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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arteriovenöse Anastomosen und Temp.regulation



Zoidberg
16.02.2003, 18:38
Hallo,

wie funktioniert eigentlich der Mechanismus der Arteriovenösen Anastomosen bei der Temparaturregulation? Um zum Beispiel einen kalten Finger zu erwärmen, gehen die Anastomosen auf oder zu?

Schonmal Danke für eure Antworten!

ehemalige Userin 24092013
16.02.2003, 23:26
*grübel*............so ganz sicher kann ich`s jetzt nicht sagen..............und bin momentan zu faul mal nen Buch auf zu schlagen..............aber, Gefässe erweiten sich, um Wärme ab zu geben und ziehen sich zusammen, um Wärme im Körper zu halten..............also, denke ich einfach mal, dass es mit den Arteriovenösen Anastomosen auch so geht.

Kann sein, dass ich da jetzt auch ein wenig falsch denke.........



Gruss Kaddel

June
17.02.2003, 00:06
Also, wenn es um die Temperaturregulation geht, ist es ein schlechtes Beispiel, das du da gewählt hast.
Wenn es kalt ist, interessiert es den Körper nicht, was die Finger davon halten. Den interessiert es nur, was deine Organe davon halten. Die wird er warmhalten, der Finger darf ruhig frieren.
Daher werden die arteriovenösen Anastomosen aufgehen, und die Durchblutung des Fingers nimmt ab.
So fließt weniger Blut oberflächennah und daher wird es nicht so schnell abgekühlt.
Die June :-)

ehemalige Userin 24092013
17.02.2003, 00:13
.......ich wusste meine Überlegung war blöde................hätte ich mal doch lieber ins Buch geschaut.............. :-(( ...........aber das was Du sagst June leuchtet ehr ein:-)


Gruss Kaddel..........

Zoidberg
18.02.2003, 00:17
Danke euch beiden!!!

Zoidberg

hobbes
18.02.2003, 01:40
Original geschrieben von Zoidberg
Um zum Beispiel einen kalten Finger zu erwärmen, gehen die Anastomosen auf oder zu?


Stimmt aber trotzdem. Ausser dass es egal ist, ob der Finger ausgangs kalt oder warm ist. Wenn Wärme abgegeben werden muss, geht eben mehr Blut durch (durch die a-v-Anastomosen), wenn Wärme gespart werden muss, geht weniger durch.

June
18.02.2003, 08:24
Okay, klar gibt es auch die Situation, daß der Körper Wärme abgeben muß, hab ich jetzt grad mal nicht dran gedacht.
Aber die Rolle der arteriovenösen Anastomosen sehen wir dabei offenbar unterschiedlich, wie ich deinem letzten Posting entnehmen kann. Habe das ganze jetzt auch nicht in nem Buch nachgeschaut, vielleicht täusche ich mich ja.
Du sagst also Anastomose auf - also weniger Fluß durch Kapillaren - bedeutet, daß Wärme abgegeben wird?
Fragt die June

hobbes
18.02.2003, 19:21
Du sagst also Anastomose auf - also weniger Fluß durch Kapillaren - bedeutet, daß Wärme abgegeben wird?

was H. Leonardt (seines Zeichen Kieler Anatome) sagt:

Arterien bilden zwischen Kutis und Subkutis ein kutanes Arteriennetz aus, diesem entspricht ein Venennetz. Aus den Arterien steigen Kandelaberarterien zur Hautoberfläche, die sich hirschgeweihförmig aufzweigen und einen subpapillären Plexus bilden, aus dem die Schlingenkapillaren hervorgehen.

Arteriovenöse Anastomosen beeinflussen durch Umgehung der Kapillarschlingen in einer für die Temperaturregulation entscheidenden Weise die Strömungsgeschwindigkeit in Arterien und Venen.

Stärkere Durchblutung führt zu mehr Wärmeabgabe.

Aber was R. Busse (seines Zeichen Frankfurter Physiologe) in Schmidt/Thews sagt:

"Die Durchblutungssteigerungen in warmer Umgebung werden an Extremitäten zum Teil durch eine Eröffnung der zahlreichen arterio-venösen Anastomosen ausgelöst. Diese Form der Durchblutung erlaubt nicht nur aufgrund der grossen Wärmeleitung des Gewebes eine wirkungsvolle Wärmeabgabe, sondern verhindert auch ungünstige Einflusse einer nicht nutritiven Mehrdurchblutung auf das zelluläre Milieu (Abnahme des pCO2)."

Die Klärung bringt der gute alte Lippert (seines Zeichen Anatome):
Bei den arteriovenösen Anastomosen der Haut handelt es sich um Glomerulusanastomosen. "Eine geknäuelte Gefässstrecke mit Intimapolster zur aktiven Veränderung der Durchblutung."



Du sagst also Anastomose auf - also weniger Fluß durch Kapillaren - bedeutet, daß Wärme abgegeben wird?

???
Diese Anastomosen werden also bei erhöhtem Wärmeabgabgebedarf zusätzlich eröffnet, wodurch sich der Widerstand in der Hautdurchblutung reduziert und die "kapilläre Durchblutung (sofern das Glomerulusknäuel auch Kapillaren sind)" zunimmt, die Wärmeabgabe auch zunimmt.

Ich sage also:
Anastomose auf - Durchblutung steigt

aber ich bin nun total verunsichert nach June's Anzweiflung dieser Theorie.

Wer weiss mehr?

June
18.02.2003, 19:32
Die Sache mit dem sinkenden Widerstand klingt schon überzeugend...

Vielleicht kommt es in diesem Zusammenhang gar nicht, wie ich gedacht hatte, auf die stärkere oder schwächere Kapillardurchblutung z.B. der Hände an, sondern durch den geringeren Widerstand in der Peripherie fließt dort ein größerer Anteil des Blutes hin, das ja schließlich auch im Verlaufe der oberflächlichen Venen Wärme abgeben kann.
Demnach würde das, was du sagst Sinn machen...

Meine Erklärung fand ich aber auch nicht so schlecht :-D

Die June :-music

hobbes
18.02.2003, 23:51
Das mit dem Widerstand muss wohl bei der Thermoregulation das ausschlaggebende Argument sein; denn nach Fritsch (Dermatologie) gibt es die besagten Anastomosen nur in den Akren; und die machen volumenmässig nicht so viel aus, als dass darüber die Körpertemperatur effizient reguliert werden könnten. In allen übrigen Gebieten gilt ganz sicher: Widerstand reduzieren = Wärme abgeben.

18.02.2003, 23:59
Alles putzig!

Erstmal soviel: Sind die arteriovenöse Anastomosen geöffnet, kann das Blut unter Umgehung des Kapillargebietes direkt in die Vene zurückströmen.

z.B. bei der Wärmeabgabe (also bei hoher/steigender Umgehungstemperatur) passiert folgendes:

Die AA´s in der Haut (Fingern, Zehen) werden geöffnet, übigens zusätzlich zu einer verstärkten Durchblutung der Kapillaren. Dadurch strömt viel Blut direkt in die Vene zurück und gibt damit Wärme ab.

Diese AA´s dienen in der Nasenschleimhaut auf ähnliche Weise auch der Anwärmung der Atemluft.

chata

Zorgini
06.02.2004, 16:51
Die arterivenösen Anastomosen in der Haut, vor allem in den Fingern und Zehen, dienen der Wärmeregulation. Damit die Temperatur im Innern des Körpers (Körperkern) bei steigender Umgebungstemperatur ziemlich konstant bleibt, werden im Bedarfsfall zusätzlich zu einer verstärkten Durchblutung der Kapillaren auch die arteriovenösen Anastomosen der Finger und Zehen geöffnet. Auf diese Weise strömt eine große Blutmenge direkt in die Vene zurück und gibt Wärme ab.

hab ich bei : http://herz.qualimedic.de/Anastomosen.html
gefunden

Zoidberg
06.02.2004, 17:16
danke :-)

Lisa
08.02.2004, 17:51
Sind die arteriovenöse Anastomosen geöffnet, kann das Blut unter Umgehung des Kapillargebietes direkt in die Vene zurückströmen.Soweit ich mich erinnere, war genau das der Trick. D.h. bei geöffneten Anastomosen und damit geringerer Kapillardurchblutung wird die Wärmeabgabe REDUZIERT.
Bei geschlossenen Anastomosen und damit erhöhter Kapillardurchblutung ist die Wärmeabgabe ERHÖHT.

Also genau umgekehrt zum zunächst Intuitiv-Logischen.

test
08.02.2004, 18:54
Original geschrieben von Lisa
Soweit ich mich erinnere, war genau das der Trick. D.h. bei geöffneten Anastomosen und damit geringerer Kapillardurchblutung wird die Wärmeabgabe REDUZIERT.
Bei geschlossenen Anastomosen und damit erhöhter Kapillardurchblutung ist die Wärmeabgabe ERHÖHT.

Also genau umgekehrt zum zunächst Intuitiv-Logischen.

Ne das glaube ich nicht :-D
Es kommt dabei nur auf die Gesamtdurchblutung an, der Wärmeaustausch brauch keine Kapillaren, der geht auch in größeren Blutgefäßen schnell genug. Das heißt offene Anastomosen -> mehr Durchblutung -> mehr Wärmeabgabe.

Zoidberg
08.02.2004, 23:13
Wenn ich nun bei -10°C im kalten bin und eisige Finger habe, sind die Anastomosen auf oder zu???

Bille11
08.02.2004, 23:16
zu damit die organe genug haben und das blut ned im finger versackt, wo es dir rein technisch nichts nutzt. (aber dich ärgert).

Alles wird gut
09.02.2004, 09:23
Ich meine mich aber auch zu erinnern, dass die periphere Durchblutung kurz bevor eine Erfrierung droht, wieder ansteigt. Das ist dann wohl letztendlich auch das fatale bei Verunglückten im kalten Wasser....

test
09.02.2004, 11:48
Jo die Durchblutung steigt dann immer alle paar Minuten wieder an um eben Nekrosen zu verhindern. Aber dies läuft eher über die präkapillären Sphinkteren als über AV-Anastomosen ab, weil hier ja eine kapilläre Durchblutung nötig ist zur Sicherstellung des O2 Angebots.

Lisa
09.02.2004, 20:33
Original geschrieben von test
Ne das glaube ich nicht :-D
Es kommt dabei nur auf die Gesamtdurchblutung an, der Wärmeaustausch brauch keine Kapillaren, der geht auch in größeren Blutgefäßen schnell genug. Das heißt offene Anastomosen -> mehr Durchblutung -> mehr Wärmeabgabe. Ach, verdammtes Halbwissen! :-))

Sollte ich wider Erwarten mal nicht wissen, wohin mit meiner Zeit, werd ich mich nochmal mit dem Thema beschäftigen. In meinem Hinterkopf schwelen nach wie vor solch abstruse Theorien...
Aber bis dahin verlass ich mich drauf, dass meine Anastomosen auch ohne meine Denkarbeit zurechtkommen.