Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Schamanenecke
Feuerblick
18.09.2019, 22:07
MIGS funktionieren meines Erachtens nur dann, wenn man „nur ein bisschen weniger Druck“ erreichen will und/oder der Patient beim Tropfen nicht sonderlich compliant ist. Für wirklich operativ behandlungsbedürftige Glaukome ist das eher nix.
Die TE ist natürlich eine feine Sache, aber es gibt zu wenig Leute, die sie beherrschen und die Nachsorge verstehen (da sieht man Dinge in stationären Akten... meine Nerven!). Insgesamt scheint die operative Glaukom-Szene derzeit aber etwas im Umbruch. Man rät eher zu früheren Operationen, möchte sogar Ahmed-Valve und Co. gerne eher früh und nicht erst bei den ganz üblen Fällen einsetzen und fummelt auch gerne mal einen Stent rein, wenn man sowieso schon die Cat. operiert. Ernsthafte Standards gibts dafür (man möge mich korrigieren, falls sich da aktuell was gändert hätte) noch nicht. Die einen verteufeln die MIGS, die anderen finden sie ganz großartig. Die Studienlage ist eher so lala.
Eigentlich kann man sich nur individuell den Patienten, seine Tropftherapie (je mehr Wirkstoffe, desto schlechter), seine Druckwerte und seine Compliance anschauen und dann abwägen in Kenntnis der Operateure, die man in der Umgebung hat. Hast du gute Operateure mit guter Nachsorge, kannst du Glaukompatienten auch schon dann schicken, wenn das Glaukom nicht allzu weit fortgeschritten ist, aber der Druck eher mäßig und nur mit Mehrfachtherapie einstellbar ist. Hast du keine brauchbaren Operateure in der Nähe, kanns manchmal Sinn machen, früh mit MIGS zu arbeiten, um die Mehrfachtherapie oder deren Ausweitung rauszuzögern. Oder ganz die Finger wegzulassen von operativen Ideen.
Glaukome sind und bleiben einfach eine undankbare Sache. Ein wirklicher Fortschritt wäre dann erreicht, wenn man die Schädigung des Sehnerven aufhalten könnte - ohne sich mit diesem winzigen Stellrad Augendruck rumschlagen zu müssen.
Thomas24
18.09.2019, 22:41
An neueren Präparaten fallen mir nur Simbrinza (Brimonidin plus Brinzolamid) als wirklich neues und eben Kombi ohne Betablocker ein sowie Fixaprost, was zwar also Kombi von Latanoprost plus Timolol prinzipiell schon existiert, aber erstmals konservierungsmittelfrei ist.
MIGS... So wirklich überzeugt mich da gar nichts. Eine gut durchgeführte und insbesondere perfekt nachgesorgte TE mit Suturolyse und 5FU etc ist für mich immer noch der Goldstandard. Es scheitert nur leider an wirklich guten Operateuren und der Compliance.
Dabei sitzt du in der "verbotenen Stadt" doch direkt an der Quelle... ich muss leider feststellen, dass die üblichen Verdächtigen bei mir in der Nähe (das wären Würzburg und Mainz) entweder doch sehr nachgelassen haben, sowohl was die Quali der TE, als auch die Nachsorge angeht... oder von den Patienten gar nicht erst angenommen werden (zu weit weg, kann ich nicht wohnortnäher operiert werden? Ja schon Frau Xy, aber von der Qualität der Versorgung wäre es besser für Sie den weiteren Weg auf sich zu nehmen...etc.). Ach ja, was solls- die TE - Nachsorge ist eh undankbar.
Der neue Ltd OA (ok, auch schon vier Jahre jetzt) kommt aus Würzburg und ist ein begnadeter Operateur, sowohl was Netzhaut als auch Glaukome anbelangt. Seit er dort ist, ist die Qualität exponentiell gestiegen. Dazu ein so dermaßen netter Mensch mit Respekt vor dem Patienten - absolut großartig. Die Assistenten berichten zudem, dass er ein toller Lehrer sei. Jedenfalls operiert er TEs wirklich super, betreibt selber über mindestens 6 Wochen die Nachsorge und die Ergebnisse sind entsprechend.
Thomas24
20.09.2019, 20:33
Der neue Ltd OA (ok, auch schon vier Jahre jetzt) kommt aus Würzburg und ist ein begnadeter Operateur, sowohl was Netzhaut als auch Glaukome anbelangt. Seit er dort ist, ist die Qualität exponentiell gestiegen. Dazu ein so dermaßen netter Mensch mit Respekt vor dem Patienten - absolut großartig. Die Assistenten berichten zudem, dass er ein toller Lehrer sei. Jedenfalls operiert er TEs wirklich super, betreibt selber über mindestens 6 Wochen die Nachsorge und die Ergebnisse sind entsprechend.
Wow, das hört man gerne ;-) Dann werd ich den geeigneten Patienten vielleicht mal einen Ausflug in die verbotene Stadt nahelegen ^^ :-) Seit der Emeritierung von Grehn hat die Qualität in Würzburg leider merkbar nachgelassen... das käme zeitlich ja hin mit dem Anfang des neuen Ltd. OA (aus Würzburg) bei euch.
][truba][
23.09.2019, 21:27
Sorry, dass ich als fachfremder hier schreibe aber was ist denn die verbotene Stadt? 🤔
Feuerblick
23.09.2019, 21:38
Das kommt drauf an, ob du Kölner oder Düsseldorfer bist :-))
escitalopram
28.09.2019, 19:44
Liebe Leute, eeendlich habe ich auch eine Stelle und beginne bald mit der WB. :) Habt ihr Buchempfehlungen für gute Werke zum Lernen? :-lesen Also eher WB-Niveau, nicht mehr KLB fürs Studium. Ich habe das Gefühl, ich habe aus dem PJ wieder alles vergessen. :-winky
Feuerblick
28.09.2019, 19:46
Für den Anfang: Lang.
Für später Kanski und/oder Augustin... letzterer ist gerade neu erschienen und quasi deutsches Standardwerk.
escitalopram
28.09.2019, 21:25
Super, vielen lieben Dank!
Espressa
29.09.2019, 19:18
Ich bin etwas beruhigt, dass unter euch auch etwas Uneinigkeit herrscht bei den Glaukom-OPs.
Hier hat eine Klinik einfach allem was bei drei nicht auf den Bäumen war eine Viscokanaloplastik angedeihen lassen, auch leider in wechselnder Qualität, hatte schon keine Lust überhaupt wen zur mitbeurteilung zu schicken.
Ich muss mich demnächst in eine Fortbildung setzen, spätestens auf der AAD, wenn bis dahin noch zu viel Unklarheit herrscht...
Kanski finde ich auch gut für den Anfang. Spätestens nachzwei Jahren dann etwas mau. Augustin ist klasse, wusste gar nicht, dass es da eine neue Auflage gibt. Den habe ich zur FA-Prüfung damals durchgemacht.
Espressa, Vorteil bei der Visco ist immerhin, dass außer "bringt nicht viel" nicht so viel schief gehen kann...
Feuerblick
29.09.2019, 20:53
Ich auch, Muri. Neue Auflage ist erst vor ein paar Monaten erschienen. Hab ich mir geleistet :-)
Funkel, hat gut funktioniert unser Treffen, was? :-blush
WackenDoc
29.09.2019, 21:04
Vielleicht kann mir das nochmal jemand mit den Sehtests erklären.
Was für Ursachen kann es haben, wenn jemand, der nie kurzsichtig war, im Alter schlechte Werte im Sehtest für den Fernvisus hat.
Welche Konstellation sollte ich zum Augenarzt schicken?
Ist tatsächlich ein häufiges Phänomen bei uns. Kann das irgendwas damit zu tun haben, dass die Entfernung "unendlich" vom Gerät nur projiziert wird, aber nicht real "fern" ist? Also dass da die Alterssichtigkeit eine Rolle spielt?
Feuerblick
29.09.2019, 21:20
Funkel, hat gut funktioniert unser Treffen, was? :-blush
NICHT :-))
Samma, weißt du was von der epimakulären Strahlentherapie (Oraya, iRay), für die es ja jahrelang ein Register gab? Wenn ich das richtig verstanden habe, gibts das Gerät bzw. dessen Zubehör hier in D nicht mehr? Vielleicht hast du ja was mitbekommen. Ich war zu unaufmerksam beim Vortrag dazu und hab genau diese Aussage nur mit halbem Ohr mitbekommen....
@Wacken: Alterssichtigkeit hat bei Emmetropen (also nicht Fehlsichtigen) ausschließlich was mit der Nähe zu tun. Es könnte aber sein, der Patient war sein Leben lang weitsichtig, hat dies mittels Akkommodation ausgeglichen und kann das aufgrund der Presbyopie nun nicht mehr. Kommt bei Weitsichtigen mal gar nicht so selten vor. Die akkommodieren fröhlich schon in der Ferne ein bis zwei Dioptrien weg und wenn die Linse dann ihre Elastizität verliert, ist schlagartig in Ferne und Nähe alles Mist :-nix
Ich würde jeden zum Augenarzt oder (bei nicht ganz so schlechtem Fernvisus) zumindest mal zu einem guten Optiker schicken, der früher einen vollen Visus hatte und den nun nicht mehr hinbekommt. Bestenfalls braucht er nur ne Brille, was gerade beim Autofahren ja von Relevanz sein könnte.
Nee, keine Ahnung. Mir war das bisher eh alles noch zu suspekt mit dem Bestrahlungskram. Und ich finde, man hat da zu wenig auf entsprechenden Vorträgen drüber gehört, um das als ernsthafte Therapiealternative/-ergänzung bisher in Betracht zu ziehen.
Feuerblick
29.09.2019, 21:38
Ich fand es auch eher suspekt, die Ergebnisse (1-2 Injektionen weniger pro Jahr) nicht so recht überzeugend, die Gefahr einer Strahlenretinopathie/makulopathie zu hoch - aber immerhin hatte man offenbar vor ein paar Jahren Potential gesehen, Zeiss hatte sich eingekauft und man hat von Seiten der Fachgesellschaften ein Register aufgebaut. Hatte damals Interviews sowohl mit dem CEO der Firma als auch mit Bornfeld geführt, der gar nicht mal so unüberzeugt war.
Mich hätte echt mal interessiert, ob irgendein Zulieferer pleite ist, die Patienten ausblieben, sich das Verfahren finanziell nicht gelohnt hat oder ob die Ergebnisse aus dem Register nicht ausreichten. Ich hätte hinhören sollen. Vielleicht hab ich ja „on demand“ noch ne Chance. Google hilft nicht weiter. Die zugehörige Seite bei Zeiss wurde offenbar eingestampft.
WackenDoc
30.09.2019, 21:13
@Danke Funkelchen.
Ja so mach ich das eigentlich auch mit Optiker und Augenarzt. Wir sind halt aufm Land, da sind Augenarzttermine schwierig.
Wenn´s was anderes ist (Katarakt, zentrales Gesichtsfeldproblem), dann würde der Optiker das ja nicht scharf bekommen, oder?
Ab einem Visus von 0,7 gibt es eh eine schriftliche Warnung wegen Autofahren.
Finde ich gut, wobei man bei vorhandenem Führerschein ja sogar mit 0,5/0,2 fahren darf... (intaktes GF vorausgesetzt)
WackenDoc
01.10.2019, 08:24
Die 0,5/0,2 sind ja im Rahmen eurer Begutachtung. Für uns Nicht- Schamanen ist ja 0,7/0,7 maßgeblich. Ich weiss aber wer mit mir die Landstraße bei schlechter Sicht teilt und dass die auch mal 2-3 Anläufe brauchen bis sie sich kümmern.
Die knapp dran sind bekommen den Text “reicht noch, Brille erhöht aber die Fahrsicherheit“
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