Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Chirurgie und Arbeitszeitgesetz
Kackbratze
18.05.2009, 21:46
Betonung liegt auf ALT...
John Silver
18.05.2009, 21:52
Hm, das würde ich nicht als den Hauptgrund ansehen. Das Problem muss woanders liegen. Ich habe schon viele wirklich nette Chefs kennen gelernt, ich habe im OP selten mal ein böses Wort mir gegenüber gehört, all diese bekannten Horrorgeschichten kann ich eigentlich nicht nachvollziehen.
Mein Chef ist z.B. ein sehr umgänglicher Mensch. Er mag seine Fehler haben (ist ein eher konservativer Typ), aber er wird nie böse. In meinen Augen ist das Problem eher, dass die Ansprüche der Ärzte andere sind als früher, während in der Chirurgie die Arbeitsbelastung an sich nach wie vor sehr hoch ist. Außerdem ist die praktische Ausbildung nicht gut und dauert lange. Das schreckt eben viele ab.
Meine Aussage ist umfassender gemeint. Ein schlechter Chef ist nicht nur der, der seine Untergebenen anschreit, sondern auch der, der sie nicht fördert und die Weiterbildung nicht vorantreibt. Die Tatsache, daß die Arbeitsbelastung in der Chirurgie sehr hoch, und die praktische Weiterbildung sehr schlecht ist, ist eine direkte Folge des geringen Interesses der Chefs daran, diese Mißstände zu beseitigen. Insbesondere die schlechte Weiterbildung ist sicher nicht durch Verwaltungen oder Politiker verschuldet.
OK, das unterschreib ich.
stud_tir
18.05.2009, 22:37
Hmm wäre es nicht möglich, eine Liste aller KHs zu veröffentlichen, die sich nicht an das AZG halten, die keinen angemessenen ÜStundenausgleich leisten, etc?
Nur mal so als erster Ansatz.
MissGarfield83
18.05.2009, 22:55
Fragt sich nur wie schnell du dann mehrere Rechtsabteilungen an der Backe hast - riskantes Unterfangen ...
stud_tir
18.05.2009, 23:30
Fragt sich nur wie schnell du dann mehrere Rechtsabteilungen an der Backe hast - riskantes Unterfangen ...Kommt drauf an was man schreibt - müsste halt alles nachprüfbar/belegbar sein :-)
Alternativ wäre es etwas für eine der Gewerkschaften ...
Kackbratze
19.05.2009, 05:28
Alternativ wäre es etwas für eine der Gewerkschaften ...
Meinst Du VER.DI, die seit Jahren die Belange der Ärzte zu Gunsten der Belange des Pflegepersonals geopfert haben um danach zusätzlich über die (ehemals) eigenen Mitglieder herzuziehen?
Oder doch den Marburger Bund, dem das auch offiziell total egal ist, solange die Mitgliederzahlen stimmen?
Hmm wäre es nicht möglich, eine Liste aller KHs zu veröffentlichen, die sich nicht an das AZG halten, die keinen angemessenen ÜStundenausgleich leisten, etc?
Nur mal so als erster Ansatz.
So langsam frage ich mich, wem das helfen soll. In meiner Klinik war es so, dass auch den eigenen Reihen eine Anzeige an die zuständige Aufsichtsbehörde (welche auch immer das sein mag) kam, dass bei uns das AZG nicht eingehalten wird. Seit dem, das muss vor 1 oder 2 Jahren gewesen sein, werden Modelle errechnet, ausprobiert, verworfen, umstrukturiert, wieder probiert, wieder verworfen. Nichts klappt. Grund: Personalmangel. Und als noch genug Personal da war, und es ein echtes Schichtsystem gab, war das auch nicht gut. Es gab trotzdem genauso viele Überstunden wie vorher und ohne die Dienste gleich mal fast 1000€ weniger auf dem Lohnzettel.
Anderes Beispiel: die Kollegen aus der Allgemeinchirurgie haben jetzt geschlossen die opt-out Regelung gekündigt. Auf die Frage eines Assistenten hin, was denn jetzt geschehe, ob er dann jetzt pünktlich nachhause gehen solle und wer dann seine Arbeit macht, kam ein kryptisches Gemurmel: Kündigung opt-out ab jetzt, aufs Jahr gerechnet hieße das, er dürfe trotzdem pro Woche sounso viel Stunden arbeiten (nix mit 40h!). Klarer ausgedrückt: Regelung gekündigt, egal, ihr arbeitet trotzdem weiter.
WackenDoc
19.05.2009, 07:47
Wär ja schon mal was wenn die Aufsichtsbehörde (wer auch immer das sein mag) mal abends in´s Krankhenaus schneien würde und fragen würde: Seit wann arbeiten Sie heute schon.
Merkwürdigerweise funktioniert das bei LWK- Fahrern auch.
Die Pflicht zu einem Zeiterfassungssystem würde auch schon helfen.
Auf dem Papier mag das ja alles passen, aber die normalen Überstunden außerhalb von Diensten werden ja geleistet aber oft nicht anerkannt.
Meinetwegen können die unter bestimmten Voraussetzungen auch 24-Stunden- Dienste wieder einführen.(Ok, ich geb´s ja zu betrifft mich eh nicht mehr) Nämlich wenn man nach der Übergabe gehen muss und an den anderen Tagen eben nicht 12 Stunden+ arbeitet.
stud_tir
19.05.2009, 09:39
@Kackbratze: Gute Frage.
In meiner Klinik war es so, dass auch den eigenen Reihen eine Anzeige an die zuständige Aufsichtsbehörde (welche auch immer das sein mag) kam, dass bei uns das AZG nicht eingehalten wird. Seit dem, das muss vor 1 oder 2 Jahren gewesen sein, werden Modelle errechnet, ausprobiert, verworfen, umstrukturiert, wieder probiert, wieder verworfen. Nichts klappt. Grund: Personalmangel.Ergo müsste mehr Personal eingestellt werden - wurde das überhaupt versucht? (Ernsthafte Frage)
Und als noch genug Personal da war, und es ein echtes Schichtsystem gab, war das auch nicht gut. Es gab trotzdem genauso viele Überstunden wie vorher und ohne die Dienste gleich mal fast 1000€ weniger auf dem Lohnzettel.Nun ja - gleich viele Überstunden wie vorher und weniger auf dem Lohnzettel ist ein Unding - ÜStunden müssen voll ausgeglichen werden, alles andere ist illegal.
Anderes Beispiel: die Kollegen aus der Allgemeinchirurgie haben jetzt geschlossen die opt-out Regelung gekündigt. Auf die Frage eines Assistenten hin, was denn jetzt geschehe, ob er dann jetzt pünktlich nachhause gehen solle und wer dann seine Arbeit macht, kam ein kryptisches Gemurmel: Kündigung opt-out ab jetzt, aufs Jahr gerechnet hieße das, er dürfe trotzdem pro Woche sounso viel Stunden arbeiten (nix mit 40h!). Klarer ausgedrückt: Regelung gekündigt, egal, ihr arbeitet trotzdem weiter.Siehe oben.
@Wackendoc: Es gibt noch keine allgemeine Pflicht zur elektronischen Zeiterfassung? Bitte was?
das was du hast, sind ideale.
das was die kollegen oben schildern sind tatsachen.
stud_tir
19.05.2009, 09:41
das was du hast, sind ideale.
das was die kollegen oben schildern sind tatsachen.Das ist mir durchaus klar. Aber die Aussage "derzeit ist es Anders" heißt noch lange nicht, dass es den Versuch einer Verbesserung nicht wert wäre.
Und sorry - aber auf der einen Seite motzen wie mies die Arbeitsbedingungen sind und auf der anderen Seite sagen "nö, keine Lust etwas zu ändern, bringt ja doch nichts" gilt nicht (ohne jetzt jemand speziell zu meinen)
es gibt keine stellen, weil die gelder knapp sind. es gibt keine bewerber, weil diese den job nicht machen wollen. es gibt keine umsetzung des azg weil nicht genug stellen da sind weil die gelder knapp sind. es gibt überstunden weil es ohne überstunden nicht geht, weil... es gibt keine vepflichtung zur elektronischen az-erfassung, weil die kh das nicht umsetzen können weil das teuer ist. es gibt immer noch die dienstanweisung, sich um so und so viel uhr auszuloggen weil die überstunden nicht gezählt werden (dürfen). es gibt trotz ordnungsgemässer erfassung der überstunden auch kliniken, in denen diese dann nicht vergütet werden (in geld oder freizeit).
alles in unserem industrieland.
stud_tir
19.05.2009, 09:53
Nun ja - dafür gibt es dann beispielsweise Klagen (die Anweisung sich um x Uhr auszuloggen ist illegal, die KHs müsste (Theorie, ich weiß) mehr Geld von Politik/Krankenkassen erhalten, etc) und Politik bzw. Kampagnen.
Ich habe in letzter Zeit nur Ärztekampagnen für mehr Gehalt gesehen - aber keine "auf die Tränendrüsen drückende Informationskampagne für bessere Arbeitsbedingungen für medizinisches Personal" (Pflegepersonal und Ärzte - betrifft ja sowieso beide Seiten). Demnächst ist Wahl ... ein guter Zeitpunkt!
icespeedskatingfan
19.05.2009, 10:52
... äähm, man kann auch sein Krankenhaus beim Gewerbeaufsichtsamt wegen Verstössen gegen das AZG anzeigen :-blush...... seeeehr wirksam, und seeeehr lustig anzusehen wie flexibel Verwaltungen bei hohen Geldstrafen auf einmal werden.... kenne zwei Krankenhäuser in denen ebensolches passiert ist .... plötzlich wurden die Abteilungen von arztfremden Aufgaben entrümpelt und die Assis um 16.00 Uhr zum Gehen genötigt ... ihr glaubt gar nicht was alles geht wenn der Druck von aussen kommt:-blush
um klar zu stellen, in meiner abteilung läuft das sehr korrekt und vorbildlich. das war aber auch harte arbeit!
stud_tir
19.05.2009, 13:44
um klar zu stellen, in meiner abteilung läuft das sehr korrekt und vorbildlich. das war aber auch harte arbeit!Dann hat sich die Arbeit ja scheinbar gelohnt, oder nicht?
Und genau darauf will ich hinaus.
nein, wir haben während der arbeitszeit stress, damit wir pünktlich raus kommen, bezahlen natürlich mit einigem anderen und das kartenhaus bricht rasch zusammen, wenn >3-4 im urlaub/frei/fortbildung sind und die arbeitslast sich auf wenige verteilt..
Ergo müsste mehr Personal eingestellt werden - wurde das überhaupt versucht? (Ernsthafte Frage)
Ja, aber auf eine Anzeige hin bewerben sich eben nicht mehr 20 oder 30 Leute, sondern nur noch 3 oder 4 oder wie bei uns damals im Dezember 9. Und da jeder von denen bei der derzeitigen Stellenlage min. 3 Angebote hat, nimmt auch längst nicht jeder die Stelle. ;-)
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