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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 15jährige Diabetikerin mit Luftnot



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RS-USER-philipp
10.05.2003, 11:52
So, dann wieder ganz einfache Rettungsdienst-Geschichten, wo auch die Anfänger mitspielen dürfen. ;-)

Nach einem recht harmlos klingenden Notruf "Meine Tochter, 15 Jahre und Diabetikerin, kriegt schlecht Luft. Heute Vormittag war aber eh der Arzt da" schickt die Leitstelle einen KTW an den Notfallort.

Nach etwa 25 Minuten Anfahrtszeit (letzes Dorf, letzter Winkel) seht ihr die Mutter auf der Straße bereits Winken und euch entgegenrufen.

Mädchen liegt in Seitenlage am Bett und ringt nach Luft.

Sodala, wie gehts nun weiter... ihr hab zwei Rettungssanitäter und eine KTW-Ausrüstung (aber keine Medikamente und in dem speziellen Fall leider auch kein Pulsoxy)...

RS-USER-DerDings
10.05.2003, 13:14
Ist sie ansprechbar ? (wenn nein in seitenlage lassen und NEF nachfordern, wenn ansprechbar dann: )
Beengende Kleidungsstücke öffnen, evtl Oberkörper hoch (je nach belieben der patientin).
Atmenfrequenz ?
Wie sieht die Hautfarbe aus ?

und dann erst mal wieder die übliche Fragerunde ;)

Wie lange hat sie schon atembeschwerden ?
Wie plötzlich ist es aufgetreten ?
Hat sie probleme/schmerzen nur beim Einatmen, oder auch beim ausatmen ?
Kommen die probleme von einem Druckgefühl auf den Thorax oder ist die atmung beschwerdefrei, bis auf einen scheinbaren 02 mangel ???
und, was hat der hausarzt gesagt ? (damit wir mal wissen was wir ausschließen können ;))

dann hol' ma' noch den O2 koffer vor und laßen dezente 6l/min laufen und dann schau'n mar weiter

RS-USER-philipp
10.05.2003, 14:20
Sie ist ansprechbar, antwortet auf Frage wie es ihr gehe mit knappem "koa Luft", da Sprechen beim Luftschnappen behindert. So wie sie dalag wars ihr am liebsten. Wir haben mal Sauerstoff 6l gegeben (bein gleich mit Koffer ins Haus), versucht, sie zu langsamer und tiefer Atmung zu bewegen und dann Fragerunde begonnen, zu deinen Fragen also:

Haut etwas blass, Beine und Arme sehr kalt, ganz wenig feucht.

Die Tochter kann kaum reden, die Mutter erzählt. [sinngemäß] "Am Vormittag waren wir bei unserem Arzt, der hat ihr irgendwelche Medikamente gegeben, a Infusion hats kriegt. Und wie wir dann zuhaus waren, hat sie plötzlich gespieben, danach hat sie immer weniger Luft gekriegt, und weils jetzt so schlimm war, haben wir dann die Rettung gerufen. Wir wollten ja schon selber fahren, aber wir wissen ja, dass es drauf ankommt, dass Hilfe da ist, und nicht, dass wir schnell im Krankenhaus sind. Die Medikamente da hat sie gekriegt." Ich hab die Medikamente einkassiert und Mama fürs Rettung-rufen gelobt.

Der Bauch tut sehr weh, und Seitenstechen kriegt sie vom Atmen, immer auf der oberen Seite (Sie liegt in Seitenlage), dh alle 3 Minuten Seitenwechsel.

Atemfrequenz in der Gegend um 50, ziemlich schnelles "nach-Luft-schnappen".

Der Hausarzt hat nichts gesagt, der hat sie wegen was anderem behandelt, das weiß aber keiner so genau.

So, wollt ihr noch was wissen, oder wollt ihr einladen?

RS-USER-Claudi
10.05.2003, 15:18
Würd mich jetzt scho intressieren, was genau das Mädel beim Arzt morgens bekommen hat. "Übliche" Medikamente, oder irgendwas, was sie vorher noch nie hatte und wo sie jetzt vielleicht etwas allergisch drauf reagiert? Vielleicht mal dezent beim Hausarzt nachfragen, während man das Mädel einpackt und ins Krankenhaus bringt. Ist eigentlich NA vor Ort? Für falls es schlimmer wird mit Luftnot???

RS-USER-philipp
10.05.2003, 15:26
Medikamente hat sie vorher noch nie bekommen, wogegen weiß die Mutter nicht, Hausarzt nicht erreichbar.

Notarzt hat noch keiner von euch vorgeschlagen... (und RR wollt auch noch keiner wissen?

RR war auf jeden Fall 120, ich hab auch auf allergische Reaktion getippt und den NAW nachgefordert.

RS-USER-DerDings
10.05.2003, 15:27
wie sehen die halsvenen aus ?
sicherheitshalber noch RR und HF messen,
wie siehts mit dem zucker aus ?

RS-USER-DerDings
10.05.2003, 15:29
ah, mist, zu spät... ;)

wußte die mutter nicht was für medikamente ihrer tochter gegeben wurden ? und weshalb ???

was meinte der NA dazu ?

RS-USER-philipp
10.05.2003, 15:42
Halsvenen hab ich nicht angeschaut (zu meiner Information: was hätt ich dort sehen können?)

HF war 120, sehr flach
RR ebenfalls 120

Zuckermessen können wir nicht im KTW (aber jeder Diabetiker hat ein BZ-Messgerät zuhause, doch daran haben wir leider in dem Fall nicht gedacht).

Ja also, was kam heraus... wir sind dem NAW entgegengefahren und es wurde immer schlimmer, Bewusstsein immer mehr eingetrübt...

Durch die Medikamentenstory, die die Mutter sehr offensiv gebracht hat, dachten anfangs alle (auch NAW-Leute) an allergische Reaktion. Tatsächlich wars eine "normale" Ketoazidose, BZ war auf nahezu 400, das Mädel hat selber kurz vor unserem Eintreffen zwei Mal gemessen, nur uns das leider nicht mitgeteilt (und der Mama auch nicht)...

Doch warum war der BZ so hoch? Nun, da spielen wieder die Medikamente mit (welche es waren, sorry, keine Ahnung), auf die hinauf hat sie sich nämlich mehrmals übergeben. Nach dem Übergeben hätte sie Insulin nachspritzen müssen, was sie aber nicht getan hat...

Was lernen wir daraus? Wenn ein Diabetiker was hat und ihr nicht Zuckermessen dürft, er hat ein Zuckermessgerät zu Hause... und soll sichs selber messen... und wir sollten uns nicht von anderen Stories ablenken lassen, dass wir nicht mehr an den Zucker denken. ;-)

RS-USER-DerDings
10.05.2003, 15:52
1.) BZ messgerät haben wir auch nicht auf dem KTW (RTW auch nicht, nur NAW und NEF) aber wie du schon gesagt hast, ein diabetiker müßte das selber machen könne, bzw ihre mutter (zur not mach ichs auch selbst wenn so was vorliegt )...

2.) Halsvenenstauung ist ein zeichen für eine vorliegende rechtsherzinsuffizienz, hätte mitunter der grund für die atemnot sein können...

ehm... das seitenstechen, das kam rein von der tachypnoe, oder ?

RS-USER-philipp
10.05.2003, 15:56
Die NAW-Sanitäterin, mit der ich nachher noch getratscht habe, hat gemeint, dass das Seitenstechen von der Tachypnoe kam, die Bauchschmerzen seien Phantomschmerzen duch die Hyperglykämie gewesen.

Und im übrigen wurden wir fürs NAW-holen gelobt, 20 Minuten ins Krankenhaus hätten nämlich unter Umständen auch im hyperglykämischen Koma enden können...

RS-USER-Matze
27.05.2003, 16:13
Nuja, der hohe BZ könnte schon von den Medis herrühren, je nachdem was der HA gegeben hat. Vor allem die Infusion hätte mich interessiert.

Die letzten BZ-Werte wäre mir seeeehr seeehr wichtig gewesen, ebenso die Frage nach der letzten Mahlzeit. Warum gibt's keine Haemo-Clucotest auf euren Koffern? Würde ich meinen Leutz bei jeder San-Betreuung mitgeben.

Der NAW war hier das Mittel der wahl, auch entgegenfahren war ok.

RS-USER-Sventilator
27.05.2003, 16:21
das verwundert mich jetzt auch das ihr kein BZ-Gerät auf dem KTW bzw. auf dem RTW dabei habt. Das ist doch meiner Meinung nach Standarddiagnostik.

Gibts da Gründe für?

RS-USER-Hoffi
27.05.2003, 16:23
Ist doch die alte Geschichte mit den Ösis, die schaffen das einfach nichtdiese Geräte zu benutzen. ;)

RS-USER-Matze
27.05.2003, 16:26
Hatte auch überlesen, dass Phillip Östreicher ist. Sowiet ich weiß gibt's BZ-Messgeräte dort nur auf den übergroßen, mördermäßig ausgestatteteten VW-T4-NAW's... Aber es hat ja bei den Diabetikern doch shcon öfters jemand sowas zur Hand, oder man kann eben nach den letzten Messwerten fragen. Schon allein deshalb, weil man ne bewußtlose Patientin im KH evtl. nicht mehr danch fragen kann....

RS-USER-Sventilator
27.05.2003, 16:26
ist wahrscheinlich nur Notfallsanitäter in Not- bzw. Regelkompetenz erlaubt ;)

SaniRambo
28.05.2003, 10:40
Eigentlich nichtmal denen.

Blutzuckermessen ist per Definition eine Infasive Maßnahme und
darf daher vom Sanitäter nicht durchgeführt werden.

Mach ich es trozdem, ist es Körperverletzung.

Kein Witz, is bei uns wirklich so. Begründung der Beführworter
des Ist-Standes:

Der Sani kann davon eh keine Therapie ableiten.......

SCHWACHSINN!!!

DerBlinde
28.05.2003, 10:46
Das ist in Deutschland, Österreich, überall auf der Welt so, daß es eine vorsätzliche Körperverletzung darstellt.
Allerdings wird aufgrund des Einverständnisses des Patienten von einer Strafverfolgung abgesehen (die sonst u.U. selbstständig durch die Staatsanwaltschaft eingeleitet würde, wegen eines öffentlichen Interesses. Es muß nämlich nicht immer nur ein Kläger da sein... ;))

RS-USER-Matze
28.05.2003, 11:33
Also, bein Patieneten, der bei Bewußtsein sit ist natürlich dieser über die Maßnahme aufzuklären. Ist er nicht einverstanden, werde ich es auch nicht tun. Beim bewußtlosen Patienten gehe ich von seinem Einverständnis aus, bzw. davon, das er Aufgrund der bedrohlichen Umstände eingewilligt hätte, hätte er gekonnt.

Ich stimme jedoch auch zu, dass BZ-Messung nicht immer sein muss nur um des Messens willen. Gleiches Argument könnte man dann ggf. auch für z.B. EKG-Monitoring oder SpO2-Messung durch RH/RS/RA ins Felde führen.

Dennoch gibt es IMHO Situationen, in denen mich die Zusätzliche Information über den BZ des Patienten in meinen Denkabläufen beschleunigen und somit Entscheidungen im Sinne des Patienten schneller getroffen werden können. Und, je mehr ich weiß, um so besser kann ich helfen.

Wie dem auch sei, in diesem konkreten Fall hätte es, selbst wenn ich selbst nicht messen kann/darf/will bestimmt nicht geschadet, die Patientein oder die Mutter nach dem letzten Messergebis zu fragen.

SaniRambo
28.05.2003, 13:20
Ich muss euch beiden zustimmen.

Aber glaubt mir, bezüglich EKG und SPO2 Messung gibts die gleichen Diskussionen.

Mit der Zeit wird einem dass einfach zu blöd und man macht, was man für richtig hält.

Mag einfach nicht mehr darüber diskutieren.

RS-USER-Sventilator
28.05.2003, 13:33
das ist immer diese Sache mit der Theorie und der Praxis.

Ich denke, daß nichts dagegen spricht den Blutzucker zu messen wenn das auch Sinn macht, außerdem kläre ich den Patienten über alles auf was ich so an und mit ihm mache. Und wenn er mir sagt "mog i net" dann lassen wir es eben. Eine BZ-Messung ist zwar offiziel eine invasive Maßnahme und ne Körperverletzung aber ich glaube da würde jeder Staatsanwalt oder Richter lachen wenn dich jemand im nachhinein verklagen wollte.