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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fortsetzungsschreibspiel: "Ich moechte gerne, dass...



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luckyblue
02.02.2003, 03:57
@ Unregistered

Ich will ja kein Spielverderber sein, aber ich finde es ziemlich bedenklich, authentische Personen als Hauptfiguren in die Handlung einzuflechten, mal ganz davon abgesehen, dass so ein Kniff nicht gerade unmäßig viel mit literarischer Originalität zu tun hat. Sächsischer Akzent, Waldeyer- Autorenschaft, geringer Körperwuchs, dazu noch die freundliche Betulichkeit - das reicht, um den Professor als den tatsächlichen Direktor des tatsächlichen Institutes zu identifizieren. Will mir nicht recht passen, zumal es in diesem Thread nicht so sehr um ein Porträt Greifswalds, als viel mehr um die exemplarische Darstellung des Studienanfangs mit literarischen Mitteln geht. Lokalkolorit ist gut und schön, aber bitte nicht alles im Maßstab eins zu eins. :-meinung

Also, vielleicht kannst du das irgendwie ändern. Reicht ja schon, wenn er einen bayerischen Akzent spricht;-)

cu
luckyblue

aione
02.02.2003, 21:44
Ich sehe, ich habe da mit Greifswald ein weites Feld aufgetan ;-)

Mich, die ich Greifswald ins Spiel gebracht habe, ohne jemals dort gewesen zu sein ( habe allerdings im "Osten" studiert, nur in einer anderen Stadt) würde es auch ein bißchen stören, wenn jetzt Greifswald bis ins Detail durchgekaut wird....bin da ganz luckyblues Meinung.
Es wäre schöner, wenn wir uns weiterhin in einem fiktiven Rahmen bewegen, was die Handlung und Personen anbelangt.

Hoffe, es folgt bald eine Fortsetzung!

:-))

lisa_liebreiz
02.02.2003, 23:43
Wie nach einer Niederlage fühlte sich Susi nicht, nur durcheinander und hier im Cafe merkwürdig zufrieden. Aber sie widersprach Jens nicht und sah ihm stattdessen beim Reden und Teetrinken zu. Wie er in seiner Tasse rührte, gründlich und konzentriert, als wolle er ihre Ohnmacht vorhin unterrühren, auflösen im heißen Getränk. "Ich kann Dir gerne jede Menge Tipps geben, welche Bücher gut sind, wen du dir anhören mußt und wo man hingehen kann und so", meinte Jens gerade. Jens kennt sich aus, sollte das auch heißen. Jens mit den langen geraden Wimpern, die das Blau seiner Augen verschleierten bis nur die Pupille das Vorrecht auf ungehinderte Sicht hatte. Wasserblau waren die Augen und so hell, dass das Weiß dagegen dunkel wirkte, ein Negativbild hinter geraden Wimpern. Alien hinter Gittern. Eine kleine Ader pochte an seiner Wange, schlängelte sich als Wurm unter die Jungenhaut, ein kleiner pulsierender Alienfinger. Strich suchend am Kieferwinkel vorbei und fand einen Alienfingerfreund. Beide glitten mit blinden Wurmgliedern an der Nasenwurzel hoch, hielten plötzlich das ganze Gesicht umfaßt und schälten es wie eine Apfelsine, rosige Hautschalen fielen zu beiden Seiten, verwunderte Scheiben mimischer Muskulatur. Gaben die Sicht auf den Knochen darunter frei, feuchtglänzend. Jens' Schädel sprach mit gelben Zähnen weiter vom Strand und von Parties. Strand an der Küste zum Universum. In Reih und Glied klapperten die Zähne schwärmerisch vom Grillen, Surfen, vom Studentenleben. Kamen immer näher, eine geschlossene Front aus schimmernden Würfeln und Teegeruch. Susi fror. Schüttelte sich. Schloß die Augen. Holte langsam Luft und öffnete sie wieder. Die Jensapfelsine hatte sich wieder zusammengefügt, Scheibe für Scheibe glänzte rosig. Die Apfelsine schluckte die gelben Frontkämpfer hinunter. "Susi, was hast du denn?", wollte sie wissen. Ein Fragezeichen schwamm im wasserblauen Eintopf. Drehte und kräuselte sich in der Mischung aus Sehnsucht und Unsicherheit. Bog Jens Augenbrauen nach oben und fromte den Mund zum Punkt. Ein punktförmiger Mund in einer Jensapfelsine. "Du, Jens, ist dein Herz auch wasserblau?", wollte Susi schon fragen, doch sie hielt die Frage im letzten Moment zurück. Biß die Zähne auf die Lippen und ließ die Frage nicht heraus. Was denkt denn Jens dann von mir, zischte sie der Frage zu, die an den verschlossenen Zähnen zerrte und sich zwischen die Lücken preßte. Die sich für gut hielt. Und gestellt werden wollte. Susi lenkte die Frage ab, indem sie ihr auf Jens linkem Ohr seine Seele zeigte, mit schwirrenden Flügeln, lautlos und unsichtbar. Du würdest sie nur erschrecken. Die Frage gab nach und zog sich zurück. Susi lächelte. Das Fragezeichen in Jens Augen ertrank. "Hast du also Lust, dir von mir den Strand zeigen zu lassen?" Jens war wieder Jensmensch und seine Zähne waren ordentlich weiß und zweireihig aufgestellt. "Ja, gerne. Aber jetzt gehe ich, glaube ich, nach Hause, ich bin ganz schön erschöpft von der Aufregung eben." "Schön, dann gebe ich dir einfach mal meine Nummer, ruf mich an, wenn du Zeit hast."

Zurück in ihrem Zimmer setzte sich Susi an ihrem Schreibtisch, holte ihren Zeichenblock aus der Schublade, klappte das Anatomiebuch auf und fing an, einen Schädel zu zeichnen. Mit blauen Augen in dunkelweißen Höhlen und gelben Zähnen. Beschriftete die Zeichnung mit allen lateinischen Begriffen und Namen, die sie finden konnte. Und hängte den Schädel dann über ihr Bett. Ihr erster Tag war überstanden.
___________

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu fiktiv-verrückt.... Was sagen die Kommilitonen? Oder: was passiert am Strand? Oder ....?

Jens
04.02.2003, 20:51
Sodele,
da sind wir doch schon ein gutes Stückchen weitergekommen: wenn ich so denke, was sich aus dem ersten Absatz, den ich vor ein paar Wochen geschrieben habe, inzwischen geworden ist:

dass Susi in Greifswald studiert, in der Anatomie-Vorlesung ohnmächtig wird, später aus der Aufwachszene beim Prof ein erstes Kennenlernen sich entwickelt und Susi eine spannend-kreativ ausgestaltete Szene beim Tee erlebt: ich hätte nicht gedacht, dass sich das so entwickelt.

Bevor es weitergeht, werde ich mal die bisherigen Beiträge zusammenfassen und bis dahin (1 bis 2 Tage) den Beitrag kurz schliessen, um ihn dann wieder zu öffnen mit dem Fortsetzungswunsch von lisa_liebreiz (ps: ich fand das nicht 'zu fiktiv' - war richtig spannend, weil es so ungewoehnlich war :-) )

Einige Anmerkungen noch:
- den Namen Jens würde ich gerne austauschen (Zufallsauswahl im Telefonbuch mache ich dann)
- versucht euch beim Abfassen auf möglichst 2 bis 3 Absätze zu beschränken: ich weiss es macht Spass, wenn man einmal in der Schreibe drin ist, aber ich (besonders ich ;-) - wer meine Texte kennt, weiss warum) finde auch, dass man ein wenig üben kann mit weniger Worten auch dasselbe zu sagen. Der Vorteil ist, dass dann auch andere schneller den Einstieg finden
- es sollte möglich sein, den Ort Greifswald samt seines Lehrkörpers möglichst neutral in die Story einzubringen. Ich persönlich habe nichts gegen Greifswald, kenne die Uni nicht. Aber wenn dann jemand von dort sich in unserer Geschichte wiederfindet, hat er vielleicht Probleme damit.

Sodele den Beitrag vorerst schliessen, bis ich heute oder morgen die Zusammenfassung der bisherigen Absätze/Abschnitte zusammengeklammert habe.

Danach bin ich schon gespannt wie es weitergeht.
Also, bis demnaechst
So long
Cu
Jens

Jens
05.02.2003, 09:33
Hi,
ich habe nun die bisherige Story als Webseite hinterlegt, da es für das Forum ein wenig unhandlich wird.

<<< DIE STORY BISHER - KLICK HIER >>> (http://www.medi-files.de/files/mediroman/Fortsetzung_05_02_2003.htm)

lisa_liebreiz hatte den letzen Part geschrieben und als Wunsch zum weiteren Verlauf im nächsten Abschnitt (2 bis 3 Absätze) an den Nachfolger folgende mögliche Inhalte:

>> Was sagen die Kommilitonen?
>> Oder: was passiert am Strand?
>> Oder ....?

Wer mag die Geschichte/Handlung ein Stück voranbringen?

So long Cu :-)
Jens

hobbes
15.02.2003, 01:11
In Gedanken versunken blätterte Susi in ihrem Anatomieatlas, als es an die Türe klopfte und die alte Frau Krause mit einer Tasse dampfenden Tees hereinkam. Die kleine alte Frau ging etwas nach vorne gebückt, sie hatte ein dickes grosses jedoch friedliches Gesicht von fahlem Teint. Ihr Haar war schüttern und an ihren Kopf schloss sich ein wuchtiger Nacken an, welcher zwar gut zu ihrem rundlichen Bauch passte, ihre dünnen Arme und Beine aber wie Fremdkörper erscheinen liessen.

„Ich hatte für mich Tee aufgesetzt und da ich bemerkt habe, dass Sie bereits in ihrem Zimmer sind, habe ich gedacht, ich bringe ihnen auch welchen“ sagte Frau Krause freundlich, während sie Tasse behutsam auf Susis Tisch absetzte und darauf achtete, keines der neuen Bücher zu beschmutzen. „Danke, das ist lieb von Ihnen“ hauchte Susi dünn. „Das Studieren ist manchmal eine einsame Knochenarbeit, nicht wahr“ bemerkte Frau Krause als sie nachdenklich in das sorgenvolle Gesicht von Susi blickte. Sie war eine verständnisvolle Frau, klug genug, um Susi nicht mit Fragen zu bedrängen. „Ich hatte auch einen Sohn, der studiert hatte“ sagte die Hausmutter, während sie sich wieder gegen die Türe abwandte „Germanistik und Geschichte“. Susi blickte mit fragendem Blick auf „Sie hatten?“
Unter der Türe stehend, die Hand bereits auf der Klinke antwortete Frau Krause „Ja, er ist im September vor einem Jahr gestorben.“ Die Frau stockte und atmete schwer. „zusammen mit seiner Frau und ihren zwei Kindern. Eine Tragödie... . Bringen Sie mir die Tasse raus, wenn sie fertig sind, mein Kind.“ Mit diesen Worten schloss sich die Türe.

Noch nachdenklicher als zuvor trank Susi den heissen Tee mit bedächtigen Zügen. Den Atlas hatte sei beiseite gelegt. An diesem Abend legte sich Susi früh schlafen und stellte mindestens dreimal sicher, dass ihr Wecker auch ordentlich funktionierte und richtig programmiert war. Sie verfiel in einen unruhigen Schlaf, ihre Gedanken sprangen von der Anatomiestunde, zum Professor und zu Steffen und wieder zur alten Frau Krause.


/ / / Der nächste Autor/ die nächste Autorin soll frei sein in der Wahl wie sie / er die Geschichte weiterspinnen will. / / /