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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : somatoforme störung?



susan s
12.07.2009, 03:46
wir haben eine patientin, die im moment den befund somatoforme störung hat. sie erscheint nicht typisch.

seit 01/09, nach adeno virus infektion, ciprofloxacin einahme anhaltene verdauungsprobleme. diarrhoe bis breiiger stuhl, druckgefühl und stuhldrang enddarm. rektoskopie (aufgrund ängstlicher patientin und angegeben schmerz nur ca 12 cm möglich): hämorrhoiden grad 2, sonst unauffällig. koloskopie für unnötig gehalten, da kein anhalt.... substitution von probiotikkomplex ergab kaum besserung. test auf clostridien difficle steht noch aus.

seit 05/09 zusätlich geschwollene lymphknoten (eventuell generalisiert) vorwiegend l. linguales, bilateral; gibt starke muskelschmerzen, kopfschmerz, unwohlsein u.ä. an. gynäkologisch unauffällig. Verdacht/zusammenhang enteritis?
differenzialblutbild, crp o.b :-notify, ferritin erniedrigt, kalium erniedrigt, cmv negativ, toxoplasmose negativ, ebv: igm-negativ, igg bei 300, ebna bei 400 (reaktivierung ausgeschlossen?);
letztes blutbild 06/09 ergab tpo antikörper erhöhung auf 400 (norm unter 60 u/l). überweisung endokrinologie. trotz auffälliger ak, laut sonographie und weiterer ausführlicher blutwerte kein anhalt auf schilddrüsenerkrankung/hashimoto. hhmm...:-nix

seit ca 5 jahren bekannte hypokaliämie trotz kalium substitution. alle anderen in verbindung stehenden parameter in der norm. nieren sonographisch unauffällig, 24 h urin o.b., keine hypertonie etc;
idopatische kaliummangel? soweit mir bekannt nicht dauerhaft möglich.
weitere gründe?:-nix

laut internist, v.a. somatoforme störung, generalsierte angststörung;
doch sprechen nicht, zumindest die tpo ak und die peristierenden geschwollenen lymphknoten linguales dagegen?:-nix

idee? weiteres vorgehen? danke

susan s
12.07.2009, 03:49
vergessen: bekannte neurodermitis. seit beschwerdebeginn untypische verschlimmerung, untypische hautstellen, teils multiform.

danke

dantheg
12.07.2009, 07:57
seit 01/09, nach adeno virus infektion, ciprofloxacin einahme

Warum hat sie denn Cipro bekommen?


koloskopie für unnötig gehalten, da kein anhalt

Kein Anhalt für was? Da wurde eine Rektoskopie für nötig gehalten aber keine Colo?


test auf clostridien difficle steht noch aus.

Der Test vom Januar steht noch aus?


letztes blutbild 06/09 ergab tpo antikörper erhöhung auf 400 (norm unter 60 u/l). überweisung endokrinologie. trotz auffälliger ak, laut sonographie und weiterer ausführlicher blutwerte kein anhalt auf schilddrüsenerkrankung/hashimoto. hhmm...:-nix

Hat die Patienten irgendwelche Symptome einer Schilddrüsenerkrankung? TPO Antikörper ohne Klinik bedeutet nichts. Was macht der TSH?


seit ca 5 jahren bekannte hypokaliämie trotz kalium substitution. alle anderen in verbindung stehenden parameter in der norm. nieren sonographisch unauffällig, 24 h urin o.b., keine hypertonie etc;
idopatische kaliummangel? soweit mir bekannt nicht dauerhaft möglich.
weitere gründe?:-nix

Eine Schädigung der Niere wie man sie mit einem Sono oder mit 24h Urin ausfindig machen könnte würde eine Hyperkaliämie machen. Dauerhafte Hypokaliämie kann natürlich vorkommen ... Kalium wird bekanntlich über den GI Trakt verloren und die Patientin kommt mit chronischem Durchfall. Oder es gibt eine Reihe von Erbkrankheiten. Oder es gibt Hormonstörungen.


laut internist, v.a. somatoforme störung, generalsierte angststörung;
doch sprechen nicht, zumindest die tpo ak und die peristierenden geschwollenen lymphknoten linguales dagegen?:-nix

Die geschwollenen LKs sind in der Tat besorgniserregend. Persistierend vergrößerten LKs sind nicht normal ... aber was heißt denn geschwollen? Wie groß sind die denn? Hat man schon mal einen LK rausgenommen?


idee? weiteres vorgehen? danke

Ohne ein Arsch sein zu wollen - ich glaube du solltest mal eine gute Anamnese machen und dir Differentialdiagnosen überlegen!

susan s
12.07.2009, 21:17
hallo, ich dank dir

-cipro bekam sie aufgrund einer zystitis, sono/urolog. unauffällig
-rektoskopie wurde lediglich gemacht, da patientin aufgrund von enddarmdruck/anhaltener stuhldrang in die notaufnahme ging. auschluß abszess
-koloskopie hielt ambulante arzt und amb. gastroenterologe für nicht notwendig, da symptome zu mild für behandlungsbedürftige enteritis, blutbild ohne befund, patientin nervöser typ (reizdarm?). v.a. vorübergehende dysbakterie, leichte proktiis.
-clostridien d. test steht noch aus, da patientin es erst letzte woche selbst veranlasste, da kein arzt bisher für notwendig erachtet:-notify
-patientin hat typische sd-symptome! trotdem, schwierig da vegetativ überlagert. tsh in der norm 1,8; beginn der beschwerden nach abstillen des kindes, aber sonst. hormonstatus unauffällig.

-Hypokaliämie: mangel besteht anamnestisch seit 2004, durchfall erst seit 01/09. magnesium, calcium, natrium, hormonstatus u.a. renin, aldosteron unauffällig, keine alkalose;
und hier wieder: v.a. erhöhten verbrauch aufgrund ängstlicher, unruhiger person.

-lymphknoten: schwellungen cervikal und axillär, gering vergrößert, laut patientin bestehen diese aber seit ebv infektion 09/04.
beidseitig einige leistenlymphknoten tastbar, unter 1 cm, aber leistenstränge sichtbar vergrößert/plötzlich seit 05/09. aufgrund der art der schwellung verdacht auf virusinfektion. zusammenhang mit (end)-darmproblematik wird von hausärztin ausgeschlossen. hausärztin und endokrinologin halten weitere abklärung für unnötig. verweis auf angststörung.


Ohne ein Arsch sein zu wollen - ich glaube du solltest mal eine gute Anamnese machen und dir Differentialdiagnosen überlegen!

du hast vollkommen recht! ich bin "lediglich" gelernte krankenschwester und im laufe der zeit, auf diesen fall aufmerksam geworden. sicher bin ich mir meiner rechten, pflichten, kompetenz bewußt, trotzdem glaube ich nicht an eine alleinige somatoforme störung.

gruß

ninakatharina
12.07.2009, 22:09
(ich bin im 2. semester, also noch weiiiit weg von irgendeiner ahnung von der klinik... das im vorraus)

Wie schaut's mit Nahrungsmittelallergien aus? ist das schonmal getestet worden? (bezugnehmend auf die Darmproblematik und die neurodermitis)

Monty
13.07.2009, 00:37
Zur Stuhlproblematik: Wie alt ist die Patientin denn? Auslandsanamnese? Hämocult? Stuhlkultur? Pankreasenzyme im Stuhl? Lactoseverträglichkeit? So kann auch mal ein M. Crohn verlaufen, also vielleicht doch mal eine Coloskopie überdenken. CRP? Senkung? Hepatitisparameter und -serologie?
Sind Schilddrüsenhormone auch bestimmt worden oder nur das TSH?

Zur Hypokaliämie: Wie hoch ist denn das Kalium? 5% aller Menschen liegen sowieso außerhalb der Normwerte (für überhaupt irgendwas), so dass ich da ohne weitere mit dem Kaliumhaushalt zusammenhängende Abweichungen nicht so viel drin sehen würde. Ist ferner chronisches Erbrechen ausgeschlossen? (Anorexie?) Wie ist denn das Chlorid? Kompensierte Alkalose?

Zu den Lymphknoten: Der Zusammenhang mit den Virusinfekten suggeriert einen unspezifischen Umbau der Dinger, die einfach zu oft und/oder stark auf irgendwas reagiert haben (chronische Lymphadenitis, die eben oft axillär oder inguinal und auch cervikal auftritt). Wenn sie sonst unauffällig sind (nicht verbacken, gut verschieblich, nicht schmerzhaft, klein) vielleicht ggf. bioptieren oder sonst beobachten und bei Veränderungen bioptieren.

Das Problem bei Patienten, die sehr in sich hineinhorchen und beunruhigt sind, ist, dass sie womöglich doch eine zugrundeliegende Krankheit haben (bspw. gern mal etwas rheumatologisches (Hat sie Gelenkbeschwerden? Morgensteifigkeit? Trockenen Mund, Augen? Schluckbeschwerden? Hautveränderungen außer der Neurodermitis?) oder etwas seltenes infektiöses), deren Symptome aber noch durch andere psychisch getriggerte zusätzlich derart verschleiert werden, dass sie nicht mehr erkannt werden. Hier kann bspw. durchaus etwas hinter der Darmsymptomatik, muss aber eben auch nicht. Gerade Reizdarmpatienten leiden darunter häufig stark und oft bringt die letzte Beruhigung erst die Koloskopie.
OHNE GEWÄHR.

dantheg
13.07.2009, 06:39
Hmm, interessanter Fall ... ich schreibe was mir so einfällt...

Ich fasse zusammen - persistierende Hypokaliämie seit 2004, Durchfall seit Anfang des Jahres und Lymphadenopathie seit 2004, Symptome eines Hypothyroidismus (welche?) bei normalem TSH.

Laxantienabusus?

Eine Koloskopie könnte man schon machen ... eine chronisch entzündliche Darmerkrankung würde vielleicht zur Präsentation passen, aber ohne CRP Erhöhung ist die Diagnose eher unwahrscheinlich.

So lange nach einer EBV Infektion vergrößerte LKs von der Infektion zu haben ist schon abnormal... Und die haben sich seit ein Paar Monaten vergrößert ... da würde ich vielleicht doch eine Exzisionsbiopsie machen um was malignes auszuschließen.

TSH - wie sind T3 und T4?

Zusammenfassend - schwieriger Fall, ich weiß es nicht...

WackenDoc
13.07.2009, 12:36
Irgentwie hab ich das Gefühl, dass man auf der körperlichen Seite noch was abklären sollte. Heisst ja nicht, dass sie psychisch voll auf der Höhe ist, aber es ist immer wieder ärgerlich wenn man PAtienten auf die "Psychoschiene" schiebt, die Beschwerden aber einen somatischen Hintergrund haben.

1. Zur Darmsache: Mein Bauchgefühl sagt zwar grob, dass es ihr durch das Cipro die natürliche Darmflora was zerwürfelt hat. Aber für ne komplette Diagnostik könnte man langsam mal ne Colo machen (eben Ausschlus entzündliche Darmerkrankung), Gastro könnt man sich noch überlegen. Wurden denn mal Stuhlproben genommen (Auslandsanamnese)? Serologie auf enterotrope Erreger? Laktostetoleranztest? Wurde denn schon mal ein ernsthafter Therpapieversuch mit Perenterol (oder vergleichbar) gemacht?
Laxantien- Abusus?- würde auch zur Hypokaliämie passen.

2. Hypokaliämie: Wie niedrig ist er denn wirklich? Wie ist die Compliance bei der Substitution?

3. Schilddrüse: Wie sieht denn T3 und T4 aus? Oder wurde nur TSH abgenommen? Du hattest was von typischen Symptomen geschrieben- welche hat sie denn? Wenn man im Sono nix sieht- wurde denn mal ne Szinitgrafie gemacht?

4. LK: Du hattest ja geschrieben, dass sie unter einem cm groß sind- wenn sonst nix auffälliges dran ist (Verschieblichkeit etc.) sind die damit doch nicht suspekt. Das kommt schon mal vor dass die nach ner Infektion vergrößert bleiben- sie hatte ja nen HWI und ne EBV- Infektion und ne Darmerkrankung steht im Raum. Was machen denn die übrigen LK (also außer der Leiste). Wie sehen die LK im Sono aus? Im Zweifel kann man ja mal einen ausbauen.

Die Überlegungen sind natürlich nur aufgrund der SChilderungen von dir und ersetzen nicht die Vorstellung beim Arzt, der den Patienten vor sich sieht.
Aber das wären so grob mal die Punkte die ich (grad was die Darmgeschichte angeht) schon mal bei meinen Patienten abklären lasse.

susan s
14.07.2009, 00:10
hallo und danke für eure antworten,

das schwierige vorallem, an dieser patientin ist, dass sich scheinbar kein arzt ihrer annehmen will/kann. einer schiebt zum anderen....sie war in den letzten monaten 2* notaufnahme (end)-darmbeschwerden), internistin, in der uni-ambulanz abt. endokrinologie, gastroenterologen, chirurg/proktologe, inzwischen auch neurologisch abgeklärt aufgrund der muskelschmerzen. ihre krankheitsschilderung klingt ängstlich und inzwischen auch überlagert, aber grundsätzlich glaubwürdig!

ninakatharina:
-pat. hatte auch erst verdacht auf nahrungsmittelallergie, hat aber im laufe der monate durch selbsttestung (weglassen gewisser nm) u.a. laktose, gluten grob ausschließen können. besuch beim allergologen wäre aber sicher angezeigt.

monty:
-patientin ist 30 j, ca 1,70 m, 58 kg; kein auslandsaufenthalt, kein sichtbares blut-weder im stuhl (bei patientin ist von gründlicher beobachtung auszugehen;-)), auch nicht bei mehrmaliger proktologischer untersuchung; hämoculttest wurde nicht veranlasst; stuhlkultur (standart) noro, adeno, rota, salmonellen, shigellen, yersinien, lamblien, campylobacter: negativ;
-aufgrund eigeninitiative machte patientin privaten stuhltest der stuhlflora 06/09. bef.: stark erhöht clostridium sp., stuhl ph erhöht, enterococcus erniedrigt, candida d. gering erhöht, pankreaspezifische elastase: normal.
-bei einen gynäkologischem abstrich 04/09 wurde auffällig hohe anzahl darmkeime und staphylokokkus a. gefunden, jedoch ohne gyn symptome.
-außerdem starker meteorismus
lässt tatsächlich auf dysbakterie/zuviel fäulnis schließen.
--keinerlei entzündungszeichen! auch nicht bei umfassendem blutbild und liqour, (hormon-und immunstatus, got, gpt, ldh, eiweiß-elektrophorese, immuglobine u.a.) bis auf kalium, tpo-ak, ferritin alles top!
-schildrüsenwerte tsh, trak, t3, t4: alle norm, bis auf tpo-ak bei 400!
-Chlorid Alkalose? kann tatsächlich keine werte in den unterlagen finden, es steht aber von der endo noch etwas aus. morgen nachfragen! natrium aber stets normal.
- kalium trotz 3-4 mal wtl. meist zwischen 3,0 und 3,4; kein anhalt für anorexie, patientin erwähnt aber unregelmäßige/einseitige/schlechte ernährung!
-obere inguinale lymphknoten klein, verschieblich, eher unauffällig aber sichtbar gewölbte leistenstränge! tiefe lk? sono und biopzie nicht veranlasst, da eher unauffällig. pat. berichtet aber über geringe inguinale größenzunahme in letzten 2 wochen.
-morgensteifikeit, muskel, starke nackenschmerzen auch seit 05/09. vermutlich psychosomatisch aufgrund von bestehender darmproblematik?
-haut: neurodermitis, teils multiform am oberarm aber intermittierend, wohl daher v.a. allergie.
dantheg:
-Lymphadenopathie cervikal wohl keine vergößerung seit 04 (ebv). axillär schmerzhaft, verschieblich, länglich, bekannt seit stillzeit des kindes ende 08, aber: inguinal neu aufgetreten seit 05/09. ist malignes nicht durch unauffälliges crp, bsg, ldh, differenzialblutbild im groben auszuschließen? und, keine typische b-symptomatik.
-klinik schildldrüse: angabe von muskelschmerzen, muskelverhärtungen, veränderung haut und haare (trocken, haarausfall), stimmungslabillität, verdauungsprobleme, konzentationsschwäche, reizbarkeit, schlaflosigkeit, heißhunger;
-Laxantienabusus-unwahrscheinlich! patientin hat ausgeprägte angst vor medikamentennebenwirkungen; bis auf schlechte ernährung sehr bewußter umgang mit körper.
WackenDoc:
-siehe oben;
-ernsthafte therapieversuche wurden noch nicht gemacht, lediglich empfehlungen zur probiotischen yoghurteinnahme ausgesprochen:-peng. und cortison zäpfchen, zu kurze therapie da allergische rkt.; noch kein laktoseintoleranztest;
-Szinitgrafie sd nicht erfolgt, sono der lk auch nicht
-der hwi war aber 01/09, leiste/lymphknotenschwellung erst 05/09. wohl eher kein zusammenhang und ebv war 2004. internistin vermutet evtl. reaktivierung, da kind der pat. aktuell mononucleose hat. igm aber negativ!:-nix

patientin schilderte heute: in letzter zeit leichte besserung der darmproblematik, häufiger wieder festeren stuhl, lediglich blähungen, das "komische gefühl" im enddarm und die lk schellung, mit eventueller zunahme besteht weiterhin. sie hat sich jetzt in der uni einen termin in der infektologie/gastroenterologie geben lassen.
ich möchte hier noch kurz den grund nenne warum patientin sich jetzt quasi selbst überweißt und die internistin zitieren: "junge frau, gönnen sie sich ruhe, wir müssen nicht weiter abklären, in ihrem alter hat man keine schlimmeren erkrankungen":-wow

WackenDoc
14.07.2009, 00:34
Ich glaub die Frau braucht mal nen guten Hausarzt, der das Ganze koordiniert. Und sie vor übertriebener Diagnostik abhält, dafür die sinnvollen veranlasst.

Achso was mir noch einfällt: Wir haben damal auf Station auch mal im Zweifel ne "Stuhlvisite" gemacht um uns selber mal von der Konsistenz zu überzeugen.
SonoAbdomen- ist das überhaupt mal gemacht worden?
Im Rektum wird schon nix sein- wurde ja reingeschaut- aber Colo würd ich schon mal machen.

Sicher, dass es wirklich die Leistenstränge, die da verdickt sind und es nicht der Muskelwulst ist?

Bei ner Hashimoto-Thyreoiditis kann es aber ein bischen dauern, bis ne Hypothyreose auftritt- aber Therapie gibt´s so weit ich weiss eh keine.
Die Symptomatik is aber für ne Normothyreose nicht wirklich typisch- kann wirklich psychosomatisch sein.

Mit der Hypokaliämie fällt mir noch ne Kalium im Urin ein. Aber durch schlechte Ernährung muss man das wirklich erstmal hinbekommen. Ansonsten kann´s ja wirklich durch die Durchfälle kommen.

Mehr fällt mir jetzt auch nicht ein.

susan s
05.08.2009, 21:13
hallo, zwischenstand;-)

-patientin war jetzt in der rheumatologie vorstellig. ana titer leicht erhöht, bei 320. ansonsten alles unauffällig.
-berichtet über zunehmende muskelschmerzen, muskelschwäche schulter / -nackenbereich.
-der hautausschlag an armen und brust, kommt und geht.
-die leistenstränge zunehmend geschwollen (sichtbar!), dadurch zunehmender druckschmerz.
ist jetzt auf der suche nach neuem hausarzt, da noch immer keine weitere abklärung. nur erneuter hinweis psychosomatisch....

(zeitweilig verdacht auf dermatomyositis, lupus, Autoimmunthyroiditis)
crp, ldh, ck normal....

John Silver
05.08.2009, 22:16
Die Patientin gehört wirklich mal in die Hände eines Arztes, der sich drum kümmert.

Muskelschwäche kann aufgrund der Hypokaliämie bestehen.

Proktoskopie allein ist, insbesondere wenn sie von jemandem ohne viel Ahnung gemacht wird, keine ausreichende proktologische Diagnostik. Eine Rektoskopie mit starrem Instrument gehört sicher dazu. Ferner ist vor dem Stellen einer psychosomatischen Diagnose eine Koloskopie sicher angezeigt.

Was Hashimoto betrifft: richtige Hashimoto ist in unseren Gefilden eine Rarität - wenn, dann handelt es sich um eine Autoimmunthyreoiditis, die Hashimoto-ähnlich ist. TPO-AK allein beweisen keine Erkrankung, jedoch können sie ein Hinweis sein. Auch bei euthyreoter Stoffwechsellage und sogar normalem TSH können Patientinnen mit Autoimmunthyreoiditis bereits verschiedenste Symptome aufweisen; diese Symptome sind oft völlig unspezifisch, wie Schwäche, Muskelschmerzen, insbesondere im Rücken und Nacken, auch Durchfälle etc. Wenn die Diagnose in Betracht gezogen wird, muß man vor allem auf den TSH-Wert schauen, weil die Patientinnen meist über viele Jahre noch normale T3- und T4-Werte haben, die erst runtergehen, wenn von der Schilddrüse nicht mehr viel übrig ist. Soweit ich weiß, sind depressive Zustände, Angststörungen etc. mit Autoimmunthyreoiditiden assoziiert. Es kann also durchaus sein, daß die Patientin eine Angststörung hat, das schließt eine Autoimmunthyreoiditis aber nicht aus.
Eine Behandlung existiert im Übrigen sehr wohl, nämlich Jodkarenz und L-Thyroxin-Substitution.

Das einzige, was mich stört, ist die zumindest zeitliche Korrelation zwischen dem Beginn der Beschwerden und der Antibiose mit Cipro.

susan s
05.08.2009, 23:10
danke, die möglichkeit des auftretens von symptomen ohne veränderten tsh wert war mir nicht bekannt!
hypokaliämie ist seit jahren bekannt, muskelsymptomatik erst seit kurzem. eher kein zusammenhang.
aber wenn die tpo, ana und die symptome eine Autoimmunthyreoiditis erklären könnten, bleibt doch die frage nach dem grund der leistenschwellungen? keine hernien, tastbaren lymphknoten klein.

"Das einzige, was mich stört, ist die zumindest zeitliche Korrelation zwischen dem Beginn der Beschwerden und der Antibiose mit Cipro."
ich muss mal so doof fragen, worauf genau du hinaus willst?:-blush

und, schließt nicht das unregelmäßige auftreten des exanthems (tagesabhängig), dermatomyositis oder lupus aus? spricht eher für neurodermitis, allergein, oder?

obwohl wir nicht dürfen, haben wir heute der patientin eine empfehlung für einen guten hausarzt ausgesprochen. ist nicht mehr mit anzusehen....

dantheg
06.08.2009, 05:51
Also ich habe immer gelernt nichts schließt einen Lupus aus! Aber normal haben Lupus Patienten einen höheren ANA Titer und auch sonstige Symptome die diese Patientin wohl nicht hat.

Das einzige woran ich noch denken könnte wäre irgendeine Avitaminose ... die wäre aber in Deutschland eine solche Rarität dass man ein Case Report daraus machen könnte. Aber du hattest mal geschrieben die Patientin hat eine komische Ernährung - kannst du genaueres sagen?



obwohl wir nicht dürfen, haben wir heute der patientin eine empfehlung für einen guten hausarzt ausgesprochen. ist nicht mehr mit anzusehen....

Da würde ich aufpassen - die allermeisten Ärzte mögen es nicht wenn sich Schwestern in "ärztliche" Kompetenzen einmischen. Nicht erwischen lassen...

dreamchaser
06.08.2009, 20:05
Wenn man schon eine psychosomatische Krankheit vermutet:
- was war denn bei Beginn der Beschwerden???
- in welchem familiären/sozialen Verhältnis lebt der Pat.?
- wie war die Kindheit / Verhältnis zu Mutter und Vater??
Diese Fragen kann man ja parallel schon mal erörtern, ggf. Lebenspartner mit hinzuziehen zu einem gemeinsamen Gespräch.

Hatte jetzt gerade einen jungen Mann mit einer Somatisierungsstörung. Er hatte täglich, teilweise stündlich wechselnde Beschwerden. Haben kardial mit Echo und Belastungs-EKG geschaut, mittels Gastro bei Oberbauchbeschwerden, RöHWS bei HWS-Schmerzen und die Laborwerte, Laktosetoleranztest bei rez. geblähtem Abdomen. Er wollte unbedingt eine Coro haben (in seinem Zimmer lag einer mit Infarkt, der andere hat ne EPU bekommen) weil er ja AP habe, dann ein MRT vom Kopf...heute ist er gegangen, wollte nicht mehr. Sonst hätten wir noch Fruktoseintoleranz getestet und Sono Abd. gemacht. Seltsam war: er war auserhalb des Zimmers beschwerdefrei und lief herum, immer wenn er wiederkam hatte er Beschwerden. Lab dann seelenruhig im Bett und meinte, er hätte so schlimme Luftnot - objektiv nicht nachvollziehbar. Beim Arzt war er lange nicht mehr, habe Angst gehabt. Laut Ehefrau schwere Vergangenheit.
Passte also alles soweit zusammen...

susan s
06.08.2009, 21:31
Nicht erwischen lassen..
klar, ansonsten äußer ich mich natürlich nicht dazu, denn ich weiß doch das ich gar nicht die kompetenz habe;-)!
zur ernährung kann ich nichts sagen. ich kann mich an ein gespräch erinnern, in dem sie erwähnte das sie selten "richtige" mahlzeiten ißt, fast ausschließlich obst und gemüse und das unregelmäßig.
nur so betrachtet: sie sieht bis auf die exhantheme und die eher blässliche erscheinung (ferritin?) eigentlich sehr gesund aus.

eine generalisierte angststörung liegt sicher vor, die patientin war uns bereits vorher bekannt. nach einer schweren ebv infektion und einer (anamnestischen) subakuten endokarditis, die eine leichte mitralklappeninsuffiziens und intermittierende ekg veränderungen zur folge hatte, war/ist sie bereits in psychotherapeutischer behandlung. auch sind traumatische geschehen der kindheit bekannt.
aber eben gerade dieser therapeut bat um körperliche abklärung!


er war auserhalb des Zimmers beschwerdefrei und lief herum, immer wenn er wiederkam hatte er Beschwerden. Lab dann seelenruhig im Bett und meinte, er hätte so schlimme Luftnot - objektiv nicht nachvollziehbar unsere patientin macht auch immer einen gesunden eindruck, aber die art ihrer schilderungen (nicht leidend, sachlich, realistisch) und eben die blutwerte lassen zweifeln.
beschwerdebeginn steht in temporären zusammenhang mit dem abstillen des kindes. was ja wiederrum für beides sprechen könnte. soweit ich weiß, ist das ein typischer zeitpunkt für den beginn eines autoimmungeschehens.

susan s
13.08.2009, 14:26
im moment steht der v.a. lupus und es wird erstmal abgewartet und die ana´s kontrolliert.
außerdem ist die Autoimmunthyreoiditis jetzt quasi als beginnend bestätigt. schilddrüse hat leicht an größe zugenommen.
immerhin hat die patientin jetzt etwas "in der hand".

nur der kaliummangel bleibt ungeklärt.

im aktuellen 24 h urin wurde ein natriummangel festgestellt bei 35 (norm 40-220), aber auch eine erhöhte menge von 1700 ml (100ml drüber). kalium, aldosteron, corisol im ref.bereich.
im serum war kalium natürlich erniedrigt und das renin leicht erhöht.

laut endokrinologe haben diese werte ohne weitere veränderung (hypertonie, aldosteron..) keine aussagekraft. :-nix

gruß
susan

pieks
13.08.2009, 14:51
... und einer (anamnestischen) subakuten endokarditis, die eine leichte mitralklappeninsuffiziens und intermittierende ekg veränderungen zur folge hatte


Hi Susan,

das klingt wirklich alles nach einem Autoimmungeschehen. Es gibt noch viele Formen von Kollagenosen - außer dem Lupus ...

Auch typisch: dass einige dieser Patienten in der "Pychoecke" landen .. weil ev. anfangs die Beschwerden nicht durch Laborwerte etc.pp objektivierbar sind.

Empfehle ihr doch mal : www.rheuma-online.de

Gruß pieks