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Was haltet Ihr denn so von Aripiprazol i.m. im Akutfall?
nüscht
Relaxometrie
14.07.2011, 20:51
nüscht
Warum nicht?
Ich erinnere mich an einen der lästigen Pharmareferenten, mit dem ich mich (zu Beginn meiner Psychiatriezeit.........später habe ich mir keine Zeit mehr für Pharmareferenten genommen) mal unterhalten habe. Er zeigte mir tolle Kurven und Studien, warum Abilify i.m. im Aktustadium ja soooo toll sei. Ich habe es ihm zwar nicht geglaubt, und in unserer Klinik wurde es auch im Notfall nicht angewendet. Ich habe also keine eigenen Erfahrungen damit.
Warum hälst Du nichts davon?
Interessant, was Ihr so schreibt!
Ich mache ja erst seit kurzem Psychiatrie-Dienste (bin ja eigentlich eine Neuro-Tante) und finde es eigentlich nicht so schlimm. Dieses ewige Dilemma "ist das jetzt ein Billig-Kopfschmerz oder doch eine Sinusvenenthrombose" hat man jedenfalls nicht. Letztlich geht es doch im Dienst in der Psych immer nur um die Frage "akut eigen- oder fremdgefährdet" und im Zweifel nimmt man eben auf. Dazu ist das Patientenaufkommen in dem Haus, in dem ich bin, viel geringer als ich es aus der Neuro kenne.
Zur Haldol iv Frage kann ich so richtig viel nicht beitragen. Bei uns ist allerdings Standard Haldol i.m. und ich finde i.m. bei agitierten, fixierten Pat. auch einfacher als iv.
Aripiprazol i.m. gibt es bei uns auch nicht, ich weiß aber von einem anderen Haus (Uni), in dem das durchaus gegeben wird.
Antracis
14.07.2011, 21:25
Letztlich geht es doch im Dienst in der Psych immer nur um die Frage "akut eigen- oder fremdgefährdet" und im Zweifel nimmt man eben auf.
Klar, aber diese Situationen können schon zehren. Wir sind bei uns in jedem Dienst in der Regel mehrmals pro Nacht mit der Polizei konfrontiert, die entweder suizidale oder fremdgefährliche Patienten bringt. Und da es da häufig auch um Unterbringungen und Zwangsmaßnahmen geht, kann man es sich erstens nicht allzu leicht machen (will damit nicht sagen, das Du das tust ;-) ), andererseits entstehen häufig angespannte Situationen. Dito bei der Frage nach Einwilligungsfähigkeit auf somatischen Stationen (IE das der Pat. ja in der Regel bleiben muß, aber nicht will...) oder den Notfällen auf Station, wo Patienten bedrohlich werden. Dazu kommen die somatisch & psychiatrisch kranken Patienten, die nachvollziehbarer Weise niemand haben will. Schon stressig. Auch einen eher ruhig wirkenden psychotischen Patienten aufzunehmen, der dann kurze Zeit später die Station und vielleicht sogar noch das PP zurichtet, ist nicht so entspannt.
Dazu ist das Patientenaufkommen in dem Haus, in dem ich bin, viel geringer als ich es aus der Neuro kenne.
Das hängt sicher extrem von der Klinik ab, man kann sicher auch ne ruhige Kugel schieben, aber bei uns beispielsweise ist in der Regel rund um die Uhr was los, im Schnitt 16h-Dienst mit 1-2h Schlaf.
Fazit: Die somatischen Kollegen beneiden uns nicht um unsere Dienste, aus meiner Persepktive sind sie nur anders - nicht schwerer, nicht leichter. Wenn man es kann, sprich Erfahrung hat, läufts halt und ist je nach Versorgungslage mal stressiger und mal entspannter.
PsychoFan
14.07.2011, 22:13
Mir als einem psychiatrischen Assistenten aus der tiefen Provinz fällt zum Thema Haldol i.v. spontan eine Frage ein, die sich anscheinend keiner von den schlauen Pharmakotherapie-Pharmakovigilanz-Professoren, die uns per Rote-Hand-Briefe und Stellungnahmen belehren, jemals gestellt hat: Wie viele der Todesfälle unter Haldol waren nicht dem Haldol sondern der extremen Belastung geschuldet, welcher die kardial vorgeschädigten Patienten ihre Herzlein ausgesetzt haben? Nicht ohne Grund haben diese Patienten doch Haldol i.v. bekommen müssen. Im Klartext: wenn ein kardial vorgeschädigter Patient wie verrückt tobt, mit Haldol i.v. ruhiggestellt wird und verstirbt, wäre doch auch denkbar, dass die körperliche Anstrengung dem Herzen bissl zu viel war und den Tod verursacht hat
Dabei meine ich natürlich nicht die 90-jährige Oma, deren Aggressivität sich darauf begrenzt, dem Doktor mal ins Gesicht zu spucken - die braucht aber auch kein Haldol i.v. Beim Haldol iv handelt es sich um eine Medikation, die Psychiater nur bei akuter ernsthafter Eigen- oder Fremdgefährdung anwenden.
Gerade bei unbekannten Akutpatienten halte ich die Kombi BDA i.v. + Haloperidol i.v. mit intaktem Venenzugang (Flexüle nicht Butterfly!) für sehr gut steuerbar und exakt dosierbar.
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