Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was haben Humanmediziner eigentlich gegen Zahnmediziner?
Letztlich geht es hier um Missgunst und Minderwertigkeitsdenken:
Zahnmediziner können oft mehr verdienen als Humanmediziner, haben das kürzere Studium, oft bessere Arbeitsbedingungen und haben ein ähnlich gutes gesellschaftliches Ansehen und das obwohl ihre medizinische Ausbildung sehr kläglich ist.
Ich denke, dass genau hierin der Grund liegt, warum solche Diskussionen entstehen. Wobei hier sicherlich nicht nur der Humanmediziner betroffen ist.
Der Zahnmediziner kann wohl manchmal auch nicht so recht akzeptieren, dass der Humanmediziner ungleich mehr Verantwortung trägt und fachlich am Patienten viel stärker geforder ist, während der Zahnarzt zu großen Teilen als Verkäufer auftritt.
Genau deshalb halte ich solche Diskussionen aber für sinnlos, weil sich beide Berufsbilder einfach extrem unterscheiden.
Spydaman
25.09.2010, 16:51
Sticheleien sind ja auch okay, vielleicht war die Auflistung auch wirklich mit nem dicken Augenzwinkern gemeint, hoffentlich, digital kommt sowas ja auch immer anders rüber, als wenn man face to face kommuniziert, aber die Aussage "Zahnis sind meist irgendwie deutlich dümmer als Humanis" find ich schon grenzwertig und dass Zahnmediziner "keine Ärzte" sind, sondern sich nur so nennen einfach etwas respektlos. "Ein Arzt beschäftigt sich mit der Vorbeugung (Prävention), Erkennung (Diagnose), Behandlung (Therapie) und Nachsorge von Krankheiten und Verletzungen (Patientenversorgung)." Das ist die Definition.
Und wie schon geschrieben, es sind einfach zwei sehr unterschiedliche Studiengänge und auch Berufsbilder. Aber ein Neurochirurg ist ja nun auch etwas ganz anderes als ein Onkologe oder ein Orthopäde, aber alle sind sie Ärzte. Und dass ein Unfallchirurg oder Notarzt täglich mehr Verantwortung trägt als ein normaler Zahnarzt ist ja wohl klar und auch unbestritten. Auch die Zeit nach dem Studium ist i.d.R. ziemlich ungleich, der Zahni geht in die Praxis, macht da seine normale 40 Stunden Woche und gut ist, während der Humani übel im Krankenhaus knechten muss mit Nachtschichten und niedrigerem Verdienst.
Okay... Frieden jetzt und ein bisschen Respekt für alle, auch für den der am Fließband die Tomaten abpackt, denn auch solche braucht die Gesellschaft, Mensch ist Mensch und jeder in seiner Aufgabe wichtig.
hennessy
25.09.2010, 16:58
schön, dass wir alle noch die Kurve gekriegt haben. So mag ich das. :peace:
Wir wollen uns doch im Gegensatz zu anderen freds nicht mehr verrückt machen lassen ;-)
DrSkywalker
25.09.2010, 19:06
Meine Aufzählung sollte einfach mal alle Klischees, die so rumgeistern, aufzählen. An manchen Punkten ist einiges wahres dran, an anderen gar nichts. Lustig finde ich sie alle! :-D
Und ja, ich kenne auch topmotivierte, sehr sehr fähige Zahnis (Leider verstecken die sich immer und man muss lange suchen :-)) )
Man darf jetzt nicht alle Zahnis über einen Kamm scheren. Es ist einfach nicht fair, dass 95% der Zahnis allen anderen einen so schlechten Ruf eintragen.:-)) (frei nach E.v.H.)
zahnteufel
25.09.2010, 19:18
Man darf jetzt nicht alle Zahnis über einen Kamm scheren. Es ist einfach nicht fair, dass 95% der Zahnis allen anderen einen so schlechten Ruf eintragen.:-)) (frei nach E.v.H.)
Du gehörst jetzt aber nicht zum lächerlichen Autorenstab von "Zahnarztlügen", oder? :-(
Vielleicht sollte ich "Das Ärztehasserbuch" doch mal lesen, um hier besser über die Humanmediziner ablästern zu können.
Hoppla-Daisy
25.09.2010, 19:21
zahnteufel.... kann es sein, dass du SEHR SEHR SEHR empfindlich bist? Hast du das nötig, das jetzt alles persönlich auf dich (oder deine Zahnikollegen) zu beziehen?
Da bleibt mir echt die Spucke weg.
Mondo Medicale
25.09.2010, 19:22
Meine Aufzählung sollte einfach mal alle Klischees, die so rumgeistern, aufzählen. An manchen Punkten ist einiges wahres dran, an anderen gar nichts. Lustig finde ich sie alle! :-D
Das war im Grunde auch genau das, was ich wissen wollte. Was das alles für Vorurteile sind, die mehr oder weniger rege verbreitet werden. Einige waren mir schon geläufig, aber manche auch nicht. Dass sie nur bedingt zutreffen ist für Vorurteile ja üblich. Jedenfalls hab ich hier ja eine gehörige Diskussion losgetreten. :-oopss
netfinder
25.09.2010, 19:34
Du gehörst jetzt aber nicht zum lächerlichen Autorenstab von "Zahnarztlügen", oder? :-(
Vielleicht sollte ich "Das Ärztehasserbuch" doch mal lesen, um hier besser über die Humanmediziner ablästern zu können.
peinlich...
Sehr schön in diesem Zusammenhang die sinngemäße Aussage einer auf einer Party getroffenen jungen Zahnärztin: "Ich liebe meinen Beruf, der macht richtig Spaß und für meine Erfahrung mach ich den auch ganz gut, aber mal ganz ehrlich: Ich würde mich nie als Ärztin bezeichnen, das stimmt einfach nicht. Aber das ist auch völlig egal, kann nicht verstehen, dass meine Kollegen so darauf rumreiten, "richtige" Ärzte sein zu wollen"
;-)
Wobei ich die Frage ob Zahnärzte nun auch Ärzte sind, eigentlich völlig sinnlos finde. Ein Humani erhält nach dem Studium die Berufsbezeichnung "Arzt", ein Zahni die Berufsbezeichnung "Zahnarzt", daraus erschließt sich mir ganz klar, dass ein Zahnmediziner kein Arzt, sonder eben ein Zahnarzt ist.
chillz05
26.09.2010, 11:50
Sehr schön in diesem Zusammenhang die sinngemäße Aussage einer auf einer Party getroffenen jungen Zahnärztin: "Ich liebe meinen Beruf, der macht richtig Spaß und für meine Erfahrung mach ich den auch ganz gut, aber mal ganz ehrlich: Ich würde mich nie als Ärztin bezeichnen, das stimmt einfach nicht. Aber das ist auch völlig egal, kann nicht verstehen, dass meine Kollegen so darauf rumreiten, "richtige" Ärzte sein zu wollen"
Anscheinend geht die Gute garnicht ihrem Beruf nach.....Ich versteh dieses "Ärzte oder nicht" Gerede überhaupt nicht!
Wer ist denn auf die Behandlung des Mundes und der Zähne spezialisiert? Gibt es da noch einen anderen, "richtigen" Arzt? Wer erlöst Menschen mit Schmerzen dort? Das ist doch eine ur-ärztliche Tätigkeit wie sie im Buche steht. Da muss man Mal am Wochenende in den zahnärtzlichen Notdienst der Klinik gehen, und schauen, wie sich da zig Menschen nach einem Zahnarzt und dessen Heilkunst sehnen.
Die häufigste OP: Zahn-Ex. Der häufigste Grund für Schmerzen: Zähne.
Auch seh ich keinen Unterschied zwischen dem Eingliedern einer Zahnprothese oder einer Hüftprothese - beides dient der Wiederherstellung physiologischer und notwendiger Gegebenheiten.
...und by the way: In der Vorlesung hieß es mal "Also in Sachen Notfall sollten Sie mindestens soviel wissen wie ein Augenarzt." :-))
...und by the way: In der Vorlesung hieß es mal "Also in Sachen Notfall sollten sie mindestens soviel wissen wie ein Augenarzt." :-))Die Telefonnummer vom Anästhesisten? *inDeckunggeh* :-oopss
Also wenn ich Schmerzen habe, dann geh ich zum Arzt. Wenn ich ZAHNschmerzen habe, dann geh ich -Achtung- zum ZAHNarzt. Das sind Ärzte für ZÄHNE. Deshalb heisst der Beruf ZAHNarzt. Zahnärzte verstehen nun mal am meisten davon. Ich verlange von einem ZA, dass er sein (medizinisches) Gebiet (Mundhöhle) beherrscht und kein anderes. Er muss keinen Hochdruck und keinen Diabetes einstellen. Dafür gibt es andere Spezialisten. ZB die für die Augen, die heissen -Achtung- AUGENärzte....usw. Das Spiel kann man dann unendlich weiter führen, wenn ihr wisst, was ich meine.
Ich halte die Diskussion für sinnlos, aber sie ist schon fast so alt wie die Menschheit selbst.
WackenDoc
26.09.2010, 12:42
Genau das, wollte ich gerade auch schreiben.
Frotzeleien gibt es doch zwischen den unterschiedlichsten Berufs- und sonstigen Gruppen. Vieles sind einfach Vorurteile- meisst mit einem Fünkchen Wahrheit.
Ich werd ja Allgemeinmediziner- von uns sagt man ja auch, dass wir nur Schmalspurmedizin betreiben und die "richtige" Medizin im Uniklinikum läuft.
Von Chirurgen behauptet man gerne mal, dass sie leicht geistig unterbelichtete Metzger wären. (So von wegen Blut-Hirn-Schranke)
Dafür halten Anästhesisten immer nur den OP-Plan auf.
Es ist doch so, dass jede Fachrichtung ihre Stärken und Schwächen hat.
Ob jetzt ein Zahnarzt ein "richtiger" Arzt ist, das ist wohl eher eine philosophische Frage. Ich finde halt, dass ein approbierter Arzt ein approbierter Arzt ist und ein approbierter Zahnarzt ein approbierter Zahnarzt. (Sonst könnte ich mich ja auch als Humanmediziner Zahnarzt nennen, weil ich in meinen Vorlesungen mal was über Karies und die Odontogenese gehört hab). Sonst wären es wohl kaum zwei verschiedene Studiengänge.
chillz05
26.09.2010, 12:58
Sonst wären es wohl kaum zwei verschiedene Studiengänge.
Naja, das ist doch eher historischer Genese. In anderen Ländern (z.B. Österreich wenn ich mich nicht irre) ist es ein Facharzt für orale Medizin, der an das Humanerstudium drangehängt wird. Auch hier soll das ja in etwa so kommen (neue AppOZ).
Spydaman
26.09.2010, 13:07
Na also, ich sag doch- Frieden :-)
Und wenn die junge Zahnärztin sich nicht als Ärztin sieht, gut, dann eben nicht. Dann ist sie halt Zahnreparateur oder was weiß ich, aber ich sehe in meinem Beruf auch die Auswirkung auf den Rest des Körpers.
Kann ich einen Menschen kaufunktionell rehabilitieren, dann ist das ein Gewinn für seine Gesundheit, da die Nahrungsaufnahme wieder besser wird. Es gibt ja wirklich Menschen die kommen mit 3 Restzähnen in die Praxis, weil ihnen einer davon weh tut und sie können seit Jahren schon nichts Festes mehr essen... wenn so ein Patient dann wenige Wochen später mit einem schönen Zahnersatz nach Hause geht fühle ich mich gut und der Patient noch viel mehr wenn er seit Jahren zum ersten mal in ein Schnitzel beißt.
Genauso ist es mit der Ästhetik... ich denke das psychische Befinden eines Menschen hat eine sehr hohe Auswirkung auf die Gesundheit. Wenn nun jemand so schlechte Zähne hat, dass er nicht mehr Lachen mag (meist Angstpatienten, zerstörte Front aber zu große Angst zum ZA zu gehen), dann ist es ein ungemeiner Gewinn für diesen Patienten, wenn er ästhetisch rehabilitiert ist, wenn er wieder lachen kann ohne sich zu schämen. Hatte mal, damals noch als Student, eine Frau aus der Psychatrie mit kaputten OK-Frontzähnen, als die nach 3 Behandlungen aus der Klinik ging wirkte sie wie von einer Last befreit!
Dann haben schlechte Zähne eben auch Auswirkungen auf den Körper, Wurzelreste, apikale Herde, das alles ist schlecht für Herz, Niere, Leber... auch hier geht es den Menschen besser, wenn man diese Herde behandelt und die Bakteriennester entfernt.
Somit verstehe ich mich schon als Zahnarzt, wobei dieser Begriff eigentlich blöd ist, es geht ja nicht nur um Zähne, sondern um Zahn-Mund-und Kieferheilkunde, da ein großes Spektrum der Behandlung mitlerweile z.B. auch auf die Parodontitisbehandlung fällt und da muss man dann auch etwas allgemeinmedizinisches Wissen haben um die Zusammenhänge verstehen, so gibt es häufig die medikamenteninduzierte Parodontitis, u.a. in krassesten Ausprägungen. Da sollte man dann schon wissen wie sowas zustande kommt.
Und uns kommt auch eine wichtige Bedeutung der Erkennung von Krebs in der Mundhöhle zu. Immerhin sind wir die einzigen, die in den Mund schaun...
Und noch eine lustige Statistik aus meiner Doktorarbeit zum Ende dieses Beitrags:
Die Dringlichkeit der Fortwicklung der Zahnmedizin wird klar, wenn man die Todesstatistik von Berlin vom 1. Advent 1784 bis zum 1. Advent 1789 betrachtet.
So steht der Tod durch „Zähne“ nach dem Tod durch „Pocken, Auszehrung und Jammer“ an vierter Stelle mit 462 Verstorbenen.
In einer Todesanzeige vom 9.April 1820 in Breslau heißt es:
„Den heute früh um ¼ auf 8 Uhr erfolgten schmerzhaften Tod an Zahnkrämpfen unsers jüngsten Sohnes und Bruders Ewald, melden wir unsern hiesigen und auswärtigen Verwandten und Freunden. Breslau, den 8ten April 1820
Also ganz unwichtig ist die Zahnmedizin nun auch nicht, und im Endeffekt ist es mir egal, ob sich der Zahnarzt als "Arzt" oder "Handwerker" sieht...für den nach heutigem Stand der Wissenschaft ausgeübte Beruf ist meiner Meinung nach der Begriff "Arzt" aber durchaus zutreffend, da man sich nicht nur mit den 32 Zähnchen beschäftigt bzw. beschäftigen sollte, sondern durchaus mit viel mehr.
Wie man sich gleich so angepieselt fühlen kann bei solchen lächerlichen Begrifflichkeiten werde ich nie verstehen. Aber nun gut, muss ich auch nicht. Zwar glaube ich dennoch, dass meine allgemeine medizinische Ausbildung breiter ist als die eines Zahnarztes, aber wenn mir das jemand absprechen möchte, so ist mir das ziemlich egal. Ich bin ja schließlich kein Arzt sondern Schamane :-D
Mr. Pink online
26.09.2010, 14:14
Wer ist denn auf die Behandlung des Mundes und der Zähne spezialisiert? Gibt es da noch einen anderen, "richtigen" Arzt? Wer erlöst Menschen mit Schmerzen dort? Das ist doch eine ur-ärztliche Tätigkeit wie sie im Buche steht.
So urärztlich finde ich das nun auch wieder nicht. Die meisten haben sich die Zähne früher vom Schmied oder Barbier ziehen lassen, sprich von jemandem, der 'ne Zange hat. Zahnmediziner sind für mich so urmedizinisch wie veterinärmediziner: Es gibt sie doch tatsächlich erst, seitdem es genug Menschen gibt, die auf solche Behandlung wert legen und sie vor allem bezahlen können.
Spydaman
26.09.2010, 14:33
gute Frage, seit wann gibt es eigentlich Zahnärzte?
Früher haben sich die "normalen" Ärzte auch mit den Zähnen beschäftigt:
So schlug der römische Arzt Claudius Galenus Galen (129-216) zwar vor, einen schmerzenden Zahn „mit einem kleinen Bohrer“ aufzubohren und mit einer Sonde ein Heilmittel einzuführen, jedoch handelte es sich dabei wohl um einen Drillbohrer oder eine Reibahle, welcher natürlich nicht mit heutigem Instrumentarium verglichen werden kann.
Hippokrates hat sich auch schon mit den Zähnen beschäftigt:
„…Wenn der Zahn angefressen ist und wackelt, muss man ihn ausziehen, wenn er aber nicht wackelt, jedoch schmerzt, so muss man ihn durch brennen trocknen.“
Hippocrates (ca. 475v.Chr. - 375v.Chr.)
Ohje, ohje... :-)
Die ersten Aufzeichnungen über zahnmedizinische Befunde und Therapien stammen aus den Unterlagen der chinesischen Kaiser Chin-Nug (vor 5216 Jahren) und Hu Ang Ty (vor 4637 Jahren).
Schon damals waren Therapien wie die Schienung luxierter Zähne mit Bambusstäben oder Seidenligaturen bekannt.
Also beschäftigt hat man sich mit den Zähnen schon lang, seit wann es nun den Beruf "Dentist" wirklich gibt weiß ich aber auch nicht, schätze mal so seit 150 Jahren etwa?
Mit Brennen? :-(( die waren ja noch sadistischer als Ihr heutzutage :-D
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