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wjsl
28.11.2011, 17:13
Vielleicht hilft es, sich jedesmal retrospektiv eine gute Antwort zu überlegen; Situationen widerholen sich, das Zulegen eines Repertoires lohnt sich also.

Im gegebenen Fall wäre möglich gewesen:
- Soll ich das als Arbeitsverweigerung interpretieren?
- Wie bitte? Das hat sich fast so angehört als wollten Sie mich aufziehen, wobei ich Ihnen nicht Unrecht tun will.
- Das war keine Bitte(wichtig ist dabei ein nachdrücklicher Ton).

Neulich auch erlebt(vor einem Patienten):
"Ich komme aus der Herzchirurgie, von einem PJ lasse ich mir nichts sagen"
"Das tut mir leid für Sie; oder warum haben Sie sie dort nicht behalten?"

xFreakx
28.11.2011, 20:02
..ich würde da ganz entspannt bleiben. Bleib einfach professionell und zieh Dein Ding durch. Überleg Dir mal, wo Du in 5 Jahren bist und wo sie dann noch immer ist.. ;-)

rogerM
29.11.2011, 00:14
..es geht noch wesentlich schlimmer, ich bin an einer klinik wo der sohn des meines chirugischen oberarztes der einzigste anästhesieassistent mit 2 oberärzten und einem chef für drei sääle ist, der in seinen augen sowieso dem idealbild eines arztes entspricht alle andren sind eh nur kleine freaks. dazu kommen noch die unterschwelligen vorhaltungen wie gut wir es doch mit unseren 5 diensten mit lediglich rufbereitschaft haben, früher mussten die ärzte das ganze wochenende arbeiten und weiss man was nicht aus dem stehtgreif ist man zu langsam oder zu dumm. dann noch permanent jammernde schwestern und ein chef der einen im saal schon ml vor der gesamten truppe rund macht.

glücklicherweie hab ich ein ziemich tolle freundin und familie und hab mir mein interesse an der medizin nicht nehmen lassen, und ich hab mir sagen lassen das es nicht immer und überall so sein muss ;-)

Bandwurm
29.11.2011, 20:28
Mal ein Beispiel von mir: Ich bin in die Neurologie rotiert. Am 2. Tag maunzt mich die stellv. Stationsleitung vor Patienten an, dass ich die Betten selber wechseln kann, wenn ich bei der Blutentnahme nicht aufpasse und das Bett verschmutzt ist. SIE wird mir bestimmt nicht hinterherarbeiten.
Nachdem wir aus dem Patientenzimmer draussen war, hab ich mir offene Kritik vor Patienten verbeten und sie darauf Aufmerksam gemacht, dass sie gefälligst erst mal überprüfen soll, was los war, bevor sie schimpfend vor Patienten abledert. Die besagt Blutentnahme habe ich nämlich gar nicht gemacht:-)).
Danach habe wir uns eigentlich recht gut verstanden.

wjsl
30.11.2011, 16:42
Früher war natürlich immer alles besser. Das nennt man selektive Erinnerung, oder auch selektive Amnesie; vielleicht hast du Glück und es ist erstes Zeichen einer beginnenden dementiellen Entwicklung. Vielleicht kann dann ja der Sohn einspringen.

Zum Thema "langsam":

„Wer sichere Schritte tun will, muß sie langsam tun.“ (Goethe)

"Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht noch immer geschwinder, als jener, der ohne Ziel umherirrt."
(Lessing)

Zum Thema "dumm":

"Wir werden es nicht durchsetzen, daß der Adel des Geistes von denen erkannt wird, die die Aristokratie der Dummheit sind."(de Balcac)

"Intelligenz ist die Fähigkeit, abstrakt zu denken, ohne konkret zu handeln."

"Die intelligentesten Menschen sind leider meist nicht intelligent genug, um weise(bzw erfahren) zu sein."

fch33
30.11.2011, 21:30
:rolleyes: Hmm. Ja - ich denke es ist oftmals schwer in unserem Job mit den Kollegen und anderen Berufsgruppen...
Bin, glaube ich, zu wenig selbstbewußt im Gegensatz zu den meisten Medizinern und das merkt man mir an :(
Hatte jetzt Streß mit ner anderen Kollegin, die definitv nur ihren Frust rauslassen wollte (wurde mir von allen Seiten bestätigt). Aber es macht mich echt fertig und ich habe keine guten Umgangsstrategien mit solchen Situationen :(

Ich weiß - gehört leider zum Alltag. Ich wünschte, ich würde es nicht so an mich heranlassen.

WackenDoc
30.11.2011, 21:32
Hast du schon mal über ne Therapie nachgedacht? Da kann man sowas lernen.

fch33
30.11.2011, 21:52
Ja - vielleicht sinnvoll.
Aber vielleicht auch noch im Normbereich. Der normale Medizinerwahnsinn ;-)

wjsl
01.12.2011, 21:28
Hat man das Problem nicht irgendwie schon auch im Studium? Launische Gutachter und Prüfer, das damit verbundene Bangen und Quälen-eigentlich kennt mans doch schon. Man will etwas sagen, kann aber nicht: Egal ob Prüfungsblackout oder Mangel an Schlagfertigkeit gegenüber Kollegen und anderem Personal.
Je länger es andauert, desto unwahrscheinlicher scheint die Hoffnung darauf, dass es jemals anders werden könnte; das ist der einzige Unterschied.

netfinder
01.12.2011, 21:46
Mit der Zeit wird man sicherer und dann traut man sich auch mal was.

fch33
02.12.2011, 18:20
Ja, hoffentlich!!! Es handelt sich häufig um so einen "Weiberkram". Ich glaube die männlichen Ärzte haben es da oftmals wesentlich leichter. Und die männlichen Pfleger sind insgesamt betrachtet viel sympathischer und machen einem das Leben nicht schwer. Habe gerade keinen Nerv mehr darauf.

Miss
04.12.2011, 16:27
Man kann das wirklich lernen.
Als Ärztin hat man dann einfach ne Führungsfunktion, v.a. im Dienst oder als Stationsärztin. In nem Team muß einfach jemand der Chef sein und Anweisungen geben, und das bist in dem Fall halt Du. Und die müssen dann aber auch ausgeführt werden und da muß man sich drauf verlassen können. Sonst läuft das alles nicht.
Ich versuche, Anweisungen immer freundlich verpackt zu geben, *Könntest Du bitte...* etc. Ich nehm der Pflege auch mal was ab, und ich versuch nach Möglichkeit auch, Extraarbeit für die anderen zu vermeiden.
Wenn ich gemerkt habe, daß Leute mir auf der Nase rumtanzen wollen oder mich dumm anmachen, auch vor anderen, dann habe ich sie zeitnah in nem ruhigen Moment angesprochen. Entschuldigt, wenn es was gab, ABER *so geht das nicht*. Mit Querulanten erstmal professionell, freundlich, aber distanziert gearbeitet. Meistens hat sich das dann gegeben.
Man wird nie mit allen *best friends* sein, aber das muß man auch gar nicht. Wenn man mit den meisten gut zusammen arbeiten kann, dann wird der Rest gar nicht wirklich auf die Idee kommen, in großem Stile Sabotage zu betreiben ;-)

Ich bin von Natur aus keine *laute Persönlichkeit*, aber ich hab mir vor Berufsantritt gesagt, daß ich mir nicht auf der Nase herumtanzen lasse :-)) Und das hat ganz gut geklappt. Außerdem, wie schon gesagt, mit zunehmender Erfahrung tritt man auch selbstbewußter auf (weil man nicht insgeheim doch noch Zweifel an seiner Arbeit hat oder (zuviel) angst vor Fehlern). Professionell, aber freundlich, bei Bedarf mal laut, ich finde, das funktioniert gut. :-winky

fch33
05.12.2011, 17:27
Vielleicht kommt das sichere Auftreten wirklich mit der Erfahrung. Nur - bei Berufsbeginn sind manche Schwestern in vielen Bereichen wirklich fitter als man selbst und ich höre gerne auf sie und habe eigentlich ein super Verhältnis zu vielen vom Pflegepersonal - ich schätze sie sehr.


Aber manche spüren diese Überlegenheit in einigen Situationen und dadurch wirkt man nicht so kompetent :-((

Desiderius
05.12.2011, 17:56
Du musst das genau lernen zu kombinieren was Miss schreibt und was DU selber schreibst. Am Anfang kannst Du ja auf die Schwestern hören und überlegen ob das so für dich Sinn macht. Musst dabei aber auch nicht vergessen das da Exemplare zwischen sitzen, die es sich für sich bequem machen wollen...
Übrigens gibt es auch Menschen die Kompetent aussehen ohne Berufserfahrung, man muss einfach selebr wissen wo sein Wissen ist und seine Schwäche... dann kann man am Anfang genauso selbstsicher sein.

wjsl
05.12.2011, 19:55
Da muss man aber vorsichtig sein: Ich habe im PJ schon ein paar mal erlebt, dass ich meinte, die erfahrenen Pflegekräfte hätten mehr Durchblick; aber nur so lange, bis ich das Ganze aus der Sicht eines Facharztes gehört habe, da hat sich dann einiges wieder relativiert. Mittlerweile meine ich, dass man als Anfänger gar nicht abschätzen kann, wer kompetent ist und wer nur so wirkt, weil er selbstbewusst auftritt; letzteres lehrt einen die Erfahrung nämlich in jedem Bereich ganz bestimmt. Was nichts daran ändert, dass dennoch oft sehr wertvolles Feedback von der Pflege kommt; allerdings sind die Unterschiede sehr groß: Manche rackern wie blöd und bemühen sich wirklich, liefern gute Informationen und Anregungen, andere kriegen gar nichts mit und versuchen alles auf die Ärzteseite abzuschieben.

WackenDoc
05.12.2011, 20:11
Ich denke, dass ein großes Problem in unserer beruflichen Sozialisation liegt:
Von "klein auf"- also KPP kriegen wir doch immer wieder gesagt: Ihr habt keine Ahnung, hört auf die erfahrenen Pflegekräfte.
Und die haben es oft wirklich gut drauf 1. selbstbewusst aufzutreten, 2. Kompetenz zumindest auszustrahlen und 3. sich gnadenlos von Ärzten abzugrenzen.

Ich hab selbst als Asisstenzarzt in der Notaufnahme bei der ein oder anderen Krankenschwester gedacht, Wunder was die für Ahnung hätten. Bis ich dann raus gefunden hab, dass das nur für Standardsituationen galt und selbst da oft mehr vorgetäuscht wurde, als an Kompetenz wirklich da war.
Wenn mal was außerhalb der Reihe war, oder mal Hintergründe verstanden werden mussten, taten sich teilweise Abgründe auf.

Nur als Assistenzarzt ist da sehr schwer zu durchschauen.

Leider wird oft Unerfahrenheit mit Dummheit verwechselt und umgekehrt Erfahrung mit Intelligenz. Wenn man dann auch nicht den Rückhalt von seinen eigenen Vorgesetzten hat (Oberarzt oder Stationsarzt), dann steht man fast schon auf verlorenem Posten.