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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie viele Tage am Stück? Bereitschaftsdienst? Fragen zu Arbeitszeiten



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krabbi
29.04.2009, 18:52
Praktisch sieht eine 5,5 Tage Woche so aus, dass man 11-12 Tage am Stück malocht und dann 3-4Tag frei hat, je nach Monat. Wenn ich jetzt daran denke, dass da noch Nachtschichten (welche ich nicht machen musste als Zivi) und noch Bereitschaftsdienste in den 12 Tagen dazu kommen, teilweise 2 oder 3 Wochenenddienste am Stück, verliere ich irgendwie die Lust am Arztberuf...mal ganz abzusehen von der Verantwortung, die man trotz allem tragen muss!

Und nicht zuletzt die ganzen Assistenzärzte hier, die sich über die Bedingungen, unter denen sie arbeiten, beklagen, geben mir da traurigerweise recht...

Nichtsdestotrotz kann ich mir eigentlich kein spannenderes Studium vorstellen als das der Medizin, aber leider gleicht dies nicht die wirklich harten Arbeitsbedingungen des späteren Beruflebens aus...

Du sprichst mir aus der Seele! :-meinung

Mich nagen, seit ich die GuKP-Ausbildung begonnen habe, auch immer mehr Zweifel. Das Studium interessiert mich ungemein, aber ich habe in meinem Ausbildungskrankenhaus noch keinen Arzt getroffen, der einem dazu rät, auch Medizin zu studieren, alle raten davon ab...

(Sorry für offtopic)

Si!!!
29.04.2009, 21:48
@ icespeedskatingfan:

Wenn ich im Vorhinein wüsste, dass ich auch einmal so viel Glück habe bzw. sich mir durch harte Arbeit/glückliche Umstände/finazielle Möglichkeiten sich die Möglichkeit zu einer eigenen Praxis oder noch besser einer Gmeinschaftspraxis bieten wird, hätte ich jetzt schon längst meinen Antrag an die ZVS ausgefüllt weggeschickt. Dann würde ich mich auch mit dem Krankenkassensystem rumschlagen und auch das finanzielle Risiko in Kauf nehmen, weil die Materie ansich das einfach wert wäre, mir zumindest.

Aber mir ist das einfach alles zu waage. Ich befürchte halt, dass sich nichts ändert und ich dann nach 6 Jahren irgendwo im Krankenhaus hocke und jahrelang unter diesen (verezeit mir den Ausdruck) sch*#ß Bedingungen praktizieren muss.Und die Mehrheit der Ärzte bzw. die aktuelle Lage gibt mir da traurigerweise Recht. Und dann wär es zu spät, ich wär dann 27 bzw. 33 nach der Assistenzarzt Zeit, dann kann man nicht mehr großartig was Neues studieren. Da möchte ich Anfang finanziell gesichert zu leben.

Schade eigentlich...


@Espressa:

Deshalb stimm ich dir da zu, dass es eher glückliche EInzelfälle sind, die mit ihrer aktuellen Situation zufrieden sind.

Joa, aber so viele Alternativen zum "Arzt-Sein" nach dem Medizinstudium habe ich jetzt noch nicht gefunden. ALs medizinischer Berater oder ähnliches zu arbeiten stelle ich mir persönlich nicht so spannend vor. :-meinung

Aber ich lasse mir gerne interessante ALternativen vorschlagen :-bee

@krabbi:
Erst heute hat mir ein Chirurg, mit dem ich ins Gespräch gekommen bin während meiner Spätschicht, offenbart, dass er heute doch lieber Zahnmedizin studiert hätte, AUFGRUND DER MOMENTANEN LAGE...und damit fühlte ich mich leider wieder bestätigt.

Trotzdem hat er gesagt, wenn man aus Prinzip und wegen der Ideologie Arzt werden möchte, sollte man darüber hinwegsehen könne, aber er würde heute anders wählen.

Generell meinten die meisten Ärzte bei uns im Krankenhaus: Wenn Medizinstudium, dann am besten ins europäische Ausland später praktizieren gehen oder von vornherein schon im Ausland studieren.



So, jetzt mach ich aber mal einen Punkt und hoffe, dass ich nichts vergessen habe . :-micro

MFG
Der Si (,der gerne Medizin studiert hätte...)

feylinia
29.04.2009, 22:26
Aus meiner Sicht ziemlich müssige Diskussion, da wird dir jeder was anderes sagen.
Würdest du mich fragen - UCH seit 7 Monaten, 24h Dienste bzw 12h am Wochenende, derer 7-9 pro Monat, dazu OP Rufbereitschaft (ich wurde noch nie nicht gerufen), regelhaft Überstunden, dazu Gutachten, ich habe noch nie Mittagspause gemacht - ich würde dir trotzdem sagen, daß ich es wieder machen würde, ich mag eben Streß und Action, mir schießt das Adrenalin durch den Körper, wenn ich nur den Hubschrauber höre... Das mag ich in ein paar Jahren anders sehen, keine Ahnung, aber jetzt finde ich es gut so. Und man kann sich dann immernoch niederlassen.
Es verträgt sich nicht gut mit Vereinssport, Familienplanung und alldienstaglichem Töpferkurs, aber ich würde um nichts in der Welt irgendeinen Schreibtischjob haben.
Du mußt ja nicht Cirurgie oder Innere machen. Ich habe den Eindruck - aber straft mich gerne Lügen - daß zB Derma, Augenheilkunde, HNO, Radiologie/ Strahlentherapie/etc, Patho ein wenig streßfreier sind bzw vor allem die Dienstbelastung eine andere ist. Die Gefäßchirurgen sehe ich auch seltenst in der Zentralen Notaufnahme.

John Silver
30.04.2009, 00:12
Entspannt euch. Meiner Meinung nach ist gerade jetzt die beste Zeit, um ein Medizinstudium anzufangen. Denn wenn ihr fertig seid, wird der Assistentenmangel, insbesondere in den großen Fächern wie Chirurgie oder Innere, sicher noch nicht behoben sein; es wird aber genug Zeit vergehen, damit auch die konservativsten und maximal verbohrten Popolöcher unter den Chefärzten und Verwaltungsheinis verstehen, daß in Zeiten leergefegter Arbeitsmärkte mehr nötig ist, um Assistenzärzte überhaupt, geschweige denn gute, zu bekommen, als das, was momentan in vielen Kliniken geboten wird. Wir, die jetzt Assistenten sind, fechten diesen Kampf aus - ihr werdet am ehesten die Früchte ernten.

Perfekte Arbeitsbedingungen gibt es nirgendwo. In keiner Branche und in keiner Firma. Druck, Überstunden, burn-out etc. gibt es nicht nur in der Medizin. Aber genau wie es in anderen Branchen solche und solche Vertreter gibt, gibt es auch zwischen einzelnen Kliniken und sogar zwischen einzelnen Fachabteilungen einer Klinik z.T. riesige Unterschiede. Und die gute Nachricht lautet: heute hat man die Wahl; man muß sich also keineswegs jeden Tag wie Dreck behandeln lassen, wie es noch vor wenigen Jahren üblich war. Und es gibt auch heute schon Kliniken, in denen auch Chirurgen meistens recht pünktlich nach Hause gehen, und keine 20 Überstunden pro Woche bzw. 8 Dienste pro Monat machen. Zumindest meistens.

Klar muß man in anderen Berufen keine Nachtdienste schieben - aber es gibt zur Not auch jede Menge ärztlicher Betätigungsfelder, die keine Nacht- oder Wochenenddienste erfordern.

icespeedskatingfan
30.04.2009, 07:45
Sii, nach 3 Jahren Krankenhaus kannst Du in den meisten Fächern die restliche WBZ in einer Praxis machen - da gibt es so viele Stellenangebote, das Du Dir das passende raussuchen kannst.
Und wenn das nötige Kleingeld für eine eigenen Praxis fehlt: es gibt inzwischen reichlich Stellen in MVZ´s oder Ärztlichen Berufsausübungsgemeinschaften bei denen Du nur Deinen Job für eine definierte Stundenzahl machst - und den Verwaltungskram den Inhabern/ Betreibern überlässt.
Also ehrlich, es gab schon mal trübere Aussichten,... aber Medizin war noch nie was für Berufspessimisten oder Weicheier.

Espressa
30.04.2009, 20:48
Bin auch der Meinung dass es auch "weniger anstrengende" Fächer gibt, oder anders gesagt: wer Innere oder Chirurgie macht ist selber schuld.
Nicht überall ist es sooo dramatisch mit Diensten etc.

Weiter gibt es Fächer die überhaupt etwas vom Klinikalltag abweichen, wie Patho, Nuklearmedizin, Labor- oder Transfusionsmedizin, Amts- und Betriebsärzte. Immer noch eine Option.

Und schließlich kann man in die Pharma, Forschung, Lehre, Journalismus auch gehen. Bin überzeugt dass sich für jeden was finden lässt.

Und schließlich - was sollte einen abhalten, an das Best-Case-Szenario zu glauben? Ich wollt schon in der Grundschule Augenärztin werden. Und mir war klar, womöglich wird das nie klappen. Im Studium schüttelten auch noch alle den Kopf, wie ich es mir vorstelle, da mal eine Assi-Stelle zu kriegen, so ganz ohne Beziehungen. Aber ich habs versucht, weil ich es wirklich gern wollte, und ich habs geschafft. Wäre ja schlimm gewesen wenn ich mir einfach gedacht hätte - ach nein, ist viel zu unmöglich, lässt am besten das Studium von vornhinein schon bleiben...!

Keiner weiß was in 6-8 Jahren so ist. Manchmal kommt es auch besser als erwartet...

Si!!!
01.05.2009, 12:49
Ihr habt recht,
vielleicht habe ich einfach nur Pech gehabt und bin in einem Krankenhaus, wo gerade die allgemein miese Job- und Arbeitssituation der Ärzte extrem deutlich wird.
Vielleicht sieht es in anderen Bereichen anders aus, wobei ich persönlich die Chirurgie und die Innere Medizin am spannensten finde (also im Vergleich jetzt zu Medi-Journalismus und Labormedizin, weil hier so der direkte Patientenkontak in den Hintergrund tritt, was u.a. für mich den Reiz an der Medizin für mich ausmacht.
Vielleicht sieht es in anderen Kliniken anders aus.
Vielleicht sieht es auch in 6 Jahren komplett anders aus, also auf postive Art und Weise.

Das einzige, was mich an all dem stört ist "vielleicht".

Jetzt werden die meisten wahrscheinlich sagen, dass es in keinem Job irgendwelche Sicherheiten gitb, aber wenn man von vorne herein schon weiß, dass es wahrscheinlicher ist unter ähnlich unschönen Bedingungen später arbeiten muss, denke ich gerne über andere Alternativen nach :-lesen

Ich bin halt nur der meinung, dass man sich sein Leben ja nicht freiwillig und vollkommen bewusst schwer machen muss und da ich nicht vor habe nur für meine Arbeit zu leben, denke ich, wäre es blauäugig unter den aktuellen Bedingungen mit den Gedanken ins Medizinstudium zu gehen: "Es wird schon alles gut werden..."

Nennt mich pessimistisch, aber mir ist das glaube ich zu heiß.


MFG

Lava
01.05.2009, 12:54
Nennt mich pessimistisch, aber mir ist das glaube ich zu heiß.



Hihi, dann tust du genau das Gegenteil von dem, wa sich getan habe. Ich hab gedacht, irgendwie wird's schon gehen, ich tu's einfach mal. Tja, ich habe mich für Chirurgie entschieden und es IST verdammt hart (ich kann schon davon sprechen, dass es hin und wieder an der Grenzen geht). Aber Spaß macht es mir trotzdem noch. Und ich glaube nach wie vor dran, dass alles gut wird.

gyrasehemmer
01.05.2009, 17:32
@Si, tja dann studiere etwas anderes. Wie erwartet sind die Meinungen hier tatsächlich ca 50/50 gespalten.... aber Medizin war und ist nicht für jeden.:-sleppy

John Silver
01.05.2009, 21:53
Wenn Du Medizin studieren willst, dann darfst Du Dich nicht von einzelnen Negativbeispielen entmutigen lassen. Und wenn Du es sowieso nicht wirklich willst, dann laß es.

Takuta
09.06.2009, 20:04
Mein Rekord waren 18 Dienste am Stück. Schert sich niemand, ob "Arbeit" oder "Bereitschaft" (wo doch Bereitschaft nach EU-Recht als "Bereit ausserhalb des Arbeitsorts" und sobald auf dem Weg zum Arbeitsort = Arbeitszeit) .
Danach hatte ich auch nur den Tag nach der Nacht zum Schlafen und dann 2 Tage frei. Am Montag ging's munter wieder weiter ;)

... aber ich habe nun mal nichts Vernünftigeres gelernt :)

feylinia
09.06.2009, 21:01
Mein Rekord waren 18 Dienste am Stück. Schert sich niemand, ob "Arbeit" oder "Bereitschaft" (wo doch Bereitschaft nach EU-Recht als "Bereit ausserhalb des Arbeitsorts" und sobald auf dem Weg zum Arbeitsort = Arbeitszeit) .
Danach hatte ich auch nur den Tag nach der Nacht zum Schlafen und dann 2 Tage frei. Am Montag ging's munter wieder weiter ;)

... aber ich habe nun mal nichts Vernünftigeres gelernt :)

Wie, 18 Dienste am Stück? 24h und dann einen Tag frei und dann wieder?

Takuta
11.06.2009, 14:49
1Dienst = 8-14h am Tag oder 13h Nacht (und dazwischen das frei, was auf 24h fehlt) ;)

sunrise10086
12.06.2009, 19:01
Mache gerade 8 Nächte am Stück, davon 5 à 8,5h und 3 à 12h.
Reicht mir dann auch bald...

Takuta
22.06.2009, 20:38
7 Nachtdienste am Stück á 13Stunden (ggf. etwas mehr) sind bei uns Standard.

wildcoyote
24.06.2009, 12:44
Ich habe den Eindruck daß zB Derma, Augenheilkunde, HNO, Radiologie/ Strahlentherapie/etc, Patho ein wenig streßfreier sind bzw vor allem die Dienstbelastung eine andere ist. Die Gefäßchirurgen sehe ich auch seltenst in der Zentralen Notaufnahme.


aber straft mich gerne Lügen

gerne :)

das problem der "kleinen" fächer ist dass du ein viiiieeel größerers zuzugsgebiet hast, sprich die leute werden von überall geliefert, zumindest hier bei uns. zum anderen müssen wir unsere patienten oben anschauen da wir unten keine einheit haben und dementsprechend kaum was untersuchen können. ergo sieht man sich nie :D

zu den diensten - 24-h mit nächstem Tag frei. Was besseres ist, imho, nicht möglich. Jeder mach 1,15 Wochenenden Dienst. Ansonsten hat man 4-6 Dienste, je nach dem wer was an Kohle braucht :-top

my 2 c

Disharmonic
24.06.2009, 22:25
Wir machen auch 7 (Nacht-) Dienste am Stück - von Samsatg bis Samstag plus Visite bis mittags.
Das Problem ist, daß man davor und danach eine ganz normale Arbeitswoche hat, also nicht richtig Zeit um sich umzustellen.

feylinia
24.06.2009, 22:44
das problem der "kleinen" fächer ist dass du ein viiiieeel größerers zuzugsgebiet hast, sprich die leute werden von überall geliefert, zumindest hier bei uns. zum anderen müssen wir unsere patienten oben anschauen da wir unten keine einheit haben und dementsprechend kaum was untersuchen können. ergo sieht man sich nie :D


Hm, es ist bei uns schon oft so, daß die anderen Fachrichtungen schlafen, während wir zu zweit in der Rettungsstelle frei drehen. Ich hole die zumindest meistens aus dem Bett. Ist ja nicht weiter schlimm, ich hätte es mir ja auch anders aussuchen können. Lustig war neulich die Frage einer frisch angefangenen Kollegin aus der Psych, die um 04:00 oder so noch eine Frage zu einem Patienten hatte wegen Schnittwunde oder so, mich nicht erreichen konnte und meine Kollegin total erstaunt fragte, was ich denn um diese Uhrzeit im OP machen würde.

wildcoyote
25.06.2009, 19:09
Hm, es ist bei uns schon oft so, daß die anderen Fachrichtungen schlafen, während wir zu zweit in der Rettungsstelle frei drehen. Ich hole die zumindest meistens aus dem Bett. Ist ja nicht weiter schlimm, ich hätte es mir ja auch anders aussuchen können.

Err, die meisten kleinen Fächer haben eben aufgrund der Größe der Abteilung 24-h Dienste, dieses kann man mit einem Nachtschichtdient nicht vergleichen. 2 Anrufe in der Nacht und du pennst den nächsten Tag mindestens bis 12, erholsam ist der Schlaf meist nicht...

Ich habe bisher nachts nur einmal einen Kollegen, Psychiater, anrufen müssen weil eine, öhm, stark alkoholisierte Patientin nach 5 mg Haldol immer noch keine Ruhe gegeben hat...

feylinia
25.06.2009, 22:15
Naja, wir machen auch in der Unfallch. 24h Dienste - den nächsten Tag kann man knicken. Und ich rufe nicht bei jeder Kleinigkeit eine andere Fachrichtung, aber gerade am Wochenende kommen relativ viele Kandidaten mit HNO Beteiligung nach Schlägerei. Und manchmal sehen Betrunkene nicht ein zu bleiben, da geben wir kein Haldol, sondern gewähren Entlassung gegen Revers, aber das setzt Geschäftsfähigkeit voraus.
So gesehen beanspruchen wir am meisten die HNO und Psych, ich stelle aber z.B. kein Hyposphagma in der Nacht vor, das kann warten (wenn überhaupt)