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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wird Wartezeitregelung irgendwann mal wegfallen?



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Miss Callie
06.10.2009, 09:52
Hallo, ich klinke mich mal eben ein, weil ich was Denkwürdiges gelesen habe:
(Leider weiß ich die Quelle nicht mehr)

Es gibt Vertreter von medizinischen Fakuläten und vom Marburger-Bund, die der Meinung sind, man sollte neben einer Kapazitätserhöhung die Studienplätze größtenteils über Losverfahren vergeben, weil man so am ehesten die Masse an Medis erhält, die es zu Zeiten gab, als noch jeder Medizin studieren konnte. Damals haben wohl sehr viel mehr Absolventen tatsächlich den klass. Arztberuf aufgenommen.
Es stimme zwar, dass die Abiturbesten auch prozentual die besten Studienleistungen erbringen und am ehesten den Abschluss erreichen, aber heutzutage sei eben das Problem, dass viele Ärzte ins Ausland gingen oder aber in Deutschland nicht als klass. Arzt praktizieren.
(Der Abwanderung will man durch Verbesserung der Arbeitsbedingungen entgegenwirken. )


Was würdet Ihr von so einem Losverfahren halten? Fändet Ihr das gerecht?
Glaubt Ihr, dass das tatsächlich was bringen würde, ob nun fair oder nicht?

fuhl.
06.10.2009, 17:57
hehe das wirds nie geben;)
ich mit nem abi von 2,6 fänds grenzwertig, einer mit nem 3,4abi fänds nur geil, einer mit nem 1,1 abi fänds wahrscheinlich nicht so toll:-music

achtung sarkasmus:
damit würde aber die abistreberquote im studium sinken ;-)

M!coud
07.10.2009, 20:53
Was würdet Ihr von so einem Losverfahren halten? Fändet Ihr das gerecht?
Glaubt Ihr, dass das tatsächlich was bringen würde, ob nun fair oder nicht?

Ich denke, dass das aktuelle System gar nicht so ungerecht ist, wie es häufig dargestellt wird. An irgendeinem Wert muss man ja schließlich gemessen werden, da ist das Abitur sicherlich das Naheliegenste. Was mir persönlich in diesem System fehlt ist die Anerkennung von bereits abgeschlossenen Berufsausbildungen.
Diese sollte man im Verlauf der Bewerbung stärker bonieren. Es kann doch nicht sein, dass jemand der 3 Jahre wartet und Xbox spielt genau so gewertet wird, wie jemand, der 3 Jahre lang Anatomie für seine Ausbildung zum Physiotherapeuten büffelt.

fuhl.
08.10.2009, 15:36
ja da stimme ich dir voll und ganz zu. im adh werden zwar ausbildungen berücksichtigt und boniert, aber nicht so stark, wie ich es mir gern wünschen würde. auch in der gefahr, dass ich jetzt belächelt werde, in der GuK Ausbildung kann man richtig viel erfahrung im umgang mit menschen sammlen, die einem als "gleichstudent" einfach fehlen.
aber wegen der fairness frage: im großen und ganzen ist die abiturnote einfach das fairste kriterium. wir, mit dem schlechten abi, hätten ja einfach mehr lernen können.

cool wäre es eine quote von 5 oder 10% zu haben, die nur über TMS ergebnis verteilt wird. Denn wer ein z.B 1,0-1,4TMS ergebnis vorweisen kann, trotz schlechten abitur, hat auch bewiesen, dass er logisch,schnell und konzentriert denken kann.

Skyreaver
11.10.2009, 18:56
Am fairsten wäre es mMn die Studienplatzkapazität soweit zu erhöhen, dass jeder der bereit ist selber für sein Studium zu zahlen auch aufgenommen wird. Wenn dann mehrere 10000 Euro Schulden auf einem lasten werden auch in der Schule schlechte Leute den nötigen Zug entwickeln das Studium zu schultern.
Überhaupt schiesst Deutschland sich ins Bein, wenn es nicht in absehbarer Zeit wesentlich mehr Geld für die Hochschulbildung und damit verbunden Studienkapazitäten zur Verfügug stellt. Dann verlieren wir nämlich den einzigen Vorsprung den wir zum Rest der Welt noch haben und der unseren hohen Lebensstandard aufrecht erhält: Wissen. Öl gibts bekanntlich nicht hier.

Nils.
11.10.2009, 19:17
Doch, in Norddeutschland.

DeKl
11.10.2009, 21:24
Lehre muss nicht auf noch mehr Leute ausgeweitet werden. Lehre muss stattfinden!

M!coud
13.10.2009, 10:19
Am fairsten wäre es mMn die Studienplatzkapazität soweit zu erhöhen, dass jeder der bereit ist selber für sein Studium zu zahlen auch aufgenommen wird.

Und damit die sozialen Segregation im Bildungssektor vorantreiben? Zum Glück leben wir nicht in den USA.

JanK
22.10.2009, 18:27
Am fairsten wäre es mMn die Studienplatzkapazität soweit zu erhöhen, dass jeder der bereit ist selber für sein Studium zu zahlen auch aufgenommen wird. Wenn dann mehrere 10000 Euro Schulden auf einem lasten werden auch in der Schule schlechte Leute den nötigen Zug entwickeln das Studium zu schultern.
Überhaupt schiesst Deutschland sich ins Bein, wenn es nicht in absehbarer Zeit wesentlich mehr Geld für die Hochschulbildung und damit verbunden Studienkapazitäten zur Verfügug stellt. Dann verlieren wir nämlich den einzigen Vorsprung den wir zum Rest der Welt noch haben und der unseren hohen Lebensstandard aufrecht erhält: Wissen. Öl gibts bekanntlich nicht hier.
Bloß nicht.

500 Euro pro Semester haben schon einen ausreichend katastrophalen Einfluss auf die Studierendenzahlen.
Wir brauchen deutlich mehr Akademiker, und das erreicht man nicht, indem man dafür sorgt, dass weniger Leute überhaupt an ein Studium denken können.

loewin
22.10.2009, 19:15
Bloß nicht.

500 Euro pro Semester haben schon einen ausreichend katastrophalen Einfluss auf die Studierendenzahlen.
Wir brauchen deutlich mehr Akademiker, und das erreicht man nicht, indem man dafür sorgt, dass weniger Leute überhaupt an ein Studium denken können.

oh ja 500 euro pro semester sind wirklich unverschämt....
man sollte doch nun wirklich akademische ausbildung zum nulltarif erwarten können.

DeKl
22.10.2009, 19:33
Hab heute nochmal mit meiner Freundin gesprochen. Sie hatte leider noch keine Zeit den Paragraphen rauszusuchen bzw. das Gerichtsurteil aber sie hat mir versprochen mir diese woche alles per mail zu schicken...

Und nu?

JanK
22.10.2009, 22:16
oh ja 500 euro pro semester sind wirklich unverschämt....
man sollte doch nun wirklich akademische ausbildung zum nulltarif erwarten können.
Die Summe an sich ist gar nicht das große Problem. Ich hab - da ich dank Wartezeit und festem Job in der Zwischenzeit gut ansparen konnte - auch nicht zwei mal drüber nachdenken müssen. Studienbeitragsdarlehen und ab dafür. Nach dem Studium zwei Jahre warten, in der Zwischenzeit was auf die hohe Kante legen und dann zügig das Darlehen abzahlen.


Bloß sind die Studiengebühren ein weiteres Instrument, das die - ohnehin schon unerträgliche - soziale Selektion im deutschen Bildungswesen nochmals forciert.

Und wir haben nun mal definitiv zu wenig Akademiker in Deutschland, und die Studiengebühren werden die Zahl der Studienanfänger mit Sicherheit nicht erhöhen, sondern weiter nach unten treiben.


Und bildungspolitisch ist das einfach eine Katastrophe.

nastja89
23.10.2009, 21:45
also, das mit zu wenig akademikern stimmt nicht so ganz...
in manchen bereichen gibt es zu viele (philosophie, architektur, germanistik...)
und in manchen zu wenige (Ingenieure, ärzte...)

ich denke aber, dass diese wartezeitregelung sehr viele menschen abhällt, dass zu studieren was sie wollen...
deshalb hat sie meiner meinung nach auch nichts mehr mit freier berufswahl zu tun...

fairer wäre es wenn man eingangstests (nur wissen) machen würde,
oder wie in frankreich alle annehmen und dann richtig aussieben...

ich kenne fälle, wo leute extra in der 12ten stufe schlechte noten geschrieben haben um dann zu wiederholen damit sie ein gutes abi bekommen...
und noch einige andere tricksereien-.-

Roke
24.10.2009, 11:00
zum Thema Studiengebühren: Sollte man nicht so viel Geld haben und bekommt dann Bafög, ist man praktisch von den Studiengebühren befreit!

loewin
24.10.2009, 11:02
zum Thema Studiengebühren: Sollte man nicht so viel Geld haben und bekommt dann Bafög, ist man praktisch von den Studiengebühren befreit!

so siehts aus.
trotzdem scheinen die meisten dennoch zu erwarten, dass eine akademische ausbildung kostenfrei sein muss.
entzieht sich aber meinem logischen verständnis.

pottmed
24.10.2009, 20:29
Ich will ja jetzt hier niemanden verunsichern, aber mich selber schockt das gerade ziemlich.

Ich habe gerade den Koaltiationsvertrag zwischen CDU und FDP gelesen und da steht drin, dass sie das Hochschulrahmengesetz aufheben wollen (Absatz 1.5) http://bundesverband.liberale.de/pdf/entwurf-koalitionsvertrag.pdf

Jetzt gibt es nur das Problem, dass eben dieses Hochschulrahmengesetz die Zugangsquoten regelt (http://www.gesetze-im-internet.de/hrg/__32.html).

Was haltet ihr davon ? Jetzt wäre es wirklich mal interessant wenn jemand mal mit den Urteilen des Bundesverfassungsgerichtes zur freien Berufswahl aufwarten, die hier immer so gerne zitiert werden.

urhr
25.10.2009, 05:52
@pottmed: Die geplante Aufhebung des Hochschulrahmengesetzes ist schon seit Jahren bekannt. Das jetzige Auswahlverfahren wird nicht mehr im HRG geregelt, sondern im sog. "Staatsvertrag über die Vergabe von Studienplätzen":

http://www2.zvs.de/fileadmin/downloads/Gesetze/Staatsvertrag_WS2006.pdf

D.h. eine Abschaffung des HRG hätte für Warter vorerst keine Konsequenzen.

Allerdings muss bei Abschaffung des HRGs von jedem Bundesland ein Ersatz angefertigt werden, was eine neue Diskussion auch über die Zulassungsbedingungen nötig macht. Es ist imho sehr wahrscheinlich, dass an der Wartezeit gedreht wird, nicht zuletzt wegen den doppelten Abiturjahrgängen. Verunsicherung ist also angebracht, die Wartezeitregelung ist massiv bedroht.

pottmed
25.10.2009, 06:39
Danke für die Info, ich habe gestern Abend nochmal etwas länger recherchiert und verschiedene Urteile bzw. Stellungnahmen von Rechtswissenschaftlern rausgesucht.

Mittlerweile ist mir klar, dass eine Abschaffung der Wartezeit verfassungsrechtlich nicht möglich ist. Auch eine Veränderung der Quoten sollte schwierig werden, da die Wartezeiten damit unzumutbar werden, was auch verfassungswidrig wäre [BVerfGE 43,291]

Strodti
25.10.2009, 07:42
Zum Thema Studiengebühren: Diese Gebühren werden NICHT im Bafög berücksichtigt. Es gibt da keinen Zuschuss und auch keine Anhebung des Bedarfssatzes. Das heißt: Studiengebühren sind effektiv eine Bafögsenkung!

Aber es gibt ja "günstige" Studienkredite. Scheint politisch so gewollt. Die Studiengebühren begünstigen natürlich Studierende mit Geld. Sonst hätte man den Bafögsatz um ca. 90 Euro heben müssen.

loewin
25.10.2009, 08:04
da die Wartezeiten damit unzumutbar werden, was auch verfassungswidrig wäre [BVerfGE 43,291]

find die wartezeiten jetzt schon unzumutbar. aber besser so, als gar nicht studieren. hast du denn bei deinen recherchen zufällig auch gefunden, ab welchem zeitrahmen die wartezeit als unzumutbar gilt??