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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Warum wollen junge Mediziner keine Praxis auf dem Land führen?



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Zwitscherliesel
04.08.2011, 09:38
Hallo!

Danke für eure rege Beteiligung an dem Thema.
Man darf gespannt sein, was sich die Berufspolitiker,
allen voran herr bahr, nun ausdenken werden.

Unter anderem wird diskutiert, ob die landkreise den land-medizinern
unter die arme greifen sollten, indem sie einen zuschuss zur praxisausstattung
geben. Das wär doch mal was, ist aber angesichts leerer kassen in den
kommunen eher unwahrscheinlich.


Kann man ja auch umgekehrt fragen.

Würde ein Journalist eher zu einer Provinzzeitung gehen, bei der er mehr arbeiten und ständig verfügbar sein müsste oder doch lieber zu einer großen Zeitung nach München oder Frankfurt mit weniger Arbeitszeit aber gleichem oder besserem Gehalt?




Interessante Frage, natürlich würde ich da spontan erstmal drauf antworten,
natürlich nicht!!

Allerdings ist es mit der branche etwas anders. die wenigstens jungredakteure können sich,
im gegensatz zu jungen medizinern, heute noch aussuchen, wo sie arbeiten
möchten. trotz immer schlechterer bezahlung gibt es immer noch sehr großen zulauf im zeitungswesen. und natürlich gibt es immer spielräume, aber der übergroße teil
der redakteure arbeitet eben in einer mittelgroßen lokalredaktion.
Das arbeitspensum ist dort nicht unbedingt größer, als bei einem wochenmagazin. da wird eben anders gearbeitet und nicht nur für den nächsten tag "produziert".

Antracis
04.08.2011, 11:39
Hey, der Thread hat es immerhin in die F.A.Z. geschafft. ;-)

http://www.faz.net/artikel/C30108/landaerztemangel-land-hier-arzt-da-30478768.html

pottmed
04.08.2011, 11:44
Hey, der Thread hat es immerhin in die F.A.Z. geschafft. ;-)

http://www.faz.net/artikel/C30108/landaerztemangel-land-hier-arzt-da-30478768.html

Sowas ähnliches habe ich mir schon gedacht ;-)

Ahso, und falls der Artikel tatsächlich noch in einer OWL-Zeitung erscheint, würde mich das auch interessieren...

ehem-user-02-08-2021-1033
04.08.2011, 12:05
Die Allgemeinmediziner erzählen bei jeder erdenklichen Gelegenheit bereits Studenten und aber auch natürlich der Öffentlichkeit, wie schlecht der Job als Landarzt doch ist.
--> Hallo? Warum will dann wohl niemand den Job machen?
Das Image des Landarztes ist das des vom Bankrott bedrohten Losers, der kein Privatleben hat und immer mehr Bürokratie zu bewerkstelligen hat.
:-keks.

Ein anderer Punkt ist, dass wir irgendwie indirekt bereits im Studium lernen, dass nur hochtechnisierte Gerätemedizin gute Medizin ist. Wir lernen nicht mit Wahrscheinlichkeiten umzugehen. Die diagnostischen Möglichkeiten in einer Landarztpraxis sind aber eher bescheiden.

Relaxometrie
04.08.2011, 12:10
Für einen Bericht in einer ostwestfälischen Zeitung.........
War das also gelogen? Oder zumindest nicht die ganze Wahrheit?

pottmed
04.08.2011, 12:16
War das also gelogen? Oder zumindest nicht die ganze Wahrheit?

Die Autorin kommt immerhin aus Münster ;-)

Relaxometrie
04.08.2011, 12:21
Die Autorin kommt immerhin aus Münster ;-)

Münster ist nicht OWL.
Ich halte es für einen Journalisten auf jeden Fall nicht für besonders vertrauenserweckend, wenn er/sie sich unter Vortäuschung falscher Tatsachen in ein Forum einschleust.

epeline
04.08.2011, 12:27
ich muss mal blöd fragen: was meint ihr mit OWL?

pottmed
04.08.2011, 12:27
Münster ist nicht OWL.
Ich halte es für einen Journalisten auf jeden Fall nicht für besonders vertrauenserweckend, wenn er/sie sich unter Vortäuschung falscher Tatsachen in ein Forum einschleust.

Vielleicht kommt der Bericht tatsächlich in eine Zeitung aus OWL und die FAZ macht es sich nur noch einfacher ;-)

pottmed
04.08.2011, 12:28
ich muss mal blöd fragen: was meint ihr mit OWL?

Ostwestfalen-Lippe

Relaxometrie
04.08.2011, 12:30
ich muss mal blöd fragen: was meint ihr mit OWL?
Ostwestfalen-Lippe
(ups, pottmed war schneller)


Vielleicht kommt der Bericht tatsächlich in eine Zeitung aus OWL und die FAZ macht es sich nur noch einfacher ;-)
Die Fragestellerin wird es hoffentlich aufklären.

pottmed
04.08.2011, 12:38
Ich hab den Link zum Forum hier mal als Kommentar beim FAZ-Artikel gepostet, mal schauen ob die den freischalten....

Gelbes_U
04.08.2011, 14:08
Der Trend ist doch in allen Akademiker-Berufen derselbe: Aufs Land will keiner mehr, weil es schwieriger ist

a) Partner zu finden und
b) wenn man a) gelöst hat, den Partner dorthin zu bekommen, weil der da nix bekommt.

Mal abgesehen davon: Brauchen wir überhaupt so viele Ärzte? Die meisten Ömchen kommen doch eh mit Dingen daher, für die man in der Regel keinen Arzt braucht. Oder, anders ausgedrückt: Die Deutschen gehen (auch im internationalen Vergleich) eh viel zu oft zum Arzt.

Gazelle
04.08.2011, 14:10
Ich komme aus OWL, wohne in einer Kleinstadt/Großdorf und spiele mit dem Gedanken Medizin zu studieren. Bin zwar "erst" knapp 16, aber es ist mein traum... Nun zum Thema. Unser Hausarzt (es gibt tatsächlich 3 Ärzte bei uns für Stadt und etwa 15 kleine dörfer) hat uns erzählt wie be******en sein Job ist. Er muss ziemlich oft lange dienste schieben, am wochenende ( ich weiß nicht mehr wie lange, glaube 36 oder 48h) und auch in den Ferien. Mein Vater meinte, der wäre nur gekommen, weil die Stadt im ein riesiges, supergelegenes Stück Land direkt am Wald für "nen Apel und nen Ei" gegeben hat. Der Mann hat Kinder und ne Frau, die auch in der Praxis arbeiten, einen Hund, einen gut gepflegten Garten, ein Pony... Wie der das schafft :-nix Ich glaube, ohne gewisse Vorteile wie das Grundstück wäre der nciht geblieben

medizininteressiert
04.08.2011, 15:11
...
Unter anderem wird diskutiert, ob die landkreise den land-medizinern
unter die arme greifen sollten, indem sie einen zuschuss zur praxisausstattung
geben. Das wär doch mal was, ist aber angesichts leerer kassen in den
kommunen eher unwahrscheinlich.
...


Hier im Forum wurde mal über eine Selbstständigkeit als Radiologe gesprochen. Wenn der Landkreis tatsächlich die Praxis mitfinanziert, ohne Rückzahlung versteht sich, dann wäre das sicherlich ein lukratives Geschäft. :-oopss

LasseReinböng
04.08.2011, 15:38
Hier im Forum wurde mal über eine Selbstständigkeit als Radiologe gesprochen. Wenn der Landkreis tatsächlich die Praxis mitfinanziert, ohne Rückzahlung versteht sich, dann wäre das sicherlich ein lukratives Geschäft. :-oopss

Radiologen brauchts kaum auf dem platten Land.

Kackbratze
06.08.2011, 22:16
Die alleinige Versteifung auf den "Landarzt" hilft den fehlenden Ophthalmologen, Kardiologen oder Chirurgen auchnicht weiter.

Michael72
07.08.2011, 14:01
Die alleinige Versteifung auf den "Landarzt" hilft den fehlenden Ophthalmologen, Kardiologen oder Chirurgen auchnicht weiter.

Das macht doch der Landarzt alles mit. Das ist so einer von den Superärzten aus dem Fernsehen, der jedes Fachgebiet beherrscht und alle Krankheiten heilen kann. Und der natürlich bereit ist, für 4 Euro brutto die Stunde zu arbeiten, weil er als Arzt natürlich soziale Verantwortung trägt.

pottmed
07.08.2011, 19:44
Das macht doch der Landarzt alles mit. Das ist so einer von den Superärzten aus dem Fernsehen, der jedes Fachgebiet beherrscht und alle Krankheiten heilen kann. Und der natürlich bereit ist, für 4 Euro brutto die Stunde zu arbeiten, weil er als Arzt natürlich soziale Verantwortung trägt.

Desillusionier mich doch bitte nicht :-oopss

Rico
07.08.2011, 20:06
Aber das ist doch schon letztlich der Knackpunkt, dass das Berufsbild des "Landarztes" heute einfach nicht mehr zeitgemäß ist:
Diese archaischen Arbeitszeiten, das Einzelkämpfertum, dass man im Ort persona publica ist - all das steht dem Berufsbild entgegen, zu dem wir in Studium und FA-Ausbildung erzogen werden: Nämlich zu Teamplayern, die nicht einer Hybris erlegen sind, der beste Hecht im Karpfenteich zu sein, und die wissen was ein Tarifvertrag ist und wie man ihn einhält.
Sprich: in den Kliniken hat sich die Arbeitssituation in den letzten 15-20 Jahren grundlegend geändert - in den Praxen geht es oftmals noch zu wie vor 60 Jahren - nur mit mehr Bürokratie.
Das senkt natürlich die Attraktivität der Land-Praxen noch weiter - von den infrastrukturellen problemen (mit denen ja auch ländliche Kliniken zu kämpfen haben) mal ganz zu schweigen. Gängeleien wie die Residenzpflicht kamen dann noch dazu - wenigstens die ist ja jetzt abgeschafft.

Ich denke langfristig wird das - außer man bietet massiv mehr Geld im Sinne einer "Buschzulage" - kaum gelingen junge Ärzte in so ein Berufsbild zu locken, das vielem widerspricht, was die zuvor kennen (und schätzen) gelernt haben. Deshalb wäre mein Lösungsvorschlag, die Praxen (auch gerne mehrerer Fachrichtungen) durch MVZs zu ersetzen mit angestellten Ärzten, die im interdisziplinären Team, in Teilzeit, als Pendler oder wie auch immer da arbeiten und ansonsten nicht in dieses archaische Rollenbild des ZDF-Landarztes (wer erinnert sich noch an Christian Quadflieg?) gepresst werden.