Talent80
12.06.2009, 01:39
Hallo micesh, hallo @all,
auch ich habe in meinem Erststudium Wirtschaftswissenschaften - allerdings auf Diplom studiert und mit "gut" (1,7) abgeschlossen.
Da es schon immer mein Wunsch war Medizin zu studieren, habe ich mich, nach 3 Jahren Berufstätigkeit, bei der ZVS auf einen Zweitstudienplatz der Medizin beworben.......2 Mal Pech gehabt....aber beim 3. Mal hat es geklappt......aktuell studiere ich im 1. Semester.
Die Hürde "ZVS" überwinden ist das Eine, das Studium ist das Andere!
Wichtig für die Begründung bei der ZVS ist es, dass Du auf keinen Fall angibst, dass Du Arzt werden willst.......klingt bekloppt....ist aber so. Laut ZVS Regelung sind alle "Berufswechsel-Wünsche" mit der niedrigsten Punktezahl (1 Punkt) zu bewerten.
Du musst vielmehr glaubhaft vermitteln (vorausgesetzt Du willst in eine höhere Gruppe eingestuft werden), dass ein Zweitstudium der Medizin Deine beruflichen Aussichten erheblich verbessern würde.....hierfür sind glaubhafte Belege notwendig - individuell verschieden - !!!
Sollte es dann klappen mit dem Platz ist die Freude sicherlich riesig............ABER!!!!...........
Jetzt erlebt man sein persönliches Waterloo......So empfinde ich es zumindest als ehemaliger BWL'er.
Im 1. Semester....hat man (bzw. habe ich) folgende Fächer:
Anatomie
Chemie
Biologie
Terminologie
Physik
Psych.-Soz.
Wahlfach
Das klingt jetzt erstmal OK.......Aber......auch ich war es aus meinem Erststudium gewohnt, dass man im Semester 4-6 Klausuren hat (am Ende), die man bestehen muss und auf die man sich individuell vorbereiten kann....
...das ist im Medizin-Studium komplett anders!
Wenn jemand ein Chemie-LK'ler war.....und evtl. noch Physik hatte, dann hat er sicherlich Vorteile, aber auch ihn holt die Realität in ca. 5 Wochen (im 1. Semester) ein.
Ich habe im Semester alleine 4 mündliche Anatomie-Testate zu meistern (kommen alle 3 Wochen) und am Ende noch eine Anatomie-Klausur über den gesamten Semesterstoff. Ich dachte mir am Anfang...naja....man macht halt Stück für Stück den Körper durch.......ja...so ist das auch...allerdings ist die Geschwindigkeit der helle Wahnsinn......Letzten Freitag hatten wir Testat und bereits nach 3 Tagen Vorlesung haben wir die kompletten Kopfnerven, alle Schädelknochen, den Respirationstrakt und einige Teile der Embryologie durchgenommen......Das sind Stunden um Stunden an Lernstoff.
Parallel dazu hat unser Chemie-Prof in knapp 6 Wochen die komplette Anorganik durchgezogen und ist nun bei der Organik angelangt....
Der Wissenstand wird in schriftlichen Abfragen geprüft, die man bestehen muss um zur 1. Prüfung im Semester zugelassen zu werden. Nach der ersten Prüfung gibt es dann natürlich noch eine 2. ......kommt 3 Wochen später.
In Biologie werden nur die absoluten Feinheiten durchgenommen und der Stoff beläuft sich aktuell auf knapp 250 Seiten......Prüfung kommt in 3 Wochen. (Einen Tag nach dem 4. Antomie-Testat).
Naja...und dann gibt es noch ein Fach Names Psych-Soz........das, abgesehen davon , dass es total unverständlich ist, stoffmengenmäßig unfassbar ist.
Die Terminologie-Klausur ist eigentlich einfach......aber nur wenn man Latein und Griechisch hatte......ansonsten darf man mal eben ein paar Hundert griechische Vokablen lernen.......Achja und man muss lateinisch Deklinieren können...
Und dann ist da noch Physik.........Hier wird die Tafel pro Vorlesung mehrfach vollgeschrieben und gelöscht........ca. 14 Formeln pro Vorlesung aufgestellt und der Schwierigkeitsgrad ist für Leute wie mich (obwohl ich mathematisch eigentlich immer ganz gut war) echt ordentlich.....
Allerdings war ich der Physik-Vorlesung nun schon seit 3 Wochen nicht mehr, weil ich nicht weiß, was ich zuerst lernen soll.
Naja....und damit es nicht langweilig wird, habe ich eine Reihe von Pflichtveranstaltungen (5 Stück pro Woche à 3 Stunden), bei denen Anwesenheitspflicht besteht (Unterschriftslisten bzw. Tutoren die abhaken) und für die man Hausaufgaben vorbereiten muss (in Chemie sitze ich für die Vorbereitung regelmäßig ca. 5 Stunden).
Warum schreibe ich euch das alles? Ganz einfach......es wird ein harter - sehr harter - Kampf.........ihr werdet immer hinterherlaufen - egal wieviel Zeit ihr investiert - und "Freizeit" das war einmal.
Ich muss leider auch noch nebenbei arbeiten (ca. 8 Stunden die Woche ...immer Abends) und das führt dazu, dass ich eigentlich für nix anderes mehr Zeit habe.....und das deprimiert!!
Also.......wenn ihr zur 300 % Arzt werden wollt.....dann geht den Weg weiter........wenn ihr gerne Arzt sein würdet.....Euch aber auch nur ein "Aber" einfällt ....dann hinterfragt die ganze Sache........, denn ein ABER.....lässt dieses Studium nicht zu.........Ihr werdet von Anfang an bis zum Äußersten gefordert und werdet ständig mit dem Aufgeben kämpfen (zumindest tun das ca. 80% in meinem Jahrgang)........und es wird umso schwerer, wenn ihr schon über ein Studium verfügt!!
Ich hoffe, dass Euch mein Beitrag etwas nützt......ich möchte euch keinesfalls damit komplett "abschrecken".........aber ich habe diesen Studiengang komplett unterschätzt....
Viele Grüße an Euch und viel Erfolg,
Talent
auch ich habe in meinem Erststudium Wirtschaftswissenschaften - allerdings auf Diplom studiert und mit "gut" (1,7) abgeschlossen.
Da es schon immer mein Wunsch war Medizin zu studieren, habe ich mich, nach 3 Jahren Berufstätigkeit, bei der ZVS auf einen Zweitstudienplatz der Medizin beworben.......2 Mal Pech gehabt....aber beim 3. Mal hat es geklappt......aktuell studiere ich im 1. Semester.
Die Hürde "ZVS" überwinden ist das Eine, das Studium ist das Andere!
Wichtig für die Begründung bei der ZVS ist es, dass Du auf keinen Fall angibst, dass Du Arzt werden willst.......klingt bekloppt....ist aber so. Laut ZVS Regelung sind alle "Berufswechsel-Wünsche" mit der niedrigsten Punktezahl (1 Punkt) zu bewerten.
Du musst vielmehr glaubhaft vermitteln (vorausgesetzt Du willst in eine höhere Gruppe eingestuft werden), dass ein Zweitstudium der Medizin Deine beruflichen Aussichten erheblich verbessern würde.....hierfür sind glaubhafte Belege notwendig - individuell verschieden - !!!
Sollte es dann klappen mit dem Platz ist die Freude sicherlich riesig............ABER!!!!...........
Jetzt erlebt man sein persönliches Waterloo......So empfinde ich es zumindest als ehemaliger BWL'er.
Im 1. Semester....hat man (bzw. habe ich) folgende Fächer:
Anatomie
Chemie
Biologie
Terminologie
Physik
Psych.-Soz.
Wahlfach
Das klingt jetzt erstmal OK.......Aber......auch ich war es aus meinem Erststudium gewohnt, dass man im Semester 4-6 Klausuren hat (am Ende), die man bestehen muss und auf die man sich individuell vorbereiten kann....
...das ist im Medizin-Studium komplett anders!
Wenn jemand ein Chemie-LK'ler war.....und evtl. noch Physik hatte, dann hat er sicherlich Vorteile, aber auch ihn holt die Realität in ca. 5 Wochen (im 1. Semester) ein.
Ich habe im Semester alleine 4 mündliche Anatomie-Testate zu meistern (kommen alle 3 Wochen) und am Ende noch eine Anatomie-Klausur über den gesamten Semesterstoff. Ich dachte mir am Anfang...naja....man macht halt Stück für Stück den Körper durch.......ja...so ist das auch...allerdings ist die Geschwindigkeit der helle Wahnsinn......Letzten Freitag hatten wir Testat und bereits nach 3 Tagen Vorlesung haben wir die kompletten Kopfnerven, alle Schädelknochen, den Respirationstrakt und einige Teile der Embryologie durchgenommen......Das sind Stunden um Stunden an Lernstoff.
Parallel dazu hat unser Chemie-Prof in knapp 6 Wochen die komplette Anorganik durchgezogen und ist nun bei der Organik angelangt....
Der Wissenstand wird in schriftlichen Abfragen geprüft, die man bestehen muss um zur 1. Prüfung im Semester zugelassen zu werden. Nach der ersten Prüfung gibt es dann natürlich noch eine 2. ......kommt 3 Wochen später.
In Biologie werden nur die absoluten Feinheiten durchgenommen und der Stoff beläuft sich aktuell auf knapp 250 Seiten......Prüfung kommt in 3 Wochen. (Einen Tag nach dem 4. Antomie-Testat).
Naja...und dann gibt es noch ein Fach Names Psych-Soz........das, abgesehen davon , dass es total unverständlich ist, stoffmengenmäßig unfassbar ist.
Die Terminologie-Klausur ist eigentlich einfach......aber nur wenn man Latein und Griechisch hatte......ansonsten darf man mal eben ein paar Hundert griechische Vokablen lernen.......Achja und man muss lateinisch Deklinieren können...
Und dann ist da noch Physik.........Hier wird die Tafel pro Vorlesung mehrfach vollgeschrieben und gelöscht........ca. 14 Formeln pro Vorlesung aufgestellt und der Schwierigkeitsgrad ist für Leute wie mich (obwohl ich mathematisch eigentlich immer ganz gut war) echt ordentlich.....
Allerdings war ich der Physik-Vorlesung nun schon seit 3 Wochen nicht mehr, weil ich nicht weiß, was ich zuerst lernen soll.
Naja....und damit es nicht langweilig wird, habe ich eine Reihe von Pflichtveranstaltungen (5 Stück pro Woche à 3 Stunden), bei denen Anwesenheitspflicht besteht (Unterschriftslisten bzw. Tutoren die abhaken) und für die man Hausaufgaben vorbereiten muss (in Chemie sitze ich für die Vorbereitung regelmäßig ca. 5 Stunden).
Warum schreibe ich euch das alles? Ganz einfach......es wird ein harter - sehr harter - Kampf.........ihr werdet immer hinterherlaufen - egal wieviel Zeit ihr investiert - und "Freizeit" das war einmal.
Ich muss leider auch noch nebenbei arbeiten (ca. 8 Stunden die Woche ...immer Abends) und das führt dazu, dass ich eigentlich für nix anderes mehr Zeit habe.....und das deprimiert!!
Also.......wenn ihr zur 300 % Arzt werden wollt.....dann geht den Weg weiter........wenn ihr gerne Arzt sein würdet.....Euch aber auch nur ein "Aber" einfällt ....dann hinterfragt die ganze Sache........, denn ein ABER.....lässt dieses Studium nicht zu.........Ihr werdet von Anfang an bis zum Äußersten gefordert und werdet ständig mit dem Aufgeben kämpfen (zumindest tun das ca. 80% in meinem Jahrgang)........und es wird umso schwerer, wenn ihr schon über ein Studium verfügt!!
Ich hoffe, dass Euch mein Beitrag etwas nützt......ich möchte euch keinesfalls damit komplett "abschrecken".........aber ich habe diesen Studiengang komplett unterschätzt....
Viele Grüße an Euch und viel Erfolg,
Talent