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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hormonelle Verhütungsmittel und Antibiotika



MisterPJler
02.03.2009, 19:26
In der Praxis kommt es häufig vor, dass Frauen, die mittels KOKs (Mikropille) verhüten, aufgrund von unkomplizierten Harnwegsinfekten einige Tage das kombinierte Antibiotikum Sulfamethoxazol/Trimethropin (Cotrimoxazol) einnehmen müssen.

Es kann nun nicht ausgeschlossen werden, dass die Antibiotika die Darmflora in solcher Weise schädigen, dass die Spaltung von konjugiertem Ethinylestradiol beeinträchtigt wird, was entsprechend zu einer niedrigeren Serumkonzentration und vermindertem kontrazeptivem Schutz führt. Es scheint jedoch so zu sein, dass diese Nebenwirkung nur bei einem kleinen Anteil anfälliger Frauen auftritt, was die genannte Interaktion zu einer sehr seltenen Nebenwirkung macht.

Trotzdem ist es denke ich in der Praxis sinnvoll, Patientinnen zusätzliche Schutzmaßnahmen zu empfehlen. Die meisten Quellen empfehlen, während der Antibiose und 7 Tage im Anschluss zusätzlich zu vermüten, sowie eine eventuelle Einnahmepause zu überspringen. Einige wenige Quellen sprechen jedoch von 14 Tagen, 28 Tagen oder von der Zeit bis zum Zyklusende. Manche lasse auch den Hinweis mit dem Übergehen der Pause weg.

Versucht man nun, die einzelnen Alternativen zu bewerten, kommt man in meinen Augen auf den Vergleich mit Anwendungshinweisen in Bezug auf vergesse Pillen nicht herum. Hier gibt es ja die Regel, dass 7 korrekt eingenommene Pillen wieder einen sicheren Schutz erzeugen, egal welche Einnahmefehler vorher passiert sind. Geht man nun davon aus, dass bei dem kleinen Teil Frauen, die von besagter Wechselwirkung betroffen sind, einige der Pillen aufgrund der geschädigten Darmflora nicht richtig aufgenommen werden, müsste man nur den Zeitpunkt kennen, ab dem die Darmflora wieder ausreichend aufgebaut ist und zählt ab dann 7 korrekt eingenommene Pillen bzw. 7 Tage.

Bis zur kompletten Wiederherstellung nach Antibiotikagabe braucht die Darmflora meines Wissens nach mehrere Wochen. Andererseits gehen fast alle Empfehlungen von 7 Tagen aus. Wie ist das zu erklären? Was empfielt man Patienten nun nach aktuellen Richtlinien?