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Mrs.Pooh
20.11.2002, 21:31
hallo Doc Pepp und Christoph A,

weder die Op noch die Magensonde sind für mich eine generelle Lösung. Die generelle gibt es nicht! aber ich habe diesen besagten Patienten bis zum Tod begleitet ...und wenn sich der Tumor bzw. die Metastasen anhand der Bauchwölbung erkennen lassen, mit bloßem Auge! Dann frage ich mich schon warum dieser Patient operiert werden soll? Dann ein paar Tage auf Intensiv um entweder dort...ohne seine Angehörigen und seinem Wunsch nicht entsprechend zu versterben...oder auf einer Inneren Station mit 30 Pat. und ein paar Pflegekräfte ...die müde und überarbeitet sind und der Pat. verstirbt höchst wahrscheinlich allein...das ist eher die Regel u. nicht die Ausnahme.

Mit der Möglichkeit die wir bei diesem Patienten vorgezogen haben, kann ich durchaus leben und mír selbst in die Augen schauen. Es war der Wunsch des Patienten und der Angehörigen, weil wir VORHER mit ihnen gesprochen haben.

Um letztendlich unter anderem die Schuldgefühle zu vermeiden...und um genau zu begreifen und zu bedenken welche Folgen das haben könnte( für Pat., Angehörige, Arzt, Pflege...) besprechen wir das im Team, multidisziplinär! Und in diesem Fall mit dem Ileus war unsere(NICHT meine allein) Entscheidung richtig, für diesen Fall, diesen Pat.. Er ist friedlich gestorben.
Am wichtigsten ist immer die Aufklärung der Angehörigen und des Patienten +Teambesprechung.

Kleines Beispiel....Rasselatmung in der Terminalphase ein oft typisches Symptom...für wen genau ist sie unangenehmer? Für den Patienten? oder eher die Anghörigen oder für mich? warum direkt Absaugen (obwohl ich weiß das ich alles nur schlimmer mache....!Kommt natürlich auf den Fall an!) ich kann doch auch Scopolamin s.c. spritzen...usw.....

Dieser Pat. hat hat eine vorausschauende Willenserklärung gemacht.

Vorausschauende Willenserklärung
synonym: Patientenverfügung, -testament, Patientenbrief, living-will-decision

Ziele:

In der Palliativmedizin werden ständig Entscheidungen für oder gegen lebensverlängernde Maßnahmen getroffen. Nicht immer sind die Pat. dabei noch in der Lage, ihren Willen zu äußern. deshalb muß möglichst! vorrausschauend gedacht werden und dem Pat. eine mögliche bedrohliche Situation rechtzeitig mitgeteilt werden, damit er eine Entscheidung treffen und diese äußern kann. Der Arzt sollte in geeigneten Fällen dem Patienten solche vorsorgenden Erklärungen(Patiententestament..) erklären.

Hallo hobbes,

scheint wirklich so... ;-) ansonsten leiste Widerspruch ich habe nichts dagegen mich belehren zu lassen...wenn die Argumente gut sind.

Entschuldige bitte das ich soviel geschrieben habe...ich habe mir fest vorgenommen...weniger zu schreiben! Ehrlich!!! Ich hoffe du verzeihst mir :-blush

Froschkönig
20.11.2002, 21:48
Dies ist ein Interessanter und meiner Meinung nach auch wichtiger Thread - wichtig deshalb, weil es nur gut sein kann, wenn man sich eher früher als später mit diesem Thema auseinandersetzt.

Ich habe mir die Mühe gerne gemacht, alles durchzulesen was hier gepostet wurde und kann dem nicht viel hinzufügen, Argumente sind wohl schon alle gefallen, aber da hobbes noch andere Meinungen haben wollte :

Wir werden selber alle mal alt, daher sollten wir alten Menschen mit Respekt begegnen und ihnen vor allem ihre Würde erhalten, schließlich wünschen wir uns das für uns selbst auch. Allerdings liegt das Hauptproblem wohl in den Ausführungen von Mrs. Pooh betreffs "Gefühle neu beleben". Wer im Krankenhausalltag mit alten Menschen zu tun hat, neigt zur Abstumpfung und zum Schubladendenken, wir sind alle nur Menschen und haben unsere Fehler ! Meiner Meinung nach liegt ein Großteil der Problematik im Gesundheitssystem selbst. Aber das ist ja auh ein gern Diskutiertes Thema.... Wenn ein Arzt nur wenige Minuten pro Patient hat, hat er keine Zeit mehr, sich gedanken darüber zu machen, ob sein Patient jetzt mal nicht schwerhörig ist und er nicht schreien muß usw... :-meinung

hobbes
21.11.2002, 15:10
...daß unmenschliches Siechtum ( siehe Ileus ) die Angehörigen und Ärzte noch viel mehr belastet als das abhängen einer Infusion oder das Unterlassen intensivmedizinischer Maßnahmen

Beim Ileus ist es ja gerade so, dass dieser wegen der Miserere auch dann noch operiert wird, wenn der Patient trotzdem recht bald versterben wird!
Die Argumentation mit der psychischen Belastung des Personals durch dieses Siechtum darf man aber nicht gelten lassen. Deren Gefühle sind - so leid es mir tut - nicht massgebend. Massgebend ist einzig der ausdrückliche Wille des Patienten und nicht etwa der gemutmasste Wille des Arztes, welcher durch die Projektion eigener Gefühle verfälscht sein kann. Gerade deshalb ist auch die vorausschauende Patientenverfügung sinnvoll.
Die Frage ist immer wie eine Entscheidung begründet wird - mit wessen Motivationslage - das Ergebnis des Entscheides kann natürlich durchaus dasselbe sein.

Mrs.Pooh
22.11.2002, 15:45
Hi ,

"Wenn ein Arzt nur wenige Minuten Zeit für einen Patienten hat, dann hat er keine Zeit mehr sich Gedanken zu machen ob sein Pat. schwerhörig ist oder nicht. "

Zu Froschkönig, verstehen kann ich das, aus den schon genannten Gründen und verzeihen kann ich sowohl mir selbst als auch einem anderem, weil wir alle nur Menschen sind.

Trotzdem sage ich mal ...wenn ein Arzt die Zeit wirklich nutzen würde die er hat....dann würde er den Patient nicht anschreien obwohl er schwerhörig ist!

Das man am Fließband abschaltet und einen inneren Dialog führt kann ich ja verstehen, aber ist ein Patient, die tausendste "Praline" die uns über dem Weg läuft?

Ja hier werden wichtige Themen diskutiert... aber teilweise mit der gleichen Bewußtheit....wie im "wirklichen Leben"....wenn es kompliziert wird ....hört man nur noch das Schweigen im Wald.

Zu hobbes...also besser hätte ich es nicht ausdrücken können!

hobbes
25.11.2002, 23:13
Abschliessend zu meiner Umfrage kann man also festhalten, dass 70% der teilnehmenden Mediziner eine Altersdiskriminierung in der heutigen Medizin als Faktum deklarieren. 25% ist es egal, nun gut, diese Gleichgültigen gibt es immer und überall.

Ich wünsche mir und diesen 70%, dass eine Wiederholung dieser Umfrage in 40 Jahren zu besseren Ergebnissen führen würde.

:-blush

Froschkönig
26.11.2002, 00:22
Oder umformuliert :
Möge uns der schnöde Alltagstrott nicht zusehr abstumpfen lassen für eine Problematik, die eher größer als kleiner wird !