnahme), die Arbeitsatmosphäre war NZ-typisch wesentlich entspannter, die Hierarchien flacher.

Die Ärzte arbeiteten dort im Schichtdienst, je zu dritt (nachts zu zweit) im Team d.h. ein Oberarzt/Facharzt, ein Altassi und ein Jungassi nebst Student. Wie gesagt: die Hierarchien sind flacher, sodass ALLE die Boxen mit den Patienten abgeklappert haben und nicht nur die Assis rumgerannt sind.

Arbeitsbelastung war hoch (einziges Krankenhaus in der Nähe), aber gut organisiert (Triage Nurse sortieren Patienten vorher) trotzdem sind die ziemlich pünktlich gegangen. Der Jungassi hatte zwar immer die längsten Schichten (10h/12h und nicht 8h), dafür keine Nachtschichten.
Außerdem hatte der immer 3 Tage pro Woche frei :-)), weil 40h-Woche :-))

Sicherlich ist dort auch nicht alles Gold was glänzt (Gehalt eher weniger als hier), es ist wirklich kein Luxusgesundheitssystem, aber durch engere Zusammenarbeitmit anderen Berufsgruppen wurde einem vieel abgenommen, es gab (meistens) weniger Bürokratie (Arztbriefe waren...sagen wir mal "knapp" geschrieben, Kodieren musste man nur in Sparversion etc. ) und man hing subjektiv weniger am Telefon als hierzulande.
Insgesamt (für mich) eine Überlegung wert und ich würde gerne Sack und Pack dorthin schleppen, aber die Hürden für Jungärzte sind immens. Es ist nicht so einfach wie "Goodbye, Deutschland" es einem weis machen will...

HH

Spongebob88
24.12.2008, 10:56
ich frage mich wirklich, wo du dich da so umgeschaut hast. auch "klinikalltag" muss nicht unbedingt eine 60 stunden woche bedeuten. ich kenne mehr als genug ärzte, die super arbeitszeiten haben und sich bestimmt nich übernehmen. sie haben halt nen ganz normalen job. sicher gibt es auch andere, aber letztendlich sucht sich das doch jeder selbst aus. also wer so denkt wie du hat sich entweder noch nicht richtig informiert oder schaut zu viel rtl... :-nix

frohe weihnachten wünsch ich euch allen!

In diesem Thread haben sich mitlerweile ja auch einige praktizierende (Assistentz-)Ärzte zu Wort gemeldet und die meisten haben bestätigt, dass das Arbeitspensum immens ist. 60St. war nur eine Zahl, ein Beispiel, trotzdem ist es sicherlich in einigen Fällen realistisch. Meine Bespiele beziehe ich aus meinem direkten Arbeitsumfeld im Krankenhaus bzw. in der Rettungswache.

Ach ja: Ich hasse Privatsender :-D

docmoechtegern
24.12.2008, 10:57
.... Im Schnitt ergibt sich bei uns eine Wochenarbeitszeit von 43-45St., was klar dem oberen Durchschnitt entpspricht, ...Was ist ein oberer Durchschnitt?? :-nix


...nichtsdestotrotz gibt es Kollegen die aufgrund der Bezahlung (die ich als bodenlose Frechheit bezeichnen würde) einen zweiten Job neben ihrer Haupttätigkeit haben (müssen).....
Wie sieht es denn eigentlich im Ausland aus?
Ist hier nur das Gehalt besser oder auch die Arbeitsbedingungen? (oder beides).

Hier? Also in Deutschland? :-)) Oder meintest Du, dort im Ausland seien Gehälter und Arbeitsbedingungen besser als hier in Deutschland? ;-)


Mein Vater beschäftigt sich mit diesem Thema schon seit mein Bruder mit dem Medizinstudium begonnen hat und sagt, Ärztegehälter seien nicht nur In Deutschland eine bodenlose Frechheit, sondern auch im Ausland. :-(

Nachdem der Herr Montgomery neulich im Fersehen gesagt hatte, Deutschland habe "im Vergleich zu den internationalen Staaten das niedrigste Lohn- und Gehaltsniveau bei den angestellten Ärzten " [.....]
und Ärzte in Deutschland würden auf einem Lohnniveau gehalten, "das weit unter dem europäischen Standard liegt.", hat er nach dem europäischen Standard der Ärztegehälter gesucht; bisher leider vergebens.

Laut der Gehaltstabellen einiger europäischer Staaten, die er gefunden hat, seien die Ärztegehälter in der Schweiz, in Schweden, Frankreich und Großbritannien - gemessen an der Kaufkraft, den Lebenshaltungskosten, den Kosten für Krankheits- und Altersvorsorge und der wöchentlichen und jährlichen Arbeitszeit - jedenfalls nicht höher als in Deutschland, sagt er. Selbst im reichen Norwegen würden Ärzte nicht mit Geld überschüttet und Überstunden gebe es auch dort.

In den Niederlanden könne man zwar als Facharzt im Krankenhaus mehr als in Deutschland verdienen, aber dafür bekäme dort nicht jeder Absolvent des Medizinstudiums eine Stelle für eine Weiterbildung zum Facharzt. Viele blieben ihr Leben lang Ärzte ohne spezielle Weiterbildung (Basisärzte) und hätten weniger als ein Facharztgehalt. Die Ärzte, die sich zu Fachärzten weiterbilden wollten, müssten oft mehrere Jahre auf eine Weiterbildungsstelle warten, und wenn sie dann endlich eine hätten, bekämen sie dort ein niedrigeres Gehalt als die Assistenzärzte in Deutschland.

In Großbritannien und Frankreich soll das ähnlich wie in den Niederlanden sein. Auch dort bekäme nicht jeder Arzt eine Weiterbildungsstelle (GB) bzw. eine Weiterbildungsstelle in seinem Wunschfach (FR) und während der Weiterbildung würde man deutlich schlechter als in Deutschland bezahlt. Auch später als Facharzt/Oberarzt habe man in Frankreich keine astronomisch hohen Gehälter.



Links zu Arbeitszeiten und Gehältern in einigen europäischen Ländern:


Schweiz:
http://www.vsao-bern.ch/index.php?id=86

Schweden:
http://www.lakartidningen.se/pdf/lonerna.pdf

http://www.lonestatistik.se/loner.asp/yrkeskategori/Halso-och-sjukvard-108

Dänemark:

http://www.laeger.dk/portal/ (http://www.laeger.dk/portal/page/portal/LAEGERDK/LAEGER_DK/LOEN_OVERENSKOMSTER/YNGRE_LAEGER/LOEN?ancestor=926453)


Norwegen:

http://www.legeforeningen.no/index.gan?id=143052

Frankreich:

http://www.cgtlaborit.fr/UserFiles/File/Tableau%20salaire%20PH%202008.pdf

http://www.snphar.fr/data/A_la_une/phar43/1-remuneration-43.pdf


Großbritannien:

http://careers.bmj.com/careers/static/advice-salary-scales.html



Niederlande:

Aktueller Tarifvertrag für niederländische Krankenhäuser:
Collectieve Arbeidsovereenkomst Ziekenhuizen 2008-2009 (http://www.fbz.nu/files/CAO%27s/Ziekenhuizen/CAO%20Ziekenhuizen%202008-2009.pdf)

DocOZ
24.12.2008, 11:01
In diesem Thread haben sich mitlerweile ja auch einige praktizierende (Assistentz-)Ärzte zu Wort gemeldet und die meisten haben bestätigt, dass das Arbeitspensum immens ist. 60St. war nur eine Zahl, ein Beispiel, trotzdem ist es sicherlich in einigen Fällen realistisch. Meine Bespiele beziehe ich aus meinem direkten Arbeitsumfeld im Krankenhaus bzw. in der Rettungswache.

Ach ja: Ich hasse Privatsender :-D

wollte ja nur sagen, dass es definitiv auch anders geht. keiner wird gezwungen so viel zu tun. jeder kann selbst entscheiden wo er arbeitet und ob er mit den jeweiligen bedingungen zufrieden ist... immer diese ewige diskussion ums gleiche thema :-peng euch macht es anscheinend spaß, also nur zu...ich werd mich raus halten ;-)

Peter_1
28.12.2008, 13:08
Lieber Spongebob88,

keine Sorge mit Deinen Gedanken bist Du absolut nicht allein auf dieser Welt. Natürlich gibt es in diesem Beruf ne Menge Leute die sich nur über die 80h Woche definieren (kann man ja auch toll mit angeben, erinnert aber manchmal auch an die Erzählungen von 90 jährigen vom Krieg...). Aussagen wie die gemachte, dass nur Leute die mindestens 80h die Woche arbeiten gute Ärzte sind stammen meistens von Ärzten Chefpositionen die natürlich auch ein großes Interesse am Verbreiten von solchen Ammenmärchen haben. Mangel an ärztlichen Fähigkeiten sind nicht durch viele Wochenarbeitsstunden zu beheben sondern durch eine ordentliche Weiterbildungskultur (welche leider oft Mangelware ist). Angesichts der Jobmöglichkeiten heutzutage ist es möglich sich Stellen auszusuchen (wenn man örtlich flexibel ist) und es gibt auch immer mehr Möglichkeiten zB zur Teilzeitarbeit. Auch Ärzte sind tatsächlich nur Menschen und keine Übermenschen (auch wenn manche noch immer so tun)! Welchen Weg man persönlich geht in diesem Beruf muss natürlich jeder selber wissen, Gestaltungsmöglichkeiten gibt es aber mittlerweile genügend. Moralische Bewertungen und "dicke Hose" Angebereien sind dabei so überflüssig wie nur irgendwas! Mit anderen Worten: studier Medizin und mach dir keinen Kopp wenn die Leute vom Krieg (zumal dies oft Leute sind die den Krieg selber nicht miterlebt haben) erzählen. Was Du daraus machst hast Du mittlerweile ganz gut selber in der Hand.