Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neurochirurgie



Seiten : 1 [2]

JohannesMoritz
20.03.2010, 16:17
...und mir ist klar, dass man mit so einer Aussage in einer neokapitalistisch geprägten Gesellschaft von vielen Seite Hohn und Spott erntet...

pottmed
20.03.2010, 16:37
@Pottmed

aber als C4-Professor und Direktor einer Neurochirurgischen Universitätsklinik hätte mann sich vermutlich schon mehr vorgestellt. Bzw. es gab in der Vergangenheit mehr.

Es ist mir schon klar, dass es in der Vergangenheit mehr gab. Aber dafür haben auch in der Vergangenheit die Assistenten schlechter verdient :-D

Ob hohe 6-Stellige Gehälter unethisch sind lasse ich mal dahin gestellt. Ich finde, wer viel arbeitet und Risiko trägt (weil selbstständig, viel Verantwortung auch für Mitarbeiter) sollte auch anständig entlohnt werden. Nichtsdestotrotz sind hohe Gehälter relativ, 120.000 € ist ein weit überdurchschnittliches Einkommen und damit ein akzeptables Gehalt. Natürlich verdient man als Partner bei Mc Kinsey mehr, aber 1. gibt es davon sehr wenige und zweitens ist der Job auch mal richtig daneben :-meinung

Und bevor mir jetzt wieder jemand mit Einstiegsgehältern von BWLern etc. kommt, die sind im Durchschnitt auch nicht so rosig, wie immer gerne getan wird :-top

sockenpuppe
20.03.2010, 17:55
Hab' dazu mal ne ganz doofe Frage:<br>

Edit sagt, die Frage habe sich erledigt.:-blush

Kackbratze
20.03.2010, 19:21
Überhaupt ist es total unethisch als Arzt für seine Arbeit Geld zu verlangen, wenn doch die Gesundheit insgesamt ein unbezahlbares Gut ist und alleine das Wissen, dass man der Allgemeinheit dient doch Bezahlung genug ist.


Hatten lange keinen Thread mehr zu dem Thema. Ist schon wieder die passende Mondphase? Saturn wieder im grossen Haus zusammen mit Venus und Planetoid bullshit²?
:-))

sockenpuppe
20.03.2010, 19:33
Hatten lange keinen Thread mehr zu dem Thema. Ist schon wieder die passende Mondphase? Saturn wieder im grossen Haus zusammen mit Venus und Planetoid bullshit²?
:-))

Ganz einfach: Die aktuelle Tarifrunde des MB kommt gerade in die heiße Phase.:-))

John Silver
20.03.2010, 23:34
Ich finde auch, dass unter Medizinstudenten und Ärzten manchmal falsche Vorstellungen kursieren, was ein gutes Gehalt ist und was nicht (bei anderen Gruppen natürlich auch). Bei 120 000p.a. kommt man als Alleinstehender etwa auf über 5000 netto monatlich. Das ist ein Wahnsinnsgehalt! Davon kann man sich in München ne große Wohnung leisten und einen Porsche leasen... . Ab 3700 Euro netto monatlich (alleinstehend) gilt man in Deutschland offiziell als "reich". Jetzt werden einige mit den Arbeitszeiten kommen, aber: wenn man in der freien Wirtschaft Gehälter im sechsstelligen Bereich verdienen will, muss man vermutlich mindestens soviel arbeiten wir ein Arzt im Krankenhaus.

Ich finde, dass unter Gehälterkritikern so gut wie immer falsche Vorstellungen kursieren, wofür Gehälter eigentlich gezahlt werden. Schau Dir mal genau an, welche Voraussetzungen man erfüllen muss, um Chefarzt einer Abteilung, zumal in einer Uniklinik, werden zu können. Und dann nenne mir mal auch nur einen Beruf aus der vielzitierten "freien Wirtschaft", in dem man zumindest vergleichbare Voraussetzungen mitbringen muss, um Chef einer Abteilung in einem Betrieb zu werden. Bitte ohne Gefasel über siebenstellige Gehälter und Ethik, Du hast das Recht auf ethisches Verhalten und Verständnis nicht gepachtet, und brauchst uns nicht mit der Moralkeule zu kommen.

Janny
21.03.2010, 18:43
Überhaupt ist es total unethisch als Arzt für seine Arbeit Geld zu verlangen, wenn doch die Gesundheit insgesamt ein unbezahlbares Gut ist und alleine das Wissen, dass man der Allgemeinheit dient doch Bezahlung genug ist.


Hatten lange keinen Thread mehr zu dem Thema. Ist schon wieder die passende Mondphase? Saturn wieder im grossen Haus zusammen mit Venus und Planetoid bullshit²?
:-))

Danke, Bratze! You made my day! :-))

habichnicht
22.03.2010, 01:02
Hatten lange keinen Thread mehr zu dem Thema. Ist schon wieder die passende Mondphase? Saturn wieder im grossen Haus zusammen mit Venus und Planetoid bullshit²?
:-))

:-party Und dort gibt es den nächsten Thread dazu: http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showthread.php?p=880895#post880895

Kackbratze
22.03.2010, 05:09
Gäähn. Und wieder wird ein halbes Leben virtuell ausgek0tzt, weil man selber nicht in der Lage ist, eine Entscheidung für das eigene Leben zu fällen und dazu zu stehen. :-nix

DoctorNew
22.03.2010, 08:10
Ich denke in diesem Thread sieht man genau ein Problem der Ärzteschaft. Wer sich vom Arztberuf ein hohes Gehalt erwartet, wird direkt denunziert und umgekehrt wird über die schlechten Gehälter geheult. Anstatt zu ändern wird geschluckt und so weitergemacht wie bisher.

Warum verdient der neurochirurgische Chefarzt des UKA nur 120.000€ pro Jahr? Weil vermutlich so viele Anwärter die Stelle gerne gehabt hätten, wobei vielen anscheinend die Position an sich so wichtig ist, dass sie auf ein angemessenes Gehalt verzichten. Hätte sich für dieses Gehalt niemand beworben, hätte man schnell den Preis anpassen müssen.

Hier erkennt man noch eine absurde Eigenschaft der Ärzteschaft. Position und Titel bzw. die Arbeit als solche scheinen für viele genug zu sein, ohne noch eine angemessene Bezahlung zu fordern. Arztsein um jeden Preis und Profilneurose in Vollendung. Wie kommt es denn, dass in Unikliniken trotz Tarifvertrag selten die Überstunden vergütet werden, weil eben sich keiner wehrt. Völlig unvorstellbar, dass wir erst seit wenigen Jahren überhaupt einen eigenen Tarifvertrag haben.

Dass unterscheidet deutsche Ärzte nämlich von Betriebswirten oder Ärzten in Amerika oder Canada. Die Position und der Job sind dort eben nur ans Gehalt gekoppelt interessant. Job und Titel sind eben nicht alles.

Das traurige ist, dass die Tarifverträge ja fast schon da sind. Für eine 80h Woche würde jeder Arzt, würde er beim Arbeitgeber eine Bezahlung nach Tarifvertrag einfordern, sicher nicht weniger bekommen, als sein Kollege bei McKinsey mit einer 80h Woche.

Wir müssen aufhören, jeden der sich von Arztberuf ein gutes Gehalt erhofft herunterzubügeln und verbittert die absurden Zustände in manchen Kliniken herunterzubeten, sondern endlich etwas tun, damit sich etwas ändert.

stennadolny
22.03.2010, 08:48
:-meinung


Kurios ist bereits, daß viele, allzu viele Ärzte in Deutschland selbst die ihnen kraft Tarifvertrag zustehenden Basisrechte (u.a. Weiterbildung) nicht in Anspruch nehmen bzw. einfordern, bloß weil die Leitungsebene da "böse" sein könnte. 21. Jahrhundert oder Feudalismus und Absolutismus des 18. ?
Und ? Vertrag ist Vertrag - als ob jemand ernsthaft für einen frisch gekauften BMW einen Kia akzeptieren würde, da sagt jeder: Der spinnt !

In der Tat ist der Mythos "Uniklinik" oder "Traumfach" hier immer noch eine Einladung zum Edelmasochismus, welcher dann als Erwartungserbe in die nächste Generation hineingeprügelt wird usw..

Amüsant ist denn, wie Oberärzten ihre Assis wegbrechen und schließlich nur der böse Chef dafür verantwortlich ist, gegen den sich der OA, traurig-traurig, niemals wehren "konnte". Müssen halt die OÄ die Basisarbeit auf einmal selber machen.......Schuß ins Knie vorhersehbar, und trotzdem wird er verdrängt.

Fazit: Die Arbeitgeber ersparen sich weiter Unsummen. Daher weht der Wind.


Ich habe schon den Eindruck, daß die Nicht-Auswanderer, die Nicht-Aussteiger aus der Medizin hier der zwar abschmelzende, aber immer noch starke Rest an eingeschüchterten Systemerhaltern ist, die eigentlich garkeine Änderung wollen. Es sei denn, sie müssen nichts, absolut nichts dafür tun. Irgendwer wird den Kopf schon hinhalten.

Das ist auch das Dilemma des Marburger Bundes: Vor Ort ist ebenfalls Knochenarbeit zu leisten. Und da die flexiblen Fach- und OÄ mit unbegrenzten Verträgen bereits auf und davon sind, passiert häufig bei jenen, denen kaum etwas passieren kann, nichts.
Jeder ist sich selbst der Nächste: Der Fach-, OA eben dann dem Ärztemangel an Assis, den er selbst zu kompensieren hat.

Randnotiz: Die Allerschlimmsten Betonpopos sind "Funktionsoberärzte", die weder für die Niederlassung noch für eine echte OA-Position taugen und deshalb einzementiert in ihrer Frustration Pseudo-OA-Hochstapelei übelster Sorte gegenüber den Weiterbildungsassis "checken". Daneben gleich die Altassis ohne jedes Vermögen, zur FA-Prüfung überhaupt anzutreten.....
So wird die kindische Hierarchiepyramide von innen (u.a.) weiter stabilisiert, daß ein Facharzt auch für voll genommen wird (wie in anderen Ländern) und dafür ebenso bezahlt wird, auf die lange Bank geschoben.

Wegen der Einführung (!) der "FOÄ" ist ein mir bekanntes, 2006 radikal bestreiktes Haus heute eine Lachnummer an Arbeitsbedingungen, Personaldurchlauf und Weiterbildung geworden, weil sich die Ärzteschaft damit hat spalten lassen. Und eben jene FÄ, die am radikalsten den Streik anführten, sind heute zahme Lämmchen, damit ihnen ihr "FOA" erhalten bleibt nebst minimalen Privilegien.

Lava
22.03.2010, 12:05
also ich kann dazu auch noch was beitragen. ich habe mal mit einer assistenzärztin der neurochrirurgie ein längeres gespräch gehabt. und sie meinte, dass sie eher von dem fach abraten würde, wenn man sich nicht 1000% sicher ist, dass man das machen möchte.

Dem würde ich zustimmen. Das Fach muss man schon lieben, sonst macht es dich kaputt.

Evil
22.03.2010, 17:47
Mit der heissen Luft, die in diesem Thread produziert wird, könnte man eine Großstadt bestimmt ein Jahr lang heizen! :-top

Kackbratze
22.03.2010, 21:07
Vorallem weil wieder Blinde den Sehenden erklären, was man eigentlich tun sollte.