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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Assistenzärztin und Kinder



Vroni173
11.10.2010, 20:14
Hallo,

ich erlebe gerade, wie eine Freundin mit einem 1,5 jährigen Kind ziemliche Probleme bei der Stellensuche hat. Im Gegensatz zu mir sucht sie nicht nur im Raum München, sondern in ganz Bayern und Thüringen. Sie will erst mal versuchen, eine Stelle in Teilzeit zu finden, in der Inneren. Sie hat ein halbes Jahr Berufserfahrung, Uniklinik. Es ist nicht so, dass nicht genügend Stellen in Teilzeit angeboten werden, zumindest laut Stellenanzeige, nur bei Bewerbungsgesprächen versucht man dann entweder, sie zur Vollzeitarbeit zu überreden oder der Chef weiß da plötzlich nichts mehr davon. Man muss dazusagen, dass es wirklich teilweise Krankenhäuser sind, wo man gar nicht meinen würde, dass sie überhaupt noch einen Bewerber kriegen. Bin da etwas schockiert, wollte selbst in ca. drei Jahren ein Kind, aber der Wunsch ist scheinbar mit dem Arztberuf nicht vereinbar, es sei denn, man gibt sein Kind für 12h täglich in die Krippe. Wie läuft es bei den Müttern und Väter unter euch? Arbeitet ihr alle in Vollzeit? Ist es wirklich so schwer, eine Teilzeitstelle zu kriegen? Habt ihr auch die Erfahrung gemacht dass Stellenangebote in Teilzeit dann gar nicht so gemeint sind? Und ist es am Ende auch noch fast unmöglich, als Bewerber mit Kind eine Vollzeitstelle zu kriegen? Mich beschäftigt dieses Thema sehr und ich wäre um ein paar Statements sehr dankbar.

hiddl
11.10.2010, 20:48
Ich hab zwei Kinder und arbeite auch an einer Uni-Klinik in einer attraktiven norddeutschen Großstadt. Im Moment Vollzeit (und nein, kein Krippenplatz für 12 h, sondern Teilzeit arbeitenden Ehemann), ich habe aber auch schon ein halbes Jahr halbtags gearbeitet. Das war damals sogar die Idee meines Chefs. Insofern glaube ich nicht daran, dass es völlig unmöglich ist, Teilzeitstellen zu bekommen. Ein Manko ist vielleicht eher die mangelnde Berufserfahrung (deine Freundin hat ja wahrscheinlich Pause gemacht nach dem halben Jahr, oder?), gepaart mit dem Teilzeitwunsch.

Außerdem muß man sich natürlich fragen, wie sich Teilzeit mit der Arbeit vereinbaren läßt. In meinem Fach (Neurologie) ist z.B. Teilzeit und Arbeit auf der Normalstation schon schwierig. In den Funktionen geht es besser (ich war im Ultraschall mit 20h/Woche), Schichtdienst geht einerseits gut, da man da ja einfach halb so viele Schichten machen kann, andererseits braucht man dann eine sehr flexible Kinderbetreuung bzw. einen Partner, der flexibel arbeitet und auch mal das Kind holen kann.

Das wäre übrigens in so einer Situation sowieso mein Vorschlag: Zumindest vorübergehend den Partner Teilzeit arbeiten lassen (der hat einen Rechtsanspruch) und erstmal eine Vollzeitstelle suchen. Wenn man den Fuß in der Tür hat, wird es wahrscheinlich einfacher mit Teilzeit.

Vroni173
11.10.2010, 21:18
Ja, meine Freundin hat länger Pause gemacht, bestimmt ist auch das ein "Störfaktor". Also halbtags zu arbeiten stelle ich mir im Stationsbetrieb schon ziemlich schwierig vor, weil man ja dann plötzlich um zwölf mittags von Station abhaut. Das macht es ja fast unmöglich, eigene Patienten zu betreuen. Was ich mir viel besser praktikabel vorstelle ist Ganztagsarbeit und dafür nur tage- bzw. wochenweise, z.B. Mo, Di und Mi in jeder Woche oder zwei Wochen arbeiten, zwei Wochen frei. Gerade wenn, z.B. man Donnerstag und Freitag jede Woche frei hat, ist es ja fast so, als ob man im Nachtdienstfrei ist, das ist ja auch fast jeder Assistent mindestens einmal pro Woche. Da fehlt ja dann auch beispielsweise einer von drei Ärzten und die anderen zwei schaffens dann auch allein, so war es zumindest im PJ bei mir. Meistens waren es drei Ärzte, manchmal zwei, ging auch. Diese Teilzeitmöglichkeit finde ich schon praktikabel. Und da viele Kliniken, vor allem im Osten, sowieso fast keine Arbeitskräfte kriegen, möchte man doch meinen, dass die dann lieber jemanden für zwei Wochen im Monat haben als niemanden. Naja, vielleicht stelle ich mir das aber auch zu einfach vor in meinem jugendlichen Leichtsinn. Aber dann verstehe ich echt nicht, warum so viele Stellenanzeigen auch für Teilzeit ausgeschrieben sind, sollen sie doch gleich sagen, wenn sie das nicht wollen

tine74
12.10.2010, 20:19
Also ich, zwei Kinder und alleinerziehend, arbeite Vollzeit in der Unfallchirurgie. Geht, geht sogar ziemlich gut, auch wenn ich abends genau weiß, was ich gemacht habe den ganzen Tag, aber hat sich eingespielt, auch - und das ist das wichtigste, für die Kinder.

In meiner Abteilung gibt es aber noch zwei andere Frauen, und die arbeiten Teilzeit. Eine kommt 4 Tage arbeiten, bleibt einen daheim. Die andere ist jeden Tag bis 13 Uhr da und hält diese Zeiten auch rigoros ein.
Geht also auch. Sogar in der Chirurgie.

Kann mir gar nicht vorstellen, dass es quasi unmöglich ist, in der Inneren eine Teilzeitstelle zu bekommen. Wobei - das sehe ich bei uns - es manchmal für unfrieden sorgt, dass die eine Kollegin jeden Tag wirklich pünktlich geht, andere aber ohne Ende Überstunden machen nach 16 Uhr. Aber sooooooooooooo schlimm ist es nicht, sind gotttseidank doch relativ kollegial zueinander ;)

Relaxometrie
13.10.2010, 11:50
Wobei - das sehe ich bei uns - es manchmal für unfrieden sorgt, dass die eine Kollegin jeden Tag wirklich pünktlich geht, andere aber ohne Ende Überstunden machen nach 16 Uhr. Aber sooooooooooooo schlimm ist es nicht, sind gotttseidank doch relativ kollegial zueinander ;)

An diesem Beispiel wird deutlich, wie krank das System ist, und daß die Arbeitsbedingungen dringend reformbedürftig sind.
Meiner Meinung nach muß das pünktliche Nachhausegehen von Teilzeitkräften fest in den Stellenschlüssel und in den Ablaufplan einer Abteilung integriert werden. Leider ist es das meist nicht.
Es müsste in jeder Abteilung eine gewisse Anzahl von Stellen geben, die als Teilzeitstelle gedacht sind, was bedeutet:

Der Stelleninhaber befindet sich in einer Phase der Kindererziehung.
Sollte es mehr Teilzeitstellen, als kindererziehende Bewerber geben, kann man auch aus anderen Gründen, als der Kindererziehung, teilzeitarbeiten.
Der Stelleninhaber hat feste Arbeitszeiten (keine Beteiligung an Überstunden).
Dafür bekommt der Stelleninhaber auch weniger Geld und die Weiterbildungszeit verlängert sich.

Diejenigen, die eine Vollzeitstelle annehmen, wissen von Anfang an, daß der Kollege mit der Teilzeitstelle diese Rechte hat, und daß Überstunden von den Teilzeitkollegen nicht mitgemacht werden. Es ist völlig falsch, die Wut über die Arbeitsbedingungen im Gesundsheitssystem auf die Kollegen zu übertragen, die Teilzeit arbeiten. Wenn erreicht werden würde, daß die Überstunden endlich bezahlt/in Urlaub abgegolten werden/durch einen ordentlichen Stellenschlüssel begrenzt wären, so käme man sich als vollzeitarbeitender Arzt auch nicht ausgenutzt vor, sondern es wäre klar benannt, daß man für die Zeiten einer erhöhter Arbeitsbelastung auch entsprechend entschädigt werden würde.

Das Pochen auf Kollegialität zum Ausgleich von groben Fehlern im Gesamtsystem halte ich für eines der Grundübel, aus denen heraus die heutigen Zustände entstanden sind.

tine74
13.10.2010, 15:43
da hast Du wohl recht.
Wie gesagt, bei uns läuft es gut bis auf einige wenige Situationen (zum beispiel war neulich ein Kollege, der den ganzen Tag im OP war um Hüften zu halten und hinterher noch die Station fertig machen mußte.. dass er seinem Ärger mal Luft gemacht hat, ist ok und nicht schlimm).
Bei uns ist es so geregelt, dass Überstunden aufeschrieben und als Freizeitausgleich genommen werden. Das gilt aber auch für Teilzeitkräfte, denn es ist in der Chirurgie - wenn man auch mal in den OP will, und das wollen Chirurgen im Regelfall - so, dass man dann nicht um 13 Uhr gehen kann. Deswegen gleiche Überstundenregelung für Teilzeitkräfte (von denen wir wie gesagt 2 haben bei 7 Assistenten). Und ich denke, das ist das, was für Unfrieden sorgt: Steht eine OP an, kann sie länger bleiben, steht noch eine prämed an, nicht eine Sekunde...
Aber nun gut, wie gesagt, bei uns ist das kein größeres Problem... in anderen Häusern mit mehr Ellenbogenmentalität sieht das aber mit Sicherheit anders aus.

Stressfreier ist da natürlich die Regelung 4 normale Tage, einen daheim, aber das geht halt auch nicht bei jeder Konstellation mit Kindern.

Und nicht auf die Goldwaage legen, wenn sich das böse anhört, bei uns ist das Eldorado der Chirurgie für erziehende Mütter ;)

Allona
17.10.2010, 20:31
Wo wir schon beim Thema Teilzeit sind ... Wie ist es bei Euch Teilzeitarbeitenden mit Diensten?
Ich arbeite Teilzeit in Wochenblöcken und bin nicht wirklich glücklich damit.

Bzgl. Stellensuche ist es meiner Meinung nach ein zweischneidiges Schwert: Bei einigen Wenigen wird man schon irgendwie diskriminiert, der Großteil sieht es wohl eher positiv, dass die Familienplanung schon abgeschlossen ist. Mir wurde bis jetzt aber immer die Frage nach Teilzeitwunsch gestellt, obwohl ich Vollzeit suche.

Vroni173
19.10.2010, 19:26
Ich finde Teilzeit in Wochenblöcken eigentlich gut, zumindest für mich wäre es gut. Wenn man nämlich jeden Tag ein paar Stunden arbeitet, dann wäre es ja sicher so, dass man voll oft noch ein bis zwei Stunden dranhängen muss und dann kann man gleich Vollzeit arbeiten. Also an der Klinik, an der ich jetzt arbeite, müssen Teilzeitkräfte voll Dienste machen, wie Vollzeitleute auch. Aber Teilzeitstellen gibt es dort nur für Leute, die schon seeeeehr lange dabei sind, ansonsten sind fast alle Verträge auf höchstens ein Jahr befristet und bei Teilzeitwunsch wird man dann einfach nicht mehr verlängert.

@Allona: Wenn du in den Vorstellungsgesprächen nach Teilzeitwunsch gefragt wirst, heißt das dann, dass dir die Klinik eine solche Stelle anbieten würde oder wollen die das nur mal generell abchecken und wären eher nicht so begeistert davon und sind froh, dass du ne Vollzeitstelle willst?

hiddl
20.10.2010, 12:25
Ich finde Teilzeit in Wochenblöcken eigentlich gut, zumindest für mich wäre es gut.
Das ist aber in Hinblick auf die Kinderbetreuung schon problematisch, es sei denn, Du hast einen Partner, der sozusagen "antizyklisch" arbeitet. Ansonsten brauchst Du in der Vollzeit-Woche mind. einen 10h-Betreuungsplatz, in der Freiwoche eigentlich keinen, was aber auch wieder nicht geht, weil für die Kinder ja eine gewisse Kontinuität da sein sollte. Ich finde es für's Kind schon schöner, jeden Tag zu arbeiten, dafür nicht so lang. Und dann abgrenzen, abgrenzen, abgrenzen.

Vroni173
20.10.2010, 14:49
@hiddl
Ja genau, deshalb wäre es ja gut für mich, habe einen Partner, der antizyklisch arbeiten könnte, weil seine Arbeitszeiten sehr flexibel wählbar sind. Sonst ist es wohl eher nicht so toll, das sehe ich schon ein, schon allein deshalb, weil wenige Krippen und Kindergärten tage- und wochenweise buchbar sind.

Allona
20.10.2010, 21:04
@Allona: Wenn du in den Vorstellungsgesprächen nach Teilzeitwunsch gefragt wirst, heißt das dann, dass dir die Klinik eine solche Stelle anbieten würde oder wollen die das nur mal generell abchecken und wären eher nicht so begeistert davon und sind froh, dass du ne Vollzeitstelle willst?

Ich persönlich habe diese Fragen eher als Fangfrage aufgefasst.
Mein Partner arbeitet "antizyklisch" zu mir. Es erfordert schon eine gewisse Flexibilität beider Arbeitgeber.