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EKT
23.10.2014, 09:25
Man hat sogar sehr viele dankbare Patienten in der Psychiatrie - und zwar fast durch alle Untergebiete (bei fortgeschritten Dementen verständlicherweise nicht): aber sonst sowohl bei den Depressiven, die danach wieder richtig gesund werden, aber vor allem auch bei den Chronikern aus dem schizophrenen Formenkreis und auch bei den sog. Persönlichkeitsgestörten, wenn man denn wertschätzend und aufrichtig (das heißt sehr klar) mit ihnen umgeht. Psychisch Kranke haben oft ein unglaublich feines Gespür für die innere Haltung des Gegenübers, auch für Spannungen innerhalb von Teams.

tortet
23.10.2014, 19:57
Trotzdem muss man auch häufig damit umgehen, dass viele Pat., in die man viel Anamnesezeit und -energie gesteckt hat, vorzeitig die Therapie abbrechen. Häufig auch am selben Tag, nachts aufgenommen, mittags nach Haus. Man darf nicht zu hohe Erwartungen haben.

StellaMaris
26.10.2014, 11:04
Häufig sind Patienten eben auch fremdbestimmt in der Psychiatrie, weil sie durch Betreuer oder Gericht untergebracht worden sind, da darf man auch nicht gerade Dankbarkeit erwarten, zumindest nicht am Anfang. Gibt durchaus Patienten, die sich im Lauf der Zeit dann doch auf das Behandlungsangebot einlassen, aber das ist nicht bei allen der Fall. Und es gibt auch Patienten, die einem durchaus dankbar sind, dass man sich Zeit für sie nimmt, die aber trotzdem eher wenig Krankheits- und Behandlungseinsicht haben und dann doch Medikation oder nachfolgende ambulante Maßnahmen ablehnen, auch wenn man noch so viel Psychoedukation mit ihnen macht. Man muß in der Psychiatrie ziemlich selektieren, welche Patienten wirklich behandlungsmotiviert sind, mit denen kann man dann auch wirklich arbeiten. Den anderen kann man immer wieder Behandlungsangebote machen, aber wenn sie nicht drauf eingehen, muß man lernen, sich sein Engagement für die anderen aufzuheben. Wer nicht geholfen haben will, dem kann man auch nicht helfen, da kann man sich als Arzt und Pflege noch so sehr ein Bein ausreißen. Das muß man aber auch erstmal akzeptieren lernen.

Colourful
26.10.2014, 11:48
Und, was ich noch erlebe - sehr dankbare Angehörige! Gerade bei älteren dementen Patienten, denen es nach der Medikamenteneinstellung z.B. deutlich besser geht und die auch einfach von den Kontaktangeboten sehr profitieren.
Aber auch bei vielen Psychotikern sind Angehörige dankbar, wenn man etwas versucht wird, selbst, wenn dann am Ende nur die Hälfte wirklich funktioniert....

Sonst sehe ich das auch so wie Stella, denke aber auch, dass viele Patienten auch krankheitsbedingt einfach keine Hilfe annehmen können...

unstet
30.10.2014, 20:19
Ich weiss nicht ob das hier der richtige Thread ist, den ich ausgrabe, aber ich hätte mal eine Frage an die zahlreichen Psychiater hier. Hat man in der Psychiatrie eigentlich auch regelmäßig mal dankbare Patienten? Ich weiss, die sind eh die Ausnahme, auch in den somatischen Fächern, aber in meinen etzten Famulaturen in der Neurologie und vor allem der Augenheilkunde hat man doch öfter mal Patienten gehabt, die sehr dankbar waren am Ende der Behandlung.

Ich glaube Dankbarkeit ist schon eine hohe Erwartungshaltung. Am Ende ist es ja dein Beruf, egal ob du dafür nun Blümchen oder einen Tritt in den Hintern bekommst. :-))
Kommt darauf an in welche Richtung der Psychiatrie du gehen möchtest: von Psychosomatik und Psychotherapie Patienten erwartet man von Anfang an eine gewisse Eigenmotivation ohne die die Therapie nicht läuft. Ähnlich in der Sucht, Die sind dann auch öfters mal "dankbar" für die Hilfe, je nach Patient und Krankheit.
In der Geronto sind die Patienten ja häufig dementiell, schwer da irgendetwas erwarten zu können.
Allgemein und Akutpsychiatrie sind ein anderer Schuh: die Patienten kommen oft ohne Auftrag zu dir (nicht alle selbstverständlich), häufig auch gegen ihren Willen. Die küssen dir da natürlich nicht die Füße. Im Verlauf entpuppt sich der eine oder andere dann doch als angenehmere Persönlichkeit als du erwartet hast. Sehr viel hängt von deiner Grundhaltung ab natürlich. Wie vorher schon erwähnt: viele brechen Therapien ab und werden rückfällig. Damit muss man leben. Auf der anderen Seite: auch aus der Somatik laufen ja nicht alle nach der Therapie gesund und munter aus dem Krankenhaus. Generell sollte man als Arzt eben damit leben können dass Heilung nicht in vielen Fällen eintreten kann.

Also ich hatte eine Menge positives Feedback bisher von meinen Patienten (alles akutpsychiatrische Fälle), eigentlich mehr als erhofft. So Dankbarkeit ist halt nichts was man so richtig erwarten kann, aber wenns dann spontan dazu kommt ist es immer schön. :)

unstet
30.10.2014, 20:33
Nachtrag: Außerdem gibt es auch Dankbarkeit, die eher schalen Nachgeschmack hinterlässt. So bei sozial isolierten oder sonstwie im Grunde einsamen Patienten, denen du anmerkst dass sie in der Psychiatrie eben zum ersten Mal so richtig Zuwendung erfahren. Gibt auch solche.

tortet
31.10.2014, 06:32
.... oder bei Obdachlosen, die oft ganz genau wissen, wie man eine Aufnahme erzwingt. Die sind dann zwar dankbar, aber im schlimmsten Falle eine Fehlbelegung.

EKT
31.10.2014, 07:30
.... oder bei Obdachlosen, die oft ganz genau wissen, wie man eine Aufnahme erzwingt. Die sind dann zwar dankbar, aber im schlimmsten Falle eine Fehlbelegung.

Und im besten Fall?
Kennst du Daten zur Prävalenz psychischer Erkrankung bei Obdachlosen? Und daß Obdachlosigkeit sehr oft Folge unzureichend behandelter psych. Störungen sind?

Sherlocked
31.10.2014, 09:28
Würd ich jetzt auch mal so sehen... schätze auch, daß da meist mehr dahinter steckt...sorry , tortet, ick schätze Dir, Du weißt... aber liest sich schon fast wie Menschen 2. Klasse, die kein Anrecht auf psychiatrische Behandlung hätten, hast du sicher nicht so gemeint, aber mußte ich jetzt mal loswerden... und sicher nicht aus fachlicher Expertise, sondern aus simpler Lebenserfahrung...falls man das als noch nicht Approbierter hier loswerden darf *g*...

Notify: ins falsche Unterforum verirrt :-))

ninakatharina
31.10.2014, 10:09
Und im besten Fall?
Kennst du Daten zur Prävalenz psychischer Erkrankung bei Obdachlosen? Und daß Obdachlosigkeit sehr oft Folge unzureichend behandelter psych. Störungen sind?

:-meinung

tortet
31.10.2014, 16:43
Die mit der Komorbidität habe ich 1. nicht gemeint und 2. habe ich von der Indikation einer STATIoNÄREN Aufnahme gesprochen. Leider genügt Obdachlosigkeit als Alleinige Indikation hier nicht.
Und dass ich meinen Job nicht beherrsche und die Komorbiditäten nicht erkenne, lasse ich mir von ein paar Theoretikern, die nicht in der Psychiatrie arbeiten, nicht vorwerfen.

EKT
31.10.2014, 17:59
Und dass ich meinen Job nicht beherrsche und die Komorbiditäten nicht erkenne, lasse ich mir von ein paar Theoretikern, die nicht in der Psychiatrie arbeiten, nicht vorwerfen.

Woher weißt du, wer in der Psychiatrie arbeitet? Und warum so gereizt?

Hier noch eine "theoretische" Information: Punktprävalenz für psych. Störung bei Obdachlosen über 70%, Lebenszeitprävalenz bis über 90%, Ein-Monatsprävalenz für schwere psychische Erkrankung immerhin 35% (alles Zahlen von Prof. Fichter, München).

McDübel
31.10.2014, 18:29
Und warum so gereizt?


Verstehe ich jetzt auch nicht, tortet...? :-nix

Rico
31.10.2014, 18:58
Naja, die unterstellte Herabwürdigung zu Menschen zweiter Klasse ist ja schon ein ziemliches Kaliber, das tortets post jetzt auch nicht wirklich hergegeben hat. Kann ich schon verstehen, dass so eine Interpretation seiner Worte nicht so gut ankommen.

Unabhängig davon, dass ein Teil der Obdachlosen natürlich auch psychisch oder somatisch krank ist und gelegentlich Behandlungsbedarf in einem Krankenhaus hat, gibt es eben auch einen Teil, der - gerade bei sinkenden Temperaturen - mal ein warmes Bett für ne Nacht sucht. Und da ist es jetzt egal, ob es jetzt AP-Beschwerden, passagere Halbseitenlähmungen oder Suizidgedanken sind mit denen der klinikarzterprobte Obdachlose den nicht obdachlosenerprobten Jungarzt in der Notaufnahme zur stationären Aufnahme kriegt. Ist ja auch keine schlechte Idee, wenn man dazu noch "MRSA" sagen kann, dann gibt es die Nacht mit Frühstück sogar im friedlichen Einzelzimmer.
Diese Leute gibt's - auch das ist Ausdruck der Obdachlosigkeit - aber wenn sie nix haben, dann tritt eben der (finanziell, bettentechnisch, ...) "schlechteste Fall" ein und es ist ne Fehlbelegung. Diese Feststellung stellt aber bei weitem keine Degradierung zu Menschen zweiter Klasse dar. :-meinung

tortet
31.10.2014, 19:08
... geändert

Es ist kein Spass, Leute in die Obdachlosigkeit zu entlassen. DAMIT habe ich in der Tat ein Problem. Und damit, dass man mir Obdachlosenfeindlichkeit versucht, zu unterstellen!

@rico: dankesehr.

jijichu
31.10.2014, 19:26
Ich glaube da schmeißt Du EVT und EKT durcheinander, EKT ist (soweit ich mich erinnere) OA in einer Psychiatrie.
Ansonsten schließe ich mich Rico an!

tortet
31.10.2014, 19:29
Ach Mist, stimmt. Ich korrigiere das. Sry Ekt!

Sherlocked
31.10.2014, 19:30
Naja, die unterstellte Herabwürdigung zu Menschen zweiter Klasse ist ja schon ein ziemliches Kaliber, das tortets post jetzt auch nicht wirklich hergegeben hat. Kann ich schon verstehen, dass so eine Interpretation seiner Worte nicht so gut ankommen.

Unabhängig davon, dass ein Teil der Obdachlosen natürlich auch psychisch oder somatisch krank ist und gelegentlich Behandlungsbedarf in einem Krankenhaus hat, gibt es eben auch einen Teil, der - gerade bei sinkenden Temperaturen - mal ein warmes Bett für ne Nacht sucht. Und da ist es jetzt egal, ob es jetzt AP-Beschwerden, passagere Halbseitenlähmungen oder Suizidgedanken sind mit denen der klinikarzterprobte Obdachlose den nicht obdachlosenerprobten Jungarzt in der Notaufnahme zur stationären Aufnahme kriegt. Ist ja auch keine schlechte Idee, wenn man dazu noch "MRSA" sagen kann, dann gibt es die Nacht mit Frühstück sogar im friedlichen Einzelzimmer.
Diese Leute gibt's - auch das ist Ausdruck der Obdachlosigkeit - aber wenn sie nix haben, dann tritt eben der (finanziell, bettentechnisch, ...) "schlechteste Fall" ein und es ist ne Fehlbelegung. Diese Feststellung stellt aber bei weitem keine Degradierung zu Menschen zweiter Klasse dar. :-meinung
So ist das vollständig nachzuvollziehen und es gibt da auch nichts hinzuzufügen.

@tortet: es tut mir leid, ich habe Dein post vollständig mißverstanden. Ich möchte mich hiermit bei Dir für meinen Kommentar entschuldigen.

tortet
31.10.2014, 19:33
Okay, und ich mich bei ekt - habe mich echt angegriffen gefühlt, weil ich mir für unsere Obdachlosen echt den A.... aufreisse. Ich fand es nicht fair, aus dem Post zu lesen, ich würde mich nicht für diese Leute einsetzen.
Nur steht man eben zwischen den Fronten, wenn man nicht aufpasst. Nicht alle Kollegen gehen mit diesen Leuten respektvoll um.

Edit: einer meiner Obdachis hat übrigens eine Angsterkrankung und ein anderer eine emot. instabile Pers.strg., damit steht dann neben der (fast schon) obligatorischen f10.2 wenigstens ein bischen was da ;-)

EKT
31.10.2014, 19:57
@tortet: kein Problem, alles o.k.