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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hautdesinfektion - ein Reizthema!



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Lava
29.03.2009, 11:35
Das Waschen der Hände vor der Desinfektion ist überhaupt nur dann nötig, wenn grobe Verschmutzungen zu erwarten oder erkennen sind. Ansonsten ist die Wirkung des Waschens für die Hygiene gleich null.

gruesse, die niere

Erzähl das bitte bitte bitte mal meinem Chef! Wir müssen a.) Bürste benutzen b.) 2 Minuten (!) waschen und c.) 5 Minuten (!!!!) Desinfizieren :-keks Und wir MÜSSEN. Sonst gibt's Ärger.

Hypnos
29.03.2009, 12:12
@ Lava...

Schau mal hier:

9.2.3 Chirurgische Händedesinfektion
Zielsetzung
Durch die chirurgische Händedesinfektion soll die transiente Flora und möglichst weitgehend auch die residente Hautflora reduziert werden. Auf Grund des Prüfmodells für die chirurgische Händedesinfektion ist davon auszugehen, dass ihre Wirkung für etwa 3 h anhält, was der Dauer der Mehrzahl der Operationen entspricht. Im Fall der intraoperativen Beschädigung von OP-Handschuhen wird die Anzahl von Mikroorganismen, die mit dem vom Handschuh zurückgehaltenen Schweiß ("Handschuhsaft") in die OP-Wunde gelangt, durch die vorangegangene chirurgische Händedesinfektion möglichst gering gehalten (39, 40) und dadurch das Infektionsrisiko reduziert (111-113). Es muss berücksichtigt werden, dass gemäß DIN EN 455-1 (178) bereits bei fabrikneuen unbenutzten sterilen OP-Handschuhe bei 3 von 80 bzw. 4 von 120 geprüften Handschuhen (sog. AQL ≤ 1,5) Defekte vorliegen können. Durch ein zweites Paar OP-Handschuhe kann die Verletzungs- und damit die Kontaminationsgefahr bei Handschuhdefekten reduziert, aber nicht komplett vermieden werden (4).
Indikation
Alle Mitglieder des OP-Teams mit direktem Kontakt zum OP-Feld und zu sterilem Instrumentarium oder sterilem Material müssen vor Beginn ihrer Tätigkeit eine chirurgische Händedesinfektion durchführen. Die sterilen OP-Handschuhe sind erst nach vollständiger Trocknung des Händedesinfektionsmittels anzulegen.
Händewaschung
Wirksamkeit auf die Hautflora: Es gibt weder experimentelle noch epidemiologische Daten zum Nutzen der Waschphase mit und ohne Bürstenanwendung für das Gesamtergebnis der chirurgischen Händedesinfektion (114). Durch Benutzung einer Bürste (115) und auch durch alleinige Seifenwaschung kann die Erregerzahl auf den Händen sogar erhöht werden (116-118). Auch bei Benutzung antiseptischer Seifen ist der Beitrag zur Verminderung der residenten Flora selbst bei Einwirkungszeiten bis 5 min nur marginal (119).

Allerdings ist zu berücksichtigen, dass alkoholbasierte Händedesinfektionsmittel nicht gegen Bakteriensporen wirken. Deshalb sollten vor der am OP-Tag erstmalig durchgeführten chirurgischen Händedesinfektion Hände und ggf. Unterarme mit einem hautverträglichen Tensidpräparat gewaschen werden (125). Der Einsatz von Bürsten hat sich auf hartnäckige Verschmutzungen zu beschränken. Das Risiko einer Sporenkontamination der Hände ist z.B. nach Gartenarbeit gegeben (Clostridium und Bacillus spp.), aber auch nach Koloskopie, Toilettenbenutzung und Versorgung von Patienten mit C. difficile Diarrhoe. Bei der Prüfung von Mitteln zur chirurgischen Händedesinfektion fiel auf, dass im Handschuhsaft eine große Anzahl Sporenbildner (überwiegend Clostridium spp.) feststellbar war (120). Diese Befunde unterstreichen die Notwendigkeit einer einmaligen gründlichen Händewaschung spätestens in der OP-Schleuse vor der chirurgischen Händedesinfektion.

Einfluss auf die Wirksamkeit der chirurgischen Händedesinfektion: Je nach Dauer der vorausgegangenen Händewaschung wird die Aktivität der Händedesinfektion tendenziell oder signifikant reduziert, wenn der alkoholischen Händedesinfektion eine Waschphase vorgeschaltet ist (58, 117, 121-123). Daher wird die Waschphase als Bestandteil der chirurgischen Händedesinfektion nicht mehr als erforderlich angesehen (114, 124).
Der Grund für die Verringerung der Wirksamkeit der alkoholischen Händedesinfektion ist die signifikante Erhöhung der Hautfeuchtigkeit durch die Seifenwaschung für 9 bzw. 10 min (palmare bzw. dorsale Handfläche) (58). Deshalb sollte der Abstand zwischen Seifenwaschung und Händedesinfektion ≥ 10 min betragen. Werden die Hände zu Dienstbeginn und ggf. erneut in der Schleuse zum OP vor Anlegen der OP-Bereichskleidung kurz (etwa 10 s) gewaschen, ergibt sich ein ausreichender Abstand zur Händedesinfektion.

Hautverträglichkeit: Durch Seifenwaschungen kann in Abhängigkeit von Häufigkeit, Hautpflege und Hauttyp (besonders empfindlich sind Atopiker) die Haut geschädigt werden, so dass es bei langfristiger Exposition zur Irritationsdermatose kommen kann. Bei jeder Händewaschung kommt es zur Beeinträchtigung der Wasser-Lipid-Barriere der Haut mit Verlust wasserlöslicher Feuchthalter, aber auch von antimikrobiellen Schutzfaktoren und Reaktionspartnern der Peroxidasesysteme. Erfolgt die Waschung in rascher Folge, kann sich dieser Schutzfilm nicht ausreichend regenerieren, und es kommt zur Schädigung der Barrierefunktion der Hornschicht durch Herauslösen vor allem der interzellulären Kittsubstanzen. In der Folge wird die Haut sowohl für Wasserdampfverluste als auch für sie penetrierende chemische Noxen durchlässiger. Gleichzeitig trocknen die Zellen der Hornschicht aus (raue, schuppige Haut). Die Hornschicht bricht mikroskopisch und klinisch sichtbar auf. Es entstehen Entzündungszeichen in der Epidermis und der Cutis mit Verhornungsstörungen, an deren Ende eine nicht mehr nur durch Hautpflege reversible Ekzematisation steht. Außerdem wird die Haut anfälliger gegen Infektionen mit allen damit verbundenen Folgen (54). Deshalb soll die Seifenwaschung nur dann durchgeführt werden, wenn das ästhetische Bedürfnis besteht oder präoperativ eine mögliche und wahrscheinliche Sporenkontamination reduziert werden soll.
Durchführung
Je nach Präparatauswahl, d.h. der Herstellerdeklaration, sind als Einwirkungszeit 1,5 (128,129), 3 (126) oder 5 min erforderlich (129. Nach Operationen mit einer Zeitdauer < 60 min ist eine alkoholische Händedesinfektion für 1 min vor der nächsten OP ohne nochmaliges Händewaschen ausreichend (127). Weil das Testprotokoll der Europäischen Norm nur das Einreiben der Hände ohne Einbeziehung der Unterarme vorsieht, die in praxi in die chirurgische Händedesinfektion einzubeziehen sind, ergibt sich als Praxisempfehlung, dass unabhängig davon, für welches Präparat mit welcher Einwirkungszeit man sich entscheidet, zunächst die Unterarme außerhalb der deklarierten Einwirkungszeit mit dem alkoholischen Präparat zu benetzen sind (130).

In der OP-Funktionseinheit wird die chirurgische Händedesinfektion für die Dauer der deklarierten Einwirkungszeit durchgeführt. Unabhängig davon, welches Präparat mit welcher Einwirkungszeit vorliegt, werden zunächst die Unterarme mit dem alkoholischen Präparat für 30 s benetzt. In der sich anschließenden Händedesinfektionsphase hat sich für die Hände analog wie für die hygienische Händedesinfektion die Einreibetechnik nach EN 12791 (2,3) bewährt (s.o). Die Hände müssen während der gesamten Desinfektionsphase für die Dauer der deklarierten Einwirkzeit vollständig mit dem alkoholischen Präparat benetzt sein. Bei der Durchführung der Desinfektion ist darauf zu achten, dass während der Durchführung der Desinfektion keine nicht desinfizierten Hautbereiche z. B. oberhalb des Ellenbogengelenks berührt werden. Vor Operationen mit besonders hoher erforderlicher Keimarmut (z. B. Implantation) kann durch Bürsten der Nagelfalze mit dem Händedesinfektionsmittel die Wirksamkeit verbessert werden (121).


Gefunden auf / in: www.leitlinien.org.

Zitierbare Quellen: HygMed 2008; 33 [7/8]; 300-313

Hope that helps,

Hypnos

Relaxometrie
29.03.2009, 12:23
Erzähl das bitte bitte bitte mal meinem Chef! Wir müssen a.) Bürste benutzen b.) 2 Minuten (!) waschen und c.) 5 Minuten (!!!!) Desinfizieren :-keks Und wir MÜSSEN. Sonst gibt's Ärger.
War in meinem PJ ähnlich. Nur das mit der Bürste wurde wenig streng gehandhabt (nur bei sichtbarer Verschmutzung zu nutzen).
Der Chef allerdings war von Haus aus steril. Der ist kurz durch den Waschraum geflogen (sofern man das bei seinem Übergewicht "fliegen" nennen konnte:-D), hat 50 ml Desinfektionsmittel durch die Gegend geschleudert, wovon sicherlich auch der ein oder andere Tropfen auf seinen Händen gelandet sein mag, und ist dann -mit unter der Nase hängendem Mundschutz- an den OP-Tisch stolziert.

Hoppla-Daisy
29.03.2009, 12:28
Ehrlich gesagt, hätte ich als Famulant echt ein Problem, im OP als Pienzchen anzukommen, das sämtliche Extrawürstchen für sich beansprucht, die die liebe Industrie bereitstellt.

Die Niere
29.03.2009, 12:51
Ehrlich gesagt, hätte ich als Famulant echt ein Problem, im OP als Pienzchen anzukommen, das sämtliche Extrawürstchen für sich beansprucht, die die liebe Industrie bereitstellt.
Frag mal die nette OP-Schwester, was alles zur Verfügung steht, da du es gerne ausprobieren würdest. Sollte eignetlich kein problem sein - die sollen ja nichts Neues kaufen. Ausserdem gibt es häufig ne riesige Anzahl verschiender Handschuhe...einfach mal durchprobieren. Als letzten Tipp kann man auch diese labrigen Plastikhandschuhe, wie sie oft beim DK legen genutzt werden mit abgeschnittenen Fingern probieren (macht mein Ex-Chef).

gruesse, die niere

Hoppla-Daisy
29.03.2009, 12:54
Naja, morgen ist letzter Famu-Tag, insofern werd ich da jetzt nochmal die Zähne zusammenbeißen ;-).

Aber im Blockpraktikum werd ich mich mal schlau machen, was die Uniklinik so alles bietet. Und spätestens im PJ möchte ich DAS Patentrezept für mich herausgefunden haben :-).

Vielen Dank für eure Tipps!

Lava
29.03.2009, 13:28
@Hypnos: Meinst du, das sollte ich dem Chef mal ins Fach legen? :-wow Ich glaube ja, dass er von dieser Leitlinie durchaus WEIß, nur ist er eben Chef und macht deshalb alles anders. :-nix

Hoppla-Daisy
29.03.2009, 13:32
In dem Famuhaus war jetzt vor ein paar Tagen eine Fobi zu dem Thema. Und das Bürstenthema wurde seeeehr bereitwillig aufgenommen.

Wusstet ihr, dass die Rasur des Operationsgebietes OUT ist? Man soll nur noch stutzen, aber keinesfalls komplett rasieren. Allerdings ist das gerade bei Operationen an den Genitalien ein wenig äh stressig. Man sucht stets den Faden zwischen den Stoppeln. :-oopss

Grombühlerin
29.03.2009, 13:58
Versuche es doch einfach mal mit Anästhesie - da gibt es eine chirurgische Handdesinfektion nur vor ZVK - / PDK-Anlage...

...ausserdem sind die Arbeitszeiten viiiiiiiiiiiiiel verträglicher...aber wem erzähle ich das:-))

:peace:

echt????

Ich hab meine letzte chirurgische Hautdesinfektion im Chirurgie-PJ gemacht, und ich hab schon viele ZVKs/PDKs gelegt.

Macht ihr das echt alle? Wir machen nur normale Hautdsinfektion (so wie die or jedem neuen Patientenkontakt und so halt) und dann sterile Handschuhe..... ist das etwa falsch?

hennessy
29.03.2009, 14:02
In dem Famuhaus war jetzt vor ein paar Tagen eine Fobi zu dem Thema. Und das Bürstenthema wurde seeeehr bereitwillig aufgenommen.

Wusstet ihr, dass die Rasur des Operationsgebietes OUT ist? Man soll nur noch stutzen, aber keinesfalls komplett rasieren. Allerdings ist das gerade bei Operationen an den Genitalien ein wenig äh stressig. Man sucht stets den Faden zwischen den Stoppeln. :-oopss

zumindest bei Männern ist es doch eindeutig: Das mittlere Haar tropft.

Hoppla-Daisy
29.03.2009, 14:06
Schätzelein, gerade DIESES Haar wird bei "uns" weggemacht ;-)

hennessy
29.03.2009, 14:39
Schätzelein, gerade DIESES Haar wird bei "uns" weggemacht ;-)
aber erst NACH der Rasur, oder?;-)

Hoppla-Daisy
29.03.2009, 14:49
Jetzt nicht mehr :-D