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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nachts 1 Assistent für wieviele Patienten??



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throni
28.10.2016, 09:03
Hab ich leider vergessen zu fragen im Vorstellungsgespräch. Aber ohne Radiologen darf man eigentlich ja gar kein CT betreiben, oder?

cicely
28.10.2016, 10:02
Bei uns (auch Neuro) ist nachts auch kein Radiologe im Haus. Es ist dann so, dass formal der Teleradiologe die Indikation für die Untersuchung stellt, das heißt wir rufen vor Beginn der Untersuchung an, nennen die Fragestellung und bitten um Befundung. Die diensthabende MTRA bedient das Gerät und lädt das Bild ins System hoch, wie tagsüber auch. Funktioniert reibungslos und man hat innerhalb von Minuten den Befund, wir haben immerhin eine Stroke Unit.

Kaas
28.10.2016, 10:45
Was ist das für 1 Assistent?

cicely
28.10.2016, 10:55
Meinst du mich, Kaas?
- ITS/Stroke Unit mit 13 Betten, davon maximal 10 Beatmungsplätze
- IMC mit 6 Betten
- Normalstation mit 24 Betten
Plus Aufnahmen und Piepser für somatische Notfälle in der Psychiatrie (reines Neuro/Psych-Haus). Also vergleichsweise wenig was man hier so liest....

Locutus001
30.10.2016, 12:49
Wollte den Thread mal ausgraben, da ich demnächst meine erste Stelle antrete. Werde in einer Neuroreha anfangen, 240 Patienten, davon 60 Patientin Phase B (also mehr oder weniger IMC Betten) inklusive 10 Beatmungsplätzen. Am Wochenende und nachts ist man alleine. Klingt ziemlich viel, finde ich, aber dafür gibt es ja keine Notaufnahme. Mal sehen, wie das so wird.

Hallo Throni.

Bin grad in der Neurofrühreha PhB
Ca. 120 Pat. (für C+D ist ein anderer Assistenzarzt zuständig, wenn die Luft brennt kann man den dazu rufen (oder umgekehrt) bis ggf. der Hintergrund OA eintrifft, falls das denn nötig ist und er Lust hat haha).

Weiß garnicht wie viele davon auf unserer Intensivstation beatmet sind... 6-10 irgendwie.
Und ein paar die nicht beatmet sind. Glaube hat 20 Plätze unsere Intensiv. Hier wissen die Schwestern (leider) meistens mehr Bescheid als man selbst, wenn man nicht grad auf der Station arbeitet.

Die häufigsten Dinge weswegen man gerufen wird sind:
Blutzucker, Blutdruck, Flexüle legen....... o.O, Pat. gestürzt, Pat. verwirrt und unruhig/aggressiv, Schmerzen, Sauerstoffsättigungsabfall am Monitor, Pat. aufgefiebert, Krampfanfall, Reanimation, Überraschung des Tages... (Häufigkeit in etwa absteigend i.d. Reihenfolge ;-) ).

Gibt Nächte da ist viel los und es ist nicht schön.
Gibt aber auch welche da wirst Du viel wegen Kleinigkeiten gerufen und hast auch Deinen Schlaf.
Und ganz ganz selten gibt es Nächte, wo Du Dich selbst anrufst, weil Du unsicher bist ob Dein Telefon funktioniert *g* (hab ich noch nicht gehabt).

Insofern wird alles gut!

Ergänzung:
Phase C+D sind nochmal so etwa 300+ Pat.
Aber wenn ich einmal die Woche in der gemeinsamen Übergabe höre was bei denen so los ist, dann klingt das im Vergleich zur B Phase doch immer sehr entspannt.
Höhepunkte waren sowas wie "Der Akku des Telefons war leer, der Vordienstarzt sollte das bitte auch aufladen und nicht leer weitergeben..." ;-)
Na ja also die haben auch alles mögliche, aber meistens sind die Pat. tatsächlich schon besser und stabiler.

Und ich schließe mich Firebird USA an:
CT wird im Haus sein und dann via Teleradiologie befundet werden.
Allerdings wirst Du im Dienst kein CT machen lassen können (weil keiner da ist). Bei Notfallindikation Rücksprache OA und verlegen.

Sinyxys
30.10.2016, 17:45
Und ich schließe mich Firebird USA an:
CT wird im Haus sein und dann via Teleradiologie befundet werden.
Allerdings wirst Du im Dienst kein CT machen lassen können (weil keiner da ist). Bei Notfallindikation Rücksprache OA und verlegen.

Warum sollte das im Dienst nicht funktionieren?

throni
30.10.2016, 18:31
Tausend Dank für die Rückmeldungen. Hast Du in der Neuroreha angefangen, Locutus? Oder ist das nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum Neurologen?

Locutus001
30.10.2016, 19:34
"Warum sollte das im Dienst nicht funktionieren? "

Wie bereits geschrieben: Weil niemand da ist.
Ich schmeiße das Teil sicherlich nicht alleine an und schieb da jemanden durch ;-)
Auch ist eine Rehaklinik kein Akuthaus, d.h. es wäre nicht nur finanziell undurchdacht das Teil jederzeit in Bereitschaft zu halten, sondern es wäre auch wenig sinnvoll.
Was ist denn die Konsequenz wenn Du in der Neuroreha jemanden mit cCT indizierendem Geschehen hast und dann tatsächlich noch in der Reha eines anfertigen würdest? --> Verlegung in Akutklinik. Da können die das lieber direkt da machen.
In 20-30 Minuten inklusive Abholen ist der Pat. im nächsten KH.

"Tausend Dank für die Rückmeldungen. Hast Du in der Neuroreha angefangen, Locutus? Oder ist das nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum Neurologen? "

Hab in Neurofrühreha Phase B angefangen ja.
Allerdings als internistischer Weiterbildungsassistent ^.^ Neurologie ist glaub ich für mich nicht das richtige. Ist aber schön ein paar Sache mitzunehmen aus der Neuro. Die Leute die da landen sind ja meist bunt durchmischt und oft alt und multimorbide. Sicherlich auch nicht verkehrt für Allg.-Med. zumal man als Hausarzt die Pat. und Angehörigen betreut und mit Hauptansprechpratner ist.
Finde Reha als Einstieg ganz entspannt. Ist trotzdem ein Arsch voll an Arbeit, aber sicherlich einiges entspannter als an den meisten Akuthäusern. V.a. weil Du im Dienst keine Ambulanz hast. Die Leute kommen ja auch schon mit Diagnosen zu dir (auch wenn es nicht immer die richtigen sind).
Du hast Zeit die längere Zeit zu begleiten und auch die Therapie mit zu begleiten. Auch in den Medis die von der Akutklinik vorher "verwurschtelt" worden sind kann man ein bisschen Ordnung schaffen ^.^
Erstaunlich auch wie viele Leute Sachen drin haben wo man sich fragt "warum haben die das?" und keiner weiß es wenn man fragt... Aber der eine ordnet das halt an, der andere betreut den Pat. weiter und nach ein paar Tagen geht es von Stroke Unit auf Station und dann weiter in die Rehaklinik. Klar, dass da manchmal was untergeht. Wird mir wenn ich in der Akutklinik bin auch nicht anders gehen. Aber vielleicht bin ich dafür jetzt ein bisschen sensibilisierter.
Leider haben viele Angehörige das Gefühl, dass Reha automatisch heißt es geht Berg auf. Dass die Leute schwer krank sind, das begreifen viele nicht.
Am besten finde ich übrigens wenn es heißt: "Bluthochdruck? Diabetes? NEIN das hatte ich(bzw. er/sie) nie gehabt! Erst seit dem Krankenhausaufenthalt!" (kann es sein, dass es vorher schon unterschwellig da war aber nie diagnostiziert wurde? --> NEIN ganz sicher nicht!) xD

throni
30.10.2016, 20:02
Ich finde, das Schöne an der Reha ist ja genau der Aspekt, dass man mehr Zeit hat für die Patienten, bzw. den einzelnen Patienten länger betreut. Finde Neuro echt spannend, aber diese Fließbandabfertigung in der Akutmedizin hat mich immer ziemlich abgeschreckt, in Neuro wie auch in der Inneren. Könnte mir auch durchaus vorstellen, ein paar Jahre zu bleiben, dann ins Akuthaus zu wechslen um die Ausbildung zu beenden und anschließend wieder in die Reha zu gehen. Oder es wird doch die Psychiatrie, da betreut man die Patienten ja auch über einen längeren Zeitraum. Waren jedenfalls beides meine Lieblingsfächer im Studium.

blaabc
06.11.2016, 13:16
Innere Uni nachts:
Zna:1 Assi
ITS (12): 1 Assi
IMC (12) +60 Kardio/Pulmo-Betten: 1 Assi
Übrige Innere-Stationen: 100 Betten 1 Assi (allerdings über 3 Häuser verteilt, da ist man teilweise gut am laufen :D )

Coxy-Baby
06.11.2016, 13:52
Ich glaube blaabc wir arbeiten an der gleichen Wirkungsstätte.....

Mck86
06.11.2016, 14:15
Ca. 400 Betten Haus Nachts:

1 Anästhesie-Assistent für eine interdisziplinäre Intensiv mit 16 Betten + OP + Kreißsaal + Schmerzdienst + Reanimationsfunk.
Das Ganze im Bereitschaftsdienst als 22-h Schicht unter der Woche und 24-h am Wochenende.
Ein paar Stunden Schlaf sind da eher die Ausnahme und nicht selten muss man den Patienten im OP mit der Anästhesiepflege allein lassen um Notfälle im Haus oder auf der Intensiv zu versorgen. Oberarzt kann natürlich gerufen werden, ist aber in der Regel eher Telefonjoker. Funktionieren kann das Ganze natürlich nur weil unsere Pflege im OP und auf Intensiv sehr fit ist.
Seit Jahren wird diskutiert wie man diese Dienste entlasten kann aber da noch keine kostenneutrale Lösung gefunden wurde bleibt es bei einer regen Diskussion ohne Konsequenzen.

Spiral Architect
06.11.2016, 18:21
Neurologische Abteilung mit überregionaler Stroke Unit: 1 Assistent für 20 Stroke-Betten, 70 Betten auf der Normalstation, Notaufnahme

Brutus
06.11.2016, 19:18
Ca. 400 Betten Haus Nachts:
1 Anästhesie-Assistent für eine interdisziplinäre Intensiv mit 16 Betten + OP + Kreißsaal + Schmerzdienst + Reanimationsfunk.
Das Ganze im Bereitschaftsdienst als 22-h Schicht unter der Woche und 24-h am Wochenende.
Ein paar Stunden Schlaf sind da eher die Ausnahme und nicht selten muss man den Patienten im OP mit der Anästhesiepflege allein lassen um Notfälle im Haus oder auf der Intensiv zu versorgen. Oberarzt kann natürlich gerufen werden, ist aber in der Regel eher Telefonjoker. Funktionieren kann das Ganze natürlich nur weil unsere Pflege im OP und auf Intensiv sehr fit ist.
Nichtsdestotrotz geht das natürlich eigentlich gar nicht. Bei meinem alten Haus (Uni) mit Gyn, Schmerz/Palli, OP und Intensiv war es so, dass der Intensivist nur für die Intensiv zuständig war und im Bedarfsfall (Notsectio) und zeitgleich OP mit eingesprungen ist im OP. Ansonsten war immer ein FA für den OP und den Kreißsaal anwesend. Damit ein Assistent und ein FA im Haus, plus Rufdienst für das zweite Haus...
Problem ist doch, wenn Du mit der Notsectio im OP stehst und dann das REA-Telefon läutet, was dann? Oder Du im OP stehst und die Gynnies anrufen. Oder die Intensiv mit einem instabilen Patienten. Oder, oder, oder...


Seit Jahren wird diskutiert wie man diese Dienste entlasten kann aber da noch keine kostenneutrale Lösung gefunden wurde bleibt es bei einer regen Diskussion ohne Konsequenzen.
Kostenneutral wird das sowieso nix, auch wenn die Verwaltung das so möchte. Ich würde denen vorschlagen, einen zweiten Anwesenheitsdienst einzurichten. Dann hast Du einen Assistenten, der die Intensiv und den REA-Dienst macht, der andere kümmert sich um das Haus (Schmerz), den OP und den Kreißsaal. Klar, wird ein bißchen teurer, aber wenn die Dienste so sind, wie sie sich anhören, dann müsstest Du eigentlich 2 Ärzte rund um die Uhr im Schichtdienst einsetzen. Und DAS wied deutlich teurer...

Mano
06.11.2016, 22:43
Kostenneutral wird es, wenn man die Haftungsrisiken und die erschlichene OPS für die Intensivbehandlung mit einkalkuliert... 1 Assistent für OP/ ITS/ Kreißsaal und Reafunk ist Organisationsverschulden mit Anlauf...
Oder der Oberarzt muss halt für jede OP reinkommen und der Internist zur Not auf ITS aushelfen.

Mck86
14.11.2016, 18:33
Problem ist doch, wenn Du mit der Notsectio im OP stehst und dann das REA-Telefon läutet, was dann? Oder Du im OP stehst und die Gynnies anrufen. Oder die Intensiv mit einem instabilen Patienten. Oder, oder, oder...

Notsectio und REA-Alarm parallel ist ja zum Glück selten aber ne Doppelbelastung hat man immer mal wieder. Wenn eine Notsectio rein kommt während man Nachts im OP steht wird eine Pflegekraft von Intensiv ans Gerät gesetzt. Wenn der Rea-Alarm klingelt macht die Anästhesiepflege meinen Job im OP. Wenn ich Nachts einen längeren Punkt im OP habe (Ileus o.ä.) macht man sämtliche sonstige Intensivtherapie übers Telefon. Oberärzte kommen für sowas nicht rein.

Vorgeschlagen haben wir schon einige alternative Dienstmodelle aber es ist eben alles zu teuer. Man möchte halt kein zusätzliches Geld ausgeben, da es ja offensichtlich seit Jahren so funktioniert. Ab und zu wird dann mal mit Schichtdienst gedroht ("Wollen Sie das etwa? Da verdienen Sie viel weniger."), woraufhin die meisten Kollegen leider schnell klein bei geben und das jammern auf geringerer Lautstärke fortführen.

Es ist traurig. Wir bekommen es nicht mal hin die Blutabnahmen auf nicht-ärtzliches Personal zu übertragen. So darf man dann morgens auch noch über die Station schlürfen und die Routine-Blutabnahmen machen. Auch hier sind dem Chef leider die Hände gebunden, weil die Pflege es nicht machen will und jede zusätzliche Kraft mal wieder Geld kostet.

Es würde mich wirklich mal interessieren ob solche Zustände halbwegs normal sind oder ob ich mich zu Recht über diese Strukturen aufrege. Ich habe leider keinen Vergleich bisher. Gibt es andere Kliniken in denen es ähnlich aussieht?

tragezwerg
15.11.2016, 11:10
Von meinem früherem Arbeitgeber kenne ich das System das du beschreibst sehr gut. Bei uns hat nach langem Hin und Her erst ein offener Brief an die Verwaltung (darin mehrere mögliche Szenarien mit Patientenschädigung ausführlich beschrieben sowie Verweise auf geltende Leitlinien der DGAI/DIVI etc.) mit Androhung der Kontaktaufnahme mit der Presse gefruchtet. Schwuppdiwupp war nachts und am Wochenende ein zweiter Anästhesist im Haus. Diplomatisch war dieser Weg ganz und gar nicht, aber effektiv!

Shizr
15.11.2016, 14:37
Notsectio und REA-Alarm parallel ist ja zum Glück selten aber ne Doppelbelastung hat man immer mal wieder. Wenn eine Notsectio rein kommt während man Nachts im OP steht wird eine Pflegekraft von Intensiv ans Gerät gesetzt. Wenn der Rea-Alarm klingelt macht die Anästhesiepflege meinen Job im OP. Wenn ich Nachts einen längeren Punkt im OP habe (Ileus o.ä.) macht man sämtliche sonstige Intensivtherapie übers Telefon. Oberärzte kommen für sowas nicht rein.
Ich finde, das ist völliger Wahnsinn.

Was macht ihr mit der Notsectio, wenns auf Intensiv brennt?
Also... richtig brennt? Das ist dann ja nicht grundlegend anders als der Rea-Alarm...

(Was sagen eure Oberen eigentlich zur einschlägigen Empfehlung der DIVI bezüglich ITS-Arztbesetzung?)



Vorgeschlagen haben wir schon einige alternative Dienstmodelle aber es ist eben alles zu teuer. Man möchte halt kein zusätzliches Geld ausgeben, da es ja offensichtlich seit Jahren so funktioniert.
Eure Oberen sollten mal gegenrechnen, was ihnen blüht, wenn auf ITS mal wirklich ne Katastrophe passiert, während der Dienst im OP feststeht.

Da kriegen sie nämlich das Organisationsverschulden so sehr um die Ohren gehauen, dass ihnen der Kopf von den Schultern fliegt.

FirebirdUSA
15.11.2016, 19:51
So lange es nicht irgendwo mit Überlastungs-/Gefährdungsanzeige dokumentiert ist werden sie sich mit Unkenntnis versuchen aus der Schlinge zu ziehen. Das der OA nicht rein kommt ist aber tatsächlich der Hohn... das würde ich tatsächlich gut dokumentieren.

Mck86
15.11.2016, 21:30
So lange es nicht irgendwo mit Überlastungs-/Gefährdungsanzeige dokumentiert ist werden sie sich mit Unkenntnis versuchen aus der Schlinge zu ziehen. Das der OA nicht rein kommt ist aber tatsächlich der Hohn... das würde ich tatsächlich gut dokumentieren.

Dokumentation ist alles was einem da bleibt. Ich schreibe das aufs Narkoseprotokoll oder in die Intensivkurve. Im Endeffekt ist ja z.B. bei einer Sectio immer Facharztstandard einzuhalten. Daher schreibe ich da "Oberarzt informiert um xx:xx Uhr. Kommt vorerst nicht hinzu." Falls es Komplikationen gibt nehme ich das nicht auf meine Kappe, wenn es nachher heißt "Warum wurde denn der OA nicht rechtzeitig informiert?"
Bei Reanimationen schreibe ich auch schon mal "Oberarzt mehrfach über frustrane Reanimation informiert. Telefonisch Anweisung erhalten 45 Minuten fortzufahren. OA lehnt es ab hinzu zu kommen."