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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Losverfahren statt Wartezeitquote



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konstantin
05.08.2011, 14:06
Distress Mistress: Skyreaver hat nicht unrecht. Jemand, der ueber die Wartezeitquote zugelassen wird, arbeitet in seinem spaeteren Beruf spaeter sechs Jahre weniger als jemand, der direkt nach dem Abitur mit dem Studium begonnen hat. Bei vierzig Berufsjahren sind 6 Jahre unterschied immerhin 15% potenzielle Arbeitskraft, die der Gesellschaft verloren gehen.

Volkswirtschaftlich gesehen ist das ganze also tatsaechlich ein Desaster.

Distress Misstress
06.08.2011, 23:32
Distress Mistress: Skyreaver hat nicht unrecht. Jemand, der ueber die Wartezeitquote zugelassen wird, arbeitet in seinem spaeteren Beruf spaeter sechs Jahre weniger als jemand, der direkt nach dem Abitur mit dem Studium begonnen hat.

Das ist ein perverses Scheinargument.

Die Kosten für ausgebildete Ärzte, die ins Ausland gehen, sind das eigentliche Problem, nicht diese 20% der Absolventen, die weniger Arbeitszeit im Arztberuf haben. Jede Diskussion um alles, was mit dem Studium zu tun hat, handelt von Geld. Es gibt nicht mehr Studienplätze, weil das Geld nicht vernünftig verteilt wird. Der NC würde sich garantiert entspannen, wenn man beispielsweise die Abiprüfungen in jedem Bundesland angleichen würde. (Und das ist gerade mal das Ende der Kausalkette. Das kann jetzt ewig weitergehen bis in die Erziehung in der Grundschule.) Die Arbeitsbedingungen sind übel, weil nicht mehr Personal eingestellt wird, womit die Arbeitsbedingungen weiter unattraktiv werden und so weiter.

Diese Wartezeitquote, so sehr auch alle so rumheulen, ist die Garantie für soziale Mobilität. Wer diese höllisch lange Zeit wartet, die sich nicht ganz so lang anfühlt, wenn man sie gut nutzt, bekommt einen Studienplatz und kann sich höher qualifizieren, wenn er die Eignung für den jeweiligen Beruf mitbringt. Würde es diese Quote nicht geben, dürfte die Bundesrepublik Deutschland nicht "sozialer Bundesstaat" heissen. Artikel 20 unterliegt der Ewigkeitsklausel.

Wenn - und es sieht noch nicht so ganz danach aus, so verdummt sind noch nicht genug Sesselpupser - dem stattgegeben werden würde, wäre das nicht nur verfassungswidrig, sondern würde - absolut zu recht - einen großen Aufstand einläuten.

Im Übrigen, und ich sag das jetzt nicht, weil ich den Lesern des Forums einen eingeschränkten Horizont vorwerfe, gibt es die Wartezeitquote für jeden Studiengang in Deutschland. Es würden also nicht nur diese im Vergleich lächerlichen 20% der Medizin-Warter betroffen sein, sondern jeder Abiturient im Land, der gern studieren wollen würde und an diesem Ziel festhalten.

Rein wirtschaftlich gesehen haben übrigens die Warter einen Beruf erlernt und gearbeitet. Die Wenigsten werden 6 Jahre lang bis zum Studienbeginn arbeitslos gewesen sein, weil sie keine Ausbildung haben. Ausserdem ist von einem Teil der Warter ihre in der Wartezeit erworbene Qualifikation, je nach Fach oder Beruf, sehr förderlich für die Grundausbildung (Regelstudienzeit) oder für den Beruf (spezialisierte Fachkraft).

lvf90
07.08.2011, 19:19
Das ist ein perverses Scheinargument.

Besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Super Beitrag!

konstantin
08.08.2011, 00:16
Das ist ein perverses Scheinargument.

0:43. Ein paar Bier intus. Auf geht's!


Die Kosten für ausgebildete Ärzte, die ins Ausland gehen, sind das eigentliche Problem, nicht diese 20% der Absolventen, die weniger Arbeitszeit im Arztberuf haben.

Wir reden aber momentan nicht ueber Aerzte, die ins Ausland abwandern, sondern nur und ausschliesslich ueber die Wartezeitquote. Es gibt einen Haufen unwirtschaftlicher Aspekte in der Ausbildung der Mediziner in Deutschland - meinetwegen koennen wir da auch noch stundenlang drueber diskutieren - doch in diesem Falle ging es um die Wartezeitquote und deren Unwirtschaftlichkeit als solche - nicht umgekehrt!


Jede Diskussion um alles, was mit dem Studium zu tun hat, handelt von Geld. Es gibt nicht mehr Studienplätze, weil das Geld nicht vernünftig verteilt wird.

Primaer gibt es nicht mehr Studienplaetze, weil kein Geld dafuer da ist, sondern weil die Zahlen fuer sich sprechen: es werden schlichtweg nicht mehr Studienplaetze benoetigt - bzw. die zusaetzlich benoetigten Studienplaetze werden ja tatsaechlich geschaffen, dieser Prozess erfolgt aber schleichend und ueber die Jahre hinweg. Wenn du dir die Zahlen anschaust, ist es so, dass jede Fakultaet zu jedem neuen Studienbeginn mehr Studenten aufnimmt als im Jahr zuvor. Es wird also bereits mehr oder weniger bedarfsgerecht die Kapazitaet der Studienplaetze erhoeht.



Der NC würde sich garantiert entspannen, wenn man beispielsweise die Abiprüfungen in jedem Bundesland angleichen würde.

Wuerde er nicht. Ganz egal, wie die Rahmenbedingungen aussehen (ob man das Abitur heute oder vor zwanzig Jahren abgelegt hat, ob man Zentralabitur macht oder nicht...), die Leistungsdichte wird sich dadurch wohl kaum entzerren. Die Unterschiede zwischen den Bundeslaendern sind denkbar gering - bilde meinetwegen einen Querschnitt daraus, die Anzahl der Abiturienten beruecksichtigend, und dann sag mir nochmal, dass sich da der NC entzerrt...


(Und das ist gerade mal das Ende der Kausalkette. Das kann jetzt ewig weitergehen bis in die Erziehung in der Grundschule.)

Lustig, dass du von perversen Scheinargumenten sprichst. Ich habe eigentlich nur von der Wartezeitquote sprechen wollen, drum uebergehe ich diese Klammer einfach mal...


Die Arbeitsbedingungen sind übel, weil nicht mehr Personal eingestellt wird, womit die Arbeitsbedingungen weiter unattraktiv werden und so weiter.

Dir ist vielleicht entgangen, dass vielerorts nicht mehr Personal eingestellt wird, weil die Klinikleiter Fuersten der Finsternis sind und ihre Aerzteschaft wie Sklaven halten und ihnen keine neuen Kollegen zur Seite stellen wollen, sondern weil es schlichtweg keine Bewerber auf die ausgeschriebenen Stellen gibt.

Die Gruende dafuer sind divers und haben natuerlich auch etwas mit dem eventuell nicht ganz so duften Arbeitsklima zu tun. Deine Idee waere also, so lange mehr Aerzte auf den Markt zu schmeissen, bis die Konkurrenz so gross ist, dass jeder fuer einen Hungerlohn und unter allen Bedingungen arbeiten geht, nur, damit er ueberhaupt noch einen Job bekommt?

Gaaanz schlechte Idee. Vorhin hat Rico einen Beitraeg dazu in einem aehnlichen Thread geschrieben. Vielleicht mal anschauen...


Diese Wartezeitquote, so sehr auch alle so rumheulen, ist die Garantie für soziale Mobilität. Wer diese höllisch lange Zeit wartet, die sich nicht ganz so lang anfühlt, wenn man sie gut nutzt, bekommt einen Studienplatz und kann sich höher qualifizieren, wenn er die Eignung für den jeweiligen Beruf mitbringt. Würde es diese Quote nicht geben, dürfte die Bundesrepublik Deutschland nicht "sozialer Bundesstaat" heissen. Artikel 20 unterliegt der Ewigkeitsklausel.

Blah blah blah... Du sprichst also so ziemlich jedem westlichen Land ab, ein "sozialer Staat" (das mit dem Bund wollen wir mal weglassen) zu sein, weil sie keine entsprechenden Wartezeitregelungen fuer ihre angehenden Studenten zur Verfuegung stellen?

So einfach funktioniert das leider nicht. Klingt fuer mich immer wieder nach reiner Polemik, und ich bin es auch ehrlich gesagt leid, das zu hoeren.


Wenn - und es sieht noch nicht so ganz danach aus, so verdummt sind noch nicht genug Sesselpupser - dem stattgegeben werden würde, wäre das nicht nur verfassungswidrig, sondern würde - absolut zu recht - einen großen Aufstand einläuten.

Im Zweifel waere der Aufstand wohl kleiner als du denkst...


Im Übrigen, und ich sag das jetzt nicht, weil ich den Lesern des Forums einen eingeschränkten Horizont vorwerfe, gibt es die Wartezeitquote für jeden Studiengang in Deutschland. Es würden also nicht nur diese im Vergleich lächerlichen 20% der Medizin-Warter betroffen sein, sondern jeder Abiturient im Land, der gern studieren wollen würde und an diesem Ziel festhalten.

Sehr schoen. Ich weiss so langsam garnicht mehr, warum ich "perverser Scheinargumente" bezichtigt werde.


Rein wirtschaftlich gesehen haben übrigens die Warter einen Beruf erlernt und gearbeitet. Die Wenigsten werden 6 Jahre lang bis zum Studienbeginn arbeitslos gewesen sein, weil sie keine Ausbildung haben. Ausserdem ist von einem Teil der Warter ihre in der Wartezeit erworbene Qualifikation, je nach Fach oder Beruf, sehr förderlich für die Grundausbildung (Regelstudienzeit) oder für den Beruf (spezialisierte Fachkraft).

Auf dieses Argument habe ich ehrlich gesagt gewartet. Du glaubst also wirklich, dass jemand, der vorher eine Ausbildung gemacht hat, schon entsprechend gearbeitet haette und so dieses "Loch" von sechs Jahren im spaeteren Berufsleben kompensieren koennte?

Im Gegenteil! Volkswirtschaftlich gesehen (und genau davon sprach ich auch in meinem initialen Post) ist das sogar noch viel groesserer Quatsch. Auch eine Ausbildung zur GuK-Pfleger/in kostet Geld. Das Geld bezahlt in der Regel nicht der/die Auszubildende, sondern das Krankenhaus, welches sich entsprechend den hauseigenen Nachwuchs heranbilden moechte. Ich denke, dass Feedback ueber die Steuern, die der fertige Krankenpfleger in den drei Jahren zwischen Ende der Ausbildung und Studienbeginn bezahlt, die dann irgendwie ueber drei Ecken, Subventionen und Foerderungen an das ausbildende Krankenhaus zurueckgehen, duerfte nicht annaehernd die fuer die Ausbildung anfallenden Kosten decken.

Von den "Qualifikationen", die man in der Wartezeit erwirbt, wollen wir mal garnicht reden. Diese "spezialisierten" Qualifikationen wird sich der Arzt wohl auch in den sechs Jahren aneigenen koennen, die er nach dem Studium in seinem Beruf laenger arbeiten kann. Und die fuer das Studium relevanten "Qualifikationen" sind nicht der Rede wert, wenn man bedenkt, dass die frischen Abiturienten genau so problemlos durch das Studium schreiten wie die Warter.

Jetzt mal im Ernst: Ich wollte keinem Warter zu nahe treten. Ich habe lediglich ganz nuechtern eroertert, dass die Wartezeitquote volkswirtschaftlich gesehen Unfug ist. Etwas anderes zu behaupten, ist schlichtweg realitaetsfern. Ich habe nie gesagt, man muesse diese Quote deswegen abschaffen, und jemanden beleidigen wollte ich schon gar nicht.

Die "perversen Scheinargumente" gebe ich entsprechend gerne zurueck. Du hast mehr als nur am Thema vorbei argumentiert; darueber hinaus fusst ein Grossteil deiner Argumente auf purer Polemik, wie sie hier andauernd von verschiedenster Seite geaeussert wird. Das ist auch nicht weiter schlimm und waere mir ziemlich egal, wenn du nicht diesmal direkt mich damit angesprochen haettest. :-wow

Liebste Gruesse,
Konstantin

VERITAS
08.08.2011, 08:29
Im Gegenteil! Volkswirtschaftlich gesehen (und genau davon sprach ich auch in meinem initialen Post) ist das sogar noch viel groesserer Quatsch. Auch eine Ausbildung zur GuK-Pfleger/in kostet Geld. Das Geld bezahlt in der Regel nicht der/die Auszubildende, sondern das Krankenhaus, welches sich entsprechend den hauseigenen Nachwuchs heranbilden moechte. Ich denke, dass Feedback ueber die Steuern, die der fertige Krankenpfleger in den drei Jahren zwischen Ende der Ausbildung und Studienbeginn bezahlt, die dann irgendwie ueber drei Ecken, Subventionen und Foerderungen an das ausbildende Krankenhaus zurueckgehen, duerfte nicht annaehernd die fuer die Ausbildung anfallenden Kosten decken.

Ja, zumal in Deutschland ja bekanntlich Pflegefachkräftemangel herrscht!
Ganz ehrlich, ich kann die Pflegedienstleitungen in den jeweiligen Krankenhäusern absolut NULL verstehen, dass diese überhaupt Ausbildungsplätze an Abiturienten vergeben!
Ich schätze locker 80 % aller Abiturienten die eine Pflegeausbildung machen, machen diese ausschließlich um die Wartezeit auf einen Medizinstudienplatz zu überbrücken.
Hat sich dieses Dilemma bei den PDL`s immer noch nicht herum gesprochen ???
Das ist absolut unakzeptabel für Deutschland finde ich, zumal an vielen Krankenpflegeschulen der Abiturientenanteil ja wirklich nicht unerheblich zu sein scheint!
Dass diese Leute dann quasi NIE als ausgebildete Pflegekräfte längerfristig arbeiten ist wirklich sehr traurig...
Davon, dass vielen jungen Menschen ohne Abitur zusätzlich auch noch begehrte Ausbildungsplätze weggenommen werden, naja lassen wir das...
Wieder einmal zeigt sich - armes Deutschland! :-keks

Tijer
08.08.2011, 08:32
Distress Mistress: Skyreaver hat nicht unrecht. Jemand, der ueber die Wartezeitquote zugelassen wird, arbeitet in seinem spaeteren Beruf spaeter sechs Jahre weniger als jemand, der direkt nach dem Abitur mit dem Studium begonnen hat. Bei vierzig Berufsjahren sind 6 Jahre unterschied immerhin 15% potenzielle Arbeitskraft, die der Gesellschaft verloren gehen.

Volkswirtschaftlich gesehen ist das ganze also tatsaechlich ein Desaster.

Lächerlich, ich kenne kaum einen Arzt der sein volles Arbeitspensum erfüllt hat als er in Rente gegangen ist.

konstantin
08.08.2011, 09:02
Mal davon abgesehen, dass ich es durchaus anders kenne und ein Grossteil der Aerzte in meinem Umfeld selbst nach dem Eintritt in den Ruhestand gelegentlich praktiziert, weil sie einfach Spass daran haben: Die Verhaeltnismaessigkeit waere selbst bei deinem Beispiel gegeben, denn der "Wartezeit-Arzt" wird statistisch vermutlich ebenso verfrueht in den Ruhestand gehen wie der "Nicht-Wartezeit-Arzt". Sechs Jahre weniger bleiben also sechs Jahre weniger.

Ich verstehe auch nicht, weshalb ihr euch alle so dagegen straeubt. Es ist simple Mathematik und ich wollte damit niemandem etwas Boeses.

pottmed
08.08.2011, 09:34
Mal davon abgesehen, dass ich es durchaus anders kenne und ein Grossteil der Aerzte in meinem Umfeld selbst nach dem Eintritt in den Ruhestand gelegentlich praktiziert, weil sie einfach Spass daran haben: Die Verhaeltnismaessigkeit waere selbst bei deinem Beispiel gegeben, denn der "Wartezeit-Arzt" wird statistisch vermutlich ebenso verfrueht in den Ruhestand gehen wie der "Nicht-Wartezeit-Arzt". Sechs Jahre weniger bleiben also sechs Jahre weniger.

Ich verstehe auch nicht, weshalb ihr euch alle so dagegen straeubt. Es ist simple Mathematik und ich wollte damit niemandem etwas Boeses.

Simple Mathematik im VWL-Technischen Sinne wäre es nur, wenn Du davon ausgehen könntest, dass Wartezeitler in ihrer Wartezeit nichts tun bzw. nicht arbeiten. Du gleichzeitig aber annimmst, dass alle Studenten die direkt ihr Studium beginnen auch tatsächlich diese 6 Jahre mehr arbeiten. Du kannst aber weder das eine noch das andere annehmen. Also Tendenzen kann man sicherlich erkennen, aber verallgemeinern kann man nicht. Dafür gibt es zu viele unterschiedliche Lebensentwürfe, die sich in in VWL-Modellen nicht abbilden lassen. Das sagt dir ein VWLer ;-)

konstantin
08.08.2011, 09:38
Hehe. Nagut. Aber die Tendenzen sind eindeutig. :-sleppy

Tijer
08.08.2011, 09:45
Die Leute die gelegentlich bis ins hohe Alter praktizieren behandeln meistens ihre alten Privat-Stammpatienten und tun damit wesentlich mehr für ihr eigenes Portmonaie als für die Volkswirtschaft.

-----

Du pisst damit aber denjenigen ziemlich ans Bein, die bis zu 6 Jahre ihres Lebens investiert haben um ihren Traumberuf ergreifen zu können. Denjenigen die nicht geklagt, über Fremdfächer getrickst oder sich irgendwo eingekauft haben, sondern sich an die Regeln gehalten haben.
Wenn jetzt irgendein dahergelaufener 3,4er Abiturient mit Losglück an ihnen vorbeiziehen würde.. Kannst dir ja vielleicht denken, was das in einem auslöst.

Die Wartezeitler die abbrechen und die schlechtere Ärzte werden sind mMn nicht die, die 6 Jahre Jahre bewusst nach dem Abi gewartet haben, sondern Spontanbewerber die plötzlich auf den Trichter kommen, das sie ja genug Wartesemester für ZM/M haben und sich "einfach mal bewerben".

Die einzige Lösung für das Wartezeitproblem: Wartezeit zählt erst ab der 1. Bewerbung.
Dann haben wir keine Alten, keine Unmotivierten die eigentlich keine Ahnung haben was sie da tun und es würde sicherlich mindestens 30% schneller vorangehen -> Ergo die Wartezeitler wären auch jünger.

konstantin
08.08.2011, 09:47
Ich habe die Wartezeit an sich doch nie in Frage gestellt. :-nix Habe lediglich Skyreaver ein wenig unter die Arme greifen wollen, weil ich denke, dass er mit dem finanziellen Aspekt durchaus recht hat.

VERITAS
08.08.2011, 09:49
Du pisst damit aber denjenigen ziemlich ans Bein, die bis zu 6 Jahre ihres Lebens investiert haben um ihren Traumberuf ergreifen zu können. Denjenigen die nicht geklagt, über Fremdfächer getrickst oder sich irgendwo eingekauft haben, sondern sich an die Regeln gehalten haben.
Wenn jetzt irgendein dahergelaufener 3,4er Abiturient mit Losglück an ihnen vorbeiziehen würde.. Kannst dir ja vielleicht denken, was das in einem auslöst.

Die Wartezeitler die abbrechen und die schlechtere Ärzte werden sind mMn nicht die, die 6 Jahre Jahre bewusst nach dem Abi gewartet haben, sondern Spontanbewerber die plötzlich auf den Trichter kommen, das sie ja genug Wartesemester für ZM/M haben und sich "einfach mal bewerben".

Die einzige Lösung für das Wartezeitproblem: Wartezeit zählt erst ab der 1. Bewerbung.
Dann haben wir keine Alten, keine Unmotivierten die eigentlich keine Ahnung haben was sie da tun und es würde sicherlich mindestens 30% schneller vorangehen -> Ergo die Wartezeitler wären auch jünger.
@Tijer
:-meinung
Sehe das zu 1000 % ganz genau so !!!

TIJER for president!!! :-dafür

lvf90
08.08.2011, 15:01
Im Gegenteil! Volkswirtschaftlich gesehen (und genau davon sprach ich auch in meinem initialen Post) ist das sogar noch viel groesserer Quatsch. Auch eine Ausbildung zur GuK-Pfleger/in kostet Geld. Das Geld bezahlt in der Regel nicht der/die Auszubildende, sondern das Krankenhaus, welches sich entsprechend den hauseigenen Nachwuchs heranbilden moechte. Ich denke, dass Feedback ueber die Steuern, die der fertige Krankenpfleger in den drei Jahren zwischen Ende der Ausbildung und Studienbeginn bezahlt, die dann irgendwie ueber drei Ecken, Subventionen und Foerderungen an das ausbildende Krankenhaus zurueckgehen, duerfte nicht annaehernd die fuer die Ausbildung anfallenden Kosten decken.

Ganz so platt, wie du die Sache darstellst, ist das aber nicht. Ein Azubi arbeitet den Großteil seiner Ausbildung auf Station in Vollzeit und bekommt dafür eine (im Vergleich zu den anderen Pflegern und Schwestern) sehr geringer Vergütung. Einige Stationen bräuchten zusätzliches Personal, würden alle Azubis wegfallen. Mir ist schon klar, dass damit die Ausbildungskosten nicht gedeckt werden können, aber Azubis bringen einem KH auch eine hohe Entlastung.

Dass fertige Krankenpfleger nach Studienplatzzusage vom Arbeitsmarkt verschwinden sorgt sicherlich für eine gewisse Knappheit an Pflegekräften, aber das finde ich persönlich gar nicht so schlecht, da durch die hohe Nachfrage und dem kleinen Angebot dieser ein vernünftiges Gehalt in pflegerischen Berufen erst möglich ist! "Fachkräftemangel" heißt oft nicht, dass ein Mangel an Fachkräften besteht, sondern, dass eine Schwemme an Fachkräften fehlt, damit sich diese in ihren Gehaltsvorstellungen gegenseitig unterbieten können.

tupperdose123
11.08.2011, 13:18
UPDATE: Hier ist ein Diskussionsprotokoll vom Fakultätentag. Einfach mal das pdf nach "warte" durchsuchen, da sind wirklich interessante Zitate drin.

http://www.mft-online.de/dokumente2011/diskussionsprotokoll_mft_gma-tagungstudi-auswahl_2011-02-24_2.pdf

VERITAS
11.08.2011, 14:01
UPDATE: Hier ist ein Diskussionsprotokoll vom Fakultätentag. Einfach mal das pdf nach "warte" durchsuchen, da sind wirklich interessante Zitate drin.

http://www.mft-online.de/dokumente2011/diskussionsprotokoll_mft_gma-tagungstudi-auswahl_2011-02-24_2.pdf

Reden - reden - reden, bla bla bla
die sollen endlich was machen und zwar das!:-dafür


Ich würde nicht an eine Grenze denken; aber die viel sinnvollere Variante wäre nicht, die Halbjahre zwischen Abitur und Bewerbung zu zählen, sondern die Zahl der jeweiligen Bewerbungen, denn damit kann ich nämlich feststellen, wer sich „darauf hinwartet“ und ich bin davon überzeugt, dass wir die sechseinhalb Jahre (Wartezeit) drastisch senken könnten!

Es wurde jetzt gerade wieder die Wartezeit erwähnt, das brennt mir seit heute morgen auf den Nägeln. Die Wartezeit wird berechnet bei den einzelnen Personen, seit wie vielen Jahren jeweils das Abitur vorbei ist. Warum kann man nicht sagen, die Wartezeit wird nur dann berechnet, wenn in der Zeit auch Bewerbungen gekommen sind und nicht einfach zu schauen, wie lange das Abitur her ist?! Dadurch kommen etliche bei uns rein, die 50 Jahre alt sind und ins erste Fachsemester über die Wartezeit kommen.

Ich fände das eine kinderleichte und einfache Lösung!
Hochschulstart könnte das einfachst umsetzen, indem man die "Bewerbungssemester" einfach bei der Bewerbung ankreuzen MUSS! Das würde keinen Mehraufwand erfordern und gelegentlich könnten sie Stichproben machen, ob die Angaben stimmen!
Stichproben sollten die eh öfter machen, weil ich nicht wissen möchte wie oft und wieviele Leute ihre vorherigen Studiensemester verschweigen, weil sie diese als Parksemester sonst abgezogen bekämen :-dagegen

Die sollen mal aus der Hüfte kommen, im Idealfall mit oben genanntem :-meinung:-dafür

Und wenn denen das zu kompliziert ist, einfach Wartezeit ab ERSTBEWERBUNG, also einfacher und mit weniger Aufwand kann man die Wartezeit nicht halbieren...

Kiddo
11.08.2011, 16:26
Das wir Wartezeilter eine Änderung zu unseren Gunsten gut finden würden, sei mal dahingestellt.

Warum sollte Hochschulstart auf die Idee kommen, dass System für die Wartezeit verändern zu wollen? Ich denke ja, dass es ihnen egal ist, wann und wer die Plätze in dieser Quote bekommt.

Herzkasperl
11.08.2011, 16:47
0:43. Ein paar Bier intus. Auf geht's!



Die Antwort spar ich mir auch für heute abend auf :-) Da hab ich noch ein paar Takte dazu zu sagen, mit meinem Alter...

Herzkasperl
12.08.2011, 00:30
Distress Mistress: Skyreaver hat nicht unrecht. Jemand, der ueber die Wartezeitquote zugelassen wird, arbeitet in seinem spaeteren Beruf spaeter sechs Jahre weniger als jemand, der direkt nach dem Abitur mit dem Studium begonnen hat. Bei vierzig Berufsjahren sind 6 Jahre unterschied immerhin 15% potenzielle Arbeitskraft, die der Gesellschaft verloren gehen.

Volkswirtschaftlich gesehen ist das ganze also tatsaechlich ein Desaster.

Das ist falsch.

Volkswirtschaftlich betrachtet ist der gesamte Gesundheitsbetrieb nur eins: ein Kostenfaktor. Sicher, man bringt hin und wieder Arbeits-fähige, -habende oder -willige ein, zwei Tage schneller auf die Beine. Meist wird aber an Leuten herumgedoktort, die volkswirtschaftlich ohnehin schon lange auf der Ausgabenseite, will sagen: Rente, stehen. Nur damit die noch länger leben. Und das kostet auch noch Geld - und zwar nicht zu knapp.

Ich bin mir sicher, dass niemand, der hier bis jetzt das Wort "volkswirtschaftllich" in den Thread geschrieben hat, eine Volkswirtschaftsvorlesung auch nur gesehen, geschweige denn verstanden hat.

Das mag nun etwas provokativ sein, berührt aber den Kern: Gesundheitswesen produziert keine Güter oder exportierbare Dienstleistungen, ist also aus volkswirtschaftlicher Sicht Sand im Getriebe. Übrigens ist das der Hauptgrund, warum die Politik kein echtes Interesse an mehr Ärzten hat, die kosten nämlich nur noch mehr Geld.

Am Ende ist es umgekehrt: Je weniger ein Arzt arbeitet, desto besser -volkswirtschaftlich betrachtet. Natürlich hat das eine Grenze, nämlich dann, wenn die Arbeitskraft der Werktätigen leidet. Aber davon sind wir in DE noch seeehr weit entfernt.

Das kommt Dir unmenschlich vor? Ja, genau wie Deine obige Betrachtung zur Wartezeit. Wenn man der Logik "Wer arbeitet später als Arzt am meisten" folgt, müsste man als Erstes alle Frauen aussortieren - die arbeiten nämlich später im Schnitt 30% weniger - mithin gut 10 Jahre, nicht 12 Wartesemester (den Vorschlag gab es tatsächlich schon von einem Politiker...). Dann könnte man alle, die im Studium dauerhaft krank werden, MS z.B., rauswerfen und schlußendlich könnte man auch Eingangstests machen, um zu überprüfen, wer vielleicht genetisch bezüglich Brustkrebs, Leukämie oder Herzinfarkt vorbelastet ist. Da gibt es gerade einen Thread zum Thema Drittes Reich in einem anderen Forum hier...

Es ist faszinierend: Da sind die angeblich so unmenschlichen Juristen wesentlich weiter. Versicherungen dürfen nicht mehr nach Geschlecht unterscheiden, Arbeitgeber nicht mehr nach Alter, aber bei den Medizinern sollen glasklare Diskriminierungen fröhliche Urstände feiern.

Es gibt, grob gesagt, zwei Möglichkeiten: Entweder das Studium kostet nix, dann muss man auch allen, die Steuern zahlen (könnten) und das Studium schaffen könnten, eine Zugangsmöglichkeit (zum Erststudium) bieten. Das steckt sozusagen in den Genen des Grundgesetzes. Oder man lässt die Leute zahlen. Dann darf auch jeder, nur muss man halt einen Kredit aufnehmen. Mir ist es egal.

Noch ein paar Worte zu "volkswirtschaftlich" und den obigen Zitaten vom Fakultätentag. Da redet also ein Professor von Dingen, von denen er Null Ahnung hat. Wobei, das ist kein Reden, das ist unsortiertes Aneinanderfügen von geistigem Sondermüll:

"Ich sage das auch, damit sie später nicht nur Mediziner, sondern auch Ärzte werden; es muss ja nicht notwendigerweise identisch sein, denn wir wollen auch von diesen Ärzten im Sinne der Gesundheitsfürsorge flächendeckend etwas haben und das macht mir große Sorge, das wir viele junge Leute ausbilden, die anschließend nach England oder sonst wohin abwandern und da muss was nachrutschen. Ich muss sagen, ich werde dieses Jahr 65. Lebenslanges lernen ist einem Historiker und klassischen Philologen wie mir wohl vertraut; aber das kann ich in den Geisteswissenschaften leichter machen. Wenn der Studienplatz in der Regel in der Medizin dagegen schon 200.000 Euro kostet, also dann würde ich diesen volkswirtschaftlich investiver angesiedelt sehen, wenn die Altersgrenze deutlich niedriger wäre. Ich würde bei der Mindestzahl deutlich an 40 Jahre denken."

Philologen und Volkswirtschaft? Ich spare mir an dieser Stelle einen weiteren Kommentar.

amy-mia
20.08.2011, 20:41
Distress Mistress: Skyreaver hat nicht unrecht. Jemand, der ueber die Wartezeitquote zugelassen wird, arbeitet in seinem spaeteren Beruf spaeter sechs Jahre weniger als jemand, der direkt nach dem Abitur mit dem Studium begonnen hat. Bei vierzig Berufsjahren sind 6 Jahre unterschied immerhin 15% potenzielle Arbeitskraft, die der Gesellschaft verloren gehen.

Volkswirtschaftlich gesehen ist das ganze also tatsaechlich ein Desaster.

wieso das? man arbeitet doch auch in der Wartezeit? ich zumindest... ich verdiene nicht schlecht und bezahle gut an Steuern!
und in der Ausbildung zahlt man doch auch Renten- und Krankenversicherung, auch wenn nicht in dem Maße, wie als Vollzeitkraft.

Julia8
21.08.2011, 10:04
HI

@Herzkasperl: man kann Thesen erstellen um sie im gleichen Moment auch auf ihre Richtigkeit hin zu prüfen. Die Leute die jetzt das Rentenalter erreicht haben und weit darüber sind, die haben dir dein jetziges Leben ermöglicht und sie können für das System überhaupt nichts.

Weiterhin hat jeder Ü80 die Berechtigung TEP´s zu erhalten, wenn das die Lebensqualität erhält oder dazu beiträgt, dass sie - sollte sie gepflegt werden müssen - menschenwürdig behandelt bzw. versorgt werden können.

Tunneldenken bringt gerade in den schwierigen Phasen überhaupt nichts. Vielmehr sollte man darüber nachdenken, was jeder einzelne für seine Umgebung tun kann, dass alles konstruktiv weiter läuft.

Geld verdienen müssen wir alle, aber ist es letztendlich wirklich so wichtig, dass man nur von diesem Standpunkt ausgeht?

LG