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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Recht oder Unrecht HIV-Positiver?



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FirebirdUSA
11.11.2009, 13:16
Also, grundsätzlich ist es natürlich doof wenn man von einer bekannten HIV Infektion nichts gesagt bekommt, aber die Patientin und ihr behandelnder HIV-Spezialist habe schon recht: Unter Therapie, bei nicht nachweisbarer Viruslast, ist das Infektionsrisiko praktisch 0 (bei sämtlichen Übertragungswegen).

Das höchste Risiko einer HIV Infektion besteht bei Patienten die positiv sind, es nicht wissen und kurz vor AIDS Ausbruch stehen (also hohe Viruslast). Nur die werden es dir nicht sagen, da sie es nicht wissen. Insofern ist der Rat jeden Patienten als infektiös anzusehen sicherlich nicht falsch. Die praktische Umsetzung aber natürlich schwierig.

An alle die, die bei jedem Patienten auf HIV testen: Klärt ihr auch auf die möglichen Folgen eines positiven Testes auf (z.B. keine Chance auf Berufsunfähigkeits- oder private Rentenversicherung)? Wenn nicht kann das nämlich auch sehr teuer werden...

Kackbratze
11.11.2009, 13:31
An alle die, die bei jedem Patienten auf HIV testen: Klärt ihr auch auf die möglichen Folgen eines positiven Testes auf (z.B. keine Chance auf Berufsunfähigkeits- oder private Rentenversicherung)? Wenn nicht kann das nämlich auch sehr teuer werden...

Boah, da hab ich ja garnicht dran gedacht...oder vielleicht an das Umfeld des Patienten? Nicht das der dann weiss, dass er vielleicht noch jemanden angesteckt hat. Dann hätte man 2 Leute, die am Ende mehr für ihre privaten Versicherungen zahlen müssten.
Stell Dir das mal vor! :-?
Dann lieber nicht testen, am Ende kann ja nur rauskommen, wenn man Pech hat, dass die eigene Rentenversicherung teurer wird. :-(
Ausserdem ist eine unerkannte und unbehandelte HIV-Infektion ja besser für alle Rentenkassen....oder wie jetzt?!?

Indem ich einfach die Augen gaaanz feste zumache, wird schon nix passieren, oder wie soll ich das jetzt verstehen? :-oopss

Ehemaliger User 05022011
11.11.2009, 14:02
Ich hab in Südafrika auch Patientenblut auf den Händen gehabt, es rinnt am Handschuh vorbei, Babies strampeln... soll ich mich jetzt testen gehen?


ja, ich denke das bist du deinen Patienten einfach schuldig, bei soviel Kontakt mit infizierten Leuten es ganz eindeutig auszuschließen, das du dich infiziert haben könntest:-meinung

FirebirdUSA
12.11.2009, 06:00
Boah, da hab ich ja garnicht dran gedacht...oder vielleicht an das Umfeld des Patienten? Nicht das der dann weiss, dass er vielleicht noch jemanden angesteckt hat. Dann hätte man 2 Leute, die am Ende mehr für ihre privaten Versicherungen zahlen müssten.
Stell Dir das mal vor! :-?
Dann lieber nicht testen, am Ende kann ja nur rauskommen, wenn man Pech hat, dass die eigene Rentenversicherung teurer wird. :-(
Ausserdem ist eine unerkannte und unbehandelte HIV-Infektion ja besser für alle Rentenkassen....oder wie jetzt?!?

Indem ich einfach die Augen gaaanz feste zumache, wird schon nix passieren, oder wie soll ich das jetzt verstehen? :-oopss

Wie jetzt? Ganz einfach wenn dich ein Patient nachher verklagt und er dir nachweisen kann das du ihn nicht über die möglichen finanziellen Risiken aufgeklärt hast zahlt dein Krankenhaus dafür... insbesondere da er ja die Möglichkeit eines anonymen Tests im Gesundheitsamt gehabt hätte. So einfach ist das. Ich wollte dir eigentlich auch die Quelle dazu geben kann aber auf die schnelle nicht das Gerichtsurteil im Internet finden. Ob das nächste Gericht bei einer entsprechenden Klage wieder so entscheidet ist natürlich nicht garantiert.

Das die Rechtslage bei HIV allgemein schwierig ist hast du ja schon am Anfang des Threads gesehen bei der Patientin die falsche Angaben macht und eine Klage androht... sinnvoll und logisch finde ich diese Rechtsprechung persönlich nicht und finde es auch sinnvoll jeden chirurgischen Patienten zu testen.

Hypnos
12.11.2009, 07:11
Hätte ihm am liebsten eine reingehauen, aber was ändert es?
Seitdem behandele ich alle Patienten so, als hätten sie eine Infektionskrankheit. Dadurch bleibt der Eigenschutz erhalten.



Ad 1) Du hättest sicherlich Ärger mit der Ärztekammer bekommen :-))
Ad 2) Solltest Du das nicht SOWIESO tun?
Ad 3) Eben.

Kackbratze
12.11.2009, 13:48
Am Anfang des Berufslebens hat man noch Ideale. Dazu gehört auch, dass man Patienten alles glaubt, was sie sagen.

Leelaacoo
12.11.2009, 19:41
Am Anfang des Berufslebens hat man noch Ideale. Dazu gehört auch, dass man Patienten alles glaubt, was sie sagen.


Jepp... everyone lies...wer hat das nochmal gesagt:-oopss

LG lee

okulix
13.11.2009, 09:08
Jepp... everyone lies...wer hat das nochmal gesagt:-oopss

LG lee

Nicht everyone - nur all patients. :-))

Sabbel
14.11.2009, 12:18
ja, ich denke das bist du deinen Patienten einfach schuldig, bei soviel Kontakt mit infizierten Leuten es ganz eindeutig auszuschließen, das du dich infiziert haben könntest:-meinung

Und was ist mit den Ärzten, die mal als Spass ein bissl (ungeschützten) Sex haben??? Und sag jetzt nicht, die gibt es nicht...:-oopss
die müsste man dann auch jedes Mal testen schicken... und da ist es deutlich wahrscheinlicher, dass die sich anstecken, als ich mich von ein bissl Blut-Haut Kontakt.

surfsmurf
14.11.2009, 13:35
Und was ist mit den Ärzten, die mal als Spass ein bissl (ungeschützten) Sex haben??? Und sag jetzt nicht, die gibt es nicht...:-oopss
die müsste man dann auch jedes Mal testen schicken...

Ärzte, die ungeschützten Sex mit wechselnden Sexualpartnern haben, müsste man zweifellos testen. Und richtig, die Ärzte mag es geben. Und jetzt? Dass sexuell unverantwortlichte Ärzte sich nicht testen lassen, rechtfertigt ja nicht dein Unterlassen, oder? "Wenn er darf, darf ich auch"-Argumente finde ich nicht wirklich überzeugend. Zweimal falsch ergibt nicht einmal richtig.

Sabbel
14.11.2009, 17:07
Ärzte, die ungeschützten Sex mit wechselnden Sexualpartnern haben, müsste man zweifellos testen. Und richtig, die Ärzte mag es geben. Und jetzt? Dass sexuell unverantwortlichte Ärzte sich nicht testen lassen, rechtfertigt ja nicht dein Unterlassen, oder? "Wenn er darf, darf ich auch"-Argumente finde ich nicht wirklich überzeugend. Zweimal falsch ergibt nicht einmal richtig.

Ich habe hier nichts unterlassen, meine Situation impliziert keinen Test!!!! Es scheint so, als ob die Übertragungswege inkl. der Wahrscheinlichkeiten nur begrenzt bekannt sind bzw die große Angst überwiegt.
Und nach deiner Logik müsste ich mich nach jedem Blut-Hautkontakt testen lassen, es ist jeder Patient potentiell infektiös!!! Nur weil einmal ein bisschen Blut neben dem Handschuh auf der Haut noch hinunter rinnt, steckt man sich nicht an. Sonst hätten wir hier auch schon ein HIV Massensterben und in Afrika gäbe es keine Menschen mehr...

Ich wollte mit meinem Beispiel nur zeigen, dass ich hier nicht unverantwortlich gehandelt habe, sondern, dass es nur weniger alltäglich ist in Europa und deswegen auch deine ängstliche Reaktion.

Leelaacoo
15.11.2009, 09:44
@Sabbel: Und hast du dich denn überhaupt mal jemals testen lassen? Auch aus privaten Gründen? Bei der Einstellungsuntersuchung musst du eh, man kanns zwar verweigern, aber dann darfst du (zumindest bei uns) in vielen Bereichen nicht arbeiten...

LG Lee

genau-der-da
15.11.2009, 13:35
Zum anderen bin ich mir sicher, dass man Dich zum 3-maligen Blutabnehmen über den D-Arzt schickt, falls Dir bei so einem Patienten z.B. mal Urin (oder andere Körpersäfte) ins Gesicht spritzt (und Du keine Brille aufhast). Falls Du Dich jetzt fragst, wie so was passieren kann - ich kenne fast niemanden bei uns, dem das noch nicht passiert ist - aber wie gesagt, das ist eben die REALITÄT.

Übrigens nochmal auf das Thema Uro (da kenn ich mich nun mal aus :-))): wir arbeiten auch ausserhalb des OP-Saals, beispielsweise werden Blasentamponaden vor allem in der Rettungsstelle oder auf Station mittels Einmalkatheter (gelegentlich auch mal mit Darmrohr!) und Blasenspritze ausgeräumt. Bei ausgeprägten Befunden kann das hin und wieder wie auf einem Schlachtfeld aussehen, vor allem bei unruhigen Patienten. Da hat man auch keinen wasserundurchlässigen Kittel an.

Ist mir alles komplett verständlich, nur ist das doch kompletter Bullshit :-blush Um jetzt nochmal zu Argumenten zu kommen, es wird ja hier wohl keiner abstreiten wollen, dass es Patienten gibt, die nichts von ihrer Infektion wissen (HIV, Hep B, C etc.) oder auch wie in diesem Fall, die nichts sagen (ärgerlich aber höchstwahrscheinlich seltener). Diese zwei Punkte wird man naturgemäß (besonders den ersteren) nicht verhindern können. Und deshalb würde ich immer ein ungutes Gefühl haben, wenn ich "ständig" Gefahr laufe intensiv (wie du sagst Augen bespritzt etc.) mit potentiell infektiösen Flüssigkeiten in Berührung komme. Jetzt verstehe ich nicht, wieso man nicht bei allen Tätigkeiten entsprechendes Equipment verwendet, was spricht dagegen in der Ambulanz bei gewissen Tätigkeiten eine entsprechende Schürze/Kittel zu verwenden, was spricht dagegen einen Augenschutz zu tragen? Sowas sollte Standard sein!

Das ist wie bei den Orthopäden, da steht man dann als Famulant bei der Hüftop mit dem Assi als einziger mit Mundschutz inkl. Plastikscheibe (Augenschutz) drin. Der Chef und leitende Oberarzt lassen sich lieber bei jeder OP im Gesicht vollspritzen, ist wahrscheinlich cooler? Muss ich wahrscheinlich nicht verstehen...

surfsmurf
15.11.2009, 13:39
Nur weil einmal ein bisschen Blut neben dem Handschuh auf der Haut noch hinunter rinnt, steckt man sich nicht an. Sonst hätten wir hier auch schon ein HIV Massensterben und in Afrika gäbe es keine Menschen mehr...Ich wollte mit meinem Beispiel nur zeigen, dass ich hier nicht unverantwortlich gehandelt habe, sondern, dass es nur weniger alltäglich ist in Europa und deswegen auch deine ängstliche Reaktion.

Du hast recht, nur weil ein bißchen Blut auf die Haut kommt, muss man sich nicht testen lassen; soweit sind mir die Übertragungswege auch noch bekannt, gell :-winky Ich wollte Dich auch überhaupt nicht angreifen, sorry, falls das so rüber gekommen ist. Um Dein Verhalten in irgendeiner Weise zu be- oder verurteilen, kenne ich Deine Situation viel zu wenig. Jeder sollte selbst einschätzen können, wie hoch das Risiko einer Infektion in der Vergangenheit war, sei es nun bei ständigem Kontakt mit infiziertem Blut oder bei ungeschütztem Sex. Aber, und das ist mein Punkt, es ist nur ein schmaler Grat zwischen gesunder Sorglosigkeit und Verantwortungslosigkeit, weswegen man sich imho im Zweifelsfall zugunsten der sicheren Variante irren sollte und sich testen lassen sollte (Blutspenden gehen!).

Wie gesagt, eine Beurteilung deines Verhaltens steht mir nicht zu. Aber ich finde es steht mir zu, die Meinung zu vertreten, dass man im Zweifelsfall lieber einmal zu "ängstlich" sein sollte, wie Du es formulierst.
Zudem fand ich Deinen Verweis auf andere, die sich nach Risikoaktivitäten XY auch nicht testen lassen, irgendwie unpassend und kein gutes Argument (wofür auch immer). Mehr nicht....

Ansonsten: :peace:

Gwendoline
15.11.2009, 20:11
Jetzt verstehe ich nicht, wieso man nicht bei allen Tätigkeiten entsprechendes Equipment verwendet, was spricht dagegen in der Ambulanz bei gewissen Tätigkeiten eine entsprechende Schürze/Kittel zu verwenden, was spricht dagegen einen Augenschutz zu tragen? Sowas sollte Standard sein!


Zum Einen passieren solche "Unfälle" sowieso immer dann, wenn´s nicht erwartet wird, z.b. wenn das Pflegepersonal einen straff sitzenden Katheterschlauch vom Katheter dekonnektiert (immer und überall möglich),

zum Anderen sind Deine protektorischen Vorstellungen von keinem Krankenhaus finanziell tragbar!!

:-keks

Espressa
15.11.2009, 20:22
Also, zurück zum Thema.
Leider wird auch im medizinischen Rahmen relativ unvorsichtig mit eben doch privaten Daten umgegangen.
In einem kleinen Dorfkrankenhaus auf dem Land ist es schon mal fies, wenn auf der Patientenakte dick und fett "HIV+!!!" steht, wo es jede Krankenschwester und Stationsgehilfin sieht, und damit ein Gerüchteverbreiten im Ort gestartet wird, das die Lebensqualität des Betreffenden sehr schmälern kann.

Ich finde schon dass Patienten eine solche Information preisgeben sollten, aber es wäre wünschenswert dafür zu sorgen, dass nur jene davon erfahren, die es unbedingt wissen müssen.

Sabbel
15.11.2009, 20:23
@Sabbel: Und hast du dich denn überhaupt mal jemals testen lassen? Auch aus privaten Gründen? Bei der Einstellungsuntersuchung musst du eh, man kanns zwar verweigern, aber dann darfst du (zumindest bei uns) in vielen Bereichen nicht arbeiten...

LG Lee

Ja, das wurde ich - und sogar auch schon ohne direkt gefragt zu werden!!! (d.h. die Blanko Unterschrift haben sie sich geholt "I agree to perform all procedures for the patient's safety" Das war in den USA.) Und privat finde ich den HIV Test NUR gut. Ich wollte nur zeigen, dass ich nicht verantwortungslos bin, bei mir ist es in meinem Fall noch nicht gefährlich. Mag sein, dass ich in Südafrika schon einen anderen Zugang zu dem Thema bekam... Ich persönlich erlebe immer wieder eine gewisse HIV Hysterie, wenn man es so nennen darf. Bin aber jedenfalls für Vorsichtsmaßnahmen und auch für Tests.
Ja, und ich verweigere auch keine Tests, das finde ich durchaus nachvollziehbar und ok. Persönlich wäre ich auch für ein Drogen screening der Ärzte, aber andere Baustelle ;-), anderes Thema.

gnuff
15.11.2009, 21:44
...
zum Anderen sind Deine protektorischen Vorstellungen von keinem Krankenhaus finanziell tragbar!!

also das ist ja mal totaler Quatsch... zunächstmal sollte es völlig egal sein was es kostet, das muss bezahlt werden fertig. Ausserdem gibt es das alles als billigste Einmalware, auch die Schutzbrillen... hier mit Kosten zu argumentieren ist unsinnig, wenn ein Klinikchef das dennoch tut ist es unmoralisch...

(bei uns hängen die Packungen mit den Einmalschürzen direkt neben den Handschuhen, immer!)