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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Depressionen und Studium???



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cilia78
07.05.2005, 19:16
Hallo!

Auch ich bin erst heute auf dieses Forum gestoßen. Ich bin 27 Jahre alt, habe mein mein Abi am Abendgymi nachgeholt, um endlich Medizin studieren zu können. Das Studium habe ich jedoch noch nicht begonnen.
Ich war jetzt über drei Jahre wegen Depressionen in Behandlung. Im Moment bin ich dabei, meine Medikamente, mit denen ich ein absolut normales Leben führen konnte, abzusetzen.
Meine behandelnde Ärztin meinte, dass es später mit der Approbation Probleme geben könnte, bzw. gibt, wenn herauskommt dass ich in psychiatrischer Behandlung war. Sie meinte, dass ich, wenn ich mit dem Studium anfange, die Behandlung beendet haben sollte, d.h. ich darf keine Medikamente mehr nehmen.
Jetzt ist es so, dass es mir ohne Medikamente ziemlich beschissen geht.
Ich könnte mir im Moment nicht einmal vorstellen einen Hauptschulabschluß erfolgreich zu absolvieren.
Habt ihr schon einmal von diesen Problemen gehört?
Mit meinen Medikamenten geht es mir außerordentlich gut, keine Nebenwirkungen...
ich fühlte mich fit und gesund. Jetzt geht es mir schlecht wie noch nie, aber ich möchte unbedingt Medizin studieren, muß ja nicht unbedingt Hirnchirurgie sein..

wäre toll, wenn ihr mir antwortet, dieses Thema belastet mich schon seit Monaten, doch keiner kann mir etwas vernünftiges dazu sagen.

Danke!


Cilia78

Scrotum
07.05.2005, 19:32
Meine behandelnde Ärztin meinte, dass es später mit der Approbation Probleme geben könnte, bzw. gibt, wenn herauskommt dass ich in psychiatrischer Behandlung war. Sie meinte, dass ich, wenn ich mit dem Studium anfange, die Behandlung beendet haben sollte, d.h. ich darf keine Medikamente mehr nehmen.

Das leuchtet mir nicht ein. Es gibt keinen Grund, weshalb du während dem Studium keine Medikamente nehmen kannst. Ich kenne mehrere Epileptiker, die Medikamente nehmen müssen, die sie sogar psychomotorisch verlangsamen. Interessiert keine Sau, sie müssen nur halt die gleiche Leistung bringen.

Ich glaube auch nicht, dass dies Probleme mit der Approbation geben kann. Du musst es ja auch nicht an die grosse Glocke hängen.

Ob du das Risiko, dass die grossen Belastungen des Studiums und des ärztlichen Alltags schaden, eingehen willst, ist alleinig deine Entscheidung. Rein objektiv gesehen, sind gewisse Risiken nicht von der Hand zu weisen.

nightingale
07.05.2005, 20:18
Das verstehe ich auch nicht. Hat Deine Ärztin irgendwelche schriftlichen Verweise?

Wie hoch ist eigentlich die Zahl der Ärzte mit Depression, die dürfte nicht gering sein, vor allem die Dunkelziffer?! :-notify
Habe auch schon von einer OÄ mit Schizophrenie gehört, und die nimmt ganz klar ihre Medikamente, wäre ja noch schöner...

Das müsste doch irgendwo in der Approbationsordnung stehen.

:-bee :-bee :-bee

milz
07.05.2005, 21:42
Außerdem weiß es doch niemand. Deine Ärztin hat Schweigepflicht, Du mußt es niemandem erzählen und es werden vor der Approbation auch keine Drogenscreenings verlangt.
Außerdem sollen Depressionen eine Letalität von 10-15% haben, sind also ernstzunehmende Krankheiten. Ich würde Dir daher raten Deine Therapie fortzuführen. Ich kann auch Deine Ärztin dahingehend nicht verstehn. Für mich hört sich das etwas leichtfertig an.

milz
07.05.2005, 21:52
Das müsste doch irgendwo in der Approbationsordnung stehen.


§ 39
Antrag auf Approbation
(1) Der Antrag auf die Approbation als Arzt ist an die
zuständige Stelle des Landes zu richten, in dem der
Antragsteller den Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung
bestanden hat. Dem Antrag sind beizufügen:
...
eine ärztliche Bescheinigung, die nicht früher als einen
Monat vor der Vorlage ausgestellt sein darf, wonach
keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass der Antragsteller
wegen eines körperlichen Gebrechens oder
wegen Schwäche seiner geistigen oder körperlichen
Kräfte oder wegen einer Sucht zur Ausübung des ärztlichen
Berufs unfähig oder ungeeignet ist,
http://www.bmgs.bund.de/download/gesetze/gesundheitsberufe/approbation.pdf
S. 2416

Das hört sich so an als könnte jeder Hausarzt diese Bescheinung ausstellen?
Weiß das jemand genau?

Feuerblick
07.05.2005, 22:22
Ja, diese Bescheinigung kann jeder Hausarzt ausstellen und sie ist im Prinzip nicht das Papier wert, auf dem sie steht. Mein Hausarzt hat den Zettel genommen und unterschrieben. Ende... Untersuchung? Wozu, er kennt mich doch...
Was das angeht, braucht man sich keine Gedanken machen, auch wenn ein gewissenhafter Arzt bei Kenntnis einer solchen Vorgeschichte wirklich zweimal nachdenken sollte, ob er das einfach so unterschreibt....

KleinDorit
08.05.2005, 00:32
Hallo!

Jetzt ist es so, dass es mir ohne Medikamente ziemlich beschissen geht.
Ich könnte mir im Moment nicht einmal vorstellen einen Hauptschulabschluß erfolgreich zu absolvieren.
Habt ihr schon einmal von diesen Problemen gehört?
Mit meinen Medikamenten geht es mir außerordentlich gut, keine Nebenwirkungen...
ich fühlte mich fit und gesund. Jetzt geht es mir schlecht wie noch nie, aber ich möchte unbedingt Medizin studieren, muß ja nicht unbedingt Hirnchirurgie sein..



Cilia78

Hallo Cilia78,

seit wann nimmst Du die Antidepressiva nicht mehr ein? Und wie hast Du sie abgesetzt? Etwa von heut auf morgen oder langsam abklingend?

Und was fühlst Du momentan physisch wie psychisch?

Falls es Dir unangenehm ist in dem offenem Forum darüber zu sprechen,dann mail mir doch bitte zu: [email protected] oder hinterlasse hier ne Nachricht.

Danke.

Liebe Grüsse,

KleinDorit

cilia78
08.05.2005, 10:15
Hallo ihr Lieben!

Na mit so vielen Antworten habe ich nicht gerechnet!

Um Deine Frage zu beantworten KleinDorit, ich bin schon seit mehreren Monaten dabei, meine Medikamente abzusetzen, nicht weil ich es so wollte, sondern eben aus dem von mir aufgeführten Grund.
Meine Depressionen sind mir schon peinlich, davon weiß nur mein Lebenspartner und meine Familie. Mein ganzes soziales Umfeld würde es nie für möglich halten, dass ich unter dieser Krankheit leide.
Im Job bin ich Führungskraft und neige oft auch zu Perfektionismus,
natürlich fragen sich jetzt alle, was mit mir los ist. Ich habe mich erst für eine Woche, dann für eine weitere Woche krank gemeldet, damit mich in diesem Zustand niemand sieht, das wäre mir auserordentlich unangenehm.

Noch mal zu meinem Medikament, seit drei Jahren werde ich mit Trevilor retard Kapseln 150 mg behandelt.
Die tägliche Dosis, bei der ich mich absolut fit und gesund fühlte entsprach einer Menge von 225 mg.
Vor einem halben Jahr reduzierte ich unter Aufsicht eines Arztes die Menge auf 150 mg. Ich brauchte ca. zwei Monate, bis sich alles eingependelt hatte.
Seitdem ging es mir zwar gut, aber richtig zufrieden war ich mit diesem Zustand nicht. Jetzt, wo es auf´s WS zugeht, setzte ich mich ziemlich unter Druck, und verlangte bei meinem behandelnden Arzt die nächste Reduktion.
Der war zwar erstaunt, als ich ihm erzählte, weshalb, nämlich dass ich sonst nicht studieren kann und es Probleme mit der Approbation geben könnte, sagte aber weiter nichts dazu und halbierte die Dosis ein weiteres mal.
Das war vor 10 Tagen. Als ich merkte, dass ich nichts mehr auf die Reihe bekomme, ließ ich mich krank schreiben.Mein Arzt verschrieb mir dann noch Opipramol auch unter Insidon bekannt, eine weiteres Ad., um Die Absetzerscheinungen zu mildern. Dieses Medikament wirkt sehr gut, ich schlafe den ganzen Tag :-))

Um es noch mal kurz zu sagen: Ich halte von diesem ganzem Theater überhaupt nichts. Warum soll man, wenn man unter einer Krankheit leidet, nicht die Medikamente nehmen dürfen, die einem helfen?
Vor allem: Warum soll man deshalb nicht studieren dürfen, um den Beruf auszuüben, der einem wirklich Spaß macht?
Und da bin ich wirklich froh, dass ich nicht die Einzige bin, die das so sieht.

Ich werde meine Medikamente auf jeden Fall wieder nehmen (Natürlich nur mit ärztlicher Absprache ;-) )

Noch einmal Danke für die vielen Antworten!


Cilia78

Scrotum
08.05.2005, 10:37
Um es noch mal kurz zu sagen: Ich halte von diesem ganzem Theater überhaupt nichts. Warum soll man, wenn man unter einer Krankheit leidet, nicht die Medikamente nehmen dürfen, die einem helfen?

Es wäre auch etwas widersprüchlich. Uns hämmern sie an der Uni immer ein, sofort professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn wir gewisse Zeichen an uns selbst beobachten, um so unserem Berufsrisiko zu begegnen.

Die Vorstellung des "unverwundbaren" und "perfekten" Arztes ist doch längst veraltet.


Vor allem: Warum soll man deshalb nicht studieren dürfen, um den Beruf auszuüben, der einem wirklich Spaß macht?
Und da bin ich wirklich froh, dass ich nicht die Einzige bin, die das so sieht.

Ich werde meine Medikamente auf jeden Fall wieder nehmen (Natürlich nur mit ärztlicher Absprache )

:-dafür

Smartinchen
08.05.2005, 11:28
Ich denke auch, du solltest die Medikamente auf jeden Fall weiternehmen.

Und wegen Problemen mit der Approbation etc.:
Ich bin mir zu 99,9% sicher, dass es keine Probleme geben wird, weil nämlich niemand von deinen Krankheiten erfahren muss und wird! Selbst HIV-Infizierte Ärzte können ihrer Arbei nachgehen, weil es keine Tests oder dergleichen gibt.
Deine Ärztin unterliegt der Schweigepflicht und unter folgender Passage

"dass der Antragsteller
wegen eines körperlichen Gebrechens oder
wegen Schwäche seiner geistigen oder körperlichen
Kräfte oder wegen einer Sucht zur Ausübung des ärztlichen
Berufs unfähig oder ungeeignet ist,..."


verstehe ich, dass du zu der Zeit keinen Magen-Darm-Virus etc. haben darfst (man muss ja so eine Bescheinigung auf vor Krankenhaus-Praktika vorlegen, musste ich jedenfalls) und dass du charakterlich dafür geeignet bist, sprich, dass du kein brutaler, cholerischer Junkie oder so bist *lol*.

nightingale
08.05.2005, 12:20
"dass der Antragsteller
wegen eines körperlichen Gebrechens oder
wegen Schwäche seiner geistigen oder körperlichen
Kräfte oder wegen einer Sucht zur Ausübung des ärztlichen
Berufs unfähig oder ungeeignet ist,..."[/I]


Genau das: WEGEN dieses Gebrechens / Schwäche UNfähig oder UNgeeignet - das Gebrechen / die Schwäche muss erst mal das Kriterium erfüllen, dass man ungeeignet wird!!
Und irgendeine "Schwäche" hat doch jeder... Kommt halt drauf an, was man draus macht...
:-top

Gersig
08.05.2005, 13:07
Und irgendeine "Schwäche" hat doch jeder... Kommt halt drauf an, was man draus macht... :-top

Eben! :-dafür

Felicitas
15.05.2005, 21:56
Zu diesem Forum bin ich gestossen nachdem ich mich entschieden habe, Psychiaterin zu werden. Ich möchte so viele Leute wie möglich helfen und denen meine Erfahrungen zu ersparen.[....] Meine Ärtzin freut sich über meinen Wunsch, sie sagt ich verfüge jetzt schon über die Kentnisse die sie sich mühsam durch ihre Patienten erst aneinigen musste.

Ich weiß nicht so recht, wie ich meine Frage formulieren soll, ich möchte Dich nicht damit verletzen oder angreifen.

Generell bin ich auch der Meinung, dass jeder den Beruf ergreifen soll, der ihm Spass macht und den er sich wünscht.
Denkst Du, dass Du es schaffst, dass richtige Maß an Nähe und Distanz zu Deinen Patienten zu finden? Ansonsten könnte er Dich mehr belasten als erfüllen, wenn Du alle Probleme Deiner Patienten "mit nach Hause" nimmst

KleinDorit
18.05.2005, 12:44
Denkst Du, dass Du es schaffst, dass richtige Maß an Nähe und Distanz zu Deinen Patienten zu finden? Ansonsten könnte er Dich mehr belasten als erfüllen, wenn Du alle Probleme Deiner Patienten "mit nach Hause" nimmst


Damit sollte sich jeder Mediziner auseinander setzten. Vielen ist das während des studiums nicht wirklich bewusst.

Mirona
18.05.2005, 14:40
@Arianna Gwynedd.


Paßt jetzt net ganz in den Thread. Hast Du die Keltiade von Patricia Kennealy-Morrison gelesen?

Grüßle,Mirona