PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Maskenbeatmung im Notfall



Seiten : 1 [2]

LieberInvasiv
30.06.2010, 15:42
über die "Beatmen ist nicht wichtig"-Geschichte kann man sich meiner Meinung nach auch streiten. Die Richtlinien werden ja nun alle paar Jahre geändert und beatmen ist auch nur für Laien rausgenommen worden - mit der Begründung das werde sowieso meist falsch gemacht. Und natürlich ist es dann besser durchgängig zu drücken, anstatt eben nicht zu drücken und nicht zu beatmen.


Nein!
Hierzu die offizielle Stellungnahme des ERC/GRC vom 01.10.2009

"Seit 2005 sind weitere wissenschaftliche Studien publiziert worden, die den Nutzen der Mund-zu-Mund-Beatmung mit Thoraxkompressionen untersucht haben (3-5). Diese Studien deuten darauf hin, es könne möglicherweise keinen statistisch signifikanten zusätzlichen Vorteil von Mund-zu-Mund- Beatmung in Kombination mit Thoraxkompressionen gegenüber der Reanimation allein durch Thoraxkompressionen geben (bei letzterer werden die Thoraxkompressionen nicht durch Beatmungen unterbrochen). Der erschreckend niedrige Anteil von Notfallzeugen, die bereit sind, Basisreanimation zu leisten, sowie die niedrige Überlebensrate nach außerklinischem Kreislaufstillstand sind seit vielen Jahren belegt. Diese Tatsache und die jüngst publizierten Studien haben die American Heart Association (AHA) bewogen Ersthelfern, die Zeuge eines plötzlichen Kollapses eines Erwachsenen werden, zu empfehlen, sie sollten Thoraxkompressionen ohne Beatmung durchführen (6). Die AHA hofft, mit dieser Stellungnahme die Anzahl der Ersthelfer zu erhöhen, die bereit sind, zu handeln und eine CPR zu beginnen, und die Überlebensrate bei Opfern eines plötzlichen Kreislaufstillstandes zu verbessern.
Der European Resuscitation Council hat die verfügbare publizierte wissenschaftliche Evidenz geprüft. Der ERC hält diese Evidenz für nicht ausreichend, um seine BLS-Guidelines jetzt zu verändern.
Dieser Empfehlung liegen einige wichtige Überlegungen zugrunde:

1. Bei den jüngst publizierten Studien handelt es sich um unkontrollierte, beobachtende Erfahrungsstudien, die aus den Jahren 1990 bis 2003 stammen. Dieser Studientyp wird generell als nicht ausreichend angesehen, um definitive Schlussfolgerungen zur Überlegenheit oder Gleichwertigkeit irgendeiner CPR-Methode zu erlauben. Die Ergebnisse dieser Studien sind auch mit der Hypothese vereinbar, dass die aktuell empfohlene Kombination von Thoraxkompressionen und Mund-zu-Mund-Beatmungen der CPR nur mit Thoraxkompressionen überlegen ist.
2. Derzeit ist ein weltweiter Prozess der wissenschaftlichen Evaluierung initiiert worden, um alle wissenschaftlichen Daten zur Reanimation zu bewerten. Ein neuer Konsens über die wissenschaftlich Basis (consensus on science) wird Ende 2010 veröffentlicht werden, und es ist angebracht, das Ergebnis dieses Prozesses abzuwarten, bevor neue Veränderungen der Guidelines empfohlen werden.
3. Mit den Guidelines 2005 wurde das Kompressions-Ventilations-Verhältnis von 15:2 auf 30:2 angehoben, womit schon die Bedeutung einer minimalen Unterbrechung qualitativ guter Thoraxkompressionen betont wurde. Anders als die Guidelines der AHA sehen die des ERC außerdem vor, dass 30 Kompressionen verabreicht werden, bevor versucht wird zu beatmen. Es sind keine Studien publiziert worden, in denen eine Reanimation nach den Guidelines 2005 mit einer Reanimaiton durch Thoraxkompressionen allein verglichen wurde.
4. Die Guidelines 2005 werden in ganz Europa implementiert. Es ist nicht im Interesse der CPRQualität und der Ausbildung von Hunderttausenden potentieller Ersthelfer, neue Veränderungen einzuführen, während die aktuellen Guidelines noch implementiert werden. Die resultierende Verwirrung wäre kontraproduktiv.
5. In Europa ist der Anteil von Reanimationsversuchen, bei denen ausgebildete Ersthelfer eine CPR durchführen, schon bemerkenswert. Der Prozentsatz wird mit zwischen 27% und 67% angegeben, beträchtlich höher als der allgemein in den USA beobachtete (7,8). Daher ist die Notwendigkeit, die Guidelines möglicherweise zu Lasten der Qualität zu vereinfachen, um Ersthelfer zur Durchführung der CPR zu ermutigen, weniger zwingend als in den USA.
6. Selbst wenn die CPR durch Thoraxkompressionen allein als Standard empfohlen wird, gibt es schließlich Fälle, bei denen die Beatmung entscheidend bleibt. Derartige Fälle sind:
unbeobachteter Kreislaufstillstand,
Kreislaufstillstand bei Kindern,
die meisten innerklinischen
Kreislaufstillstände,
Kreislaufstillstände nicht-kardialer Ursache wie Ertrinken oder Verlegung
der Atemwege
sowie Reanimationsversuche, die länger als ungefähr vier Minuten dauern.
Diese Aufzählung ist wahrscheinlich nicht vollständig. Es ist unwahrscheinlich, dass Laienhelfer in der Lage sind, diese Fälle mit Sicherheit zu erkennen, so dass sie bei vielen Patienten eine qualitativ unzureichende CPR durchführen würden, falls sie gelernt hätten, nur Thoraxkompressionen zu verabreichen.

Der European Resuscitation Council empfiehlt daher weiterhin die Ausbildung in und die Durchführung von qualitativ hochwertigen Thoraxkompressionen mit einer Frequenz von 100/Minute, minimal unterbrochen von zwei Mund-zu-Mund-Beatmungen, in einem Verhältnis von 30:2. Bei Helfern, die unwillig oder unfähig sind, eine Mund-zu-Mund-Beatmung durchzuführen, ist eine CPR nur mit Thoraxkompressionen weitaus akzeptabler, als wenn sie gar keine CPR durchführten."
www.grc-org.de

Desweiteren weiß ich aus recht zuverlässiger Quelle, dass auch bei den kommenden Guidelines die Beatmung nicht wegfallen wird.
Die HDM wird zwar weiter in den Vordergrund rücken und es könnte auch sein, dass wie in einigen Studien vorgeschlagen initial mit einer MICR begonnen wird. Das allerdings eher für den professionellen Bereich.
Interessanterweise könnte in dem Rahmen die Masken-Beutel-Beatmung ganz wegfallen und die Beatmung sofort über einen LT durchgeführt werden....
We will see :-lesen