Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was sollten die Gründe sein um Medizin zu studieren ?
Original geschrieben von Jynie
Interesse verblaßt, Idealismus kaum.
Sehe ich genau entgegengesetzt!
Wenn etwas durch das Gesundheitssystem zerstört wird, dann doch eher der Idealismus, weil man merkt, daß man gar nicht alles für seine Patienten tun kann, ohne dabei selbst draufzuzahlen! Sei es durch viel zu hohe Arbeitsbelastung oder durch eigenes Geld.
Was allerdings sollte das Gesundheitssystem am Interesse für die Medizin und für den Menschen ändern?
Daß dieses Interesse individuell verblassen kann, will ich gar nicht in Frage stellen, aber daß es grundsätzlich oder auch meistens nach einer längeren Berufszeit vergeht, daran glaube ich nicht.
Die June :-music
Heinz Wäscher
14.02.2003, 21:03
oder man entdeckt Bereiche,die einen nie zuvor interessiert haben,weilsie einfach nicht bewußt waren
vom Helfersyndrom ist ja wohl dringend abzuraten,ich möchte die Pat.schon als Menschen behandeln und nicht betüddeln
Ich denke nicht,daß unbedingt das Interesse verblaßt
Vielmehr sind es die äußeren Bedingungen,die die Arbeit erschweren
zB Krankenschwestern:viele haben einfach keinen Bock,weil die so viel Mist nebenher machen müssen,aber das ursprüngliche Interesse an dem Beruf ist oft geblieben oder hat sich sogar noch verstärkt
Und: eine Ernüchterung der Sichtweise des Berufes gerade beim Arztberuf sollte sich doch recht schnell einstellen
Kann sein das ihr beide Recht habt, ich war noch nicht in der Situatuion und möchte das daher auch nicht werten.
Ich denke nur, dass wenn man Menschen wirklich helfen will, dann schafft man das auch mit kapputen Gesundheitssystem.
Aber Interesse, wofür oder für wen hat man das? -Für sich selbst! Was hat dann der Patient davon?
Ich würde meine Patieten auch nicht zu sehr betüdeln, ich würde Empathie zeigen.
Heinz Wäscher
14.02.2003, 21:18
Wenn die Erforschung des MammaCa mein großes Hobby ist,dann hat der Pat da ne ganze Menge von!
zB neue Erkenntnisse,die zu verbesserten Therapien führen
Das ist doch der Anfang allen Fortschritts!!
Also ich sehe das ganz positiv. Ich hatte eigentlich immer eine realistische Einstellung zur Medizin, nie eine idealisierende. Daher bin ich wohl schon nüchtern ins Studium gestartet. Das Interesse an der Medizin, so denke ich, ist aber schon etwas andauerndes. Ich bin recht überzeugt, dass ich daran auch in 40 Jahren noch Spass haben werde. Einfach so, quasi aus dem Bauch raus, bin ich überzeugt.
Die Arbeitssituation ist derzeit so schlecht, dass es nur noch besser kommen kann. Daher auch hier: nur positiv sehen! Durch ein marodes System lasse ich mir meine "Leidenschaft" für die Medizin nicht verderben. Nö. Will aber nicht heissen, dass die widrigen Umstände dringend zu bekämpfen sind!
Ich glaube auch, dass ich nach 10 oder 20 Jahren Spaß und Interesse an meinem Beruf hätte, aber wenn ich über die Station gehe und die gelangweilten Ärzte sehe, komme ich manchmal in schwere Zweifel. Haben diese wirklich noch Spaß an ihrem Beruf?
Die Prognosen sind natürlich schwer zu stellen, wie man selbst sein wird nach 10-20 Jahren Arzt sein, aber ich glaube, dass Idealismus mehr Elan gibt, mir zumidest. (damit möchte ich nicht sagen, dass reines Interesse nicht ausreicht)!
:-meinung
Heinz Wäscher
15.02.2003, 15:50
dann frag diese Ärzte mal,was Ihnen Spaß macht im Job und was nicht
Letzteres sind vor allem Zeitdruck,Administrative Aufgaben etc also das Zeugs,was man NICHT im Studium hat
Es macht auch einfach keinen Spaß nem Pat das Bein zu amputieren,und dann zu sehen,daß der als erstes wieder zum Rauchen fährt :-???
Kein Job ist so schön,wie er im Bilderbuch steht
Muss man den in diesem Beruf nicht mit Zeitdruck, Todesfällen und nicht gerade aufbauenden Erlebnissen wie die, die du oben beschrieben hast rechnen?
Ist dies ein Grund gelangweilt zu sein? Ich finde, dass diese Ärzte einen Spaß mehr haben.
Ich kenne einen Arzt persönlich gut, dieser sagte mir einmal, dass er sich den ganzen Beruf anders in der Praxis vorgestellt hat. Es mag sein das alles im Studium höllisch interessant ist, aber im Beruf selbst? Wo bleibt da der Elan, das Interesse und der Spaß?
Was ist wenn die Neugierde weg bleibt und alles Routiniert ist?
Ich vergleiche dies einfach mal mit Sachgegenständen:
Wenn du einen neuen Computer bekommt spielst oder arbeitest du an ihm so oft und so gut, wie du es kannst. Nach einem Monat ist dieser PC normal für dich geworden, da freust du dich nicht mehr, wenn du an ihm arbeiten kannst (jedenfalls nicht wie am Anfang). Logisch jedes Interesse flacht ab mit der Zeit, aber vielleicht auch das am Menschen nach 10 Jahren.
Es ist meines Erachtens nach normal zu behaupten, dass mir selbst das nie passieren würde, aber deswegen sind meine Bedenken so groß das reines Interesse zu schnell abflacht.
Ich selbst glaube natürlich auch das ich meine Interesse und meinen Elan sowie die Euphorie nicht verlieren werde, aber ich würde nicht nur wegen Spaß und Interesse Ärztin werden.
(Das muss jedoch jeder selbst für sich entscheiden warum er Arzt werden will, jeder Grund ist ja auch für jeden Menschen unterschiedlich bedeutend)!
Heinz Wäscher
15.02.2003, 16:33
Natürlich mußt Du damit rechnen auch unangenehme Aufgaben zu übernehmen,is doch logisch!
Theoretisch sieht das immer so wunderbar einfach aus
zB Krebspat.,das sind nicht alles nette Leute,da sind auch Arschlöcher drunter,die ihre (verständliche) Aggressionen am Personal auslassen
Andersrum,es gibt richtig nette Penner
Es ist halt ein ewiges auf und ab
Jeder Arzt ist auch nur ein Mensch
Klar,daß die auch mal genervt sind,einen Pat unsympathisch finden
Es kommt auf die psychische Belastbarkeit an,die durchaus variieren kann
Du bist noch immer eine Antwort schuldig,was erwartest Du mehr als Spaß und Interesse (jetzt mal von formellen Dingen wie Abi...abgesehen)?
Ärzte sind MENSCHEN,keine ÜBERMENSCHEN!!
Ich kann Dir genau sagen,was Spaß macht im Job:
-der Umgang mit netten Pat
-ein nettes Team (Ärzte,Pflegepersonal...)
-erlerntes Wissen praktisch anzuwenden
-zu wissen,daß man etwas Sinnvolles tut
Original geschrieben von Heinz Wäscher
Du bist noch immer eine Antwort schuldig,was erwartest Du mehr als Spaß und Interesse (jetzt mal von formellen Dingen wie Abi...abgesehen)?
Ich erwarte nicht mehr, wenn du sagst das du dein Interesse und deinen Spaß am Beruf auch in 20 Jahren noch hast.
Ich habe mit den Einstellungen kein Problem, aber für mich würde es nicht reichen.
Es muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden, wie er am längsten seine Einstellungen bewaren kann. Für mich wäre allerdings der Spaß und Interesse Faktor zu wenig, klar ich habe riesiges Interesse und Spaß an der Medizin, aber meinen Idealismus behalte ich trotzdem.
Heinz Wäscher
15.02.2003, 18:24
jetzt mal konkret!
Was erwartest Du von Dir,wenn Du Ärztin werden möchtest?
Enthusiasmus,Fachinteresse und....WAS DENN NOCH?
Ich erwarte von mir Enthusiasmus, Fachinteresse, Idealismus, med. know-ledge und Empathie. Das ist zeimlich viel, aber ich erwarte das auch nur von mir und von keinem anderen Arzt oder von euch.
Heinz Wäscher
15.02.2003, 18:33
Das ist doch nix anderes als das,was hier bereits gepostet wurde!
Original geschrieben von Heinz Wäscher
jetzt mal konkret!
Was erwartest Du von Dir,wenn Du Ärztin werden möchtest?
Enthusiasmus,Fachinteresse und....WAS DENN NOCH?
Wo steht hier Idealismus oder Empathie?
Heinz Wäscher
15.02.2003, 18:43
Idealismus ist für mich selbstverständlicher Teil des Enthusiasmus
Und zur Empathie:hab hier mal gepostet,daß ich die Pat als Menschen sehen möchte (und nicht betüddeln will)
Als ein Beispiel...
Was Du da schreibst, sind doch eigentlich Selbstverständlichkeiten
Darüber hinaus vergiß nicht,daß Du nicht jeden Pat sympathisch finden MUßT!
Ich glaube wir definieren das Wort Idealismus anders.
Für mich ist Idealismus: selbstloses, engagiertes Handeln in dem Glauben, der Hoffnung, damit für die Allgemeinheit oder benachteiligte Personen helfend wirken können.
Enthusiasmus ist für mich einfach reine Begeisterung.
Da wir oft schon über das Helfersyndrom diskutiert haben, habe ich Idealismus nicht unbedingt als allgemeinen Grund angesehen, da schon im Tread: "Warum Medizin studieren" geschrieben wurde das Idealimus nicht der (Haupt-) Grund ist um Medizin zu studieren.
Heinz Wäscher
15.02.2003, 19:09
Ich denke eher,wir müssen hier mal "engagiert" und "selbstlos"
diskutieren!
Wenn Du selbstlos handeln willst,liegste nach spätestens einem Monat in der Psychiatrie mit nem Burnout-Syndrom,weil Du es nicht jedem recht gemacht hast,weil Du es nicht jedem recht machen kannst
Das ist keine Schande,das ist menschlich
Man muß halt Prioritäten setzen (können!)
Ich denke schon das ich Prioritäten setzen kann, ich habe auch meinerseits nicht vor, nach einem Monat in der Psychaitrie zu sein, ich denke ich kann was diese Dinge angeht gut differenzieren.
Heinz Wäscher
15.02.2003, 19:18
und wie sieht das praktisch aus?
Biste 24h rund um die Uhr im Krankenhaus,besuchst jede Oma,die keinen Besuch bekommt,als privates Hobby züchteste dann Pilze um neue Antibiotika zu finden
Und dann hast Du KEIN schlechtes Gewissen,daß Du Opa Müller vergessen hast zu besuchen?
Wie willste das denn hinkriegen?
Du bist der erste Übermensch,den ich kennenlerne! :-blush
Ich werde zu 100% keine Pilze züchten um neue Antibiotker zu entwickeln und ich werde es ebenfalls nicht zu meinem Hobby machen Oma Müller zu besuchen und ihre Probleme mit der Verwandtschaft zu klären.
Aber ich kann doch engagiert sein, ohne gleich in übermenschliche Verhältnisse zu rutschen.
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