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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Würdet ihr nochmal Medizin studieren?



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emergency doc
30.05.2011, 23:43
Also ich gehöre zu denjenigen, die sofort wieder Medizin studieren würden.
nach meinem Facharzt habe ich die Klinik verlassen und ein Angebot angenommen, als festangestellter hauptberuflicher Notarzt zu arbeiten. Ich mache das gerne, verdiene wirklich gut und habe so unglaublich flexible Arbeitszeiten, daß ich das jederzeit nochmal machen würde. Bürokratie ist auch vernachlässigbar, wenn man vom Ausfüllen der Notarzteinsatzprotokolle absieht.

Das einzige was ich in meinem Leben wirklich bereue ist ein Angebot eines Kumpels damals nicht angenommen zu haben "etwas mit Telefonleitungen und so" zu machen. Mein Bruder und ich lehnten sein Angebot einer gemeinsamen Firmengründung ab und studierten Medizin. Mein Bruder ist jetzt Plastischer Chirurg, ich bin Unfallchirurg und unser damaliger Kumpel hat seine Firma vor etwa 12 oder 13 Jahren während des "Dotcom"-Booms für einen dreistelligen Millionenbetrag verkauft. Shit happens...:-oopss

Gast09012019
31.05.2011, 07:15
sorry, da bleibt nur noch eins zu sagen: :evil:

EKT
31.05.2011, 08:39
Ich würde auf jeden Fall wieder Medizin studieren.

Obwohl meine Erwartungen, die ich zu Beginn des Studiums hatte - hinsichtlich praktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten - sich bei Weitem nicht erfüllt haben. Da war ich einfach völlig illusorisch. Zudem hat man als Absolvent auch keine berufsverwertbaren naturwissenschaftlichen Kenntnisse und man bekommt einen Doktorgrad (und das auch noch mit magna cum laude) zuerkannt, für dessen Inhalte sich Diplomanden, Magister und Master schämen würden. (Wohlbemerkt als erste eigene Arbeit - alle diejenigen, die nicht "promovieren", haben letztlich lediglich die Bescheinigung, alle Kurse absolviert zu haben.)

Evil
31.05.2011, 11:30
Mir macht der Beruf trotz der systemimmanenten Einschränkungen immer noch Spaß, bislang konnte ich Letztere immer noch irgendwie umschiffen.
Warum sollte ich meinen Berufswunsch bereuen und was anderes machen wollen?

MD/PhD
31.05.2011, 11:43
Obwohl meine Erwartungen, die ich zu Beginn des Studiums hatte - hinsichtlich praktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten - sich bei Weitem nicht erfüllt haben. Da war ich einfach völlig illusorisch.

Was waren denn das beispielsweise für Fähigkeiten? Ich habe in der Hinsicht nämlich auch einen möglicherweise illusorischen "Anspruch" aufs Medizinstudium :-?


Zudem hat man als Absolvent auch keine berufsverwertbaren naturwissenschaftlichen Kenntnisse und man bekommt einen Doktorgrad (und das auch noch mit magna cum laude) zuerkannt, für dessen Inhalte sich Diplomanden, Magister und Master schämen würden.

Aber dieser Unterschied zu den richtigen Wissenschaftlern relativiert sich doch, wenn man eine experimentelle Arbeit schreibt, oder? Ich meine, dadurch wird man ja mit gängigen Labormethoden vertraut, eignet sich naturwissenschaftliches Hintergrundwissen an etc.
Klar ein Biochemiestudium ersetzt das nicht, aber immerhin...

EKT
31.05.2011, 16:27
Ich weiß, es ist völlig lächerlich, aber ich hatte damals ernsthaft die Vorstellung, ein Absolvent müsse z. B. notfalls selbstständig kleinere chirurgische Eingriffe durchführen oder eine Geburt begleiten können (letzteres ist ihm ja sogar nicht einmal erlaubt), ganz zu schweigen von der Fähigkeit zur kompletten medikamentösen Behandlung umfassender internistischer Probleme. Dachte auch, man würde als Stationsarzt "Chef" einer Station sein, d. h. die dort Tätigen der Hilfsberufe "anleiten". Stattdessen ist man jahrelang auf unterster Stufe ohne jegliche wirkliche Eigenverantwortung angesiedelt, während Leute mit anderen akademischen Berufen schon längst Führungsverantwortung haben. Ein Leistungsprinzip scheint es nicht zu geben, stattdessen wird jeder pauschal nach der Anzahl seiner schon geleisteten Assistentenjahre beurteilt, obwohl es sicher in jedem Fachgebiet große Unterschiede in der Begabung und damit im Lernfortschritt gibt...

MD/PhD
31.05.2011, 19:08
@ EKT

Ein Teil von dem, was du geschildert hast, war mir bekannt. Insgesamt habe ich bislang aber dennoch sehr ähnliche Vorstellungen gehabt. Dein Beitrag war ziemlich ernüchternd.

Danke!

Miss_H
31.05.2011, 19:46
Aber dieser Unterschied zu den richtigen Wissenschaftlern relativiert sich doch, wenn man eine experimentelle Arbeit schreibt, oder? Ich meine, dadurch wird man ja mit gängigen Labormethoden vertraut, eignet sich naturwissenschaftliches Hintergrundwissen an etc.
Klar ein Biochemiestudium ersetzt das nicht, aber immerhin...

Wie soll sich dieser Unterschied relativieren? Als Naturwissenschaftler machst du spätestens ab dem 5. Semester nichts anderes mehr als wissenschaftliches Arbeiten zu lernen, sowohl die Laborarbeit als auch das Schreiben von wissenschaftlichen Texten. Das kann man als Medizistudent nicht aufholen. Ich denke das ist nur möglich, wenn man als Mediziner dauerhaft in der Forschung bleibt.

bipolarbär
31.05.2011, 20:23
Arbeitet hier einer aus dem Forum in der Forschung als Mediziner oder kennt einer jemanden? Ich bin mit der Erwartung reingegangen, mir evtl. den Forschungszweig offen zu halten, aber je mehr ich lese, höre und eben nicht höre, desto mehr erscheint mir das Medizinstudium nicht wirklich zielführend zu sein.

Miss_H
31.05.2011, 21:55
Arbeitet hier einer aus dem Forum in der Forschung als Mediziner oder kennt einer jemanden? Ich bin mit der Erwartung reingegangen, mir evtl. den Forschungszweig offen zu halten, aber je mehr ich lese, höre und eben nicht höre, desto mehr erscheint mir das Medizinstudium nicht wirklich zielführend zu sein.

Das wird kein Problem sein in die Forschung einzusteigen. Du kannst auch soetwas wie Laboratoriumsmedizin machen. Da kann man dann auch noch forschen. Das klappt schon. :-dafür

eXiland
01.06.2011, 00:18
Man kann sich über PubMed recht schnell damit vertraut machen wieviel engagierte Mediziner forschen können bzw. woran sie selbst forschen. Nehmt euch einfach z.Bsp. einen Chefarzt/OA von einer Uniklinik in einem bestimmten Fachgebiet und schaut euch an was die so publizieren. Dann seht ihr in welche Richtung es als Mediziner geht.

Gast09012019
01.06.2011, 08:05
Beim Chefarzt is es aber wohl meistens so, dass er einfach seinen Namen mit draufsetzt obwohl er nix geschrieben hat. Das fand ich schon immer sehr merkwürdig, scheint aber ganz normal zu sein :-dagegen (sorry for OT)

PAIng
01.06.2011, 09:08
Arbeitet hier einer aus dem Forum in der Forschung als Mediziner oder kennt einer jemanden? Ich bin mit der Erwartung reingegangen, mir evtl. den Forschungszweig offen zu halten, aber je mehr ich lese, höre und eben nicht höre, desto mehr erscheint mir das Medizinstudium nicht wirklich zielführend zu sein.

Um die Frage zu beantworten: Ich kenne einige Mediziner-Forscher.

Das mag jetzt blöd klingen, aber: wenn Du forschen möchtest, studier Physik. Da wirst Du vom ersten Semester an auf Forschen vorbereitet und Dir wird von Anfang an die "Forscher-Denke" beigebracht. Medizin studieren heisst (so weit ich das beurteilen kann) haufenweise Wissen aneignen und auf Fälle, die alle irgendwie schon mal da waren, anzuwenden. Die Diagnose und Behandlung des Patienten hat absolute Priorität im Medizin-Studium.

Ich habe drei Freunde, die innerhalb von weniger als 7 Jahren nach ihrem Physik-Abschluss auf W2-(zwei von denen) oder W3-(einer)-Professuren für Biophysik sind, die machen im wesentlichen Drug-Delivery-Forschung, manchmal mit Medizinern im Team, aber die haben es viel schwerer nach oben zu kommen. Und ich kenne auch eine Dame, die jetzt nach 2 Jahren Med-Forschung und Khs im Herbst mit Physik anfängt.

locumo123
01.06.2011, 10:53
Nun ja wenn man Physik, Biochemie oder Biotech usw. studiert hat, dann wird man ja "fast" gezwungen dazu in die Forschung zu gehen. Aber es gibt auch andere Sparten wo du mit den oben genannten Studienrichtungen einsteigen kannst. z.B.: Qualitätskontrolle in der Pharmabranche speziell bei Biotech.

Aber genau das stört mich auch. Ich persönlich will nicht das ganze Leben lang in einem Labor stehen oder in einem Büro in einer Pharmaindustrie sitzen. Das ist mir viel zu monoton. Forschung ist ein harte Brocken und viele haben davon etwas falsche Vorstellungen.... Ich war auch völlig blind und dachte mir hey Labor das ist es. Nach dem Studium war ich mir da nicht mehr so sicher...

Deswegen beginne ich ab Oktober nach meinem Biotech studium ein Med-Studium. Ich will Abwechslung:-bee Wird nicht einfach sein ein Labor zu führen und Patienten zu behandeln, aber ein Versuch ist es wert. Sonst muss ich mich für eines entscheiden. Labor oder Patient. :-peng

EKT
01.06.2011, 11:10
Warum wird medizinische "Forschung" eigentlich immer verkürzt auf das Leben in Laboren und die Anwendung rein naturwissenschaftlicher Methoden?

Es gibt auch klinische Forschung, Versorgungsforschung (in Zukunft von zunehmender Bedeutung!) und außerdem zahlreiche vorstellbare interdisziplinäre Forschungen, z. B. zur Ökonomie, Kunst, Soziologie, was auch immer. Gerade für letzteres wären Mediziner mit ihrem (idealerweise) breiten Wissenshorizont prädestiniert.

Strodti
01.06.2011, 11:22
Es gibt mehrere Threads, die sich mit dem Thema "Forschung in der Medizin" beschäftigen. Dieser hat eigentlich das Thema "Würdet ihr nochmal Medizin studieren?". Bitte dahin wieder zurückkommen ;-)

Gruß, Strodti
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