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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schweden und Norwegen - Arbeiten und Leben



paranoid68
21.10.2010, 15:20
Hallo zusammen!

Nachdem der Großteil der Beiträge über das Thema Arbeiten und Leben in Schweden oder Norwegen schon einige Jahre alt ist, würden mich aktuelle Infos und Erfahrungen interessieren, vorallem was folgende Punkte angeht:


Wie ist die momentane Arbeitsmarktsituation in den beiden Ländern - vorallem auch für Assistenten oder Fachärzte, die nicht unbedingt Allgemeinärzte oder Internisten sind (z. B. Anästhesie, Pädiatrie, Urologie)?

Was sind die grundlegenden Unterschiede im Gesundheitssystem und bei den Lebensbedingungen in den beiden Ländern?

Unterscheiden sich die Länder in den Lebenshaltungskosten und in den Möglichkeiten der Kinderbetreuung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf etc.?

Zuletzt würde ich mich über Erfahrungsberichte oder eine Nachricht von denjenigen freuen, die den Schritt in eines der beiden Länder unternommen haben oder jemanden kennen, der darüber berichten kann.

Natürlich sind auch negative Berichte willkommen...man will ja nicht allzu blauäugig seine Zukunft planen! :-dance

Vielen Dank schonmal...!

Svenne
25.11.2010, 00:20
Hei!

Ich kann zumindest mit aktuellen Informationen aus Norwegen dienen.
Die Stellensituation ist ortsabhängig sehr unterschiedlich. Als Facharzt in kleineren Krankenhäusern in Nordnorwegen einen Job zu finden, ist kein Problem. Uniklinik in Tromsø sieht schon etwas anders aus. Je weiter man nach Süden kommt, umso schwieriger wird es einen Job zu finden. Viele Fachabteilungen werden geschlossen, weil sie sich nicht mehr lohnen.
In Oslo einen Job zu finden ist genau so schwierig/leicht, wie in anderen beliebten Städten auch.

Als Assistenzarzt kann man in Norwegen nur arbeiten, wenn man vorher 18 Monate als turnuslege gearbeitet hat. Die deutsche Approbation reicht nicht aus, um die norwegische Vollapprobation zu bekommen.

Zu den Unterschieden im Gesundheitssystem zwischen Norwegen und Schweden kann ich nichts sagen. Mir fehlen die Erfahrungen mit dem schwedischen System.
Im Vergleich zu Deutschland gibt es eine Menge Unterschiede. Niedergelassene Fachärzte gibt es kaum (gar nicht). Der Hausarzt = Allgemeinmediziner macht alles. Gyn-Vorsorge, U-Untersuchungen und RR-Einstellung. Weiß der Hausarzt nicht weiter, überweist er den Patienten in die Ambulanz im Krankenhaus (mit entsprechender Warteliste).
In den letzten Jahren sind ein paar wenige privatabrechnende Ärzte aufgetaucht. Die Behandlung dort muss komplett privat bezahlt werden und ist nicht ganz günstig. Dafür sind die Wartezeiten kürzer und man kann direkt zum Facharzt gehen.

Lebensbedingungen sind in Norwegen total abhängig davon, wo man wohnt. Die landschaftlich aufregendste Gegend ist sicher die Westküste [-::-] . Abgesehen von Trondheim und Bergen ist da aber (kulturell etc) nicht viel los. Abgesehen von traumhafter Natur, natürlich. Die Landschaft bestimmt in gewisser Weise sogar das Gesundheitswesen. Fährfahrten mit dem RTW sind an der Tagesordnung. Die Transportwege sind oft lang. In einen Kommunen gibt es ein eigenes Arztschiff. Eine Art Seenotrettungskreuzer, mit dem der Arzt zu seinen Patienten fährt und sie ggf. auch mit dem Schiff weiter ins Krankenhaus transportiert.

Lebenshaltungskosten in Norwegen sind, glaube ich, nicht mehr steigerungsfähig. Ich weiß von vielen, die 1-2 Stunden von der schwedischen Grenze entfernt wohnen, dass sie regelmäßig nach Schweden zum Einkaufen fahren. Das lohnt sich trotz Spritkosten... Konkret heißt das zum Beispiel, dass ein Liter Milch in Norwegen 2€ kostet, 1Stk. Nektarine 1€ (im Sommer, als Saison war!) Kaltmiete für eine 1,5 Zimmerwohnung, ca 35qm, außerhalb der Stadt, in einem Haus, in dem auch viele Sozialwohnungen sind: 550€. Kostenbeitrag für die Abteilungsweihnachtsfeier (Raummiete, Essen) 100€, exklusive Getränke...

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in Norwegen einwandfrei machbar. Kindergärten mit flexiblen Öffnungszeiten, kinderfreundliche Arbeitgeber... Kostet aber auch!

Arbeiten in Norwegen macht Spaß! Der Arbeitnehmer soll nicht ausgebeutet werden, sondern Freude am Beruf haben. Leistungsdruck erlebe ich hier nicht. Manchmal kommt meine deutsche Seele ein bisschen durch und wünscht sich mehr Effizienz :-blush.

Hat Dir das geholfen? Hast Du schon Famulaturen in einem der Länder gemacht? Sprichst Du eine skandinavische Sprache?

Lykke til!
Svenne