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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Intravasale Blutdruckmessung



Rugger
15.03.2003, 19:16
Wer kann mir mal bitte das Prinzip der intravasalen Blutdruckmessung mit den dazugehörigen Werten, Vor- und Nachteilen erklären (insbesondere im Vergleich zur nichtblutigen Messung)?

Rugger

Sebastian1
15.03.2003, 19:22
Hm, arterieller Zugang mit Drucksensor rein (Radialis, Axillaris, Femoralis als wohl am häufigsten genutzte Zugänge dabei), Monitoring dran, fertig.

Die Vorteile:

- Viel bessere Überwachung kreislaufinstabiler Patienten, gerade auch bei Gabe stark blutdruckaktiver Substanzen (Katecholamine, Nitro i.v. etc...).

- Blut ist über eigentlich jedes arterielle System, das ich kenne, abnehmbar. Erspart einem die häufigen Punktionen und natürlich kann man damit bei beatmeten Patienten wunderbar seine BGAs machen.

- In Kombination mit anderen Messgeräten (z.B. PiCCO-Systeme) kann man mit einem direkten arteriellen Zugang auch diverse andere hämodynamische Parameter direkt oder indirekt erfassen, zum Beispiel HZV, Heart Index etc. und daraus die Notwendigkeit therapeutischer Maßnahmen ableiten (z.B. Katecholamingabe, Volumensubstitution etc....)

Gruß,
Sebastian

Rugger
15.03.2003, 19:28
Ok, der wesentliche Vorteil ist also die genauere und detailliertere Messung, richtig?
Weiß vielleicht noch jemand was über die den Sensoren zugrundeliegenden physikalischen Prinzipien?

Rugger

Ps. Danke für die superschnelle Antwort, Seb!

Sebastian1
15.03.2003, 19:31
Soweit ich weiss handelt es sich dabei schlicht und einfach um eine durch Druck verformbare Membran im Messystem. Maaaaryyyy? Weisst du da genaueres zu?

Gruß,
Sebastian

Miss
16.03.2003, 12:17
Hi,

ein bißchen was Genaueres dazu steht im Schmidt/Thews. Mußte das nämlich auch für die Mündliche drauf haben, weil mein Prüfer auch tierisch auf Verfahrenstechniken und alles Physikalische stand.

Rico
19.03.2003, 18:19
Bin zwar nicht Mary, famuliere aber grade in der Anästhesie...
Alles was man braucht ist ein dünner Schlauch, der mit einer Flüssigkeit (NaCl) gefüllt ist und an einem Ende in der Arterie steckt, am anderen Ende in einem Druckabnehmer endet. Dieser Druckabnehmer wird in Herzhöhe befestigt und da in geschlossenen, flüssigkeitsgefüllten Röhrensystemen ja bekanntlich auf gleicher Höhe immer der gleiche Druck herrscht, hat man dann da, egal wo man die Arterie punktiert hat, genau den Druck, der am Herzen herscht.
Gemessen wird die Dehnung einer speziellen Membran, deren Dehnungszustand sich proportional zu ihrem eletrischen Widerstand verhält... und der Computer errechet aus den Widerstandänderungen dann den aktuellen Druck in Echtzeit.
Alle Klarheiten beseitigt?

airmaria
19.03.2003, 23:10
Original geschrieben von Rico
Dieser Druckabnehmer wird in Herzhöhe befestigt und da in geschlossenen, flüssigkeitsgefüllten Röhrensystemen ja bekanntlich auf gleicher Höhe immer der gleiche Druck herrscht, hat man dann da, egal wo man die Arterie punktiert hat, genau den Druck, der am Herzen herscht.


Nungut, da hier mein Name genannt wurde, ohne daß ich tatsächlich speziell zu dieser Meßmethode Ahnung habe, will ich trotzdem ganz allgemein und grundsätzlich einen Antwortversuch starten:

Zur herkömmlichen "indirekten" Blutdruckmessung mit Manschette z.B. :
wie das Wort indirekt schon impliziert gibt es hier verschiedene systematische Fehlermöglickeiten, die zum einen in der Entfernung und damit "Abschwächung" des zu messenden Signals durch verstärkt ausgeprägtes subcutanes Fettgewebe z.B. begründet sein können...
außerdem kann die falsche Manschettenbreite zu fehlerhaften Meßergebnissen führen...

Weiteres Problem dieser Meßmethode ist, daß sie natürlich nicht kontinuierlich, sondern nur intermitteirend angewandt werden kann... dies bedeutet möglicherweise, daß gegebenenfalls nicht zeitgerecht auf plötzliche Änderungen reagiert werden kann.

Wie der Meßsensor intravasal nun genau funktioniert (ob über Membransysteme, piezoelektrisch oder über Widerstandsänderungen von Drähten z.B.) , ist zunächsteinmal unerheblich...

Der Druck kann quasi in Echtzeit und mit geringerer Fehlerstreuung dokumentiert werden.

"Mary" airmaria

PS: zur Aussage mit den Röhrchen: dieses trifft wohl auf statische Systeme zu, dynamisch (Zustand in den Blutgefäßen) sind bei genauer Betrachtung unter anderem sogenannte Rohrreibungsverluste zu berücksichtigen, das dürfte aber ein wenig zu weit führen hier.

Sebastian1
20.03.2003, 13:53
Danke, ihrs...


...also, Rugger, wie auch imemr es genau in der Meßmethode funktioniert....ich bin schon immer recht froh, wenn die Pat. bei uns auf Station ne Arterie liegen haben....ist einfach angenehmer, kontinuierlich überwachen zu können, wie gesagt, grade bei Katecholamingabe....wenn die irgendwann wirklich high-dose laufen, dann bekommen die Patientenm mitunter schon extreme Schwanku8ngen, während man innerhalb von wenigen Sekunden die Perfusorspritze wechselt....weswegen man ab einer gewissen Dosis sogar "überlappend" einen zweiten Perfusor an- und erst dann dein ersten ausstellt...

Gruß,
Sebastina