Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gründe für die Innere



Seiten : 1 [2]

Jannah
19.05.2010, 10:15
Wenn du Neuro machen willst fang gleich in der Neuro an, Innere ist dann nur Zeitverschwendung.

Warum meinst Du das? Bei mir im PJ auf der Neuro hatten so viele Patienten auch internistische Erkrankungen und ich fand es erschreckend, wie wenig die Neurologen darüber wussten und daher einfach nicht beachtet haben. Daher will ich zunächst 1-2 Jahre Innere machen, bevor ich in die Neuro gehe...findet ihr das nicht sinnvoll?

Assistent 3:16
19.05.2010, 19:03
In der Regel sind die Liegezeiten so kurz das es gar nicht dazu kommt die internistischen Erkrankungen neu einzustellen, außerdem sollte man sich da auch nicht in das Behandlungskonzept der intenistischen Kollegen einmischen. Die Erfahrungen in der Inneren bringen im Akuthaus viel weniger als so viel postuliert. Infekte behandeln sowie Blutdruck einstellen lernt man auch so, in den Nachtdiensten und in der Notaufnahme muss man die neurologischen Krankheitsbilder sicher beherschen, für das Innere hat man immer noch einen internistischen Dienstarzt im Hintergrund. Die Kollegen mit denen ich zusammen gearbeitet habe die Innere Erfahrung aber keine Neuro Erfahrung hatten wurden häufig als berufserfahrene Ärzte eingesetzt waren aber in der Regel in der Notaufnahme und auch sonst schnell überfordert weil sie einfach noch keine Neuro konnten. Der Trend geht ganz sicher dahin das eine flächendeckende neurologische Versorgung aufgebaut wird seit 2000 bekommt so ziemlich jedes Schwerpunktkrankenhaus eine eigene neurologische Abteilung so das hoffentlich bald alle neurologsichen Krankheitsbilder insbesondere cerebrovaskulären Erkrankungen in neurologischer Hand bleiben. Das bedeutet in keinster Weise das ich die Innere gering schätze sogar im Gegenteil die Internisten habe sicher das breitere Wissen. Aber neurologische Krankheitsbilder lernt man in der Neuro und sollten auch von Neurologen behandelt werden. Natürlich bei neurologischen Ausfällen im Rahmen z.b. cerebraler Metastasen bei z.B. Lymphom wird ein Patient primär von Hämatolgen behandelt werden etc. Ich bin nicht gegen interdisziplinäres Arbeiten ganz im Gegenteil, jedoch sollten neurologische Krankheitsbilder nicht aus organisatorischen Gründen bei der Inneren landen. Internistisch geführte Schlaganfalleinheiten sollten langfristig der Vergangenheit angehören.

Jeannychen
19.05.2010, 20:26
Ich bin nicht gegen interdisziplinäres Arbeiten ganz im Gegenteil, jedoch sollten neurologische Krankheitsbilder nicht aus organisatorischen Gründen bei der Inneren landen. Internistisch geführte Schlaganfalleinheiten sollten langfristig der Vergangenheit angehören.

Auch :-meinung
Jetzt - arbeite ich noch in der Innere und habe täglich mit Schlaganfall-Patienten zu tun. Unser Chef ist leider überzeugt, dass wir in Sachen Schlaganfall genauso gut sind als Neuro...:-((:-oopss
Wir alle Assis kämpfen regelmäßig mit ihm, ob wir einen Patienten mit entsprechenden Symptomatik verlegen dürfen oder nicht.
OK. Off-topik zu Ende.

Lg. Jeannychen

Leelaacoo
19.05.2010, 21:02
Das Problem kenne ich auch...Neuro voll, darf nicht abmelden...ergo: Pat. landet bei uns und wird auch von uns betreut, außer man telefoniert stundenlang dem Neurologen nach...ich mach gerne Neuro in der Inneren (hab auch Neuro-PJ gemacht), aber optimal versorgt sieht anders aus...andererseits wäre ich sehr dafür, in der Neurologen-WB statt dem Psych-Pflichtjahr ein Innere Jahr einzuführen. Die Patienten werden immer älter und kränker...und Blutdruck einstellen ist auch nicht immer mit links gemacht.
Unsere SU (in neurologischer Hand) bekommt zunehmend gerade extubierte Patienten aus dem Neuroradiologiekatheterlabor...die sind meist um die 80 Jahre alt und schwerst krank...und landen dann nicht selten auf der (noch) internistischen ITS, weil das Innerewissen (samt EKG-Befundung) einfach oft nicht vorhanden ist.
Ab nächstes Jahr solls aber besser werden, da rotieren die Neurologen auch für 1/2 Jahr auf die dann interdisziplinäre ITS...

OK, das war jetzt gaaanz viel OT...sorry...

LG Lee

Evil
19.05.2010, 21:15
Unser Chef ist leider überzeugt, dass wir in Sachen Schlaganfall genauso gut sind als Neuro...:-((:-oopss
Wenn ich die benachbarten neurologischen Abteilungen mit ihren publikumswirksamen "Stroke Units" betrachte, die noch nichtmal eine Tachyarrhythmie in den Griff bekommen und deswegen ihre Patienten auf die jeweilige internistische Intensivstation verlegen, bin ich fast geneigt, unsere eigene Innere als diesbezüglich ebenbürtig zu betrachten.

Gerade wenn es um Schlaganfallpatienten geht, ist das Entscheidende die Indikationsstellung zur Lyse, gleich danach kommen die Sekundärprävention und die Rehabilitation.
Für die letzten beiden Punkte brauche ich nicht unbedingt einen Neurologen, von daher sehe ich das mit der internistisch geführten Stroke ein wenig anders.

Eine ganz andere Geschichte sind natürlich Krampfleiden, die verschiedenen Schwindel- und Kopfschmerzerkrankungen, etc.

psycho1899
19.05.2010, 22:41
andererseits wäre ich sehr dafür, in der Neurologen-WB statt dem Psych-Pflichtjahr ein Innere Jahr einzuführen.


Ja, ich auch... würde ich sofort machen, wenn's die Option gäbe. Psychiatrie in der Neurologie mag sinnvoll für die sich niederlassenden Kollegen sein, bei denen ja häufig fehlgeleitet psychiatrische Patienten auftauchen, aber für jemanden, der ein Leben in der Klinik anstrebt, wäre ein Jahr Innere wesentlich sinnvoller.

Fino
19.05.2010, 23:01
In Grossbritannien ist das so geregelt, dass man zunaechst 2-3 Jahre (ich glaube, es sind eher 3 Jahre) Innere macht, und sich erst dann auf Neurologiestellen bewirbt, sozusagen als Teilgebiet der Inneren. Direkt in die Neurologie zu gehen, geht hier gar nicht. Psychiatrie dagegen wird nicht gemacht.
Stroke Units werden hier uebrigens von Geriatern geleitet (mir ist keine SU bekannt, die von Neurologen gefuehrt wird).

Assistent 3:16
19.05.2010, 23:59
Über das Psychiatriejahr kann man sicher streiten, psychopathologische Befunde kann man sicher auch während der Neurologieweiterbildung erlernen, was hirnorganische Wesenveränderungen betrifft habe ich festgestellt das die psychiatrische Kollegen die ihr Neurojahr machen gar nicht so fest sind. Es hilft schon wenn man die psychiatrischen Krankheitbilder kennt sind durchaus manchmal differentialdiagnostisch wichtig. Das mit Innere Weiterbildung im Ausland stimmt schon meines Wissens Schweiz 4 Jahre Neuro 1 Jahr Innere, Österreich 4 Jahre Neuro 1 Jahr Psychiatrie 1 Jahr Innere, USA 3 Jahre Neuro 1 Jahr Innere. Jedoch bleibe ich bei meinem Standpunkt das Innere Kenntnisse für die Akutneurologie überschätzt werden. Für mich ist das A und O der Neurologie die Neuroanatomie nur wer Jahre lang die Anatomie des zentralen und peripheren Nervensystems studiert hat wird eine gute Neurologie machen.