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Freund der Medizin
29.03.2010, 00:00
Du hast noch keinen Eindruck vom Beruf des Arztes.
Naja, zumindest nur in begrenzter Form.


Du hörst nicht zu. Die Vorstellungen, die Du hast, sind sämtlich falsch; aber Du lässt Dir nicht sagen, wie es wirklich ist, sondern versuchst, Dir Deine Vorstellungen um jeden Preis zu erhalten. So wird das nix.
Das ist aber etwas übertrieben dargestellt. Zugegeben, bin ich an einigen Stellen etwas stur geblieben, hab aber doch meine "Vorstellungen" immer vorsichtig mit einem Fragezeichen relativiert. Also dogmatisch bin ich nicht.

Vielen Dank für die Beiträge.
Ich bin jedenfalls immer noch nicht ganz davon überzeugt, dass (sagen wir) jahrzehnte Routine tatsächlich zu keinem Motivationsverlust führt. Das sagt mir immer eine Hinterstimme meines gesunden Menschenverstandes. :-music

Ich glaube, dass

[...] das wirst Du noch feststellen, wenn Du etwas klinische Erfahrung hast
eine bestimmt sehr zutreffende Aussage ist. Insofern freue ich mich da auf einige "Erleuchtungen". :-party

(Und lasst euch doch nicht gleich so leicht provozieren ...)

John Silver
29.03.2010, 00:22
Um uns zu provozieren, musst Du schon früher aufstehen ;-)

Sei Dir eines gesagt sein (und ich werde nicht müde, das zu wiederholen): Es ist absolut egal, was Du jetzt über die Medizin im Allgemeinen und einzelne Fachrichtungen im Speziellen denkst. Welche Fachrichtung Du wirklich wählen wirst, weißt Du frühestens am Ende des Studiums, weil Du erst dann wirklich einen Einblick in die Medizin hast - und selbst danach werden sich Deine Präferenzen noch ändern, wenngleich zumeist in engerem Rahmen, das garantiere ich Dir.

Bandwurm
29.03.2010, 05:09
Das Problem ist in unserem Job ist nicht unbedingt der Mangel an Abwechslung, sondern eher die Zeit sich mit dem ganzen Abwechslungsreichtum zu Beschäftigen. Jeder Mensch, der zu dir kommt hat in der Regel mehr als ein Problem. Un wenn du es schaffst neben dem Bandscheibenvorfall auch noch die Depression des Patienten zu erkennen und noch etwas gegen den bisher nicht behandelten Diabetes Mellitus Typ II zu tun, dann ist der Tag schon VERDAMMT ausgefüllt. Für einen Anfänger in unserem Fach kann ich nur Raten: Nimm dir die Zeit für das was unser Fach aus macht: Niemanden Schaden, Krankheiten erkennen und wenn Möglich behandeln oder zumindest dass Leid lindern. Versuche nicht aus Zeitdruck in den Zynismus einiger Kollegen verfallen, die Sagen, die Beschwerden XY interessieren mich nicht, weil es eine andere Fachrichtung ist. :-top
Zur Exotik: Ist wie im Pflanzenreich, wenn du nicht alle heimischen Gewächse auf der Wiese erkennen kannst:-lesen, woher willst du dann erkennen was die exotischen sind, die irgendwo unscheinbar dazwischen wachsen?
Zur Befriedigung: Deine Wunsch scheint zu sein, dass andere Kollegen/Patienten/Öffentlichkeit/Familie dich möglichst für deine zukünftige Arbeit bewundern. [-::-]Das geht schief. :-kotzUnd Exotik und Anerkennung bedeutet nicht unbedingt dasselbe, weil für den Laien, nämlich unseren Patienten, der weiss nicht unbedingt, dass er eine seltene Erkrankung hat. Wenn er ein dickes Problem hat und du kannst ihm Helfen, wo andere vorher vielleicht schon versagt haben, dann bist du sein Held. Wenn du ihm nur sagen kann "Herzlichen Glückwunsch, Sie sterben bald an einer seltenen Erkrankung" wird es häufiger schwieriger, auch wenn du als Arzt und Mensch hier vielleicht weitaus mehr gefordert bist.

Assistent 3:16
29.03.2010, 12:16
Ehrlich gesagt kann ich nicht verstehen was du mit Zynismus meinst, wenn jedes Fachgebiet seine Krankheitsbilder bahandelt, ist eher ungewöhnlich das ein Arzt Bandscheibe, Diabetes sowie Depression behandelt sind 3 verschiedene Fachgebiete. Natürlich wird jemand der wegen entgleisten Diabetes kommt und Depressionen oder Bandscheibenprobleme vom Internisten Antidepressiva sowie Schmerzmedikation weiterführen aber ein Internist sollte weder die Erstdiagnose Bandscheibe oder Depression stellen noch diese ohne neurlogische/orthopädische bzw psychiatrische Vorstellung behandeln, ebenso wird ein Neurologe natürlich Diabetikern weiter Medikamente oder Insulin geben sollte aber keinen Diabetes neu einstellen auch bei Deprssion empfehle ich als angehender Neurologe immer noch eine psychiatrische Betreuung.

Lava
29.03.2010, 15:22
Rheumatologie. Das hab ich im PJ gemacht und da einen Haufen sehr seltener Sachen gesehen. Außerdem ist die Diagnostik anspruchsvoll und vielfältig. Manchmal dauert es Jahre, bis man endlich eine Diagnose hat.

Diese große Vielfalt an Krankheitsbildern hat man dann aber auch nur, wenn man in einem Zentrum mit großem Einzugsgebiet arbeitet. In einer rheumatologischen Praxis in Klein Kallakucka wird man wohl hauptsächlich den üblichen Kram haben...

stennadolny
29.03.2010, 15:30
Verdammt viel Abwechslung ?

Geriatrie / Gerontopsychiatrie: ALLES, was in der Medizin möglich ist, außer pädiatrische Krankheitsbilder.

Traumatologie, Neuro/Psych zur Genüge, Onko+Palliativmedizin, Reha, genügend Ortho, Pharmakologie vom Feinsten, Innere Medizin de luxe, querbeet. Wem da langweilig wird, dem ist wahrlich nicht zu helfen.

Wenn man dazu noch Notarzt fährt, ist die Sache wahrlich ausgereizt.

Arzt am Großflughafen !

Auch als Radiologe (in einem kleinen VersorgungsKH mit kl., wenig spezialisierter Radiologie oder in einem Riesenschuppen mit rel. kl. Radio) wird einem nicht langweilig, weil die Kliniker entweder faul und einfallslos oder aber ziemlich gefinkelt sind und man zwar kaum Pat. sieht, dafür aber die Differentialdiagnosen nur so brummen. Gut, man kommt dann nie nach Hause: Was soll`s ?

THawk
29.03.2010, 15:36
Stimmt, da kann ich Lava nur unterstützen. Rheuma an einer großen, vernünftigen Klinik ist vom Krankheits-, Diagnostik- und Therapiespektrum wirklich interessant und regt regelmäßig wieder zum Denken an. Hab das ebenfalls gut 3 Monate im PJ gemacht. Man sollte aber kein Problem mit langen internistischen Visiten haben.

Auf der anderen Seite werden alle Fachrichtungen irgendwann mal zur Routine werden.

tpa
29.03.2010, 20:19
Labormedizin?

(kein Witz)

Espressa
30.03.2010, 12:48
Ich finde nicht, dass dein Beispiel meine Aussage widerlegt. Es ging nicht primär darum, wie glücklich Patienten auch nach einer erfolgreichen Behandlung sind, sondern um den Schwierigkeitsgrad einer Operation.

Also DAS schockiert mich jetzt doch ein wenig.
Und ich denke, du revidierst deine Meinung, wenn du erstmal echt in der Patientenversorgung tätig bist.
Denn wie schon gesagt wurde, je schwieriger und anspruchsvoller der Eingriff, desto länger die Erholung, und auch schlechter die Prognose, und desto mehr Misserfolge, mehr Frustrationstoleranz erforderlich!
Selbst wenn man sein Ego damit pushen will, was für ein Held man doch ist, sowas durchfürhen zu können, wirkliche Befriedigung bringt einem sowas nicht immer.

Linda.1001
30.03.2010, 13:02
Tropenmedizin? *mal in die Runde einwerf*

MissGarfield83
30.03.2010, 14:46
... manchmal freut man sich am Anfang wenn es ne schöne Hautnaht wird ...

Wie schon gesagt wurde : Jeder Patient ist anders - und auch wenn du das Handwerkszeug beherrscht, kann dich eine vermeintlich banale Erkrankung doch mit ihrer individuellen Ausprägung überraschen. Nur weil kein "Zebra" draufsteht ist im Alltag nicht unbedingt kein Zebra drin ....

Freund der Medizin
30.03.2010, 20:55
Und ich denke, du revidierst deine Meinung, wenn du erstmal echt in der Patientenversorgung tätig bist.
Wie gesagt: Ich werde sicherlich noch einiges an Überraschungen erleben ... ;-)

WackenDoc
31.03.2010, 17:56
Infektiologie. War ja über ein Jahr auf ner internistischen Infektionsstation. Zwar nicht so was wildes wie Ebola oder so dabei.
Aber bei "DD von Fieber" gibt´s im TIM (Thieme Innere Medizin- so´n Schinken wo man besser nicht drunter einschläft, weil man sonst ne Gesichtsfraktur hat) 5 Seiten oder so.
Wenn man dann 4 Wochen lang gesucht hat und dann immer noch nicht weiss, was es ist, wird das langsam echt nen Detektivspiel.

netfinder
31.03.2010, 18:06
Infektiologie. War ja über ein Jahr auf ner internistischen Infektionsstation. Zwar nicht so was wildes wie Ebola oder so dabei.
Aber bei "DD von Fieber" gibt´s im TIM (Thieme Innere Medizin- so´n Schinken wo man besser nicht drunter einschläft, weil man sonst ne Gesichtsfraktur hat) 5 Seiten oder so.
Wenn man dann 4 Wochen lang gesucht hat und dann immer noch nicht weiss, was es ist, wird das langsam echt nen Detektivspiel.

Nimm den Siegenthaler Differentialdiagnosen, da sinds dann "nur" noch grob 100 Seiten :-)

eve05
02.04.2010, 08:53
... manchmal freut man sich am Anfang wenn es ne schöne Hautnaht wird ...

und manchmal ist es schon toll, wenn der Pat. bei der direkt sitzenden BE oder Viggo hinterher sagt, dass das seit Jahren keiner geschafft hat und er total glücklich darüber ist ;-)