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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unnötige RTW Einsätze - was kann man tun?



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Feuerblick
19.04.2009, 17:53
@Diana: Wo hab ich gesagt, dass Laien entscheiden sollen, ob RTW oder nicht? :-nix Ich sage nur, dass der gesunde Menschenverstand auch bei vielen Laien häufig weiß, dass ein RTW Overkill ist... und die sagen dir dann bei Eintreffen kackendreist ins Gesicht "Wir hätten ja n Taxi nehmen können, aber das hätten wir selbst zahlen müssen". :-kotz Für solche Leute hätte ich dann gerne ein passendes Kästchen auf dem Trapo, das dafür sorgt, dass die nicht gerade geringen Transportkosten mit RTW dem Patienten in Rechnung gestellt werden können. ;-)
Spätestens wenn man mal wieder einer halb-blinden und gehbehinderten Omi ohne Verwandte mit Auto sagen muss, dass sie zwar einen Taxischein bekommen kann, es aber sein kann, dass die Kasse das nicht zahlt, bekommt man gründe Hasspickel...

psycho1899
19.04.2009, 17:54
Tja, da kann man wirklich nix machen. Allerdings stelle ich in solchen Fällen immer wieder fest, daß man durch eine orange Viggo viel besser Blut abnehmen kann. Eine sorgfältige rektale Untersuchung gehört selbstverständlich auch dazu, und ein Schwenkeinlauf ist in jedem Fall indiziert. Gegebenenfalls braucht man auch schonmal eine arterielle BGA, zumindest bei Dyspnoe.

Prioritäten setzen und somit die Wartezeit für nicht indizierte Notaufnahmebesuche zu erhöhen ist auch ein probates Mittel. Ein mittellautes, für den Pat. in Frage durchaus vernehmliches "Also ich geh jetzt erst mal Pause machen" ist ebenfalls in manchen Fällen durchaus angemessen, zumal der Begriff Bereitschaftsdienst ja suggeriert, dass man nur < 50 % der Zeit arbeitet.

So mancher Schwindel/Kopfschmerz seit 2-3 W ist dann für den Patienten doch kein Notfall mehr, wenn er 4 h warten muss.

WackenDoc
19.04.2009, 18:00
Ich denke die unnötigen RTW- Einsätze werden sich nicht verhindern lassen. Wie Sebastian schon schrieb: Wenn die Gefahr droht dass unnötige Einsätze kosten triffts die ängstlichen.
Es wird immer Patienten geben, die denken ein drei Tage alter Mückenstich sei ein Notfall und die, die sich mit dem Kopf unter dem Arm still in den Wartebereich setzen und warten bis sie dran kommen.

War selbst 8 Monate in der Notaufnahme (interdisziplinär) in einem Haus der Maximalversorgung. Allerdings hatten wir ne ziemlich gute Anmeldung, die krank aussehende Patienten relativ gut rausgefiltert haben und den Arzt dazugerufen haben. Manchmal hätte ich mir den KV- Dienst für die Begatellsachen schon im gleichen Haus bzw als Triage- Instanz gewünscht. Ich glaub viele Patienten wissen gar nicht dass es so was gibt.
Auch merkwürdig wie viele "Notfälle" es plötzlich Mittwochs und Freitags nachmittags gibt.

Aber mir ists schon auf den Senkel gegangen wenn Samstag abend (also nach der Hapteinkaufszeit) Patienten mit seit bis zu 6 Monaten! bestehenden Beschwerden aufgeschlagen sind (also nicht verschlechtert und nix) weil sie kein Bock hatten beim Niedergelassenen auf den Termin zu warten.

Psyhco:selbst das wird nicht helfen. Hab mal in Erwartung eines Polytraumas dieses im Warteraum kundgetan und um Verständnis gebeten, dass es deswegen zu ca. 20 längerer Wartezeit kommen wird. Da hat sich einer mit einer mit einer OSG- Distorsion die schon einen halben Tag alt war 10 min später beschwert wann er denn endlich dran kommt.

Skalpella
19.04.2009, 18:11
@Diana: Wo hab ich gesagt, dass Laien entscheiden sollen, ob RTW oder nicht? :-nix Ich sage nur, dass der gesunde Menschenverstand auch bei vielen Laien häufig weiß, dass ein RTW Overkill ist... und die sagen dir dann bei Eintreffen kackendreist ins Gesicht "Wir hätten ja n Taxi nehmen können, aber das hätten wir selbst zahlen müssen". :-kotz Für solche Leute hätte ich dann gerne ein passendes Kästchen auf dem Trapo, das dafür sorgt, dass die nicht gerade geringen Transportkosten mit RTW dem Patienten in Rechnung gestellt werden können. ;-)
Spätestens wenn man mal wieder einer halb-blinden und gehbehinderten Omi ohne Verwandte mit Auto sagen muss, dass sie zwar einen Taxischein bekommen kann, es aber sein kann, dass die Kasse das nicht zahlt, bekommt man gründe Hasspickel...
Der vielfache Missbrauch des Systems ist natürlich schlimm. Und das von Dir beschriebene Verhalten von Patient und Angehörigen auf jeden Fall zu verurteilen. Da bin ich an der vordersten Front mit dabei, wenn es darum geht, die "Das steht mir zu"- Mentalität zu bekämpfen.
Ich wollte nur die Sensibilität für den medizinischen Laien wecken, der wirklich nicht weiß, ob etwas bedrohlich ist, oder nicht.
In diesem Zusammenhang finde ich die Tatsache, dass Ärzte in der Notaufnahme eines maximalversorgenden Hauses tatsächlich im Bereitschaftsdienst arbeiten, haarsträubend! Es hat nichts mit Bereitschaftsdienst zu tun, wenn man, wie Lava schreibt 24 von 26 Stunden arbeitet. Dies ist durch einen Regeldienst abzudecken :-meinung Auch und gerade am Wochenende.

Feuerblick
19.04.2009, 18:14
Japp, voll und ganz :-dafür

Muriel
19.04.2009, 18:19
Die Insel in Bern hat wohl ein Triagesystem. Da ich dort aber nie gearbeitet habe, kann ich dazu nichts sagen. Aber aus nicht näher zu bezeichnender Quelle (:-D) meine ich zu wissen, dass es eigentlich ganz gut funktioniert.

WackenDoc
19.04.2009, 18:29
Ganz genau. Kann nur sagen wie´s bei uns war:
AvD nur für die Notaufnahme
IvD für alle internistischen Notfälle des Hauses außer Intensivstationen
2 CvDs ein unfallchirurgischer und ein allgemeinchirurgischer (einer davon Jungassi und einer Altassi/frisch FA)
plus Internist auf der internistischen Intensiv und Anästhesist aus der anästhesiologischen Intensiv.
ein Notarzt +ggf ein NA-Schüler für´s NEF
ich glaub Anästhesiefacharzt+Assi für OP gab´s auch noch
Alle als Anwesenheitsdienst

und die übrigen Fachrichtungen als Rufbereitschaft.Am meisten davon genutzt der Neurologen

Lava
19.04.2009, 18:52
In Basel hat die Anmeldung triagiert :-D Das sah dann so aus, dass sie blutende/schwer krank aussehende Patienten mal einer Schwester gezeigt haben. Ähnlich läuft es jetzt bei uns in DA. Noch haben wir keine zentrale Notaufnahme, das ist aber das Zauberwort der Zukunft. Bin mal gespannt, wann das kommt und wie es aussehen wird.

Diese Bereitschaftsdienste haben wir jetzt auch nur wegen des Personalmangels. Sobald wir mehr sind, wird es ein Schichtsystem geben, das gab es vorher auch schon. Interessanterweise hat bisher kaum ein Kollege was Positives darüber erzählt...

WackenDoc
19.04.2009, 19:10
War im PJ in einem Haus mit getrennter Notaufnahme (also einer internistischen und einer chirurgischen) und wie gesagt als Assi in einer zentralen.
Ich find die zentrale eindeutig besser. Das Rumgeschiebse von unklaren Patienten bei der getrennten- echt ätzend. In der zentralen kriegt der Patient erstmal nen Platz auf ner Liege(also wenn er dran ist), Monitoring, Basisdiagnostik,ggf erste Schmerzmedikation und das wichtigste: egal was er hat, es kümmert sich schon mal jemand um ihn- nämlich der AvD. Grad als angehender AfA super Dienste (Doof war bei nur nur der hohe Standard,deswegen durfen wir AvDs nicht allzuviel selber machen).

janni
19.04.2009, 20:46
Ich arbeite in einem Haus der Maximalversorgung, wo wir eine zentrale Aufnahme haben, in der alle Patienten von den Schwestern triagiert werden nach Fachgebiet. Das heißt entweder die Patienten selber oder der Rettungsdienst kommen ins Schwesternzimmer, zeigen die Einweisung bzw. erzählen was Patient hat. Die Schwestern entscheiden dann welchem Fachgebiet das ganze zugeordnet wird und schreiben es in entsprechender Farbe (Rot internistisch, grün neurologisch, blau chirurgisch etc) auf eine große Tafel und im PC wird es auch entsprechend abgelegt. Jede Fachrichtung hat in der Aufnahme einen oder mehrere Ärzte die sich dann ihre Pat anschauen. Klappt meistens auch ganz gut, und wenn etwas falsch war dann eher weil auf der Einweisung Mist stand oder der Rettungsassistent da etwas falsch gedeutet hat (bestes Beispiel neulich: Pat. hatte Dyspnoe, die Angehörigen hatten danach das Gefühl er sei verlangsamt --> Retter nehmen ihn mit und erzählen was von Ausschluss Schlaganfall woraufhin der Pat neurologisch war :-oopss )

Zum eigentlichen Thema: Ich find es auch unglaublich wie selbstverständlich manche Patienten den Rettungsdienst in Anspruch nehmen. In meinem letzten Nachtdienst hat sich ein Patient wegen Rückenschmerzen vom RTW zu uns fahren lassen, als ich ihn dann untersuchte sprang er von der Liege auf und konnte problemlos laufen. Als ihm dann mitteilte dass er nicht bleiben muss sondern wieder nach Hause kann meint er doch tatsächlich der Krankenwagen fährt ihn wieder nach Hause, schließlich hat der ihn ja auch hergebracht. Als ich dann meinte nein da müsse er sich schon ein Taxi nehmen zückte er dann das Telefon und rief seine Frau an damit sie ihn abholt :-kotz.

freestyler
19.04.2009, 22:35
Du glücklicher Internist! Ich kann höchstens für die Betäubung mal ne grüne Nadel nehmen statt der blauen. Aber das merken die Besoffskis sowieso nicht. Ganz ohne Betäubung nähen ist auch doof, wenn die dann doch bei jedem Stich vom Tisch springen wollen :-(

Betäubung bei Besoffskis gibts bei mir nicht...
sorry, aber dafür hab ich den Rettungsdienst der den Typen festhält....denn vorher gibts keine Unterschrift.



Prioritäten setzen und somit die Wartezeit für nicht indizierte Notaufnahmebesuche zu erhöhen ist auch ein probates Mittel. Ein mittellautes, für den Pat. in Frage durchaus vernehmliches "Also ich geh jetzt erst mal Pause machen" ist ebenfalls in manchen Fällen durchaus angemessen, zumal der Begriff Bereitschaftsdienst ja suggeriert, dass man nur < 50 % der Zeit arbeitet.

So mancher Schwindel/Kopfschmerz seit 2-3 W ist dann für den Patienten doch kein Notfall mehr, wenn er 4 h warten muss.

Bei uns ist das so:
Eine bis zwei Ambulanzschwestern, die ich als sehr kompetent einschätze. Diese rufen, nach der Entscheidung welche Fachrichtung die richtige ist, den jeweiligen Arzt der jeweiligen Fachrichtung auf dem Handy an. Nebenbei wird mir dann von der Schwester mitgeteilt ob es sich um einen Akutfall handelt oder nicht.
Daher nehm ich mir häufig das Recht raus die Patienten zu "sammeln"...am liebsten zur "Wochenendsprechstunde" . Und wenn 2-3 mit "Lapalien" (z.B. Fußschmerz ohne Trauma seit 3 Tagen) beweg ich mich in die Ambulanz. Sonst bin ich ja nur am hoch und runterrennen.
Ein wenig Erziehung der Bevölkerung gestatte ich mir.

Wir haben in unserer Ambulanz sogar ein Flyer : "Was ist ein Notfall?"
Den drück ich jedem Kandidaten mit lapidarem Beschwerden im Sinne: Keine Zeit-zum-Hausarzt-zu-gehen. in die Hand.


Jedenfalls bin ich beruhigt, dass es nicht nur uns so geht in unserer Ambulanz.

Rein rechnerisch arbeiten wir 60% in unsererm Bereitschaftsdienst. Wurde jedenfalls von der Verwaltung so "berechnet". Zum Glück gibts dafür die Entgeltung in der höchsten Dienststufe.

Dr. Pschy
19.04.2009, 22:53
Betäubung bei Besoffskis gibts bei mir nicht...
sorry, aber dafür hab ich den Rettungsdienst der den Typen festhält....denn vorher gibts keine Unterschrift.

Du lässt die RTW-Besatzung warten, bis du den Patienten fertiggenäht hast? Nicht falsch verstehen, aber da such ich mir als Sani einen andern, der den Transportschein unterschreibt, die Zeit hab ich sicher nicht.

alex1
19.04.2009, 23:02
Kurze Frage:

Was würde passieren, wenn ich die Feuerwehr unnötigerweise holen würde. Zum Beispiel durch Auslösen eines Feueralarmes, weil die Nudeln im Topf etwas anbrennen würden und es ein wenig rauchen würde (kein Feuer)?

Die Feuerwehr würde mit 3 Wagen anrücken, sich das anschauen und dann?

Ich würde wahrscheinlich eine Strafe zahlen müssen.

Vielleicht sollte man es ähnlich für "Falschalarme" beim Notarzt machen.


Es ist ähnlich bei den Notaufnahmen, wo irgendwelche Patienten mit Symptomen aufkreuzen, die seit Tagen bestehen, nur weil sie gerade ein Problem haben.
Wenn es sich dabei um keinen Notfall handelt (verschleppte Appendizitis, die gerade zur Peritonitis wurde, usw.) sollten die Patienten meines Erachtens sich an den Kosten selbstbeteiligen.
Das heisst, nach Diagnosestellung, würden Sie vom Arzt in einem Satz erklärt bekommen: "Dies ist kein Notfall und dafür ist die Notaufnahme nicht zuständig. Wenn Sie trotzdem eine Behandlung wünschen, zahlen Sie einen Notaufnahme-Stundensatz von 50 Euro für die Behandlung dazu."

freestyler
19.04.2009, 23:10
Betäubung bei Besoffskis gibts bei mir nicht...
sorry, aber dafür hab ich den Rettungsdienst der den Typen festhält....denn vorher gibts keine Unterschrift.

Du lässt die RTW-Besatzung warten, bis du den Patienten fertiggenäht hast? Nicht falsch verstehen, aber da such ich mir als Sani einen andern, der den Transportschein unterschreibt, die Zeit hab ich sicher nicht.

Alles eine Geschwindigkeitsfrage.

Bei mir wirst du keinen finden, der Dir den sonst unterschreibt. Ich bin nachts der einzige Chirurg in unserer Klinik.
Bei uns im Schockraum ist für Nahtarbeiten alles komplett vorbereitet. Die Schwester reicht an und die paar Nähte sind meist schnell gemacht.
Das tue ich mir nicht an mit aggressiven Besoffskis da allein mit Nadel in der Hand rumzuhantieren.
Kann sein, dass es woanders anders läuft aber unsere Rettungsassis kommen damit klar.

Thomas24
20.04.2009, 00:38
Ich wünsche mir schon seit Rettungsdienst-Zeiten, dass man solche Schwachsinnseinsätze einfach als medizinisch nicht-indiziert dem Patienten in Rechnung stellen kann. Also quasi ein Kreuzchen mit "minderschwerer Fall" oder sowas.
Solange das nicht möglich ist (leider führt schon der Versuch zu endlosen rechtlichen Streitereien, wir habens teilweise ausprobiert) solltest du den Schein netterweise unterschreiben. Denn die RTW-Besatzung kann nun wirklich nichts dafür, wenn sie mitten in der Nacht gerufen werden zu solch einem Mist. Und da sie keine Ärzte sind, werden sie den Teufel tun und den Patienten zuhause oder wo auch immer lassen, nur weil sie meinen, der kommt alleine klar. :-nix Also... bitte, bitte weiter unterschreiben und damit einfach nur dokumentieren, dass der Transport STATTGEFUNDEN hat. Der Schein ist Grundlage für jegliche Abrechnung! Sonst bedeutet das nämlich Ärger FÜR die Verwaltung/Abrechnungsabteilung, Schreibkram mit dem Krankenhaus (also auch für dich), Zettelmist... und der Patient bekommt davon so gut wie nichts mit...

Funkel, mit über zwei Jahren Abrechnungserfahrung beim Rettungsdienst

P.S. Aber Taxifahrten nach Hause mit dem RTW (bei Patienten die nach einer Untersuchung NICHTS haben) finden schlichtweg nicht statt! Wieso ist dieses Ehepaar nach Hause gefahren worden? Das zahlt keine Kasse, das ist nicht indiziert und ziemlich dämlich von der Besatzung des RTW!



Ist das wirklich so? Ich dachte, dass ich mit meiner Unterschrift bestätige, dass der Transport nicht nur stattgefunden hat, sondern auch medizinisch indiziert gewesen ist.

Daher bin ich dazu übergegangen, in dubio einfach das RTW Team wieder zurück zu schicken, und mich nicht von einer drängelnden RTW Besatzung zu einer Unterschrift hinreissen zu lassen, bevor ich den Patienten angesehen habe.

Wenn sich dann herausstellt, dass der Transport indiziert gewesen ist, unterschreib ich den Transportschein und lass ihn an die Feuerwehr/Malteser usw. nachschicken. Wenn nicht, unterschreib ich nichts und der vermeintliche Akutnotfall bekommt eine Privatrechnung vom RTW Dienst geschrieben.

Zusätzlichen Schreibkram hab ich eigentlich nicht gehabt in den letzten Jahren- ab und zu kommt ein Schreiben von der Feuerwehr, Stadtverwaltung oder wem auch immer, dann hat bisher immer ein kurzes Statement gereicht, dass der Transport nicht notwendig gewesen ist.

Und manchmal kommen auch "Bettelbriefe" von Patienten, dass ich im Nachhinein den Transportschein/ Taxischein whatever doch unterschreiben möge- dann bleibt es aber meist bei einem sorry, Sie mögen sich bitte an den Rechnungssteller wenden und vielleicht nach einer verminderte Rechnung auf Kulanzbasis fragen.

Der Rettungsdienst ist meines Erachtens für echte NOTFÄLLE da, und kein Ersatz für ein Taxiunternehmen. Ausserdem sollten die Beiträge in der gesetzlichen Krankenkasse ebenfalls nicht für unnötige Leistungen verplempert werden- es fehlt schon an genug Ecken, wo das Geld dringend besser gebraucht werden könnte. Möchte nicht wissen, wie viele Kinder amblyop durch die Gegend rennen, weil sich die Eltern die verschriebenen Brillengläser nicht leisten können.

Ich muss aber zugeben, dass ich manchmal auch reinfalle-
gestern ist mir vom RTW jemand mit "Explosionstrauma- Feuerwerkskörper vor dem Auge explodiert" gebracht worden (mit Augenbinde, hyperventilierendem Patienten und grossem Tamtam). Stellte sich dann als minimalste KSP bei einem stark angeheiterten Volksfestbesucher *ohne Explosionstrauma* heraus, die RTW Besatzung war dann aber schon weg- mit unterschriebenem Schein. Da hab ich mich dann schon geärgert, reingefallen zu sein- und nicht wenigstens mal einen schnellen Blick riskiert zu haben. Naja den Rückweg durfte er dann mit dem Taxi bestreiten.

Ein Kumpel von mir unterschreibt prinzipiell jeden Transportschein-
er hätte keinen Bock auf etwaige Diskussionen oder zusätzlichen Schreibkram, ausserdem wären es nicht seine Krankenkassenbeiträge, die da verplempert werden (ist nämlich privat versichert), da ist ihm seine Zeit zu schade, um irgendwelche Anfragen o.ä. zu beantworten. Diese Einstellung finde ich persönlich eher "suboptimal".

Just my 2 cents.

anba
20.04.2009, 05:44
Möchte nicht wissen, wie viele Kinder amblyop durch die Gegend rennen, weil sich die Eltern die verschriebenen Brillengläser nicht leisten können.


Meines Wissens werden Brillengläser für Kinder von der GKV bezahlt.

Skalpella
20.04.2009, 09:04
Betäubung bei Besoffskis gibts bei mir nicht...
sorry, aber dafür hab ich den Rettungsdienst der den Typen festhält....denn vorher gibts keine Unterschrift.

Sehr bedenklich. Ich weiß nicht, ob es einem Arzt zusteht, seinen Patienten zu bestrafen :-nix Finde ich unprofessionell. Auch bei diesen in anderen Beiträgen genannten "Nichtnotfallpatienten". Die Auklärung darüber, wozu eine Notaufnahme da ist, reicht, finde ich.

Hinzu kommt, dass der ohnehin oft schon aggressive Patient eine erhebliche Verletzungsgefahr für das Behandlungsteam darstellt, noch dazu wenn man ohne adäquate Lokale versucht etwas zu nähen. Da hol ich mir doch gern eine Nadelstichverletzung von dem durchgeknallten Polytoxikomanen :-keks
Dass der Rettungsdienst nicht dazu da ist, bei der Behandlung des Patienten zu assistieren wurde ja schon gesagt. Freundlich von denen, dass sie oft tatsächlich da bleiben, bei gefährlichen Patienten. Das ist aber ein Gefallen des Rettungsdienstes und keine Selbstverständlichkeit.

Hypnos
20.04.2009, 09:13
Sehr bedenklich. Ich weiß nicht, ob es einem Arzt zusteht, seinen Patienten zu bestrafen :-nix Finde ich unprofessionell. Auch bei diesen in anderen Beiträgen genannten "Nichtnotfallpatienten". Die Auklärung darüber, wozu eine Notaufnahme da ist, reicht, finde ich.

Hinzu kommt, dass der ohnehin oft schon aggressive Patient eine erhebliche Verletzungsgefahr für das Behandlungsteam darstellt, noch dazu wenn man ohne adäquate Lokale versucht etwas zu nähen. Da hol ich mir doch gern eine Nadelstichverletzung von dem durchgeknallten Polytoxikomanen :-keks
Dass der Rettungsdienst nicht dazu da ist, bei der Behandlung des Patienten zu assistieren wurde ja schon gesagt. Freundlich von denen, dass sie oft tatsächlich da bleiben, bei gefährlichen Patienten. Das ist aber ein Gefallen des Rettungsdienstes und keine Selbstverständlichkeit.

:-meinung

Bei aller Liebe und Verständnis: sollte ich ein solches Verhalten wahrnehmen, hätte das für den durchführenden "Kollegen" Konsequenzen...

Muriel
20.04.2009, 10:11
Ich drücke jedem nächtlichen oder wochenendlichen Besucher meiner Ambulanz immmer ein Visitenkärtchen in die Hand mit der Nummer des KV-Dienstes mit dem Hinweis, dass dieser zu jeder Tages- und Nachtzeit und an jedem Tag der Woche also 24/7 der erste Ansprechpartner sei. Erst wenn dieser entscheide, dass eine Kliniksvorstellung wichtig sei oder aber der KV-Dienst aus welchen Gründen auch immer nicht zu erreichen sie, sei die Klinik der richtige Anlaufspunkt. Viele wissen das tatsächlich nicht. Und wenn nur einer beim nächsten Mal nicht kommt mit nem roten Auge, hat es sich schon gelohnt.

pottmed
20.04.2009, 13:54
Also mal allen Ernstes, ich weiß auch, dass sich in den Notaufnahmen der Kliniken viele Nicht-Notfälle rumtreiben und häufig auch zu überflüssigen RTW, wenn nicht gar als NEF-Einsätzen führen.
Aber mir als Rettungsdienstler platzt doch die Hutschnur wenn ich so manchen Beitrag hier lese.

1.) Es ist höchstgradig unprofessionell einen Patieten ohne Anästhesie zu nähen, ob nun betrunken oder nicht.

2.) Das Rettungsfachpersonal es ausbaden zu lassen wenn man einen "Notfall" bekommt, der sich im Nachhinein nicht als RTW-Indikation herausstellt halte ich auch nicht für besonders kollegial.

3.) Vor allem in Großstädten ist nachts im RD gut zu tun, da hat man als RA nicht auch noch die Zeit Botengänge im KH zu erledigen.

4.) Wenn der Transportschein nicht vom aufnehmenden Arzt unterschrieben wird und der Träger des Rettungsdienstes dann später den Transport dem Pat. direkt verrechnet, so führt dies meistens dazu, dass die Rechnung nicht bezahlt wird.
Denn die Pat. die den RTW bei Bagatellverletzungen rufen, benutzen diesen in der Tat häufig nur als Taxi-Ersatz. Allerdings sind diese auch nicht in der Lage die Kosten für einen RTW-Einsatz privat zu tragen. Da in der Regel allerdings selbst mit rechtlichen Schritten nichts zu holen ist, vergrößert sich nur die Deckungslücke bei den Rettungsdiensten.
Was dazu führt, dass man entweder höhere Kostensätze für jeden einzelnen Transport bei der KK durchsetzen muß oder auf Dauer die medizinische Versorgungsqualität der wirklichen Notfälle leidet.

5.) Wie auch hier im Thread bereits angesprochen ist Rettungsfachpersonal nicht befugt zu entscheiden ob ein Pat. einer ärztlichen Versorgung zugeführt werden muß oder nicht. Nur wenn der Patient selber den Transport verweigert, kann ggf. nach ausführlicher Aufklärung und selbst dann noch in einer rechtlichen Grauzone, kein Transport ins nächstgelegene KH durchgeführt werden.


Natürlich weiß ich selber auch, dass viele Transporte schlichtweg nicht erforderlich sind, aber viele Besuche beim Hausarzt sind auch nicht erforderlich und trotzdem werden die Patienten nach bestem Wissen und Gewissen behandelt.
Auch ein betrunkener Patient hat Anrecht auf eine angemessene Betreuung, sonst könnte man in so mancher Nacht seinen RTW gleich in der Garage lassen und stattdessen immer nur die Polizei schicken, die können ja auch ins KH fahren.