Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rechtsmedizin?
flopipop
17.05.2010, 13:46
Hallo,
ich bin durch die SuFu nicht schlauer geworden, deswegen schreibe ich die Frage mal als Beitrag....Kennt sich jemand vielleicht mit der Facharzt Weiterbildung in der Rechtsmedizin aus? Wie ist die Arbeitsmarktsituation und Arbeitsbedingungen in diesem Fachgebiet, wie kommt es dass das Fach bei Studenten so populär ist, es aber dennoch nicht so viele machen? Ich stelle mir diese Tätigkeit sehr interessant vor, vor allem der Alltag ist denke ich nicht so wie in der Klinik. Bin ich wirklich zu naiv? :-angel
Hallo,
ich bin durch die SuFu nicht schlauer geworden, deswegen schreibe ich die Frage mal als Beitrag....Kennt sich jemand vielleicht mit der Facharzt Weiterbildung in der Rechtsmedizin aus? Wie ist die Arbeitsmarktsituation und Arbeitsbedingungen in diesem Fachgebiet, wie kommt es dass das Fach bei Studenten so populär ist, es aber dennoch nicht so viele machen? Ich stelle mir diese Tätigkeit sehr interessant vor, vor allem der Alltag ist denke ich nicht so wie in der Klinik. Bin ich wirklich zu naiv? :-angel
Hallo Flopipop,
ich hatte immer den Eindruck, dass Rechtmedizin unter Studenten eben nicht populaer ist. Das ist allerdings nur mein persoenlicher Eindruck. Man sollte nicht uebersehen, dass in der Rechtsmedizin genau soviel Routine herrscht wie in anderen Fachbereichen auch. Alkoholspiegelbestimmungen und Vaterschaftstests sind nach den ersten paar Mal auch nicht mehr so der Hit.
Es ist ein Fach, dass stark unter Druck geraet, da die oeffentliche Hand spart (und jetzt kurz off topic: man kann ja nicht Banken und EU-Laender retten und gleichzeitig genug Geld in oeffentliche Institute investieren, gelle;-)). In Luebeck z.B. wurde die Rechtsmedizin schlichtweg geopfert und findet jetzt eben nur noch in Kiel statt.:-((
Zu bedenken ist auch, dass der haeufige Umgang mit Tod u.v.a gewaltsamem Tod auf Dauer auch sehr belastend sein kann. Zwar besteht dieses Problem fuer viele andere Fachbereiche auch, aber in der RM kommt eben der Gewaltaspekt hinzu.
Auch wenn jetzt der Eindruck entstanden ist, ist riete von RM ab, will ich doch klarstellen, dass das natuerlich ein interessantes Gebiet sein kann. Es ist auf alle Faelle auch ein wichtiges Gebiet. Man muss nur versuchen, sich ein realistisches Bild davon zu machen, damit spaeter der Praxisschock (den es ueberall gibt) nicht zu gross ausfaellt.
Wenn Du die Gelegenheit hast, famulier doch mal in der RM und schau dann, ob's Dir liegt. Die Leute dort haben wohl auch einen besseren Einblick auf den Stellenmarkt als ich.
LieberInvasiv
17.05.2010, 16:20
Also hier in NRW wird auch eine RM nach der anderen "eingespart". Wie schon gesagt gibt es immer weniger Geld vom Staat und da eine RM meist nicht profitorientiert arbeitet/arbeiten kann ist das ein gerne genommenes Sparobjekt.
Habe nen Freund der in der RM arbeitet und so wie es sich anhört sind die Arbeitsbedingungen/Jobaussichten momentan nicht wirklich berauschend...gibt halt nicht mehr so arg viele RM. Wird immer mehr "outgesourced".
flopipop
17.05.2010, 16:30
bedeutet das auch, dass man auch nicht so leicht ins ausland gehen kann, wie in anderen fachrichtungen?
LasseReinböng
17.05.2010, 19:46
RM hat nicht den riesen Bewerbermangel, auch angesichts der ständigen Kürzungen und mittlerweile Schliessungen ganzer Institute kriegt man nicht so schnell mal ne Stelle dort, außerdem ist ja die Preisfrage, was man denn später bitteschön mit diesem FA anfangen soll, wenn es mit der Unikarriere nicht klappt, dann hat man ein tierisches Problem.
flopipop
17.05.2010, 20:44
was meinst du damit? kann man nicht später als facharzt in einem rechtsmedizin institut tätig sein, wie jeder andere kliniker? muss man da unbedingt der große forscher sein?
Ich hab in der Rechtsmedizin auch bislang keinen Ärzte- und Bewerbermangel gesehen. Bei uns am Institut warten Leute, die dort Doktorarbeit gemacht haben, seit Jahren aushelfen, massenhaft Erfahrung haben auch gerne mal ca. 1-2 Jahre, bis sie genommen werden können. Und das, wenn sie Glück haben.
Die Hauptprobleme wurden hier ja schon geschildert (wenig Institute, nicht wirklich viele Karrieremöglichkeiten, irgendwann ist halt Ende). Zudem: es ist wirklich schwierig die Stelle in der RechtsMed mal so zu wechseln - es gibt überall und immer Bewerber. Man bleibt also eher schon ortsgebunden. Wenn man sich aber mit den Chefs und Mitarbeitern verstreiten sollte, dann wirds auch nicht einfach - irgendwie kennt da fast jeder jeden.
Ich hab da mal famuliert und das vor einiger Zeit in einen Thread reingeschrieben http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showthread.php?t=56606
LasseReinböng
18.05.2010, 16:15
Karibe hat im Prinzip alles gesagt. An meiner Uni gibts Leute, die deswegen von der Rechtsmed in die Patho oder andere Fächer gewechselt sind und dies, obwohl sie ne Stelle in der RM hatten....weil, wie gesagt, die Aussichten sind nicht berauschend und man checkt sicherlich irgendwann, ob man ne realistische Chance hat oder nicht.
Was die Leute aus den geschlossenen Instituten eigentlich machen, ist mir auch ein Rätsel.
Und auch in den Kliniksfächern wird man zumindest an der Uni nicht so einfach OA, aber es gibt zumindest ( meistens) einen Plan B ( Abwandern in Richtung Praxis, MVZ, OA-Stelle in der "Heilanstalt zur schönen Nachtschwester" in Hintertupfingen usw.
stennadolny
18.05.2010, 17:58
Also in der RM Hamburg soll der Ärztedurchlauf wohl hoch sein und das nicht ohne Grund, da scheint man wohl rasch eine Stelle zu bekommen.
Ein Bekannter hat sich aus der RM als FA verabschiedet, weil er einen Vollzeitjob (und mehr) um 50%-Vertrag ableisten mußte. Dem hat es gereicht - unter diesen Arbeitsbedingungen wollte er nicht mehr weitermachen trotz rel. guten Verdienstes.
Schaut mal hier:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1191321/
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