PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Als Arzt in der Lehre



Seiten : 1 [2]

Kackbratze
04.03.2011, 17:31
Also ich persönlich muss sagen, dass ich ziemlich reizvoll finden würde, neben der eigentlichen Arbeit auf Station den Nachwuchs ausbilden zu dürfen - naja, wenn dies nur korrekt bezahlt wäre, das ist bestimmt das Problem ...

1. Es wird nicht korrekt bezahlt
2. Du machst das zusätzlich zu deiner normalen Arbeit, keine Freistellung o.Ä.

Vielleicht solltest Du erstmal studieren und während des PJ mal den normalen Arbeitsaufwand als Stationsarzt sehen, bevor Du dich nach zusätzlichen Belastungen sehnst.

Feuerblick
04.03.2011, 17:34
Den meisten hier scheint die Lehre unbezahlte Mehrarbeit sein, sei es wegen der fehlenden Bezahlung oder der Arbeit selbst.

Also ich persönlich muss sagen, dass ich ziemlich reizvoll finden würde, neben der eigentlichen Arbeit auf Station den Nachwuchs ausbilden zu dürfen - naja, wenn dies nur korrekt bezahlt wäre, das ist bestimmt das Problem ...Nein, die Bezahlung ist nicht das Problem sondern die Tatsache, dass du "nebenher" deine normale Tagesarbeit noch machen musst. Wenn du den Vormittag über zwei bis drei Studenten zum Bedsideteaching hast, musst du trotz Erklärens die gleiche Menge Patienten anschauen. Hast du zwei Stunden Seminar oder Vorlesung zu halten, kannst du getrost davon ausgehen, dass deine Arbeit brav auf dich wartet, bis du wieder da bist. Und dann heisst es ranklotzen, sonst wirst du nicht fertig mit deinem Kram. Von der Vorbereitung von VL und Seminaren zuhause in der Freizeit wollen wir mal gar nicht reden....
Ausbildung von Studenten ist etwas Schönes, aber "nebenher" macht sie einfach nur Stress.
Und nie vergessen: Ihr als Studenten (ich hab das früher auch nicht verstanden) kommt einmal für ein paar Stunden, einen Tag oder vielleicht eine Woche zu uns. Wir aber haben JEDEN Tag Studenten, die von uns etwas erklärt und beigebracht bekommen wollen. Da gibt es leider auch Tage, an denen uns die ewig gleichen Erklärungen und die immer wieder auftretenden zeitlichen Verzögerungen einfach nur auf die Nerven gehen. Ist dann nicht böse gemeint, ehrlich! :-nix

Sebastian1
04.03.2011, 18:10
Ich hatte da mal ein sehr, sehr negatives Erlebnis, irgendwann im frühen Kliniksabschnitt. Da sah uns ein Assi, der uns in Chirurgie was erzählen sollte, verschwand in der Stationsküche und meinte da nur "Oh ne, da sind die Drecks-Studenten, da hab ich überhaupt keinen Bock drauf....". Wir sind dann mit unseren 10 Mann komplett gegangen und haben ihm gesagt, dass wir da so sicher auch keinen Bock drauf hätten.

Meine Meinung dazu: Wenn man keine Studenten unterrichten will, dann soll man a) nicht an einer Uniklinik anfangen und b) keinen Vertrag unterschreiben, in dem Lehrtätigkeiten beinhaltet sind (das hat man nämlich auch als Assi oft in den Standardformulierungen). Das ist im Falle von b) übrigens auch Unterricht an der hauseigenen Krankenpflegeschule oder für Rettungsassistenen, aber eben auch für Studenten möglich. Und Bestandteil der normalen Arbeitszeit.
Wer an einer Uniklinik arbeitet, muss mit dem Auftreten von Studenten rechnen :-meinung.

Feuerblick
04.03.2011, 18:24
Muss er... aber sicher nicht damit, dass die Lehrbeauftragten (aka OÄ und Chef) sich nach und nach komplett aus der Lehre zurückziehen und alles auf die Assistenten abwälzen, die sowieso schon oft nicht wissen, wie die Arbeit zu schaffen sein soll.
Wenn eine Uni Lehre macht, dann sollte sie den Lehrenden auch entsprechende Bedingungen bieten. Tut aber niemand. Man ist gezwungen, das alles mal "nebenher" abzuhandeln. Das macht oft keinen Spaß. Meine Seminare halte ich teilweise sogar im Dienstfrei...
Wir haben im Semester TÄGLICH vormittags Studenten in allen Abteilungen. Und selbstverständlich läuft trotzdem die Klinik normal weiter. Entweder muss ich also Studis bespaßen (was ich prinzipiell ja gar nicht ungern mache) oder ich muss für den Bespaßenden mitarbeiten. Da wir alle nur Menschen sind und nur eine gewisse Menge an Stress abkönnen, kann sich wohl niemand davon freimachen, manchmal extrem genervt zu sein. Besonders am Semesterende, wenn man schon wieder teilweise absolut uninteressierte und uninformierte Studenten vor sich hat und zum 1000. Mal das Gleiche erzählen muss (und an den leeren Gesichtern sieht, dass die Damen und Herren üüüüberhaupt keinen Bock auf die ganze Sache haben...). Wenns interessierte Studenten sind, macht sogar im Stress der Unterricht Spaß. Nicht aber, wenn man fünf bis zehn leere Gesichtsausdrücke vor sich sieht und auf die einfachsten Fragen nur ein Schulterzucken erntet.
Insofern Seb... erst mal selbst in dieser Form mitmachen und dann über andere urteilen, okay?:-nix;-)

Coxy-Baby
04.03.2011, 19:14
Besonders am Semesterende, wenn man schon wieder teilweise absolut uninteressierte und uninformierte Studenten vor sich hat und zum 1000. Mal das Gleiche erzählen muss (und an den leeren Gesichtern sieht, dass die Damen und Herren üüüüberhaupt keinen Bock auf die ganze Sache haben...)

Funkel kann ich mir ja so gar nicht vorstellen, uninteressierte Studenten,
gibts sowas überhaupt?
Spaß beiseite hast ja Recht, so bei Fächern wie Augen und Derma kann ich noch nicht mal Interesse vortäuschen...es geht einfach nicht.

Feuerblick
04.03.2011, 19:25
Japp... und nun stelle dir vor, ausser dir gehts noch zehn anderen in deinem Kurs so... und den Gruppen vorher und nachher auch. Da macht sich Frust breit, wenn man dafür nicht mal freigestellt wird.:-nix

Sebastian1
04.03.2011, 19:33
Funkel, du hast sicher recht, dass die Umstände entsprechend geboten werden müssen, keine Frage. Das ist auch Organisationsaufgabe einer Uniklinik und deren Lehrbeauftragten, was anderes habe ich auch nie behauptet. Sich darüber zu beschweren, dass die Lehrorganisation Mist ist, dass die eigentlich Verantwortlichen nix tun, dass im Dienstfrei oder sonstwann gearbeitet werden soll, das ist ja völlig legitim. Nur das sich beschweren, dass man überhaupt unetrrichten muss, das geht nicht. Aber das war auch ganz generell gemeint und nicht auf dich gemünzt.



Insofern Seb... erst mal selbst in dieser Form mitmachen und dann über andere urteilen, okay?:-nix;-)

Ich habe über niemanden geurteilt, sondern lediglich meine Meinung geäußert. Um es nochmal zu spezifizieren: Wer generell und auf gar keinen Fall Studenten unterrichten will, auch, wenn die organisatorischen Bedigungen stimmen, der hat meiner Meinung nach an einer Uniklinik nix verloren.

Feuerblick
04.03.2011, 19:42
Okay, DANN kann ich deiner Aussage zustimmen! :-)