Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Depression und berufliche Möglichkeiten



Seiten : 1 [2]

Maja85
09.11.2011, 07:53
Ne halbe Stelle als Anästhesistin wär doch wahrscheinlich gar nicht so blöd :-meinung Anästhesisten werden händeringend gesucht. Ich habe mal an einem kleineren Haus famuliert, wo weit mehr Assistenzärzte In 50 oder sogar 25%-Stellen gearbeitet haben als Volltags. Du hast als Bewerberin ja vieles zu bieten, du bist jung, hast in Regelstudienzeit studiert und beherrschst die deutsche Sprache flüssig in Wort und Schrift. Gerade an kleineren Häusern haben die Chefs oft keine große Wahl unter den Bewerbern. Du würdest bestimmt gefragt, warum du nur 50% arbeiten möchtest. Ich würde mich dann steif auf "private Gründe" (kann ja alles sein, zu pflegende Angehörige oder was auch immer, soll sich doch der Chef denken was er will) berufen. Vielleicht nimmt einer dich deswegen nicht, ein anderer aber aber bestimmt schon. Finden wirst du mit Sicherheit was.


P.S.: Anästhesie hat ja auch den Vorteil, dass man da idR erst sehr spät Dienste machen muss und anfangs besser eingearbeitet wird als in den meisten anderen Fächern.

haemo
09.11.2011, 11:20
Hm, schwieriger Fall.

Keine Kommunikation, keine Verantwortung --> klingt nicht gerade nach ärztlicher Tätigkeit.

Darf ich dich etwas fragen: Warum hast du denn eigentlich Medizin studiert? Und es trotz aller Probleme durchgezogen? Was hat dich daran gereizt? Und ist dieser Reiz jetzt wirklich weg?
Was würdest du denn für einen Weg einschlagen, wenn es deine aktuellen Probleme nicht gäbe?

Ich denke, vielleicht ist eine erneute Verhaltenstherapie VOR Beginn einer Stelle (und ja, es ist gewiss häufig schwer, einen guten Therapeuten zu finden), die richtige Wahl. Damit du dann ggf. eben nicht mehr mit solcher Angst in den Berufsstart hineingehst.
Dort könntest du auch rausfinden, woran du Spaß hast. Das fehlt mir nämlich an deinen Ausführungen, der Anspruch, Spaß zu haben am Job, nicht nur es irgendwie zu ertragen. Vielleicht bekommst du viel mehr hin, als du jetzt glaubst. Scheitern ist keine Schande, aber nicht versuchen wohl. Nimm Hilfe in Anspruch und dann: Trau dich!

Und solltest du herausfinden, dass du in der Medizin tatsächlich nichts findest, was für dich taugt: Du bist jung, wie wäre es mit einem anderen (Aufbau-)/Studium?

Alles Gute.

klappstuhl86
09.11.2011, 13:27
Warum ich es trotzdem durchgezogen habe, das kann ich selbst gar nicht sicher beantworten. Vielleicht war die Angst, aufzugeben und dann ohne alles dazustehen, größer als die Mühen.
Das Thema Spaß ist schwierig bei mir.
Ich habe den Anspruch lange verloren, dass mir etwas Spaß machen sollte, im beruflichen aber auch im privaten Bereich. Das letzte Mal Spaß und Freude habe ich in einer Zeit empfunden, die noch vor dem Abitur lag.
Danach hat sich alles was Freude macht still und leise immer mehr aus meinem Leben verabschiedet. Mittlerweile macht mir nichts mehr Spaß. Habe keine Hobbies mehr, Freunde auch nur sehr spärlich. Was ja auch logisch ist, wenn man all diese Dinge jahrelang so schleifen lässt.
Ich habe keine Vorstellung von meinem Leben bzw der Zukunft, also keine Ziele was ich beruflich oder privat erreichen möchte.
Ich habe mir schon oft gedacht, wenn es mich von heute auf morgen nicht mehr geben würde, dann wäre das für niemand ein Problem.
Für andere nicht und für mich selbst auch nicht, im Gegenteil.

Das soll jetzt nicht andeuten, dass ich vorhabe, mich umzubringen. Nein, das könnte ich nicht und irgendwie kommt an der Stelle auch wieder das gleiche bisschen Ehrgeiz hervor, was mich auch das Studium hat vollenden lassen.
Also zäh bin ich schon, das muss ich mir lassen. Aber ich denke auch, wie ich, glaub ich, schon einmal erwähnt habe, dass mir das irgendwann psychisch zum Verhängnis wird. Denn wenn ich mal einen Job habe, der zu belastend wird, dann werde ich darin sehr lange (zu lange) darin ausharren, bevor ich aktiv etwas unternehme.
Ich erzähle von meiner Denkweise nicht weil ich mir Mitleid erhoffe sondern damit man als Normaldenkender verstehen kann, wo meine Probleme liegen.
Naja, eher "zur Kenntnis nehmen kann", "verstehen" kann man das wohl nicht wirklich.


Ja..warum habe ich das Studium überhaupt angefangen ?
Einmal war ich medizinisch-naturwissenschaftlich interessiert. Auch heute noch bin ich das - wenn es mir phasenweise besser geht, kann ich mich für jedes Fach "begeistern". Hält leider immer nur kurz an.

Und dann war da noch die abgegriffene Vorstellung vom "anderen Menschen helfen können". Ganz ganz am Anfang meines Studiums hatte ich die Vorstellung, ich werde mal Allgemeinarzt. Habe eine eigene Praxis irgendwo in meiner Heimat auf dem Land, und habe ein sehr gutes und enges Verhältnis zu meinen Patienten. Ich fand die Vorstellung schön, für jemanden eine kompetente Vertrauensperson sein zu können.


Davon ist nicht mehr viel übrig. Nicht nur dass ich mir eine Niederlassung oder auch nur die Teilhabe an einer Praxisgemeinschaft nciht zutraue (von der Verantwortung her, der Gedanke alleine zu sein mit Entscheidungen macht mir Angst, in der Klinik hat man ja immer noch eine gewisse Supervision oder kann zur Not um Hilfe fragen).


Dazu kommt, ich fühl mich überhaupt nicht mehr in der Lage, die erforderliche Kommunikation leisten zu können. Jede Kommunikation strengt mich ungeheuer an. Das war in der Klinik stellenweise schon sehr grenzwertig, ständig reden mit verschiedenen Personengruppen, sei es ärztliche Kollegen, Pflege, Patienten, Angehörige. Wobei ich die Patienten meistens noch als am angenehmsten empfunden habe. Die meisten mochten mich auch, glaub ich. Aber mit den übrigen Mitarbeitern hatte ich manchmal Probleme, bzw sie mit mir. Ich glaube, sie hatten den Eindruck, ich hätte was gegen sie, weil ich nur das Nötigste geredet habe.
Das in einer Praxis auszuhalten wo man quasi den ganzen Tag Mittelpunkt des Geschehens ist, nein, das kann ich mir im jetzigen Zustand absolut nicht mehr vorstellen.

Dann gab es eine lange Zeit, wo ich Chirurgie machen wollte. Hab auch die meisten Famulaturen dort gemacht und fand es ganz gut. Allerdings nur den Teil, der sich am OP-Tisch abspielt, da musste man nicht viel reden, hatte nicht so viel Eigenverantwortung, wusste genau was man zu tun hat. Der Rest (Station, Aufnahme etc) war wieder sehr zermürbend.
Im PJ hab ich dann auf die andere Seite vom Tuch gewechselt weil mich Anästhesie auch immer interessiert hatte und fand es auch gut bzw erträglich. Wäre ich noch so begeisterungsfähig wie in meiner Jugend, hätte ich wohl "supertoll" gesagt.
Da hier dieses Verantwortlich sein für zig Patienten auf Station wegfällt (außer auf der Intensiv) kann ich mir das noch eher vorstellen.
Am liebsten wäre mir allerdings etwas wo ich gar keine Verantwortung ggü Lebewesen habe. Ich hatte im PJ, egal in welchem Tertial, einfach permanent das Gefühl, es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand durch meine Fahrlässigkeit zu Schaden kommt. Und das hat mich echt mürbe gemacht.



Die anderen Ideen wie Labormedizin und Patho sind auch sehr gut.
Ich kann mir das vorstellen.
Obduktionen fand ich immer gut, Histo war zwar grauenvoll, aber zur Not würde ich mir das auch aneignen.
Hauptsache ich hab diese Menschenmengen, die alle an dir zerren, nicht mehr um mich herum.
Für Patho sehe ich aber momentan wenig Stellen, wusste gar nicht, dass die Nachwuchssorgen haben. Wahrscheinlich habe ich aber nur falsch oder nicht intensiv genug geschaut. Das wäre auf jeden Fall eine Idee.


Wie gesagt, ich habe überhaupt keinen Anspruch, dass mir der Job Spaß macht oder dass ich darin Erfüllung finde.
Ich will einfach nur irgendwie mit einer Tätigkeit ein Einkommen erwirtschaften, bei der nicht absehbar ist, dass sie den nächsten psychischen Totaleinbruch provoziert.
Momentan bin ich auf niedrigem Niveau stabil, wäre schön wenn das so bleiben würde. Eine Therapie muss auf jeden Fall wieder dazu.




Danke erneut für eure Tipps und Anmerkungen, sind wirklich hilfreich und geben mir gute Denkanstöße !

PsychoFan
11.11.2011, 22:13
Depression hin oder her, vielleicht solltest Du aber wissen, dass Du nicht alleine bist und es durchaus viele nichtdepressive junge Assistenzärztinnen und Assistenzärzte gibt, die ähnliche Sorgen und Ängste haben.

Die Umstände in der Medizin ähneln halt in Deutschland oft den Umständen im Krieg oder den Umständen in Entwicklungsländern, was wohl hauptsächlich mit dem dramatischen Ärztemangel zu begründen ist. Du bist nicht der einzige, den die Verantwortung überfordert, die unerfahrenen jungen ÄrztInnen hierzulande zugemutet wird.

Doch wer es schafft, das Medizinstudium zu absolvieren und das Staatsexamen zu bestehen, der kann nicht dermaßen indolent sein, wie Du Dich selbst wahrnimmst.

Depressive Personen strahlen eine gewisse Ruhe aus und sind gute Zuhörer, was Dich möglicherweise zusätzlich viel kompentener erscheinen lässt, als Du frisch nach dem Studium sein kannst.

Anästhesie halte ich für eine gute Idee. Ein sehr interessantes Fach mit sehr flexiblen Arbeitszeitmodellen und verschiedenen Einsatzmöglichkeiten.

Haweee
11.11.2011, 23:42
Ich will meinem Vorredner echt beipflichten. Versteh mich daher nicht falsch: Ich habe Verständnis für deine Situation, aber du bist echt nicht der einzige, der solche Gefühle nach dem Examen und vor dem Job beschreibt. Die große Leere und die Angst, es dann nicht zu packen. Mir gings zu Beginn des Jobs durchaus ähnlich.

Aber, wenn es wirklich so belastend ist kann dir nur raten: Mach eine Therapie, ggf. auch stationär oder tagesklinisch. Ohne, dass ich jetzt hier psychiatrisch derbe vorgebildet bin, aber in deinem Fall erscheint mir auch eine medikamentöse Therapie sinnvoll. Geh zum Psychiater, schildere deine Probleme und denk darüber nach. Ehrlich gesagt wundert es mich, dass du das nicht schon längst wieder getan hast. Gerade so eine konstant vorhandene Traurigkeit und Melancholie (Stichwort: Dysthymie), wie du sie schilderst, muss einen doch wahnsinnig machen.
Wenn du deine Sorgen einigermaßen im Griff hast: In Ruhe in den Job starten und schauen, was passiert. Die Dinge auf sich zukommen lassen. Es scheint mir, du planst alle Eventualitäten im Voraus ("Was wäre, wenn..."), aber das geht nicht. Vieles erübrigt sich bzw. wird ganz anders als du jetzt planst. Die Dinge, die du im PJ gehasst hast, weißt du als Assistent plötzlich zu schätzen.
Übrigens: Du hast als Assistent eh ein ganz anderes Standing und Selbstbewusstsein als als PJler. Unterschätz das nicht! Viele Probleme und Sorgen, die ich als PJler hatte, sind im Job verflogen.

By the way: Ich weiß nicht, wie du es unter einer depressiven Phase geschafft hast, mit 25 dein Studium abzuschließen. Das ist mal echt Wahnsinn.

Miss
12.11.2011, 20:30
Ich weiß nicht, ob man das vergleichen kann: etwaige Berührungsängste vor der Verantwortung im Job und sich Einstellen auf die neue Lebenssituation und eine *richtige* Depression. Das kann nur die TE beurteilen, um was es sich bei ihr handelt.
Ich finds jedenfalls auch klasse, daß sie ihr Studium anscheinend so gut gemeistert hat.

Und Anästhesie: wirklich ein schönes Fach, hab es noch nie wirklich bereut. Man kann es dann auch wirklich gut in Teilzeit organisieren. Aber wenn man Stress und Verantwortung scheut, dann ist es einfach nicht das richtige Fach :-meinung Ich finde, jeder der sich das vorstellen kann, dort zu arbeiten, sollte es probieren und es sich mal angucken (gerade weil es ja für viele Weiterbildungen angerechnet wird), aber unter der Prämisse stressfrei würde ich es niemandem empfehlen.(jedenfalls nicht als Gesamtbereich, man findet hier bestimmt viele stressfreie Nischen und hat vorher viele stressfreie Momente, aber auch mitunter -je nach Haus- auch viel Stress an der Backe)

klappstuhl86
12.11.2011, 22:56
Mir ist schon bewusst, dass es vielen so geht, was die Ängste betrifft
Leider sind es bei mir keine konkreten Sorgen akut nach dem Examen vor dem was kommt.
Sondern ich habe schon über Jahre hinweg ein Gefühl der Sinnlosigkeit. Nicht nur des Studiums, des Lebens an sich.

Für mich persönlich gibt es nichts bzw niemanden für das sich das Leben lohnt
Ich habe alle Hobbies verloren weil mich nichts davon mehr interessiert.
Ich habe keine Freunde weil ich kein Interesse an Beziehungen zu anderen Menschen habe.
In schlechteren Phasen habe ich Probleme, selbst den banalen Alltag zu bewältigen: Haushalt, Köfperpflege, Einkaufen. Solche selbstverständlichen Dinge strengen mich dann unglaublich an und kosten unheimlich viel Kraft und Überwindung.
Arzttermine machen und auch wahrnehmen ist eine Herausforderung.
Man kann sich das vermutlich schwer vorstellen wenn man es nicht selbst erlebt.


Ich war/bin im wahren Wortsinn "lebensmüde", müde vom Leben. Es ist ein mühsames Dahintrotten ohne Freude. Ich habe keine Vorstellungen und Wünsche für die Zukunft. Wenn ich morgen tot wäre, hätte ich kein Problem damit.
Als ich das so vor einiger Zeit meiner Psychotherapeutin erzählt habe wollte diese, dass ich stationär gehe. Sie hatte wohl Angst, dass ich mich am Ende womöglich noch umbringe.
Werde ich vielleicht auch irgendwann, aber jetzt noch nicht.


Das Studium unter den Bedingungen war natürlich entsprechend belastend.
Aber es ging irgendwie. Fragt nicht wie. Ich habe deutlich mehr gefehlt als die Veranstaltungsordung es theoretisch zugelassen hätte.
Ich musste mich zu Veranstaltungen regelrecht schleppen. Gelernt habe ich ausschließlich mit Altklausuren und Vl-Folien kurz vor der jeweiligen Klausur. Auch im PJ hatte ich zu kämpfen und habe öfter gefehlt. Die Vorbereitungszeit aufs Examen war auch ne Herausforderung (das war sie wohl auch für alle anderen). Mehr als 2-3h Kreuzen am Tag war nicht drin. Ich wollte mehr aber es ging nicht.
In einem regulären Beschäftigungsverhältnis kann ich das so aber nicht mehr bringen.
Da fehlt man ein paar Mal unentschuldigt und dann sitzt man vor der Tür...

BananaJoe
13.11.2011, 00:54
Was du erzählst klingt sehr niederschlagend, ich muss sagen ich habe Schwierigkeiten diese Lustlosigkeit nachzuempfinden bzw. mich da vollständig reinzudenken. Von dem was ich rausgehört habe hast du einerseits Bedenken den Alltag mit Arbeit nicht zu bewältigen, aber auch vor den sozialen Kontakten die auf dich zukommen.
Vielleicht wäre es einfacher, mit einem etwas lockereren Arbeitsverhältnis anzufangen, zum Beispiel erst einmal für einen Monat zu hospitieren wenn du es dir finanziell leisten kannst, ich denke das würde den Druck ein wenig verringern gleich mit allem für längere Zeit klarkommen zu müssen.
Wenn dir das Team und die Arbeit nicht machbar erscheint, dann gibt es keine großen Reibereien wegen Fehlzeiten, und wenn du mit den Leuten schwierigkeiten hast ist es vielleicht einfacher wenn du den Druck nicht hast unbedingt mit ihnen auskommen zu müssen. Ich denke du machst nichts falsch, wenn du ein paar Fächer ausprobierst bevor du dich festlegst.
Dinge wie Körperpflege, Haushalt und ein wenig sozialer Umgang etc. sind allerdings denke ich die Basis für einen erfolgreichen und einigermaßen ausgeglichenen Start ins Berufsleben. Vielleicht rufst du mal jemanden an, mit dem du früher gut klarkamst? We wärs mit einem Sportverein, mir hilft sowas immer den Kopf ein wenig freizubekommen. Ich wünsche dir auf jeden Fall ein paar positive Erlebnisse :)

EKT
13.11.2011, 08:32
Hört sich so an, als seiest du richtig krank. Wie wär`s mal mit Behandlung? Ich meine wirklich: Behandlung. Gibt da einige wirksame Möglichkeiten...


Mir ist schon bewusst, dass es vielen so geht, was die Ängste betrifft
Leider sind es bei mir keine konkreten Sorgen akut nach dem Examen vor dem was kommt.
Sondern ich habe schon über Jahre hinweg ein Gefühl der Sinnlosigkeit. Nicht nur des Studiums, des Lebens an sich.

Für mich persönlich gibt es nichts bzw niemanden für das sich das Leben lohnt
Ich habe alle Hobbies verloren weil mich nichts davon mehr interessiert.
Ich habe keine Freunde weil ich kein Interesse an Beziehungen zu anderen Menschen habe.
In schlechteren Phasen habe ich Probleme, selbst den banalen Alltag zu bewältigen: Haushalt, Köfperpflege, Einkaufen. Solche selbstverständlichen Dinge strengen mich dann unglaublich an und kosten unheimlich viel Kraft und Überwindung.
Arzttermine machen und auch wahrnehmen ist eine Herausforderung.
Man kann sich das vermutlich schwer vorstellen wenn man es nicht selbst erlebt.


Ich war/bin im wahren Wortsinn "lebensmüde", müde vom Leben. Es ist ein mühsames Dahintrotten ohne Freude. Ich habe keine Vorstellungen und Wünsche für die Zukunft. Wenn ich morgen tot wäre, hätte ich kein Problem damit.
Als ich das so vor einiger Zeit meiner Psychotherapeutin erzählt habe wollte diese, dass ich stationär gehe. Sie hatte wohl Angst, dass ich mich am Ende womöglich noch umbringe.
Werde ich vielleicht auch irgendwann, aber jetzt noch nicht.


Das Studium unter den Bedingungen war natürlich entsprechend belastend.
Aber es ging irgendwie. Fragt nicht wie. Ich habe deutlich mehr gefehlt als die Veranstaltungsordung es theoretisch zugelassen hätte.
Ich musste mich zu Veranstaltungen regelrecht schleppen. Gelernt habe ich ausschließlich mit Altklausuren und Vl-Folien kurz vor der jeweiligen Klausur. Auch im PJ hatte ich zu kämpfen und habe öfter gefehlt. Die Vorbereitungszeit aufs Examen war auch ne Herausforderung (das war sie wohl auch für alle anderen). Mehr als 2-3h Kreuzen am Tag war nicht drin. Ich wollte mehr aber es ging nicht.
In einem regulären Beschäftigungsverhältnis kann ich das so aber nicht mehr bringen.
Da fehlt man ein paar Mal unentschuldigt und dann sitzt man vor der Tür...

dont_steal_my_data
13.11.2011, 12:33
@klappstuhl86: Mir scheint auch, dass es vielleicht besser wäre, wenn du deine Erkrankung vor der Jobsuche behandeln lassen würdest. Meines Wissens gehört Depression zu den i. Allg. eher gut behandelbaren Krankheiten (im Vergleich zu anderen psychiatrischen KH wie z.B. Schizophrenie). Wer in einer Depression steckt, denkt vielleicht, dass er da nie herauskommen würde. Aber es gibt Möglichkeiten, zu helfen. Sicher kann ich hier keine kompetente Therapieempfehlung geben.
Ich schreibe nur mal, was mir aufgrund von deinen Schilderungen so einfällt. Trizyklische Antidepressiva könnte man mal ausprobieren. Die wirken aber erst nach ca. 14 Tagen. Vor einigen Tagen bin ich - eigentlich auf der Suche zum Thema Schmerztherapie - auf Ketamin gestoßen. Außer dass es wie bekannt zur Kurzzeitnarkose und auch in der Drogenszene benutzt wird, gibt es auch orales Ketamin bei chronischen Schmerzen und: Ketamin soll bereits nach sehr kurzer Zeit Depressionen bessern können.
http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/medikamente/news/depressionen-blitzwirkung-von-ketamin-entraetselt_aid_543379.html
Damit will ich keinesfalls zu Selbstversuchen raten. Ich wollte nur zeigen, dass es auch dann Möglichkeiten zur Behandlung gibt, wenn Trizyklika versagen.

Ich selbst habe ähnliche Probleme wie du. Allerdings sind Depressionen bei mir weniger ausgeprägt, sondern es geht eher in Richtung soziale Phobie. Ich spiele nun mit dem Gedanken, Labormedizin zu machen. Angeblich ist es so, dass man bei der Zeit, die man für Labormedizin, Arbeitsmedizin u.a. in der Inneren verbringen muss, teilweise keine Dienste machen muss. Das wäre für mich z.B. eine große Erleichterung.

stennadolny
13.11.2011, 13:14
Klingt nach noogener Neurose, vielleicht mal Existenzanalyse von Frankl bemühen, Psychotherapeuten wechseln oder schlicht überlegen, ob es weniger an einer "Depression" als an der fundamentalen Unlust für Medizin hängt. Das soll durchaus vorkommen !

Ein Perspektivenwechsel weg vom klassisch-tumben Klinikarztdasein hat schon bei vielen Wunder bewirkt.

LasseReinböng
14.11.2011, 11:03
Ich finde auch, daß du dich in Behandlung begeben solltest, undzwar noch bevor du jegliche beruflichen Aktivitäten startest.

Dein Ziel muß es sein, wieder zu Leben, anstatt, wie bisher, einfach nur zu funktionieren und irgendwie durchzukommen, was nur die Depression nährt.

klappstuhl86
14.11.2011, 14:45
Vielen Dank für eure Vorschläge.

Ich habe auch schon daran gedacht, zunächst eine Therapie in Anspruch zu nehmen.
Leider weiß ich noch nicht, wie ich das finanziell hinkriegen soll.
Mein Einkommen setzt sich momentan zusammen aus Kindergeld + Halbwaisenrente + 300 Euro von meiner Mutter.
Das alles fällt spätestens nächsten Monat alles mit einem Schlag weg.
Habe zwar ein kleines finanzielles Polster aber das reicht nicht für mehr als bis Februar etwa.
Krankenversichern muss ich mich dann wohl auch selbst...

Meine Mutter ist auch nicht bereit, mich da noch zu unterstützen.
Sie ruft alle paar Tage an und fragt mich, ob es schon neues gibt, ob ich mich denn schon beworben habe, was ich denn nun vorhabe.
Sie weiß zwar von meinem Problem, aber sie kennt das Ausmaß nicht.
Obwohl sie selbst einmal eine depressive Phase hatte, kann sie dafür kein Verständnis aufbringen.
Sie hat schon öfters Leute mit psychischen Problemen, die ihr Leben nicht richtig in den Griff bekommen, als Versager bezeichnet.
Habe mal versucht, ihr auf ihre Fragen hin anzudeuten, dass ich eben Probleme habe, ihren Vorstellungen gemäß nahtlos ins Berufsleben durchzustarten. Daraufhin sagte sie, wenn sie sie das gewusst hätte, hätte sie mich von vorne herein gar nicht finanziell unterstützt. Dann sei ja alles "für die Katz".
Wenn ich ihr erzähle, was wirklich Sache ist, dann ist die Unterstützung sofort weg.
Es nervt sie sowieso, dass ich "so lange" studiere.obwohl das ja gar nicht schneller geht.


Es ist also schwierig und ich weiß immer noch nicht, was ich machen soll.
Hätte ich das Geld-Problem nicht würde ich zunächst eine Therapie machen. So werde ich wohl irgendeine Stelle annehmen und versuchen, parallel eine Therapie durchzuführen.



PS: Sollte mir jemand eine PN geschrieben haben: ich kann sie nicht anzeigen. Es steht zwar in der Forenübersicht oben, ich hätte neue Nachrichten, aber mein PN-Fach ist leer.

Praia-do-Forte
15.11.2011, 08:54
Wenn Du dich tatsächlich jetzt gleich bewerben möchtest, würde ich Dir auch Labormedizin vorschlagen. Es ist durchaus möglich das erforderliche Klinik-Jahr ans Ende der Weiterbildung zu schieben. Der Alltag im Labor ist durchaus entspannt, abgesehen von wenigen Momenten in denen 4 Leute gleichzeitig was wollen. Da muss man nur etwas Ruhe bewahren, schön alles notieren und dann geordnet alles abarbeiten. Ganz schlecht ist es nur wenn Dir die Kommunikation wirklich total zuwider ist, denn Du musst viel telefonieren und Dich mit MTAs und Kollegen kurzschließen. Aber es gibt im Normalfall keine Notfallsituationen wo etwas hier und jetzt entschieden werden muss ( es bleibt fast immer Zeit noch mal beim Chef rückzufragen).
Du verbringst viel Zeit mit PC und Büchern, kannst zwischendurch mal einen Kaffee trinken oder einen Snack mampfen.

haemo
15.11.2011, 09:54
Hast du dich mal nach Möglichkeiten der Finanzierung erkundigt? Frag doch mal beim Arbeitsamt/Finanzamt nach. Dich kann ja keiner einfach so mit Null sitzen lassen. Und einen Arzt, der dich erst mal längerfristig krankschreibt mit deinem Problem, den solltest du doch finden.

Wenn ich das alles so lese, denke ich nämlich, dass deine einzige Chance ist, vorher eine Therapie zu machen.

Du wirst nämlich KEINE Stelle so ohne Verantwortung und Kommunikation finden.
Ich denke nicht, dass es Sinn macht, sich da etwas vorzumachen. Natürlich unterscheidet sich der Grad des Stresses und der direkten notfallmäßigen Verantwortung von Fach zu Fach. Aber auch in der Patho entscheidest du über Leben oder Tod, wenn du festlegst, ob nun ein Tumor R0 reseziert worden ist oder nicht. Auch im Labor entscheidest du mit dem Ablesen der Kreuzprobe, ob der Patient die richtige Blutkonserve bekommt oder an einer Unverträglichkeitsreaktion stirb.
Ich will dir damit keine Angst machen. Ich denke, wer das Studium schafft, der schafft das auch. Aber du solltest VORHER dafür sorgen, dass du dem gewachsen bist. Und das kann man im Laufe einer Therapie lernen.
Ich glaube nicht, dass es einfacher und weniger angstbesetzt wird, wenn du erst anfängst zu arbeiten und ggf. vielleicht schlechte Erfahrungen machst. Du wirst nur noch mehr an dir zweifeln. Erst Therapie und dann positive Erfahrungen sammeln, wenn du dich stabilisiert hast, scheint mir deutlich aussichtsreicher.
Es gibt sicherlich Wege, suche danach! Ja, das ist schwer für dich, wenn du dich schon zu ganz einfachen Dingen kaum aufraffen kannst. Andererseits: Wenn man nicht selber will und auch anfängt, es wird und kann keiner für dich tun!
Viel Erfolg!

SidVicious
27.11.2011, 08:14
Hallo,

ich sags mal ganz platt, fang an Verantwortung zu übernehmen. Du drehst dich im Kreis und dein Hilfesuchen hier im Forum hilft dir nicht weiter. Es wird keine Stelle geben, in der du ohne Kommunikation, überforderungserleben, kränkung, erschöpfung und einer Antidepressiven wirkung arbeiten wirst. Das Problem liegt bei dir.
Warum nimmst deine Antidepressive nur zwischendursch ein? Rezidivierende schwere depressive Epsioden erfordern eine dauerhafte Pharmakotherapie und nicht zwischendurch mal 3 Citalopram.
Was hast du für eine Therapie gemacht? Versuch mal einen Wechsel der Therapierichtung, also von Verhaltenstherapie zu einer psychodynamischen Behandlung oder umgekehrt.
Hast du mal Probiert eine Gruppentherapie zu machen? Vor allem bei den Geschilderten Problemen in der Kommunikation fände ich das recht sinnvoll.
Zur Info:
http://www.psychotherapiesuche.de/psychotherapie
http://www.psykreuzberg.de/html/analytische_gruppenpsychothera.html

Alles Gute und packs an, Psychotherapie macht Angst und daher gibt es tausend Gründe keine zu beginnen :-)

Gruß

Jana.
27.11.2011, 12:36
Hallo,

kann Dich gut verstehen, hab zwar nicht so stark depressive Episoden, nehme aber auch schon seit Jahren Antidepressiva und hab das Studium damit mehr oder weniger gut überstanden. Dazu kommt, daß ich meinen größten Wunsch Unfallchirurgin zu werden aus gesundheitlichen Gründen aufgeben mußte.
Arbeite jetzt seit 3 Monaten in der Inneren-meinem Haßfach! Aber ein Jahr Innere kann man ja auch für viele andere FÄ anrechnen lassen. Wie´s bei mir weiter gehen soll- ich habe keine Ahnung.
Was ich Dir nur aus eigener Erfahrung raten kann: Such Dir eine Stelle in der Nähe! Ich bin weit weg gegangen, kenne hier niemanden, habe Heimweh und fühle mich soooooo alleine. Die Kollegen hier sind zwar super nett, aber nach Feierabend wirds schlimm. Bleib manchmal länger in der Klinik nur um nicht alleine zu sein. Zu den wenigen Freundinnen von Früher besteht nur noch Kontakt per Mail und Tel. . Am WE mal kurz hinfahren-dazu ist der Weg zu weit.Sehe sie erst im Januar wieder. :-((
Das mit nem neuen Therapeuten suchen ist hier auch nicht einfach,hab noch nicht mal nen Hausarzt.
Vor der Verantwortung hab ich glaub ich genau so viel Angst wie die Meisten hier, Kommunikation ist auch gar nicht mein Ding. Und die Patienten kommen mit ihren Problemen auch noch ausgerechnet lieber zu mir als zu meiner Kollegin- als ob ich alles psychiatrische anziehe?! Ich glaub meine Oberärztin hat schon was gemerkt, obwohl ich niemanden von meinen Problemen erzählt habe.
War jetzt 3 Tage zur Fortbildung, meine Kollegin hat das Ärztezimmer weihnachtlich geschmückt- mir graut vor morgen- hab grad gar kein Interesse an Weihnachten! Wenns nur schon vorbei wäre!

Gruß und Alles Gute

abcd
27.11.2011, 13:51
Wie schaut´s aus mit staatlicher finanzieller Unterstützung (Grundsicherung für Arbeitssuchende etc.)?